Gleichberechtigung im Namen des Islam

24. Februar 2024

Pionierin des Islam in Deutschland

 
NACHRUF
Pionierin des Islam in Deutschland
Rabeya Müller

Wie nennt man eine Frau, die nach dem Abitur Ende der 1970er Jahre allein mit ihrem „Muffel“ – einem alten roten Mini – von der Eifel nach Nordafrika reist? Neugierig, mutig? Selbstbewusst, ein bisschen verwegen? Rabeya Müller war alles davon – und noch viel mehr.

Als Rosel Müller wächst sie mit ihrer alleinerziehenden Mutter bei den Großeltern auf, die von den Nazis drangsaliert worden waren. Sie besucht ein erzkatholisches Gymnasium in Vallendar. Danach bricht sie auf, geht auf die Suche, stellt sich die essenziellen Fragen des Lebens. In einer Zeit, die noch gar nicht so lang vergangen ist, und doch wirkt es so, als wäre es eine andere Epoche. Es ist die Zeit, in der man interessierten Zeitgenossen noch erklären musste, was der Koran ist und wer gemeint ist, wenn von „dem Propheten“ die Rede ist.

In dieser „grauen Vorzeit“ wird Rosel Müller zu einer der wenigen Deutschen, die sich mit der Weltreligion Islam auskennen. Sie lernt die Inhalte dieses Glaubens schätzen. Während die politischen Konflikte um den Islam in Deutschland noch Lichtjahre entfernt zu sein scheinen, nimmt sie ihn – „aus reiner Vernunft“, wie sie später immer sagen wird – in der Londoner Zentralmoschee für sich an, und aus Rosel wird Rabeya Müller.

Rabeya Müller war eine Pionierin des Islams in Deutschland, eine der ersten Imaminnen. Eine Frau, die den Kampf der Geschlechter innerhalb ihrer Religion aufnahm – kompromisslos, resolut, aber immer auch mit rheinischer Leichtigkeit. Sie stellte sich mit Mut, Kraft und Esprit der männlichen Dominanz entgegen. Mit großem Gespür für die inneren Werte ihres Glaubens stand sie im besten feministischen Sinne ihre Frau.

Beim renommierten Professor Abdoldjavad Falaturi an der Uni zu Köln wird Rabeya Müller zur Islamwissenschaftlerin. Sie lebt mit ihrer Familie von nun an zwischen Köln, Indien und Pakistan, studiert islamische Theologie. Ihre gewonnenen und erarbeiteten Erkenntnisse will sie nicht für sich behalten.

Sie gründet das Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung in Köln (ZIF) mit. Als Leiterin des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD Köln) bringt sie jungen Menschen und Erwachsenen zeitgemäße Auffassungen von Religion bei, von gegenseitiger Wertschätzung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Mit ihr entsteht eine umfangreiche IPD-Schriftenreihe.

Zu ihren bemerkenswertesten Publikationen gehört eine kleine, aber wegweisende Abhandlung mit dem Titel „Ein einziges Wort und seine große Wirkung“ (2005). Es geht darin um die Koran-Formulierung in Sure 4,34 über Frauen: „… und schlagt sie!“ Mit weiteren Autorinnen zeigt Rabeya Müller die vielen Interpretationsmöglichkeiten eines einzigen Verbs im Arabischen auf, das Männer gemeinhin tatsächlich nur als „schlagen“ wiedergeben wollten. Schlüssig zeigt sie auf, dass es sich dabei um ein falsches, patriarchalisch geleitetes Textverständnis handelt.

Rabeya Müller war authentisch und offen. Sie glaubte an den interreligiösen Dialog. Sie drängte sich nicht in die erste Reihe, sie wurde dorthin geschoben. Sie wollte nicht bloß Stoff für eine Schlagzeile liefern. Ihr ging es um die Sache. Ihr ging es auch um die Menschen – selbstlos und zugewandt.

Unzähligen Verunsicherten und wegen der oft feindlichen Islamdiskurse Verängstigten steht sie bei. Sie verheiratet Musliminnen und Nichtmuslime. Frauen und Männer versammeln sich hinter ihr zum Gebet. Sie stützt Gläubige, die aufgrund ihrer Queerness, ihrer Homosexualität, ihrer Transidentität in schwierigen Fahrwassern sind.

In ihren Schriften, Reden und Seminaren gab Rabeya Müller dem liberalen Islam in Deutschland, aber auch weltweit glaubwürdig Gesicht. Dabei kam sie stets ohne Feindseligkeiten und Abwertung anderer aus. Sie feierte Karneval, ging zu „Kölle singt“ ebenso wie in die Oper. Sie hörte Niedecken und die Stones, jubelte und litt mit dem Effzeh.

In ihrem Leben war Rabeya Müller für viele eine Inspiration, auch für mich. Mit ihr zusammen durfte ich den ersten Koran für Kinder in Deutschland erarbeiten oder „Saphir“, die erste Schulbuchreihe für Islamunterricht an deutschen Schulen. Wir waren gemeinsam an der Gründung der ersten universitären Ausbildungsstätte für Islamlehrer und islamische Theologen beteiligt, engagierten uns gemeinsam gegen Extremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, und wir gründeten 2010 mit anderen den Liberal-Islamischen Bund.

Diese Woche ist meine geliebte Freundin, Mentorin, Kollegin, Weggefährtin und Vertraute gestorben. Mein Herz blutet. Im Alter von 67 Jahren hat sie den härtesten Kampf ihres Lebens verloren. Ihr Wirken wird bleiben. Rabeya Müller hat sich in der Geschichte des Islams in Deutschland ihren Platz gesichert.

„Inna lillah wa-inna ilyahi radschi´un.“ – „Von Gott kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück.“ Halt die Ohren steif, meine Liebe!

Die Bestattung mit muslimischem Totengebet findet am Donnerstag, 22.02.20023 um 10 Uhr auf dem Südfriedhof in Köln-Zollstock statt.

Unsere Autorin, geboren 1978, ist Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin. Lamya Kaddor hat viele Jahre als Lehrerin in Dinslaken gearbeitet. Seit 2021 gehört sie für die Grünen dem Bundestag an. (jf)aus dem Kölner Stadtanzeiger, dem ich danke.

Pionierin des Islam in Deutschland

23. Februar 2024

Der Lichtvers

27. Dezember 2023

Der kürzeste Tag im Jahr ist der 21. Dezember. Die Nacht bricht früh herein. herrscht Dunkelheit. Wichtiger denn je ist in diesen Tagen das Licht. Verzweifelt versucht der Mensch die Dunkelheit zu vertreiben, auf den Straßen und in den Häusern. Doch ich möchte nicht vom allseits bekannten Licht durch Elektrizität oder Feuer schreiben.

NEIN, GEMEINT IST DAS LICHT IM HERZEN DER MENSCHEN.

24:35 Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis von seinem Lichte: Das Licht ist wie eine Nichte in der einer Leuchte. Die Leuchte ist in einem Glas. Das Glas gleicht einem Stern, einem funkelnden. Angezündet von einem Baum, einem gesegneten. Einem Ölbaum, nicht östlich, nicht westlich, dessen Öl leuchtet beinahe, ohne dass es berührt hätte das Feuer. Licht über Licht. Gott führt zu seinem Licht, wen Er will, und Gott führt den Menschen die Gleichnisse an. Und Gott weiß über alle Dinge Bescheid.

Nur durch und mit Gott können wir dieses Licht finden. Dies gilt für alle Menschen, jede*n Gläubige*n, jede*n Gottergebene*n (Muslim*innen), egal aus welcher Religion.

