Gebetszeiten Februar/März 2018

22. September 2017

03-1März2018

10 Jahre – das Vereinsheim des Bürgervereins Lülsdorf und Ranzel

18. Februar 2018
Vor 10 Jahren wurde das Benefizium in der Burgstraße von der kath. Kirche gekauft und als Vereinsheim hergerichtet. Bilder aus der alten Webseite zeigen, wieviel ehrenamtliche Arbeit in die Renovierung dieses Hauses geleistet wurde.

Das Benefizium 10Das Benefizium 10-2Das Benefizium 10-3

Von 2006 bis 2016 habe ich die Webseite des Bürgervereins gestaltet und auf den neuesten Stand gebracht. Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Nach den Neuwahlen 2016 wurde die Webseite abgemeldet und durch diese ersetzt.

BV-01

http://bv-luelsdorf-ranzel.de/

Meine Gedanken zur Scharia!

17. Februar 2018

Scharia

von Elisabeth Mariam Müller,

Gesetze: Islamisches Recht ist alles andere als starr.

Es lasst Spielraum für Interpretationen

In der Wüste auf der Arabischen Halbinsel ist der Weg zur Wasserstelle der Weg zum Leben. Zu Zeiten des Propheten Mohammed vor rund 1600 Jahren wie heute ist in dieser unwirtlichen Gegend jeder dem Tod geweiht, der ihn nicht kennt. Im Arabischen gibt es für den „Weg zur Wasserstelle“ ein einfaches Wort: Scharia.

Der „Weg zur Wasserstelle“ ist für Muslime im übertragenden Sinn also nicht nur der Weg zum Leben, sondern der Weg zu Gott.

Wer die Vorschriften der Scharia achtet, der lebt ein Leben nach den Regeln des Allmächtigen. Er kann auf Rettung hoffen, selbst in trockensten Zeiten. So weit, so einfach.

Doch längst ist das Wort „Scharia“ zu einem Kampfbegriff geworden, in dem es um viel mehr geht. Wenn muslimische Extremisten in Pakistan oder Afghanistan die Scharia einführen wollen, dann suchen sie nicht den Weg zur Wasserstelle und zu Gott.

Der Ruf nach der Scharia ist Symbol für ihren Griff nach der Macht und ihren Kampf gegen die Moderne und die Einflüsse des Westens.

Das „Gesetz Gottes“ wenden sie in simplifizierter Form an. Es manifestiert sich in der Unterdrückung der Frau und archaischen Strafen: Hand abhacken bei Diebstahl, Steinigung bei Ehebruch. Fatalerweise ist es den Extremisten gelungen, die Interpretationshoheit über die Scharia zu gewinnen. Als Scharia gilt, was sie zur Scharia erklären. Abweichler werden des Abfalls vom Glauben bezichtigt.

Daher ist die Scharia längst nicht auf wenige, einfache und brutale Strafen zu reduzieren.

Im Gegenteil:

Sie ist ein komplexes Gebilde, über das sich Gelehrte in verschiedenen Teildisziplinen der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) seit Jahrhunderten streiten. Aus der Scharia als von Gott geoffenbarte Ordnung ergibt sich beileibe kein starres, kodifiziertes und unveränderliches, geschweige denn ein in der islamischen Welt einheitliches Recht.

 

Die Scharia beruht zwar unter anderem auf dem Koran, die die Muslime als das vom Menschen unbeeinflusste Wort Gottes betrachten. Doch sind in dem Heiligen Buch nur wenige Normen und Regeln zu finden, die keiner Interpretation des Menschen bedürfen.

Vieles bleibt offen, vage oder ist gar nicht erwähnt. Selbst wenn eine Regelung eindeutig formuliert ist, bleibt häufig unklar, unter welchen Bedingungen sie gilt.

 Hier müssen die muslimischen Rechtsgelehrten mit eigener intellektueller Anstrengung zu Antworten kommen.

Auch wenn häufig das Gegenteil behauptet wird:

Das islamische Recht ist durchaus vom Menschen gemacht. Es kann sich deshalb auch an veränderte politische und gesellschaftliche Verhältnisse anpassen.

Manche Islamwissenschaftler sagen sogar: Die Regeln der Scharia sind immer so modern und so konservativ wie diejenigen, die das Wort Gottes auslegen.

So gibt es in der islamischen Welt ganz unterschiedliche Rechtstraditionen. Deutlich sind etwa die Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten.

In der sunnitischen Rechtswissenschaft wiederum bildeten sich seit dem achten Jahrhundert n. Chr. vier große Rechtsschulen aus: die Hanafiten, die Malikiten, die Schafiten und die Hanabiten, jeweils benannt nach ihren Gründern. Weil sie unterschiedlichen Lehrsystemen folgen, kommen sie teilweise zu völlig unterschiedlichen Reglungen.

Das islamische Recht erhebt den Anspruch, nicht nur die Religion und ihren Ritus zu regeln, sondern alle Bereiche des menschlichen Lebens. Es befasst sich folglich mit Erbrecht, Ehe- und Familienrecht, Wirtschaftsrecht ebenso wie mit Straf-, Staats- und Verwaltungs- und Völkerrecht.

Dabei bewegen sich die Gelehrten nicht in einem luftleeren Raum, sondern sind an genau definierte Rechtsquellen gebunden. Fraglos ist der Koran der wichtigste dieser Quellen.

Beinahe ebenso bedeutend ist die Sunna, also die Worte und Taten des Propheten Mohammed, die als Vorbild gelten.

