Weihnachten Muslime + Christen

Aus der Bibel

Nach Übersetzung Martin Luthers.

Das Evangelium nach Lukas 1.

Die Ankündigung der Geburt Jesu.

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt und in einer Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war mit einem Mann mit dem Namen Josef, vom Hause David und die Jungfrau heißt Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Sei gegrüßt du Begnadete! Der Herr ist mit dir!“ Sie aber erschrak über die Rede und dachte welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria du hast Gnade bei Gott gefunden.“

„Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein. Und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben.Und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zudem Engel: „Wie soll das zu gehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Der Engel antwortete und sprach zu ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“

Jesu Geburt.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt wurde. Diese Schätzung war die allererste und geschah zurzeit, da Quirinus Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auch Joseph aus Galiläa auf, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land der Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie dort waren kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihm in eine Krippe: Denn sie hatten keinen Raum in der Herberge gefunden, und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hütten, die hüteten des Nachts ihre Schafe.

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie: und sie fürchteten sie sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, wie allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Aus dem Koran

Aus dem Buch „Koran erklärt“ – Herausgeber von Willy Stoll – Suhrkamp Verlag – Sendung des Deutschlandfunks.

Jesus und seine Geburt. Teil 1

Und gedenke im Buch der Maria:

Da sie vor ihren Leuten sich an einem Ort im Osten zurück zog und sich von ihnen abschirmte.

Da sandten wir unseren Geist zu ihr. Der trat als Mensch wohlgestaltet vor sie hin.

Sie sprach: „Siehe, ich suche meine Zuflucht vor dir bei dem Erbarmer, sofern du gottesfürchtig bist.“

Er sprach: “Ich bin der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Knaben zu schenken!“

Sie sprach: „Wie soll ich einen Knaben bekommen, da mich noch kein Mann berührt hat und ich auch keine Dirne?“

Er sprach: „So spricht dein Herr: Das ist für mich ein Leichtes.“

Sure: 19/16 – 21

Kommentiert von Professor i.R. Dr. Hartmut Bobzin.

So wie im gesamten Koran nur relativ wenige Personen namentlich erwähnt werden, nehmen Frauen darunter einen besonders geringen Anteil ein. Von insgesamt 10 Frauen wird nur eine einzige bei ihrem Namen genannt – das ist Maria.

Die Mutter Jesu genießt nicht nur in vielen christlichen Ländern eine besondere Verehrung, sondern auch in Ländern, in denen der Islam die dominierende Religion ist. Dort bringen auch muslimische Mütter ihre kleinen Kinder zu Marienheiligtümer, um sie dort segnen zu lassen, eine eindrucksvolle Demonstration eines friedlichen Miteinanders zwischen – wie ich es selber in Ägypten erlebt habe -koptischen Christen und Muslimen.

Anders gesagt: Marienverehrung – das ist ganz und gar nicht allein eine Angelegenheit der Christen. Und ein Blick in den Koran bringt da Erstaunliches zutage. Wenn Jesus, der im Islam als der letzte Prophet vor dem Auftreten von Mohammed gilt, wird mehrfach als der „Sohn der Maria“ bezeichnet, insgesamt 22 mal, das ist insofern ungewöhnlich und insbesondere Weise bemerkenswert, als Männern üblicherweise der Vatername hinzugefügt wird. Also zum Beispiel: Mohammed Ibn Abdallah, das heißt Mohammed der Sohn des Abdallahs. Dementsprechend müsste Jesus, der von Muslimen gemäß dem Koran Isa genannt wird, folgendermaßen tituliert werden: Jesus, der Sohn des Josefs, auf Arabisch also: Isa Ibn Jusuf.

In unserer Koranpassage heißt es nun, Maria habe sich an einem Ort im Osten zurückgezogen. Wo man sich in diesen Ort geographisch genau vorzustellen hat, wird nicht gesagt. Für die Erzählung ist von Bedeutung, dass es die Himmelsrichtung des Tagesanbruchs ist – also da etwas Neues anbricht. Und es wird gesagt, dass Maria allein sein will, da sie jedenfalls vor allem nichts mit ihrer Verwandtschaft zu tun haben will – oder noch drastischer ausgedrückt, nichts mit ihrem Klüngel.