5:46 Und wir ließen hinter ihnen her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätige, was von der Thora vor ihm da war. Und wir gaben ihm das Evangelium, das (in sich) Rechtleitung und Licht enthält, damit es bestätige, was von der Thora vor ihm da war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.

Wo bleiben bei all den religiösen und traditionellen Bräuchen die Liebe und das Licht der Herzen? Lange schon sind diese zum «Kommerz» verkommen. Viel Geld wird ausgegeben, doch nicht zum Zweck der Nächstenliebe, wie man meinen sollte. Nein, für die perfekte Dekoration, das Geschenk und das Festtagesessen. Es heißt wir sollen uns besinnen, doch sind alle wie von Sinnen.

So sicher wie die Sonne am Himmel steht, ist Licht in uns. Doch allzu oft verdecken uns Wolken das Licht. Bei der Sonne vertrauen wir selbst nach vielen Regentagen darauf, dass sie noch da ist. Und so sollten wir auch auf unser Licht vertrauen, denn es ist und war immer da.

Lasst uns fern ab von Traditionen das Licht in uns wiederfinden. Allein oder im Miteinander, in der Stille, im Gebet, im Herzen, in der Seele. Damit die Tage lichterfüllt sind, wenn keine Kerze brennt. Damit die Tage lichterfüllt sind, wenn dein Herz rennt.

z. Teil aus Koranforschungsgruppe alrahman.de

Das koranische Lichtgleichnis führt von einem ungelösten Rätsel zum anderen, so schreibt Prof. em. Dr. Stefan Wild.

Die Leuchte ist in einem Glas wie ein funkelnder Stern, angezündet von einem gesegneten Olivenbaum, weder östlich noch westlich ….Der Koran entwirft hier Elemente einer Lichtmystik, welche die Aussage des Nizänischen Glaubensbekenntnis „ Gott von Gott, Licht vom Lichte“ bei Weitem übertrifft. 

 

Selber schuld, Antisemitismus schlägt Wellen

16. November 2023

Auch hierzulande wird dieses Zerrbild in muslimischen Parallelgesellschaften seit Jahren gepflegt. Die deutschen Behörden haben es aus Naivität und Desinteresse lange ignoriert; die Politik hat das Problem sogar verschärft:

Einerseits ließen die Bundesregierungen von Adenauer bis Merkel Millionen Muslime einreisen und hier sesshaft werden – andererseits verwehrten sie ihnen volle Teilhabe, duldeten sie nur als Gastarbeiter oder Flüchtlinge, als Bürger zweiter Klasse, grenzten sie aus.

Eine schizophrene Politik, in deren Folge in vielen Großstädten Parallelgesellschaften entstanden – von Berlin bis Bremen, von Köln bis Frankfurt. Erdoğan, Assad und die Mullahs aus Teheran durften derweil ungestört ihre Propaganda in deutschen Moscheen und Vereinen, in türkischen, arabischen und iranischen Exilmedien verbreiten. So hat der deutsche Staat sich den muslimischen Antisemitismus nicht nur selbst ins Land geholt. Er hat ihn auch genährt.

Zur Lebenslüge deutscher Politiker gehört es, dieses offensichtliche Versagen kleinzureden und suchen bei den Migranten die Schuld.

Selbst Menschen, die versucht haben, dem entgegenzutreten und Gemeinsamkeiten zu erklären, wurden diskriminiert, das ist mir gesagt worden „Mit so einer, die sich bei den Türken engagiert, schadet unsere Gruppe. „Ich habe versucht, die Gemeinsamkeiten zwischen Muslime und Christen aufzuzeigen, und unsere Kultur mit ihnen zu teilen.“ Es wurde mit Mobbing kaputt gemacht.

Und jetzt sehen wir die Folgen, die Nazis werden immer mehr, und unsere Politiker stecken den Kopf in den Sand, und geben wieder den Menschen die Schuld, die vor Krieg, vor Radikalen fliehen. Warnungen wurden in den Wind geschrieben und hat den radikalen Gruppierungen Tür und Tor geöffnet.

KORAN ERKLÄRT Im Koran wird an mehreren Stellen gesagt, Gott habe Menschen in Affen und Schweine verwandelt. Zweimal geschieht das demnach mit Juden als Strafe für den Bruch des Sabbats. Diese Verse werden oft zitiert, um den Vorwurf des Antisemitismus zu erheben.

16. November 2023

Sendereihe „Koran erklärt“ Deutschlandfunk

Von Prof. Dr. Reuven Firestone, Hebrew Union College, Los Angeles, USA | 16.02.2018

„Und gewiss kennt ihr diejenigen unter euch, die das Sabbat-Gebot brachen. So sprachen wir zu ihnen: ‚Seid Affen, Verachtete!‘ Und dann machten wir dies zu einer Strafe für die Zeitgenossen und die Nachkommen und zu einer Ermahnung für die Gottesfürchtigen.“

Der Koran spricht dreimal davon, dass Menschen in Affen verwandelt werden. In zwei Fällen (Sure 2 Vers 65; 4:163-166) stellt die Verwandlung eine göttliche Strafe für den Bruch des Sabbats dar, obgleich das konkrete Vergehen nicht genannt wird. Beim dritten Vorfall verflucht Gott Leute, auf die er zornig ist, und macht aus ihnen Affen und Schweine. (5:60).

Die Verse fügen sich in ein Muster des Korans ein. Sie drücken die ambivalente Haltung zu den so genannten „Leuten des Buchs“ (ahl al-kitâb) aus. Damit sind Juden und Christen gemeint. Beide sind Gemeinschaften, die einst göttliche Rechtleitung in Form einer Heiligen Schrift empfangen haben.

Einerseits werden Juden und Christen als Gläubige an den einen großen Gott respektiert (Sure 2 Vers 62; 5:69; 22:17). Andererseits scheitern sie laut Koran daran, ganz nach den göttlichen Geboten zu leben. Sie verzerrten Text oder Bedeutung ihrer Heiligen Schriften, heißt es. Würden darin Forderungen gestellt, wollten sie ihnen nicht nachkommen (2:101 und 174; 3:78; 4:46; 5:13, 41). Zudem lehnen sie laut Koran ab, die wahre Einzigkeit Gottes zu akzeptieren (4:171; 5:72-75, 116; 19:88-93; 23:91). Ihre Defizite öffnen letztlich die Tür für eine neue göttliche Botschaft, überbracht vom letzten und edelsten Propheten Gottes: Mohammed.

Die eingangs zitierten Verse stellen eine Polemik gegen Juden und Christen dar. Sie machen nichts anderes als frühere heilige Schriften. Auch diese enthalten Polemiken gegen etablierte religiöse Kräfte, die neue Gemeinden und deren Anspruch auf Verkörperung der Heiligen Schrift ablehnen.

So stellten sich die meisten Juden gegen Jesus (Bibel: Matthäus 16 Vers 1;19:3, 22:23-46; Markus 10 Verse 2-12), die meisten vor-israelitischen Völker gegen das Alte Testament (Bibel: 4. Buch Mose Kapitel 22-24) und die meisten Juden und Christen gegen Mohammed. Wie die Heiligen Schriften vor ihm reagiert auch der Koran mit Verachtung auf diesen Widerstand.

Der Koran bringt seine Anliegen einerseits durch Argumentation zum Ausdruck. Andererseits greift er auf biblische Erzählungen zurück. Manchmal zitiert der Koran dazu aber auch Geschichten, die man nicht aus anderen Quellen kennt. Exakt das trifft auf unsere beiden Verse zu.