Beide Rechtsquellen sind für die Gelehrten jedoch mit erheblichen Problemen verbunden. Im Koran zum Beispiel ist die Mehrheit der Regeln und Normen nicht nur mehrdeutig festgelegt – teilweise sind sogar gegensätzliche Vorschriften zu finden.

So wird die Eigenschaft des Weins in Sure 16 gepriesen, während er in Sure 5 als „Gräuel von Satans Werk“ bezeichnet wird.

In solchen Fällen müssen die Rechtswissenschaftler entscheiden, welcher Vers einer Sure einen anderem abrogiert, also ungültig macht, zum Beispiel weil er Mohammed von Gott nach Auffassung muslimischer Experten später offenbart wurde.

So diskutieren die Rechtsgelehrten sehr lange die Frage, ob Alkohol generell oder nur Traubenwein verboten ist.

Widersprüchlich sind in vielen Fällen auch die Worte und Taten des Propheten.

Die Sunna wirft darüber hinaus noch ein ganz anderes Problem auf. Weil ihr ein so hoher Stellenwert eingeräumt wird, entwickelte sich eine aktive Fälscherindustrie, die erdachte Überlieferungen aus dem Leben Mohammeds in Umlauf brachte, um die eigene Meinung möglichst hieb- und stichfest zu untermauern.

Um diesem Problem Herr zu werden, entwickelte sich eine besondere Disziplin, die sich damit beschäftigt, „falsche“ von „richtigen“ Überlieferungen zu unterscheiden.

Eine Prophetentradition gilt nur dann als „wahr“, wenn die Überlieferungskette (Isnad) lückenlos ist und die einzelnen Überlieferer zuverlässig sind. Es liegt in der Natur des Menschen, dass die Gelehrten auch in diesem Fall zu sehr unterschiedlichen Ansichten gelangen.

Zwei Fachleute, drei Meinungen – dieses abfällige Urteil über die Konsensfähigkeit der Experten ist (nicht nur) unter Muslimen weitverbreitet.

Dies gilt umso mehr, da Koran und Sunna längst nicht ausreichen, um das Leben der Muslime umfassend zu regeln.

Beide Rechtsquellen können nur schwerlich beantworten, ob eine Frau Auto fahren darf, wie es in Saudi-Arabien diskutiert wurde. Gestützt auf Koran und Sunna gilt deswegen der Konsens der Rechtsgelehrten (Idschma) als weitere Rechtsquelle.

Dabei stellt sich jedoch die Frage, welche Experten überhaupt übereinstimmen müssen, und wie ein Konsens festgestellt wird. Eine eindeutige Antwort lässt sich nicht finden. Einen „Konsens“ über den Konsens gibt es nicht. Um zu gottgefälligen Normen und

Regeln zu kommen, dürfen sich die Rechtsgelehrten auch des Analogieschlusses bedienen – die Regelung eines Falles darf auf einen anderen übertragen werden, soweit die beiden Fälle vergleichbar sind. Das Gewohnheitsrecht spielt ebenso eine Rolle, jedenfalls wenn es anderen Rechtsquellen nicht widerspricht. Auch regional unterschiedliche Bräuche fanden Einzug in das islamische Recht.

Vor allem in den frühen Jahren des Islam – als sich die verschiedenen Rechtschulen herausschälten – war es unter den Rechtsgelehrten gang und gäbe, durch eigene intellektuelle Leistungen zu Regeln zu kommen. Idschtihat nennt sich dieses eigenständige Räsonnement in der arabischen Fachsprache.

Je mehr sich jedoch die Rechtsschulen ausformten und auch in Konkurrenz zueinander standen, desto bedeutender wurde seit dem 10 Jahrhundert der „Taqlid“. Die mehr oder minder kritiklose Übernahme der Entscheidungen, die die Rechtsautoritäten bis dahin gefällt hatten.

Das „Tor des Idschtihad“ schloss sich.

Umstritten unter Islamwissenschaftler ist jedoch bis heute, ob es gänzlich verrammelt war. Die islamische Reformbewegung, die sich im 19. Jahrhundert entwickelte, versuchte mit einigem Erfolg, es wieder aufzustoßen.

Islamische Reformer berufen sich heute im Wesentlichen auf den Idschtihad. Sie argumentieren, das islamische Recht müsse den Gegebenheiten der modernen Welt angepasst werden. Sie stoßen dabei auf heftigen Widerstand der Anhänger des Taqlid, die sich als Lordsiegelbewahrer der Tradition geben

 

Meine Aktivitäten in der Moschee Niederkassel 2003 – 2011

15. Februar 2018

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MUSLIMISCHE FEIERTAGE 2018

11. Februar 2018

Muslimische Feiertage Blatt 1Muslimische Feiertage Blatt 2Muslimische Feiertage Blatt 3Muslimische Feiertage Blatt 4Muslimische Feiertage Blatt 5

Lebensweg

6. Februar 2018

​Von der Genossin zur Muslima
Muslima ohne Kopftuch

Elisabeth Mariam Müller

Elisabeth Müller ist 2002 zum Islam übergetreten. Seitdem musste die frühere Katholikin gegen viele Widerstände ankämpfen. Heute betreibt sie Aufklärungsarbeit für ihre neue Religion und erklärt welche Gemeinsamkeiten die drei monotheistischen Religionen verbindet.

Bruch mit der katholischen Kirche

Ein Blick in Müllers Vergangenheit lässt allerdings staunen, dass gerade sie zum Islam gefunden hat. Als Kind sei sie „fundamentalistisch“ katholisch erzogen worden. Doch bereits 1972 wandte sie sich ab von ihrer alten Religion. Vor allem die Haltung des Vatikans das Verbot von Verhütungsmitteln in der Welt wollte sie nicht mehr mittragen: „Das ist in meinen Augen Mord“, sagt Müller. Seitdem sei sie immer auf der Suche nach ihrer Religion gewesen.