Dann geschieht etwas Überraschendes. Ein Mensch, wohlgestaltet tritt vor ihr hin. Von einem Engel – wie im neuen Testament -ist interessanterweise nicht Rede. Maria ist so erschrocken, dass sie Gott als ihren Beschützer anruft. Ohne Umschweife gibt sich daraufhin der Geist, wie er im Koran wörtlich heißt, als Gesandter Gottes zu erkennen und verkündet Maria die Geburt eines lauteren beziehungsweise eines reinen Knaben. Worin diese Reinheit besteht wird nicht gesagt. Die Auslegung ist hier Tür und Tor geöffnet.

Die Antwort Maria auf die Ankündigung dieses Gottesboten könnte nüchterner nicht sein: „Wie soll das möglich sein, da ich doch gar nicht mit einem Mann in Berührung gekommen bin?“ Umso überraschender ist auch die Antwort des Boten. Er sagt: „Nicht leichter als das.“

Die Geburt Jesu ist also, so muss man die knappe Ausdrucksweise deuten, kein Wunder, sondern ein ganz normaler Vorgang. Jesus, der Sohn Marias, ist Mensch – nicht mehr und nicht weniger.

Jesus und seine Geburt. Teil 2

Sie wurde mit ihm schwanger und zog sich zurück mit ihm an einem weit entfernten Ort.

Da überkam sie am Stamm der Palmen Wehen. Sie sprach: „Weh mir! Ach, wäre ich doch vorher schon gestorben und ganz und gar vergessen!“

Da rief es ihr von unterhalb der Palme zu:“Bekümmere dich nicht! Dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen: Rüttele an den Stamm der Palme – hin zu dir, damit sie frische Früchte auf dich fallen lasse! Dann iss und trink und sei guten Mutes! Wenn du dann irgendeinen Menschen siehst, so sprich: Siehe, Ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; daher kann ich heute zu keinem Menschen sprechen“

Dann kam sie, mit ihm, ihn tragend, zu den Ihren.

Sie sprachen: „Maria, da hast du etwas Unerhörtes getan!

Schwester Aarons, dein Vater war doch kein unzüchtiger Mann und deine Mutter keine Dirne.“

Da deutete sie auf ihn.

Sie sprachen:“Wie sollen wir zu einem sprechen der noch ein Kind in der Wiege ist?“

Er sprach:“ Ich bin der Knecht Gottes. Er gab mir das Buch und machte mich zum Propheten.“

Sure 19, 22-30

Die Koranpassage beschreibt, was geschah, nachdem Maria die Geburt ihres Sohnes Jesu angekündigt worden war.

Als ich zu Weihnachten 1977 von einem palästinensischen Freund, einen Muslim, eine Weihnachtskarte bekam, auf der eine Palme mit Maria und dem Jesuskind zu sehen war, wunderte ich mich -hatte ich mich bis dahin doch kaum mit dem Koran beschäftigt.

Da hört sie eine Stimme. Und hinter hier ist der Koran Text nicht eindeutig. Die heute vertretene Deutung meint, dass es die Stimme des Jesuskindes ist. Das erscheint mir aber nicht zwingend. Denn die darauffolgende Aufforderung kann eigentlich nur von Gott kommen: Maria soll nämlich an diesem Tag, wenn sie einen Menschen sieht, sagen, sie fasste und könne daher nicht sprechen.

Als sie schließlich mit dem neugeborenen Kind zu den Ihren zurückkehrt, muss sie sich Vorwürfe anhören. Sie schweigt und deutet nur auf das Neugeborene Jesuskind. Die Angehörigen sind erstaunt. Und nun geschieht das Wunder: Das Kind in der Wiege spricht. So enthält die muslimische Weihnachtsbotschaft bereits einerseits die Ankündigung des Buches, also eine heilige Schrift und andererseits die Berufung des Kindes Jesus zum Propheten, wie der Satz:

„Ich bin der Knecht Gottes,“ erkennen lässt.

Das Wunderbare dieses Geschehens wird durch die geradezu feierliche Schlussversen 31 – 33 der Suche 19 unterstrichen.

Er verlieh mir Segen, wo immer ich auch war, und trug mir das Gebet auf und die Armensteuer, solange ich am Leben bin. Und Ehrerbietung gegen meine Mutter. Er machte mich zu keinem elenden Gewaltmenschen. Und Friede über mir am Tag, da ich geboren wurde, am Tag, an dem ich sterben werde, und an dem Tag, da ich erweckt zum Leben auferweckt werde!

So ist die muslimische Weihnachtsbotschaft ein klares Wort über die menschliche Natur Jesus, über seine wundersame Empfängnis durch den Geist Gottes und die nicht minder wundervolle Gabe des Kindes schon in der Wiege reden zu können.

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