Das ältere Schrifttum beinhaltet zwar Berichte von Israeliten, die Gottes Erwartungen auf unterschiedliche Weise verletzt haben. Auch tauchen Affen in verschiedenen antiken Werken auf. In jüdischen und christlichen Traditionen jedoch finden sich keine nennenswerten Darstellungen, bei denen Gott Missetäter in Affen verwandelt hat. Es gibt allenfalls einige indirekte Hinweise. Diese taugen aber nicht als Beleg dafür, dass der Koran die Geschichte aus früheren Werken entlehnt hat, wie manche Orientalisten meinen.

Die Geschichte im Koran ist einzigartig. Sie untermauert eindrucksvoll Gottes Vorsehung und seine Forderung nach Gehorsamkeit. Als eine allgemein gültige Botschaft richtet sie sich sowohl an Juden und Christen als auch an jene Araber, die traditionellen Religionen anhängen.

Die Verwandlung von Missetätern in Affen ist Teil einer größeren Botschaft, die sich in den anderen monotheistischen Schriften ebenso findet. Sie lautet:

„Wer Gutes tut, Böses meidet und Gottes Autorität annimmt, wird gesegnet sein und belohnt werden. Alle anderen indes werden leiden.“

2 Surah Al-Baqara

„Und gewiß habt ihr diejenigen unter euch gekannt, die das Sabbat-Gebot brachen. Da sprachen Wir zu ihnen: „“Werdet ausgestoßene Affen.““ (65)
 
4 Surah An-Nisa

Wahrlich, Wir haben dir offenbart, wie Wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Und Wir offenbarten Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo; und Wir haben David einen Zabur gegeben. (163) Es sind Gesandte, von denen Wir dir bereits berichtet haben, und Gesandte, von denen Wir dir nicht berichtet haben – und Allah hat mit Moses wirklich gesprochen. (164) (Es sind) Gesandte, Überbringer froher Botschaften und Warner, so daß die Menschen nach den Gesandten keinen Beweisgrund gegen Allah haben. Und Allah ist Allmächtig, Allweise. (165) Doch Allah bezeugt durch das, was Er zu dir herabgesandt hat, daß Er es mit Seinem Wissen sandte; und die Engel bezeugen es; und Allah genügt als Zeuge. (166)
 
5 Surah Al-Maeda

„“Sprich: „“Soll ich euch über die belehren, deren Lohn bei Allah noch schlimmer ist als das? Es sind, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat. Diese befinden sich in einer noch schlimmeren Lage und sind noch weiter vom rechten Weg abgeirrt.““ (60)
 
2 Surah Al-Baqara

„Wahrlich, diejenigen, die glauben, und die Juden, die Christen und die Sabäer, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und Gutes tut – diese haben ihren Lohn bei ihrem Herrn und sie werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein. (62)
 
5 Surah Al-Maeda

„Jene, die geglaubt haben, und die Juden und die Sabäer und die Christen – wer an Allah glaubt und gute Werke tut -, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie traurig sein. (69)
 
22 Surah Al-Hajj

Siehe, zwischen denen, die gläubig sind, und den Juden und den Sabäern und den Christen und den Zoroastriern und den Götzendienern wird Allah wahrlich am Tage der Auferstehung richten; denn Allah ist der Zeuge aller Dinge. (17)
 
 

ANTISEMITISMUS?

Zu Affen und Schweinen gemacht.

1. Betrachtung

Im Koran wird ein Fluch erwähnt, der aus Sündern Affen, Schweine und Götzendiener werden lässt. Viele beziehen ihn speziell auf Juden, weswegen im Kontext des Antisemitismus immer wieder darauf verwiesen wird.

Von Dr. Holger Zellentin, University of Cambridge, Großbritanien     

 
„Sag: ‚Soll ich euch von etwas Schlimmerem prophezeien, von Gottes Vergeltung? Von dem, den Gott verflucht hat, und auf den er zornig ist; und aus ihnen hat er Affen und Schweine und Götzendiener gemacht. Die sind schlimmer dran und weiter vom rechten Weg abgeirrt.’
 
In diesem Vers wird der Prophet angewiesen, den Leuten des Buches, das heißt den Juden und en Christen unter seinen Zuhörern, eine schlimme Strafe anzudrohen. Wer Gottes Fluch verdient, werde zu Affen, Schweinen und Götzendienern gemacht.
 
Den Fluch Gottes verdient man, so lernen wir im Folgenden, indem man seinen Glauben an die Offenbarung des Propheten nur heuchelt oder indem man besonders schwer sündigt – zum Beispiel durch die Veruntreuung von Gemeindefinanzen.
 
Die dann folgenden Verse verdammen jüdische Sünder und deren Gemeindeleiter. Wie auch die hebräische Bibel – der Tanach – oder das Neue Testament spart der Koran nicht damit, schwere Vorwürfe an die Juden zu richten und dabei Sprachbilder zu verwenden, die in unserer Zeit so schwer erträglich wie schwer verständlich geworden sind.
 
Freilich sind die in dem Vers gemachten Vorwürfe klar auf den historischen Kontext Mohammeds bezogen. Diese geschichtliche Kontextualisierung erklärt nicht nur die Schärfe des hier vermittelten Anti-Judaismus, sondern auch dessen Bildsprache.
 
Schon im Mathäus-Evangelium im 1. Jahrhundert und in der für den Koran besonders relevanten Strömung der spätantiken christlichen Tradition, werden Schweine mit Dämonen und Götzendienst assoziiert. Selbiges tut nun der Koran zur Wende des 7. Jahrhunderts, wenn er androht, die Heuchler zu „Affen, Schweinen und Götzendienern“ zu machen.
 
Schweine sind hier unreine Tiere. Dämonen und Götzen sind unreine Wesen. Die Grenze zwischen mangelnder Hygiene, kultischer Unreinheit und der Beschmutzung durch Götzendienst sind in dieser Tradition zumindest auf der symbolischen Ebene sehr durchlässig.
 
Der Gedanke, Sünder zu Affen zu machen, findet sich auch anderswo im Koran (Sure 7 Vers 166). Zugleich findet sich ein Widerklang in der rabbinischen Tradition.
 
Im Babylonischen Talmud, der Sammlung jüdischer Gesetze und Überlieferungen, werden die Frevler damit bestraft, in Affen oder Dämonen verwandelt zu werden. Ein palästinischer Midrasch, also ein jüdischer Exegesetext, weist sogar darauf hin, die gesamte Menschheit sei erst durch Sünde so verändert worden, dass unsere Gesichter denen der Affen ähneln, und erst unser Götzendienst habe uns für Dämonen verwundbar gemacht.
 
Der Koran dreht diese Überlieferungen zweimal um. Zum einen verwandelt er den Götzendienst, der im Rabbinischen die Straftat darstellt, in eine Strafe: die Sünder werden zu „Affen, Schweinen, und Götzendienern“ gemacht. Zum anderen wendet der Koran die Polemik, die sich im Rabbinischen auf die Sünder der Vergangenheit bezieht, auf Juden seiner Gegenwart an.
 
Sure 5 Vers 60 droht also jüdischen Heuchlern und Verschwendern aus der Zeit Mohammeds dasselbe Schicksal an, das schon vormals Sünder getroffen hatte.
Diese spezifische Drohung belegt, dass sich der Vers nicht auf Juden generell bezieht. Er ist allein an die Sünder unter den Juden gerichtet.
Zudem wird deutlich, dass der Anti-Judaismus des Korans keinesfalls virulenter ist als der der Christen, oder als die rigorose Selbstkritik, die wir selbst in der jüdischen Tradition finden. Vielmehr verwendet der Koran jüdische Bilder gegen einige jüdische Sünder und überträgt das abrahamitische Erbe auf die besonderen Umstände in Arabien zu Lebzeiten Mohammeds.