Durch ein Seminar an der Universität Bonn ist sie dann auf den Islam aufmerksam geworden. Sie war schließlich eine von acht, die ihr Islaminteresse zum festen Glauben machen wollten: „Irgendwann hab ich gemerkt, das ist das Richtige, die Religion des Friedens, der Liebe, der Barmherzigkeit“, erklärt Elisabeth Müller. Auch das Fehlen eines obersten Verantwortlichen wie dem katholischen Papst faszinierte sie.

Keine Akzeptanz von den Parteigenossen

Sie war zur Zeit der Konversion Mitglied des Rates der Stadt Niederkassel für die SPD, hier bekleidete sie hohe Ämter, war über 15 Jahr stellvertretende Fraktionsvorsitzende – Geschäftsführung und davor über 10 Jahre stellv. Vorsitzende des Ortsvereins.

Im Jahr 2002 sprach sie ihr Glaubensbekenntnis, behielt ihren Übertritt zum Islam zunächst aber für sich.
„Ich hab immer gesagt: Das ist meine ureigenste Sache, was ich glaube. Das geht niemanden etwas an.“
Nicht einmal ihrem Mann, einem Christen, hat sie sofort davon erzählt. Auch wenn der sie heute in ihrem Glauben unterstützt, war Müller besorgt, er würde versuchen, sie von ihrer Entscheidung abzubringen.

Dass diese Vorsicht angebracht war, zeigte sich in den Reaktionen ihrer Mitmenschen. Selbst die Genossen der SPD wollten Müllers Entscheidung nicht akzeptieren, als es im Jahr 2006 öffentlich wurde, dass sie sich zum Islam bekannte:
Alle Vorurteile trafen sie mit Härte. „Mit so jemandem könne man bei dem Frauenbild im Islam nicht zusammenarbeiten.“ Daraus hat Müller, nach 25 Jahren Mitgliedschaft in der SPD, Konsequenzen gezogen, ist sie ausgetreten. Ihren Sitz im Stadtrat hat sie bis zur Kommunalwahl Ende Oktober 2009 jedoch noch beibehalten.

Angriffe kontert sie mit links

Die Angriffe christlicher Mitmenschen kontert sie mittlerweile mit links: Abschottung, Frauenunterdrückung, Fundamentalismus – gibt es unter den Muslimen, das ist nicht zu leugnen. Aber hier hilft nur Aufklärung, viele Dinge werden aus Traditionen vollzogen und haben eigentlich mit dem Islam nichts zu tun.
Aufklärung heißt auch, den Koran im Kontext seiner Zeit zu lesen und zu verstehen und ihn in unsere Zeit zu holten.
Sie selbst bedeckt ihr Haar ausschließlich zum Beten, weil sie sich damit besser konzentrieren könne.
Das Symbol Kopftuch hält sie für überbewertet. Und trotzdem zollt sie den Muslimas Respekt, die das Kopftuch selbstbewusst tragen, entgegen aller Widerstände: „Ich hab das mal zwei Tage lang gemacht, bin mit Kopftuch in Bonn einkaufen gegangen und hab dann gemerkt, wie man behandelt wird. Das ist grausam.“

In der muslimischen Gemeinde in Niederkassel wurde Müller 2002 mit offenen Armen aufgenommen.

Sie ist dem Liberal islamischen Bund e.V. beigetreten und steht hinter diesen Grundsätzen.

Was ist der Liberal Islamische Bund

Im Frühjahr 2010 hat sich der Liberal-islamische Bund e.V. gegründet und wurde am 27. Mai ins Vereinsregister Köln eingetragen.Als Repräsentant muslimischer Bürgerinnen und Bürger sieht sich der LIB e.V. in der Verantwortung, die mehrheitlich liberalen Positionen des in Europa vorherrschenden Islamverständnisses zu vertreten.
Der LIB e.V.  bietet allen Bürgerinnen und Bürgern ein Forum, die sich wertschätzend mit islamischen, interreligiösen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen wollen.
Er ist offen für einander widersprechende Blickwinkel im Sinne eines lernenden Selbstverständnisses zum Nutzen und zur Ermöglichung des gemeinsamen Erkenntnisgewinns.
Der LIB vertritt ein pluralistisches Gesellschaftsbild und bekennt sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dementsprechend lehnt der LIB jegliche Form von rassistischer, u.a. antisemitischer, antichristlicher oder antiislamischer Auffassung ab.
Der LIB tritt darüber hinaus unter anderem konkret ein für

  • eine unvoreingenommene Auslegung religiöser Schriften wie dem Koran auch unter Einbeziehung historischer und sozialer Kontexte
  • die umfassende Geschlechtergerechtigkeit, sowie deren pädagogische und theologische Umsetzung
  • die Einführung eines flächendeckenden islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache an öffentlichen Schulen

Mit der Gründung eines Bundes für die in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime ist der LIB e.V. Ansprechpartner und Ratgebender für Vertreter aus

  • öffentlichen Institutionen bzw. Verbänden
  • theologischen Gemeinden
  • politischen Gremien und Verwaltungen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene
  • schulischen, universitären und anderen Bildungseinrichtungen und der
  • Wirtschaft

Sie hat mit Rabeya Müller und anderen liberalen Muslimen, die Muslimische Gemeinde Rheinland gegründet. Diese Gemeinde trifft sich regelmäßig in den Räumen der Martin-Luther-Kirche in Köln Süd. Das gemeinsame Gebet ist der Höhepunkt, das von der Imamin Rabeya Müller geleitet wird.