Sieben verlorene Perlen

15. November 2023

Ein Buch von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams.

Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams.
Poetisch und Augen öffnend!
Welche Werte … heute: Modernisierung durch Rückbesinnung

Der Autor hat mehrere erfolgreiche Sachbücher veröffentlicht. Mit seinen Veröffentlichungen wendet er sicch geegen Machtmissbrauch, den Islam als Unterdrückungsreligion zu intepretieren. Als Professor für Islamische Religionspädagogik leitet er auch das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster. Sein Lehrstuhl ist der größte seiner Art in Europa.

Interreligiöser Dialog in Deutschland Von der Toleranz zur Akzeptanz

28. August 2023
Ein neues Projekt der Uni Erlangen-Nürnberg will Schüsselbegriffe aus Judentum, Christentum und Islam für den interreligiösen Dialog aufbereiten. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen wollen die Wissenschaftler Scharfmachern entgegenwirken. 

Professor Georges Tamer, Projektleiter der Uni Erlangen-Nürnberg
Aufgrund von Gemeinsamkeiten und Unterschieden den anderen so erkennen, wie er sich selbst verstanden haben will: "Als Christ, Muslim, Jude oder Nichtgläubiger muss ich wissen, wie der andere sich selbst religiös definiert, und dieses Anderssein anerkennen. Es geht nicht um ein gleichgültiges Tolerieren. Wir brauchen eine höhere Stufe als Toleranz, nämlich Anerkennung und Akzeptanz, ohne Unterschiede zu vertuschen", so Professor Georges Tamer.
Tamer: Ziel ist es nicht nur, die Differenzen festzustellen, sondern aufgrund von Gemeinsamkeiten und Unterschieden den anderen so zu erkennen, wie er sich selbst verstanden haben will. Als Christ, Muslim, Jude oder Nichtgläubiger muss ich wissen, wie der andere sich selbst religiös definiert, und dieses Anderssein anerkennen. Es geht nicht um ein gleichgültiges Tolerieren. Wir brauchen eine höhere Stufe als Toleranz, nämlich Anerkennung und Akzeptanz, ohne Unterschiede zu vertuschen. Als Motto des Projekts dient eine altarabische Weisheit, wonach der Mensch ein Feind dessen ist, was er nicht kennt.

Unsere Augen sehen die Wunder Gottes.

12. Juli 2023

Das christliche und muslimische Fasten

29. März 2023

Über die Mütter der Gläubigen

16. Oktober 2022

Menschen der Schrift & die Muslime

16. Oktober 2022

Flora und Fauna loben Gott

13. Oktober 2022

Protest gegen Frauenapartheit in der Religion

10. Oktober 2022

Verhüllung der Frau

4. Oktober 2022

Der Koran ist schon zu Zeiten Mohammeds niedergeschrieben worden!

17. September 2022

„LIES“ – Gedenken an Gott

14. September 2022

Alte Handschrift - Bild von Corpus Coranicum
Surah Al-Alaq 96
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!
Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. (1)
Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. (2)
Lies; denn dein Herr ist Allgütig, (3)
Der mit dem Schreibrohr lehrt, (4)
lehrt den Menschen, was er nicht wusste. (5)
Doch nein! Der Mensch übt Gewalttätigkeit, (6)
weil er sich im Reichtum sieht. (7)
Wahrlich, zu deinem Herrn ist die Heimkehr. (8)
Hast du den gesehen, der da verwehrt (9)
(Unserem) Diener, dass er betet? (10)
Hast du gesehen, ob er auf dem rechten Weg ist (11)
oder zur Gerechtigkeit auffordert? (12)
Hast du (den) gesehen, der ungläubig ist und sich abwendet? (13)
Weiß er nicht, dass Allah (ihn) sieht? (14)
Doch nein! Wenn er nicht (davon) ablässt, werden Wir ihn gewiss ergreifen bei der Stirnlocke, (15)
der lügenden, sündigen Stirnlocke. (16)
So möge er denn seine Mitverschworenen anrufen; (17)
Wir werden die Höllenwächter herbeirufen. (18)
Doch nein! Gehorche ihm nicht und wirf dich in Anbetung nieder und nahe dich (Allah). (19)

Surah Al-Ankaboot 29
Verlies, was dir von dem Buche offenbart wurde, und verrichte das Gebet. Wahrlich, das Gebet hält von schändlichen und abscheulichen Dingen ab; und Allahs zu gedenken, ist gewiss das Höchste. Und Allah weiß, was ihr begeht. (45)

Surah Al-Muzzammil -73
....oder füge ein wenig hinzu - und trage den Qur`an mit Tartil vor. (4)

Surah Al-Muzzammil -73
Dein Herr weiß wahrlich, dass du (im Gebet etwas) weniger als zwei Drittel der Nacht stehst und (manchmal) eine Hälfte oder ein Drittel (der Nacht), und ein Teil derer, die mit dir sind, (tut desgleichen). Und Allah bestimmt das Maß der Nacht und des Tages. Er weiß, dass ihr sie (die Ausdauer) nicht (immer) werdet aufbringen können. Darum hat Er Sich euch mit Nachsicht zugewandt. So tragt denn so viel vom Qur`an vor, wie es (euch) leichtfällt. Er weiß, dass einige unter euch sein werden, die krank sind, und andere, die im Lande umherreisen - nach Allahs Gnadenfülle strebend -, und wieder andere, die für Allahs Sache kämpfen. So tragt von ihm das vor, was (euch) leichtfällt, und verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakah und gebt Allah ein gutes Darlehen. Und das, was ihr an Gutem für eure Seelen vorausschickt, werdet ihr bei Allah als besseren und größeren Lohn finden. Und bittet Allah um Vergebung. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig (20)

Lies den Koran hat immer Priorität: Der Vers 29 -45 sagt unmissverständlich, dass das ständige „Gedenken an Gott“ höher zu bewerten ist als das Gebet.

Eine der Bezeichnungen für den Koran lautet „Gedenken an Gott“.

Und weil der Koran so bezeichnet wird, bedeutet Gott zu gedenken in erster Linie, den Koran zu rezitieren.

Tatsache ist, dass die Koranlektüre dem Verrichten des Gebetes mindestens ebenbürtig ist, ja, dass das Lesen des Korans im Grunde mehr zählt und heilbringender ist.

Oder umgekehrt ausgedrückt: den Koran nicht zu lesen ist genauso schlimm wie nicht zu beten, wenn nicht noch verwerflicher.

Wer nur den Koran liest und das Gebet unterlässt, steht besser dar als derjenige, der nur betet und den Koran nicht liest.

Dazu:
Diese koranische Wahrheit ist den Gläubigen über Jahrhunderte hinweg verschwiegen worden, sei es in guter oder böser Absicht.

Man hat den Begriff „nächtliche Andacht“, der in Sure 17 – Vers 79

Surah Al-Isra 17
Und unterbrich deswegen (für die Lesung) in der Nacht deinen Schlaf - (vollbringe) diese (Leistung) freiwillig. Es mag sein, daß dich dein Herr (dafür) zu einem löblichen Rang erweckt. (79)

für die nächtliche Beschäftigung mit dem Koran verwendet wird, als Gebet ausgelegt und genau das Gegenteil von dem praktiziert, was der Koran gebietet.

Was auch immer sie dabei im Sinn gehabt haben mögen – die traditionellen Korankommentatoren haben das Buch, dessen erster Befehl „Lies!“, ständig dazu benutzt, vom Lesen abzuhalten.