Sie gibt Islamunterricht – Religionsunterricht – für Menschen, die die Verkehrssprache deutsch haben, mit Erfolg. Berät Familien in schwierigen Lagen und gibt Hilfestellung.
Die fünf muslimischen Gebete gehören zu ihrem Alltag, sowie auch das Lesen  im Koran. Sie inzwischen als ganz normale Muslima anerkannt.

Naja, so ganz normal ist sie dann doch nicht. Denn so viel Werbung hat in der rheinischen Kleinstadt wohl nie jemand für den Islam gemacht, allen Vorurteilen zum Trotz.

Autor: Moritz Schröder — Redaktion: Stephanie Gebert – Text von mir ergänzt.
  • „Dann schaute ich in mein Herz, und da, wo ER wohnte, da fand ich IHN. Sonst war ER nirgends zu finden.
  • „Ich schaute in mein eigenes Herz. An diesem Ort sah ich ihn. Er ist an keinem anderen Ort.“
  • „Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgends sonst zu finden.“

 

Rabeya Müller, die erste Imamin in Deutschland.

16. November 2017

Preis für einen weltoffenen Islam

ImaminRabeyaMueller

Gib eine Beschriftung ein

Die stille Heldin

Rabeya Müller macht kein Aufhebens um ihre Person. Sie ist Religionswissenschaftlerin, Imamin, Feministin und seit vielen Jahren Streiterin für einen liberalen Islam in Deutschland, der so recht nicht vorankommt

Setzt sie nach hinten, wie Allah sie nach hinten gesetzt hat.“

Rabeya Müller lächelt müde. Solche angeblichen Aussprüche des Propheten entlocken ihr nur noch ein vages Kopfschütteln. Für sie ist der Prophet Mohammed kein Frauenfeind. Deshalb steht sie auch irgendwelchen Hadithen – also überlieferten Aussagen des Religionsstifters zu Lebzeiten, die ein solches Bild belegen sollen – mehr als kritisch gegenüber.

„Das Traurige ist“, sagt die Imamin der MGR (Muslimische Gemeinde Rheinland), „dass viele die Schriften gar nicht kennen.“ Und schlimmer noch, die historischen Umstände und patriarchalischen Lebenswelten der Menschen nicht berücksichtigten, vor deren Hintergrund solche Niederschriften entstanden. „Das zu vermitteln ist immer wichtiger.“ Müller ist eine wirkliche Religionsgelehrte – und ja auch eine islamische Feministin der ersten Stunde, wie sie sich weltweit noch immer erst vorsichtig zusammentun. Lange bevor jedenfalls die Feministin und Rechtsanwältin Seyran Ates in Berlin sich der Religion zuwandte und im Sommer eine liberale Moschee gründete.

Der Aufschrei in der islamischen Welt um Ates war erstaunlich. Sogar die wichtigsten Gralshüter der Lehre in Kairo und Ankara ließen sich zu einer vernichtenden Fatwa (Rechtsgutachten) hinreißen und sprachen der kleinen Moschee die Legitimation ab. Vor allem aber dieser Frau, die es sich anmaßte, das Gebet zu leiten, gegen die offizielle Lesart des Koran. Ein Gebet, bei dem Männer und Frauen nebeneinanderstehen.

Das allerdings tut Rabeya Müller schon lange. Es ist Sonntagmittag und die erste Versammlung der liberal-islamischen Gemeinde in Köln nach einer längeren Pause. Treffpunkt ist wie immer der Konfirmandenraum der Lutherkirche am Volksgarten. Es wird ein Treffen zu viert – in einer ohnehin kleinen Gemeinde von 70 Personen. Hadi Schmidt-El Khaldi ist der Vorsitzende der Schar und sichtbar enttäuscht, dass es nicht wie sonst, wie er sagt, 30 Mitglieder werden. Auch Rabeya Müller selber hätte den ersten Termin fast vergessen. Lachend kommt sie herein, ein wenig vom Winde verweht, aber gleich in ihrer warmherzigen Art der Mittelpunkt.

Was ist anders hier als in Berlin? Eine evangelische Gemeinde als Gastgeber wie in der Hauptstadt. Ja. Aber kein Staatsschutz, keine sonnenbebrillten Bodyguards bewachen Müller oder die anderen. Kein Medien-Hype. Und doch sitzt auch hier eine Imamin der muslimischen Gemeinde vor – seit mehreren Jahren schon. Auch sie betet mit Männern. Allerdings mit Kopftuch, oder besser einem lockeren Tuch. Oder deutscher Michelsmütze, bei der der Hals bewusst unbedeckt bleibt. So als suche sie irgendwie den Kompromiss. Am Anfang wurde auch sie als Imamin angefeindet. Doch der große Bann blieb aus, weil die konservativen Verbände sie allenfalls für „irregeleitet“ halten. Aber gewiss nicht für einen Machtfaktor, den es zu bekämpfen gilt. Auch in Berlin hatte die große Erregung nichts mit der zahlenmäßigen Bedeutung der Gemeinde zu tun. Es war die Provokation, der Aufmarsch der Medien, der zählte. Seyran Ates ging es um die gezielte Infragestellung der Traditionalisten und Fundamentalisten. Es ging darum, den Orthodoxen die Deutungshoheit des Islam zu entreißen. Das war es.