Es versteht sich von selbst, dass mit dem hier erwähnten Lesen des Korans ein Lesen gemeint ist, bei dem man eingehend über den Sinn nachdenkt, d.h. verstehendes Lesen in einer Sprache, die man beherrscht.

Eine Rezitation von Worten in arabischer Intonation beim Gebet ist kein Lesen, dass das koranische Gebot „Lies“ erfüllt. Denn der Koran erfordert nicht nur ein bloßes Nachsprechen, sondern ein Lesen, bei dem man wahrhaft den Inhalt reflektiert.

Dschihad, ist nicht Heiliger Krieg

11. September 2022
Die muslimischen Eroberer begannen, Sinn und Bedeutung des Kriegs im Islam zu beschreiben, nahmen sich die imperial sanktionierten Ideale der religiösen Kriegsführung zum Vorbild, wie sie von den Sasaniden und Byzantinern formuliert und praktiziert wurden.

Tatsächlich entstand der Begriff „heiliger Krieg“ nicht im Islam, sondern bei den christlichen Kreuzfahrern, die den Kampf, um Territorien und Handelsrouten theologisch zu legitimieren suchten.
„Heiliger Krieg“ war kein Begriff, den die muslimischen Eroberer verwendete, und es ist ganz und gar unzutreffende Beschreibung des Begriffs „dschihad“. Es gibt im Arabischen eine ganze Reihe von Wörtern, die mit „Krieg“ übersetzt werden können; „dschihad“ zählt definitiv nicht dazu.

Dschihad heißt so viel wie „Anstrengung“, „Streben“ oder „Einsatz“. In seiner primären, religiösen Konnotation (manchmal auch „der größere Dschihad“ genannt) bezeichnet der Begriff den Kampf der Seele, die sündhaften Hindernisse zu überwinden, die den Menschen von Gott fernhalten.

Deshalb wird dschihad im Koran auch fast immer mit dem Zusatz „nach dem Willen Gottes“ gebraucht.
Doch da im Islam das innere Streben nach Heiligkeit und Unterwerfung unter dem Willen Gottes mit dem äußeren Streben nach dem Wohl des Menschen unzertrennbar verbunden ist, wurde „dschihad“ oft mit seiner sekundären Konnotation (dem kleinen Dschihad) gleichgesetzt und als Ersatz gegen Unterdrückung und Tyrannei in kriegerischer oder sonstiger Form verstanden.

Und wenn diese Definition des dschihad von militanten Extremisten bisweilen instrumentalisiert wurde, um soziale und politische Ziele religiös zu untermauern, so widerspricht dies eindeutig dem Verständnis des Propheten Mohammed und den gläubigen Muslimen.

Krieg ist dem Koran zufolge entweder gerecht oder ungerecht; er ist niemals „heilig“. Folglich beschreibt man dschihad am besten als eine primitive „Theorie des gerechten Kriegs“: geboren aus der Not und inmitten blutiger Kriegswirren, die im Jahr 624 n. Chr. zwischen Mohammeds kleiner, aber ständig wachsender Gemeinschaft und der Übermacht der Quraisch ausbrachen.

Die Lehre vom dschihad, wie sie im Koran langsam entwickelt wurde, zog insbesondere eine Grenze zwischen der vorislamischen und der islamischen Kriegsführung, die nunmehr eine auf der Arabischen Halbinsel bis dahin unbekannte „ideologisch-ethnische Dimension“ erhielt, wie Mustansir Mir es nennt.
Kernpunkt der Lehre vom dschihad war die Unterscheidung zwischen Kämpfenden und Nichtkämpfenden. Frauen, Kinder, Mönche, Rabbis, die Alten oder Zivilisten zu töten war unter allen Umständen verboten.

Dieses Verbot wurde im islamischen Recht später auch auf die Folterung von Kriegsgefangenen, die Verstümmelung von Toten, auf Vergewaltigungen, Belästigungen und jede Art sexueller Gewalt in Kriegszeiten ausgedehnt; gleichermaßen verboten war es, Diplomaten zu töten, mutwillig Eigentum zu zerstören und religiöse oder medizinische Einrichtungen zu beschädigen -Regeln die, wie Himi Zawati bemerkte, in das moderne Kriegsvölkerrecht Eingang fanden.

Doch die vielleicht bedeutendste Neuerung in der Lehre vom dschihad war das strikte Verbot aller Kriege, sofern sie nicht der Verteidigung dienten.

„Kämpft nach dem Willen Gottes gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen!“ heißt es im Koran. „Aber beginnt nicht mit den Kampfhandlungen! Gott liebt nicht den Angreifer.
Surah Al-Baqara 2-190

"Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die angreifen.

Und an anderer Stelle noch deutlicher:

“Diejenigen die kämpfen, ist die Erlaubnis erteilt worden, weil ihnen Unrecht geschehen ist …, (Ihnen) die unberechtigterweise aus ihren Wohnungen vertrieben worden sind, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Gott.
Surah Al-Hajj 22-39

Die Erlaubnis, (sich zu verteidigen,) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah - und Allah hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen -, (39)

Wo im Koran in anderen Koranversen aufgefordert wird

„Tötet die Polytheisten, wo ihr sie findet (9-5)

„führe Krieg gegen die Ungläubigen und die Heuchler und sei hart gegen sie“. (9-73)

….und kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und die jüngsten Tage glauben“ (9-29).

Doch diese Aufforderungen waren speziell gegen die Quraisch und ihre in Yathrib versteckten Parteigänger gerichtet – im Koran als „Polytheisten“ und „Heuchler bezeichnet -, mit den die Umma in einer blutigen Auseinandersetzung stand.

Diese Verse wurden von Muslimen wie Nichtmuslimen zum Beweis dafür angeführt, dass der Islam zum Kampf gegen die Ungläubigen aufruft, um sie zu bekehren.

Doch weder im Koran noch bei Mohammed finden sich dafür Anhaltspunkte.
Diese Sicht entstand zur Zeit der Kreuzzüge und wurde, teils als Reaktion auf diese, von islamischen Rechtsgelehrten vorgetragen, die die „klassische dschihad-Lehre entwickelten: eine Lehre, die die Welt in zwei Sphären teilt: in das Haus des Islam und das Haus des Krieges, wobei alle Länder und Völker dazu bestimmt seien, in das Haus des Islam einzutreten.

Am Ende der Kreuzzüge, als sich Roms Aufmerksamkeit von der muslimischen Bedrohung abwandte und auf die christlichen Reformbewegungen Europa richtete, wurde die klassische dschihad-Lehre von einer neuen Generation muslimischer Denker hinterfragt.

Am entschiedensten von Ibn Taimiyya (1263-1328), der in seiner Bedeutung für die muslimische Theologie am ehesten mit dem christlichen Kirchenlehrer Augustinus verglichen werden kann. Ibn Taimiyya zufolge widerspricht die Einordnung Ungläubiger, die sich nicht zum Islam bekennen wollen, - ein Gedanke, der ja die Grundlage der klassischen dschihad-Lehre bildet – nicht nur dem Beispiel Mohammeds, sondern auch einem Grundprinzip des Korans, der lautet:

„In der Religion gibt es keinen Zwang (2-256).

In diesem Punkt ist der Koran in der Tat unnachgiebig.

“Es ist die Wahrheit, die von eurem Herrn kommt“,

heißt es dort: 

„wer nun will, möge glauben, und wer will, möge nicht glauben“ 18-29.

Der Koran fragt rhetorisch:

„Willst nun du die Menschen zwingen, dass sie glauben.“ (10-29). 

Offenbar nicht; daher befiehlt der Koran, den Ungläubigen zu sagen:

“Ihr habt Eure Religion und ich die meine (109-6).

aus dem Buch: KEIN GOTT - AUSSER GOTT von Reza Aslan

Geduld und Gottvertrauen

28. August 2022

Geduld und Gottvertrauen

Vor allem ist es aber die menschengerechte und seiner naturentsprechenden Lebensweise, die zu einem Einklang zwischen Körper und Seele führt. Im Leben des Propheten Muhammad (s) gibt es hierzu zahlreiche praktische Beispiele. Als theologisches Gerüst findet man hierbei vor allem zwei Aspekte: Geduld (Sabr) und Gottvertrauen (Tawakkul).

Der Begriff der Geduld spielt in der islamischen Theologie und im islamischen Alltag eine wichtige Schlüsselrolle für die Bewältigung von Krisensituationen. Weil damit das Vertrauen auf Gott symbolisiert wird, gilt sie als eine hohe Tugend, und es gibt eine ausgiebige Literatur hierzu.

Als Beispiel für Geduld wird in der islamischen Literatur oft der Prophet Hiob (a), der auch „Held der Geduld“ genannt und für seine Geduld gelobt wird, herangezogen. Laut der Berichte befand sich der Prophet Hiob (a) in einem schwer erkrankten Zustand. Er zeigte so lange Geduld, bis die Krankheit sein Herz und seine Zunge erreichten. Erst dann sprach er ein Gebet, nicht um seiner eigenen Gesundheit willen, sondern um weiterhin Gott anbeten zu können, da er befürchtete, dies nicht mehr bewerkstelligen zu können, wenn sein Herz und seine Zunge von der Krankheit befallen werden würden. Daraufhin gewährte ihm Gott Gesundheit und lies ihm dadurch seine Barmherzigkeit spüren. Diese Geschichte Hiobs (a) ist ein klassisches Narrativ und wird in Not- und Krisensituationen oft als Handlungsempfehlung wiedergegeben.

Hinter Leid steckt eine göttliche Weisheit

Hintergrund dieser Empfehlung ist, dass theologisch davon ausgegangen wird, dass sich alles mit göttlicher Gewalt und göttlichem Wissen vollzieht. Daher wird vor allem in Krisensituationen Gottvertrauen vorausgesetzt. Damit soll signalisiert werden, dass man sich dem göttlichen Willen unterordnet und Gott vertraut. Dabei soll man mit der „Verteilung“ Gottes, also mit dem, was einem Menschen im Leben trifft, zufrieden sein. Gott soll dem Gläubigen dabei Genügen.

Gottvertrauen erfordert in diesem Kontext auch zu erkennen, dass etwas, was der Mensch als gut betrachtet, in Wirklichkeit schlecht für ihn sein kann und umgekehrt. Hinter Leid steckt demnach eine göttliche Weisheit, Glaube und Vertrauen sollen hierdurch geprüft werden. Wer geduldig ist, soll Erbarmen erlangen. Hingegen wird der Verlust der Kontrolle in Notsituationen oder das Fixieren auf die Fehler der Vergangenheit als Fehlverhalten betrachtet.

Geduld als Lösung der Probleme

Gleichzeitig wird es als Gottesdienst angesehen, wenn man gegen Leid und Schmerzen Gottvertrauen und Geduld zeigt und hierfür Gott nicht anklagt. In Notsituationen auf die Hilfe Gottes zu warten, wird ebenfalls als ein Gottesdienst bewertet. Wer in solchen Situationen geduldig ist, dem sollen die Sünden getilgt werden und er wird gelobt. In der islamischen Literatur wird hierbei betont, dass der Geduldige mit Gott ist und er für seine Geduld belohnt wird. Das Endresultat von Geduld ist dann Erfolg, denn mit Geduld in Notsituationen könne der Mensch sowohl seine weltlichen als auch jenseitigen Wünsche erlangen. Aus dieser Argumentation heraus, werden Geduld und Gottvertrauen zu Gottesdiensten.

Es wird also davon ausgegangen, dass Gott niemanden mit einer Not,
einer Last, einem Problem oder einer Krise belastet, die er nicht tragen kann und daher die Belastungen nicht bewältigen kann. Angst, Hunger, Minderung an Besitz, Menschenleben oder Gaben werden direkt als Prüfungen Gottes erachtet. Prüfungen sind durch Gottes Hilfe zu bewältigen, der Schlüssel hierfür sei die Geduld. Die schwierigsten „Prüfungen“ hatten demnach die Propheten selbst zu tragen. Nur so konnten Propheten, die sich als Menschen ebenfalls in Notsituationen befanden, Vorbilder für die gesamte Menschheit sein. Daher wird in Situationen wie z. B. Unglück, Krankheit, finanzielle Notlage oder auch Abschlussprüfungen Geduld erwartet und vorausgesetzt. Mit Gottvertrauen, ohne sich auf das Ergebnis zu fixieren, solle man die notwendigen Mittel zur Beseitigung eines Problems, wie z. B. den Arzt aufsuchen, die Medizin einnehmen oder für die Prüfung lernen, anwenden.

Gottvertrauen und Geduld als spiritueller Impfstoff

Geduld und Gottvertrauen sind jedoch keine Vertröstungen, Trauer ist nicht verboten. Der Muslim geht davon aus, dass das Leben insgesamt eine Prüfung ist und der Mensch entweder mit Geduld oder Danksagung geprüft wird. Sowohl Krankheiten als auch Situationen, in denen keine Krankheiten vorliegen, werden als Prüfungen bezeichnet. Das heißt jedoch nicht, dass sich der Muslim nicht um eine Wiederherstellung der Gesundheit kümmert. Den Körper, der als Eigentum des Schöpfers betrachtet wird, zu pflegen, gehört zu einer muslimischen Lebensweise. So können zum Schutz des Lebens die in Normalfällen geltenden Regeln übertreten werden. Damit ist Geduld keine Passivität oder Legitimation für das Nichthandeln, sondern auch eine aktive Handlung, Hilfe bei Gott und den von ihm erschaffenen Mitteln zu suchen.

In der islamischen Literatur wird Gottvertrauen auch als eine „Eingangsstufe“ zur Spiritualität bezeichnet. Studien zeigen die Signifikanz von Gottvertrauen als Bewältigungsstrategie bei der Reduktion von Angst oder Depression.

Auf Grund dieser Überlegungen werden Geduld und Gottvertrauen zu zwei Verhaltensformen, die wie ein spiritueller Impfstoff eingenommen werden können. Der Mensch kann dadurch einen Zustand des inneren Friedens erreichen und sich von Stress und psychischen Belastungen befreien.