Vergleichbares wollen allerdings auch die liberalen Muslime, die seit der Gründung des Liberal Islamischen Bundes (LIB) 2010 um die Aufmerksamkeit unter den dreieinhalb Millionen Muslimen in Deutschland ringen. Auf rund 300 Mitglieder haben sie es seitdem gebracht. Mehr nicht. Hat Müller dafür eine Erklärung? Offenbar, so scheint es, existiert jenseits der Konservativen und Fundamentalisten kein Bedarf. Müller: „Es gibt viele säkulare Muslime.“ Damit meint sie Muslime, die ihre Religion kaum praktizieren. Und deren Anteil steige. Zu einer beachteten Buchautorin mit regelmäßiger Medienpräsenz hat es immerhin die neben Müller zweite Mitbegründerin des LIB, die Religionspädagogin Lamya Kaddor, gebracht. Bedroht wird auch sie, aber überwiegend von rechts.

Und doch ist klar: Es gibt einiges, was die Liberalen von einer Seyran Ates Abstand nehmen lässt. In der Auffassung vom Islam wähnt man sich gar nicht so weit auseinander. Doch will niemand hier einen Schulterschluss. Und wer genau hinhört, kann hören, dass man einer Anwältin Ates die inhaltliche Kompetenz abspricht, für den liberalen Islam zu sprechen. Stattdessen sagt Schmidt-El Khaldi: „Das Laute ist nicht unsers.“ Anders als Ates, die die konservativen Verbände ausdrücklich für eine Gefahr hält, ihre Auffassung vom Islam für demokratie-, frauenfeindlich und desintegrativ, setzen die liberalen Muslime auf Kooperation. „Wir sind nicht gegen die konservativen Gruppen, wir gehen nur einen eigenen Weg und sind bereit zusammenzuarbeiten“, ergänzt Rabeya Müller. In der muslimischen Tradition habe es stets verschiedene Standpunkte gegeben. Das will man wieder klarmachen, diese Option verankern.

Dass die Konservativen das anders sehen, es bisher geschafft haben, dass sie allein als Ansprechpartner für die Politik gelten, ist für die kleine Schar der Liberalen empörend. Immerhin hatten Kaddor und Müller auf Basis ihrer theologischen Ausbildung Unterrichtsmaterial für den neu geschaffenen islamischen Bekenntnisunterricht beigesteuert. Aber in den Beirat für die Gestaltung der Lehrpläne und die Berufung der Islamlehrer wurden sie nicht geladen.

Für die Liberalen war das auch deshalb unverständlich, weil es sich bei den Verbänden in erster Linie um politische und soziale Interessenvertretungen handelt. Theologisch kompetente Ansprechpartner bei der türkischen Ditib, dem arabisch geprägten Zentralrat der Muslime oder beim Islamrat zu finden ist mühsam bis erfolglos. Von der neuen, CDU-geführten Landesregierung erhoffen sich die Liberalen, nun endlich auch als eine Stimme des Islam wahrgenommen zu werden.

Rabeya Müller ist ein eher leiser Mensch. Dass es sie nicht in die mediale Öffentlichkeit zieht, nimmt man ihr ab. Nach dem Abitur hat sie den Islam zu ihrer Religion gewählt und ist vom Katholizismus konvertiert. Nicht der Liebe wegen, eines muslimischen Mannes also, wie viele andere Konvertierte, sondern aus Überzeugung. Erst später hat sie einen Mann ihres neuen Glaubens geheiratet. Eine Schwiegertochter ist Türkin, und stolz ist sie besonders auf ihre Enkel. Rabeya Müller wuchs in einer Kleinstadt in der Eifel auf, verwurzelt und verbunden mit den Traditionen vor Ort. Da war es mutig, die einzige Muslima weit und breit zu sein. Und so ist ihr der Mut als Eigenschaft allmählich zugewachsen. Der Mut, sich außerhalb der Norm zu stellen. Nur dass sie sich theoretisch gleich mit einer ganzen Weltmacht angelegt hat, der religiösen Welt des orthodoxen Islam und der öffentlichen Dominanz von vielen alten und starr gläubigen Männern. Dass dieser Islam, diese Religion des klaren Monotheismus, ohne die üblichen irdischen Vermittler zwischen Gott und den Menschen auskommt, das hat sie immer fasziniert. Warum also sollte sie den unflexiblen Interpretationen dieser alten Nomenklatura folgen? Warum nicht stattdessen das Spirituelle betonen, an die frühen Mystiker und Reformer erinnern und die historischen Bezüge der alten Texte offenlegen? Dann passt für Müller der Islam auch zu ihrem Deutschland, zu Demokratie, Menschenrechten und Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und so kämpft sie unerschütterlich um dessen Vielfalt – wie einst Sisyphos mit seinem Stein.

Rabeya Müller ist viel unterwegs, gefragt auf Kongressen, in Beiräten von Universitäten und interreligiösen Gremien, dazu Vizevorsitzende im Zentrum für Islamische Frauenforschung und -förderung in Köln. Nicht immer spielt die Gesundheit mit, vielleicht auch, weil ihr der Kampf am Ende doch mehr zusetzt, als sie das wissen lassen möchte. Und weil es ihr nahegeht, was seit Jahren nun obendrein die Fanatiker und Terroristen aus ihrem Islam gemacht haben. Im Vordergrund steht für sie deshalb die Arbeit in den Schulen. Und auch da ist für sie die Gefechtslage jenseits irgendwelcher Verdächtigungen klar. Müller geht es um das Prinzip des offenen Diskurses – anders als den großen islamischen Verbänden. Ditib und der Zentralrat der Muslime streben seit 20 Jahren eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts an – den christlichen Kirchen gleich. „Das wünsche ich mir derzeit nicht“, sagt Müller und bleibt dennoch zurückhaltend, was die jüngste Absage des Oberverwaltungsgerichts Münster an Zentralrat und Islamrat angeht. Ihr Urteil aber steht fest. Sie weiß warum. Im Beirat für den islamischen Unterricht wurden durch die orthodoxen Verbände jede Menge gute frühere Lehrer für Islamkunde abgelehnt. „Frauen zum Beispiel, die mit einem Christen verheiratet sind.“ Für Müller ist es ein Skandal, dass die Landesregierung das geduldet hat. Viele Islamkundelehrer wollten sich nun dem Gremium erst gar nicht vorstellen, sie lehnten es ab, von den Verbänden für die Lehrerlaubnis (Idschaza) begutachtet zu werden. Das scheint auch die Ursache dafür, dass es nur eine Handvoll Islamlehrer gibt – und es mit flächendeckendem Angebot für Bekenntnisunterricht vorerst nichts wird.