  1. 38:44 Surah Sad

„Und (Wir sprachen): „“Nimm ein Bündel in deine Hand und schlage damit und werde nicht eidbrüchig.““ Wahrlich, Wir fanden ihn geduldig. (Er war) ein vortrefflicher Diener; stets wandte er sich (Allah) zu. (44)

  1.  2:153Surah Al-Baqara

O ihr, die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Geduld und im Gebet; wahrlich Allah ist mit den Geduldigen. (153)

  1.  65:3; Surah At-Talaq

und versorgt ihn in der Art und Weise, mit der er nicht rechnet. Und wer auf Allah vertraut – für den ist Er sein Genüge. Wahrlich, Allah setzt durch, was Er will; siehe Allah hat für alles eine Bestimmung gemacht. (3)

  1.  39:36 Surah Az-Zumar

Genügt Allah Seinem Diener nicht? Und doch möchten sie dich mit jenen außer Ihm in Furcht versetzen. Und für einen, den Allah zum Irrenden erklärt, gibt es keinen Führer. (36)

  1.  2:216 Surah Al-Baqara

„Zu kämpfen ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, daß euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, daß euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Allah weiß es, doch ihr wisset es nicht. (216)

  1. 42:43 Surah Ash-Shura

Und wahrlich, wer geduldig ist und vergibt – das ist gewiß eine Tugend der Entschlossenheit in allen Dingen. (43)

  1.  8:46 Surah Al-Anfal

Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft nicht verläßt. Seid geduldig; wahrlich, Allah ist mit den Geduldigen. (46)

  1. 2:153 Surah Al-Baqara

„“Waret ihr etwa Zeugen, als Jakob im Sterben lag. Als er zu seinen Söhnen sagte: „“Wem werdet ihr dienen, wenn ich weg bin?““ sagten sie: „“Wir dienen deinem Gott, dem Gott deiner Väter Abraham, Ismael und Isaak, dem Einzigen Gott, und Ihm sind wir ergeben.““ (133)

  1.  39:10 Surah Az-Zumar

„“Sprich: „“O meine Diener, die ihr gläubig seid, fürchtet euren Herrn. Für diejenigen, die in dieser Welt Gutes tun, ist Gutes (bestimmt). Und Allahs Erde ist weit. Wahrlich, den Geduldigen wird ihr Lohn (von Allah) ohne zu rechnen gewährt werden.““ (10)

  1.  3:200 Surah Al-E-Imran

O ihr, die ihr glaubt, übt Geduld und wetteifert in Geduld und seid standhaft und fürchtet Allah; vielleicht werdet ihr erfolgreich sein. (200)

  1.  65:7 Surah At-Talaq

Jeder soll aus seiner Fülle ausgeben, wenn er die Fülle hat; und der, dessen Mittel beschränkt sind, soll gemäß dem ausgeben, was ihm Allah gegeben hat. Allah fordert von keiner Seele etwas über das hinaus, was Er ihr gegeben hat. Allah wird nach einer Bedrängnis Erleichterung schaffen. (7)

  1. 90:4 Surah Al-Balad

Wahrlich, Wir haben den Menschen (zu einem Dasein) in Bedrängnis erschaffen. (4)

  1. 2:155 Surah Al-Baqara

„Und gewiß werden Wir euch prüfen durch etwas Angst, Hunger und Minderung an Besitz, Menschenleben und Früchten. Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, (155)

  1.  2:185, Surah Al-Baqara

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur`an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, daß Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. (185)

  1. 94:5-6 Surah Ash-Sharh

Und, wahrlich, mit der Drangsal geht Erleichterung einher; (5) wahrlich, mit der Drangsal geht Erleichterung einher. (6)

  1. 4:78 Surah An-Nisa

„“Wo auch immer ihr seid, der Tod ereilt euch doch, und wäret ihr in hohen Burgen. Und wenn ihnen Gutes begegnet, sagen sie: „“Das ist von Allah““; und wenn ihnen Schlimmes begegnet, sagen sie: „“Das ist von dir.““ Sprich: „“Alles ist von Allah.““ Warum verstehen denn diese Leute kaum etwas von dem, was ihnen gesagt wird? (78)

  1. 21:35 Surah Al-Anbiya

Jede Seele wird den Tod kosten; und Wir stellen euch mit Bösem und mit Gutem auf die Probe; und zu Uns werdet ihr zurückgebracht. (35)

18. 2:214 Surah Al-Baqara

„Oder meint ihr etwa, ihr würdet ins Paradies eingehen, ohne (daß etwas) Ähnliches über euch gekommen sei wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Unheil erfaßte sie, und sie sind erschüttert worden, bis der Gesandte und diejenigen, die mit ihm gläubig waren, sagten: „“Wann kommt die Hilfe Allahs?““ Doch wahrlich, Allahs Hilfe ist nahe. (214)

  1.  67:2 Surah Al-Mulk

(Er,) Der den Tod erschaffen hat und das Leben, auf daß Er euch prüfe, wer von euch die besseren Taten verrichte; und Er ist der Erhabene, der Allvergebende, (2)

  1.  24:61 Surah Al-Noor

Kein Vorwurf trifft den Blinden, noch trifft ein Vorwurf den Gehbehinderten, kein Vorwurf trifft den Kranken oder euch selbst, wenn ihr in euren eigenen Häusern eßt oder den Häusern eurer Väter oder den Häusern eurer Mütter oder den Häusern eurer Brüder oder den Häusern eurer Schwestern oder den Häusern eurer Vatersbrüder oder den Häusern eurer Vatersschwestern oder den Häusern eurer Mutterbrüder oder den Häusern eurer Mutterschwestern oder in einem (Haus), dessen Schlüssel in eurer Obhut sind, oder (in dem Haus) eures Freundes. Es ist keine Sünde für euch, ob ihr nun zusammen oder getrennt eßt. Doch wenn ihr in Häuser eintretet, so begrüßt einander mit einem gesegneten, lauteren Gruß von Allah. So macht euch Allah die Gebote klar, auf daß ihr (sie) begreifen möge? (61)

  1.  48:17 Surah Al-Fath

Kein Tadel trifft den Blinden, noch trifft ein Tadel den Gehbehinderten, noch trifft ein Tadel den Kranken. Und den, der Allah und Seinem Gesandten gehorcht, wird Er in Gärten führen, durch die Bäche fließen; doch den, der (Ihm) den Rücken kehrt, wird Er mit schmerzlicher Strafe bestrafen. (17)

Gott ist der Orient – Gottes ist der Okzident

28. August 2022

Sure 2:223

6. August 2022

Der Koran ist die einzige Führung

30. Juli 2022

Meine Korantexte

24. Juli 2022

Größte Gelehrte im Islam war eine Frau!

9. September 2021

Ich hoffe sehr auf die jungen Menschen, vor allen den jungen Frauen in aller Welt, dass Sie den Islam in die heutige Zeit holen und sich nicht mehr verdrängen lassen von den Männern, sondern sie Zeichen setzen. Ich frage mich oft, wie Mohammed wohl in der heutigen Zeit gelebt und gehandelt hätte. Danach muss man sein Wissen und Handeln ausrichten, der Koran gibt viele Hinweise darauf und er ist nicht rückwärtsgewandt, wie viele denken, sondern ein Buch der heutigen Zeit.

Frauen haben in früheren Zeiten gelehrt, haben Fatwas ausgesprochen, waren klug und weise, und haben auch Männern Unterricht erteilt. ‚A’ischa, die Frau des Propheten, sagte: „Wie großartig sind die Frauen der Ansar. Ihre Bescheidenheit hielt sie nicht davon ab, zu Gelehrten im Din zu werden.

“ Es gibt keinen Zweifel, dass der Islam die Wichtigkeit des Wissens betont. Jeder kennt den berühmten Ausspruch des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken:

„Suche Wissen, selbst wenn es in China ist.“

Der Qur’an befiehlt uns ebenfalls, Wissen zu suchen.

Allah sagt: „Sprich: Herr, mehre mein Wissen.“ (Ta-Ha, 114)

Die Bedeutung von Wissen und dessen Konsequenzen wird den ganzen Qur’an hindurch zum Ausdruck gebracht:

„Nur diejenigen, die Wissen haben, werden es begreifen“ (Al-Ankabût, 43)
und
„Und sie sagen, ‘Hätten wir nur zugehört und unseren Verstand gebraucht, so wären wir nicht unter den Leuten des Feuerbrandes’.“ (Al-Mulk, 10)

Die Liste der Ajat (Verse) über dieses Thema könnte immer weiter fortgeführt werden. Die Leute des Wissens sind „die Erben der Propheten“, wie der Gesandte Allahs gesagt hat. Er sagte auch:

„Wissen fügt dem Edlen Ehre hinzu und erhebt den Sklaven, bis er die Ebene von Königen erreicht.“

Der Befehl, nach Wissen zu streben, ist ebenso an die Frauen gerichtet.