Für eine liberale Muslima wie Rabeya Müller muss Religionsunterricht in der Schule „ergebnisoffen“ bleiben. Und darf sich nicht ausschließlich an den Traditionen der Herkunftsländer der Eltern und Großeltern orientieren. Denn gerade das kritische Denken müsse geschult werden. Da täten sich islamische Gemeinschaften schwer, sagt die deutsche Konvertitin. Das zeige auch die Diskussion um die Frauenfrage, um Antisemitismus und Homosexualität. Zu stark sei der muslimische Alltag durch die Festlegungen auf haram (verboten) und halal (erlaubt) geprägt. „Wenn muslimische Kinder da ein gesundes Misstrauen hätten, wären wir schon weiter.“

„Zu uns kommen Leute, die suchen und über Theologie diskutieren wollen,“ sagt Schmidt-El Khaldi. Für eine Marokkanerin in der Runde war der liberale Kreis sogar ein religiöser Rettungsanker. „Wenn wir vielen als ketzerisch gelten: Genau deshalb bin ich hier,“ sagt sie. Und dann zeigt sie einen der großen Unterschiede auf. „Als ihr Sohn sich als homosexuell outete, war für sie klar, dass sie nicht mehr in die alte Moschee gehen konnte. „Wenn er schwul ist, dann ist er auch kein Muslim mehr“, sage man dort. „Bei den Liberalen vom LIB aber geht beides.“ Wichtig auch die Stellung der Frau. Frauen, die wichtige Aufgaben wahrnahmen, seien in der Tradition verankert. So habe Umm Waraqa, eine Gefährtin des Propheten, Männern wie Frauen gemeinsam vorgebetet, wie es eine glaubwürdige Überlieferung belege. Auch schließt Müller Ehen zwischen muslimischen Frauen und Christen – ein Tabu in der gesamten islamischen Welt. Außer neuerdings in Tunesien.

Es ist viel von Vernunft die Rede an diesem Sonntag im Konfirmandenraum der Lutherkirche. Und von der Eigenverantwortung des Menschen, wie der Koran sie postuliere. Wer wie die Konservativen Verhalten diktiere und Zuwiderhandlung mit Angst belege, wolle einen unmündigen Menschen. Das ist nicht Rabeya Müllers Islam.

Preis für einen weltoffenen Islam

Die Toleranzringe 2017 der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste erhält am 15. November die Kölner Imamin und Mitbegründerin des Liberalen Islamischen Bundes (LIB), Rabeya Müller. Geehrt wird sie als erste liberale Imamin in Deutschland. Müller habe sich intensiv für einen weltoffenen Islam und den interreligiösen Dialog in Deutschland eingesetzt. (awi)

aus dem Kölner Stadtanzeiger

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Bücher, die ich empfehlen kann

22. September 2017

Der verfälsche Islam

Nehmt den Männern den Koran400 Fragen zum Islam

Gottes Menschenwort

Es geht doch

weitere Buchempfehlungen kommen noch

Das liberale Märchen aus tausendundeiner Nacht über die Nikab

19. September 2017

July 30, 2017

Burka-Debatte – Der marokkanische Schriftsteller  Kacem El Ghazzali über die Unterdrückung der Frauen durch den Islamisms

Liberale Stimmen halten ein Burka-Verbot nicht für vereinbar mit den individuellen Grundrechten der freien Religionsausübung, der Selbstbestimmung der Frauen und einer freien Kleiderordnung. Dabei sitzen sie allerdings den Märchen aus tausendundeiner Nacht über den Niqab auf. Tatsache ist: Ein Verbot der Vollverschleierung reicht bei Weitem nicht.

Eines der einprägsamsten Bilder des Jahres 2016 war das der Frauen von Manbij. Nachdem sie zwei Jahre unter der Tyrannei des Islamischen Staates leben mussten, konnten es die letzten verbliebenen Bewohner der nordsyrischen Stadt Manbij kaum glauben, als endlich die von den USA unterstützten Kräfte eintrafen, um sie zu retten: Frauen, Männer und Kinder drängten auf die Strassen und feierten die Befreiung ihrer Region vom Islamischen Staat. Dabei verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken rasch Videos, die zeigten, wie muslimische Frauen ihre Burkas und Niqabs verbrannten und Männer demonstrativ ihre Bärte abrasierten.

Die mutigen Frauen von Manbij haben mit dem Verbrennen ihrer Niqabs nicht nur ein Symbol zerstört, unter welchem sie die letzten zwei Jahre zu leben gezwungen waren, sondern sie haben damit zugleich auch die meisten Argumente verbrannt, die behaupten, dass Muslimas die Niqabs freiwillig tragen würden. Argumente notabene, die nicht selten bei vielen westlichen Liberalen und Feministinnen zu finden sind.

Dabei ist eines klar: Der Niqab ist nicht nur ein Symbol der Unterdrückung und Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, sondern auch ein von Islamisten weltweit gezielt eingesetztes Instrument, um ihre fundamentalistische, ideologische und politische Agenda durchzusetzen. Verschleierte Frauen sind in diesem patriarchalischen Weltbild somit immer auch Ausdruck des islamistischen Einflusses auf die staatliche Macht und ihrer Kontrolle der politischen, sozialen und individuellen Freiheit.

Vom Iran bis zu den Islamisten in Algerien gilt das unverhüllte weibliche Haar als Sünde

So führte etwa im Jahr 1983, vier Jahre nach der iranischen Revolution und der Gründung der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini ein Verbot für Frauen ein, ihre Haare und die Form ihres Körpers zu zeigen. Seither schlägt, verhaftet und sperrt das iranische Regime Frauen ein, wenn sie nicht ordnungsgemäss gekleidet sind. Übrigens sind auch westliche Frauen gezwungen, ihre Haare zu bedecken, wenn sie den Iran besuchen. Prominentestes Beispiel hierzulande ist die ehemalige sozialdemokratische Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, die 2008 den Machthabern in Teheran verschleiert ihre Aufwartung machte.

In Algerien wiederum verkündete eine der führenden islamistischen Gruppen, dass alle unverschleierten Frauen ein legitimes militärisches Ziel seien; im Jahr 1994 schritten sie sodann zur Tat und schossen ein 17-jähriges, unverhülltes Mädchen nieder. In mehreren muslimischen Ländern wurden ausserdem Frauen durch Säure angegriffen, weil sie sich weigerten, ihr Gesicht zu bedecken. Auch viele Ehrenmorde wurden aus demselben Grund begangen.

Und was ist mit jenen Frauen, die gewissermassen in die Verschleierung hineingeboren werden?

Rana Ahmad, die in Saudi-Arabien aufgewachsen ist und nun als Flüchtling in Deutschland lebt, erzählte der ‚Deutschen Welle‘, dass sie gezwungen war, im Alter von 9 Jahren den Hijab zu tragen, und im Alter von 13 den Niqab: «Der Hijab hat mich meiner Kindheit beraubt» sagt Rana Ahmad.

Und tatsächlich: Niqabträgerinnen sindmanchmal kaum mehr als zehn Jahre alt.

Nikab,Burka Hijab

Welches Verbrechen haben sich diese kleinen Mädchen schuldig gemacht, dass sie eine solch erzwungene Isolation erdulden müssen? Der Niqab ist ein mobiles Gefängnis und man stelle sich ein zehn Jahre altes Mädchen darin vor. Es ist vielleicht das gleiche Mädchen, das nach all der Gehirnwäsche und der Schmerzen, die es über sich ergehen lassen musste, als Erwachsene sagt: „Ich entscheide mich freiwillig dafür, den Niqab zu tragen.“ Als ob sie wirklich eine andere Wahl hätte: Bei der Ideologie der islamischen Fundamentalisten gibt es nur eine einzige Wahl für die Frau, nämlich den Niqab zu tragen.

Nichts ist an einer Burka oder an einem Niqab liberal oder progressiv

Und dennoch bin ich mir sicher, dass es Leute gibt, die versuchen, die Burka und den Niqab unter dem Banner der Religionsfreiheit zu verteidigen.

Doch die Religionsfreiheit darf nicht den Menschenrechten widersprechen. Andernfalls könnten wir konsequenterweise im Namen der Religionsfreiheit auch gleich die Handlungen derer legitimieren, die es als ihre religiöse Pflicht ansehen, Apostaten zu töten.

Nichts ist an einer Burka oder einem Niqab liberal, und es ist auch nichts progressiv an jenen, die sie verteidigen oder den Niqab als «religiöses und kulturelles Recht» verklären.

Der Niqab ist nicht nur eine kulturelle und religiöse Tradition, sondern auch ein Symbol der geschlechtsspezifischen Diskriminierung. Wer wunderte sich nicht während der Sommerferien in der Zürcher oder Luzerner Bahnhofstrasse über jene Frauen in Niqabs, die von ihren Männern in Marken-Jeans und T-Shirts begleitet wurden? Die Vernunft sagt, dass dies klar ein Werkzeug der absoluten Diskriminierung ist, basierend auf dem Geschlecht: einerseits ein Recht für den Mann, andererseits ein anderes Recht für die Frau. Solche Gepflogenheiten dürfen in Ländern, in denen die Gleichstellung von Mann und Frau eine der wichtigsten Säulen einer liberalen Gesellschaft ist, nicht geduldet werden.

Zusammengefasst: Die Unterdrückung der Frauen muss bekämpft werden.

Hilft uns dabei ein Niqab- oder ein Burkaverbot? Ich denke, bei allen berechtigten Sicherheits- und Frauenrechtsargumenten, die für ein Verbot sprechen, ist es nicht genug, nur ein Verbotzu fordern. Burkas und Niqabs sind lediglich ein Symptom einer viel grösseren Krankheit, nämlich derjenigen des Islamismus.

Ein Verbot ohne sachliche Auseinandersetzung mit dem Islamismus wäre zwecklos. Es benötigt gleichzeitig zum Burka- und Niqabverbot eine Diskussion, die das Kind beim Namen nennt. Eine Diskussion, die nicht alle noch so reaktionären Seiten der islamischen Religion wie Sharia und Unterdrückung der Frauen unter dem Banner der «Religionsfreiheit» verteidigt. Sonst wäre «das Wasser auf den Sand gegossen», wie eine arabische Redewendung sagt.

Dieser Artikel ist am 18. September 2017 in der Luzerner Zeitung erschienen

Zum Islam konvertiert mitten im Leben

26. November 2013


Dienstag, 08.04.2008

Zum Islam konvertiert mitten im Leben

Elisabeth Müller hat nach langer Suche im Koran religiösen Frieden gefunden.

Von Klaus Müller-Wolf

Ihr Bekenntnis zum Islam sorgte 2006 für einen Paukenschlag in Niederkassel und führte dazu, dass Elisabeth Müller der SPD den Rücken kehrte, für die sie lange Jahre im Ortsverein und in der Ratsfraktion an vorderster Stelle gestanden hatte. „Für die meisten hatte ich einen an der Klatsche. Aber ich bin nur Gott Rechenschaft schuldig“, sagt sie. Nur wenige fragten ganz offen nach ihren Motiven für ihre innere Überzeugung. „Im Islam habe ich gefunden, wonach ich immer gesucht habe“, entgegnet sie.

2002 nach intensiver Auseinandersetzung mit allen Weltreligionen hatte sie sich dazu entschieden, Muslima zu werden. Den Entschluss fasste sie ganz allein, weihte selbst ihren Ehemann Hans Müller nicht ein. Der hat ihr inzwischen längst verziehen und unterstützt seine Frau bei ihrer Arbeit in der Türkisch-Islamischen Gemeinde. In der Moschee hat Elisabeth Müller als einziges deutsches Gemeindemitglied viel bewegt, verkrustete Strukturen und unzeitgemäße Traditionen aufgeweicht und die Integration auf den Weg gebracht.

Religion ist für die gebürtige Mönchengladbacherin immer von zentraler Bedeutung gewesen. „Ich stamme aus einer fundamentalistisch katholischen Familie“, erzählt die 67-Jährige. Nach dem Krieg war sie mit ihren Eltern und den Geschwistern nach Bad Godesberg gezogen zu ihrem Onkel Wilhelm Leonards, der katholischer Pfarrer in St. Andreas war. Der Vater, Bruder des Pfarrers, wird dort Küster und ist ihr großes Vorbild. Der fromme Mann engagiert sich auch außerhalb der Kirche für das Gemeinwohl in vielen Vereinen. Als sie 1959 ihren späteren Ehemann Hans Müller kennen lernt, einen Protestanten, setzt sie sich zunehmend kritisch mit der katholischen Kirche auseinander. Wegen der Haltung des Papstes zur Verhütung, aber auch zu den Glaubenskriegen in Irland und Libanon tritt sie 1972 aus Protest aus der Institution aus; der Kirche aber bleibt sie zum Beten, Nachdenken und Meditieren treu. Die gelernte Buchhalterin liest religiöse Bücher und hört Vorlesungen an der Bonner Uni über die großen Weltreligionen.

Im Koran findet sie die Antworten, die sie immer gesucht hat. „Der Islam ist eine Religion für den Einzelnen, viel persönlicher als das Christentum und mystischer“, sagt sie. „Der Islam verlangt mehr Eigenverantwortung, und ich bin es doch, die sich irgendwann verantworten muss. Und Allah und Gott sind für mich sowieso eins.“

Ihren Wechsel zum Islam hat Elisabeth Müller für sich im stillen Kämmerlein vollzogen, ein öffentliches Glaubensbekenntnis nie abgelegt. Die Nähe zur Moschee in Lülsdorf habe keine Rolle gespielt. Die sei für Konvertiten eher ungeeignet, weil dort fast nur Türkisch gesprochen werde.

Als sie Niyaze Ileli, den damaligen Vorsitzenden der türkischen Gemeinde, den sie durch die Parteiarbeit kennt, ankündigt, in der Gemeinde mitzuarbeiten, ist die Freude groß. Dank ihrer Beziehungen kann sie den zurückhaltenden Türken viele Türen öffnen. „Es war ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Ich habe viel gelernt, auch zu unterscheiden zwischen den Aussagen des Koran und alten Traditionen.“ Das Kopftuchtragen gehöre zu letzteren, ebenso wie die häufige Separation von Frauen und Männern. Im Koran seien Männer und Frauen gleichberechtigt und einer der Beschützer des anderen. Als Vermittlerin und Vorstandsmitglied genießt sie hohe Anerkennung und hat viel für die Gleichberechtigung der Frauen in der Gemeinde beigetragen, die seither viel selbstbewusster sind und einen eigenen Frauenrat gegründet haben. Schauten die Männer zuerst noch komisch, wenn sie sich in der Moschee zum Tee oder Kaffee zu ihnen setzten, so gucken sie jetzt sogar gemeinsam fern. Mit Deutsch-und PC-Kursen, Hausaufgabenhilfe setzt sich Elisabeth Müller für bessere Bildungschancen nicht nur der türkischen Kinder ein. „Unsere Angebote werden auch zunehmend von deutschen Kindern genutzt“, sagt sie.

Längst ist wieder der Alltag im Hause Müller eingekehrt. Dazu gehört, dass Elisabeth Müller sowohl die Homepage der Türkisch-Islamischen Gemeinde als auch die des Bürgervereins für Lülsdorf und Ranzel gestaltet. Dort ist ihr Mann Geschäftsführer. Hüben wie drüben hat ihr Engagement für den Abbau von Schwellenängsten und Vorurteilen gesorgt und nicht nur ihr Mann Hans hat festgestellt: „Die beißen gar nicht!“ (Klaus Müller-Wolf)

Aus Rhein-Sieg Rundschau von 03.03.08 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion

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