Das Wissen ‘A’ischas über den Din ist berühmt. Der Prophet sagte zu seinen Gefährten:

„Nehmt die Hälfte eures Dins von Humaira (‘A’ischa).“

Und die Berichte, die uns von den Gefährten vorliegen, belegen das unbeschreibliche Maß von Wissen, über das sie verfügte.

Abu Musa Al-Asch’ari sagte:
„Wann immer wir, die Gefährten des Propheten, auf irgendeine Schwierigkeit bezüglich eines Hadith stießen, brachten wir es ‘A’ischa vor und fanden, dass sie eindeutiges Wissen darüber hatte.“

‘Urwa ibn Az-Zubayr stellte fest:
„Ich habe keinen größeren Gelehrten gesehen als ‘Ai’scha, was das Lernen des Qur’an betrifft, die Aufteilung der Erbschaft, erlaubte und verbotene Dinge, Poesie und Literatur, arabische Geschichte und Genealogie.“

Ibn Al-Dschauzi erwähnt eine Überlieferung von Hischam ibn ‘Urwa, dass dieser zu ‘A’ischa sagte:
„Umm! (Mutter, da sie als Frau des Propheten eine der „Mütter der Gläubigen“ ist) Ich bin nicht überrascht von deinem Wissen über Poesie, denn du bist die Tochter von Abu Bakr, und er war derjenige, der am meisten von allen Menschen über Dichtung wusste. Doch ich wundere mich über dein Wissen in Medizin.“

Sie klopfte ihm auf die Schulter und sagte:

„Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, war am Ende seines Lebens krank, während die Delegationen der Araber aus allen Richtungen zu ihm kamen. Sie verschrieben Dinge für ihn und ich behandelte ihn entsprechend. Daher kommt es.“

Al-Qasim ibn Muhammad sagte:

„‘A’ischa übernahm das Geben von Fatwas (Rechtsgutachten) während der Khalifate Abu Bakrs, ‘Umars, ‘Uthmans und so weiter, bis sie starb.“

Bei Abu ‘Abdullah Al-Ghafiqi heißt es über ‘A’ischa:

„Sie hatte die meisten Überlieferungen vom Propheten und den meisten Fiqh (Rechtsverständnis) von denen, die Fatwa gaben. Sie wurde von Menschen aus den entferntesten Ländern zwecks Wissens von der Sunna und den Verpflichtungen aufgesucht. Sie erzählte alle Dichtungen der Araber mit großer Reinheit. Sie war wundervoll im Tafsir (Kommentar) des Qur’an und in eloquenter Ausdrucksweise. Sie hatte den reichsten Anteil von Wissen in Medizin.“

‘Urwa sagte:

„Nie sah ich jemanden mit mehr Wissen über das Erlaubte und Verbotene, Allgemeinwissen, Wissen über Dichtung und Medizin als ‘A’ischa.“

Masruq sagte,

„Ich sah die Gefährten ‘A’ischa über die Aufteilung der Erbschaft befragen.“

An-Nabulisi schreibt:

„Es gibt keinerlei Vorwurf oder Tadel für eine Frau, sich mit irgendeinem Aspekt des Strebens nach Wissen zu befassen und es zu lehren (…)

‘A’ischa pflegte die Wissenschaften zu interpretieren und herausragenden Männern Information über unklare Dinge zu geben.

(Von Aisha Bewley)

Kommentar:

Wo ist diese Auffassung in den Jahrhunderten geblieben, mit welchem Recht können die Männer sagen, Frauen dürfen nicht lehren und wenn, dann nur Frauen unterrichten, wo bei den Lebzeiten von Mohammed und unter den Kalifen, die Frauen sich überaus großes Wissen angeeignet haben und Fatwas ausgesprochen haben und Männern den Islam gelehrt haben.

Genauso verhält es sich mit der Trennung von Männern und Frauen, auch das war zu Mohammeds Zeiten nicht. Aber über die Jahrhunderte und der Einfluss der Kolonialzeit, wo die Europäern den arabischen Menschen ihre Auffassung von der Minderwertigkeit der Frau erklärten und danach handelten, hat sich das etabliert und gehört nicht in die heutige Zeit.

Ich hoffe sehr auf die jungen Menschen, vor allen den jungen Frauen in aller Welt, dass Sie den Islam in die heutige Zeit holen und sich nicht mehr verdrängen lassen von den Männern, sondern sie Zeichen setzen. Ich frage mich oft, wie Mohammed wohl in der heutigen Zeit gelebt und gehandelt hätte. Danach muss man sein Wissen und Handeln ausrichten, der Koran gibt viele Hinweise darauf und er ist nicht rückwärtsgewandt, wie viele denken, sondern ein Buch der heutigen Zeit.

Gebetszeiten Monat Juli 25

29. Juni 2025

Gebetszeiten Juni 2025

31. Mai 2025

Was ist der Ursprung des Ramadans

21. Februar 2025

Warum fasten die Musliminnen und Muslime

Rabeya Müller (Imamin und Islamwissenschaftlerin): 

Der Ramadan ist der Monat, an dem an die ersten Offenbarungen des Korans erinnert wird.

Das Fasten ist eine Sache, die im Koran klar vorgeschrieben ist und es wird auch immer wieder daran erinnert, dass auch andere Religionsgemeinschaften vorher schon gefastet haben.

Das heißt, das Fasten öffnet eine Tür für das soziale und rücksichtsvolle, gemeinschaftliche Leben.  

Es ist auch immer ein bisschen ein Neuanfang für Leib und Seele, eine Möglichkeit der Rückbesinnung.

Man kann sich auch klarmachen, dass der Wohlstand, in dem wir leben, nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist.

 

 

DOMRADIO.DE: 

Der Ramadan ist recht streng. Einen Monat nicht essen und trinken, richtig?

Rabeya Müller:

Richtig. Man soll auch nicht rauchen und soll versuchen, sich mit entsprechenden Verbalattacken zurückzuhalten, um einfach wieder eine Einstimmung auf ein friedliches Zusammenleben einzuüben.

DOMRADIO.DE:

Wie streng wird das denn genommen? Wenn ich jetzt eine schwere Arbeit habe und von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht trinken darf – vor allem kein Wasser – dann ist das schon recht schwierig, oder?

Rabeya Müller: 

Ja, das ist relativ schwierig. Das zu bestreiten, wäre unsinnig.

Es ist aber so, dass das immer noch relativ rege praktiziert wird.

Allerdings kennen der Koran und der Islam auch Möglichkeiten der Ausnahme. Dazu gehören Menschen, die krank sind, Schwangere, jemand mit einer sehr schwierigen Arbeit und auch gebrechliche Menschen können einen Dispens haben.

Man kann das Fasten in Zeiten nachholen, in denen es nicht so lange dauert oder man kann auch eine Ersatzleistung bringen. Das wird aber meistens nicht so gern in Anspruch genommen.

DOMRADIO.DE:

Welche Fragen bekommen Sie als Imamin gestellt, wenn es um den Ramadan geht?

Rabeya Müller:

Grundsätzlich ist immer die Frage, ob das nicht ungesund sei, wenn man den ganzen Tag nicht trinkt.

Das ist in der Tat ein ziemlicher Flüssigkeitsverlust, den man natürlich auch wieder aufholen kann. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass ich eine Ersatzleistung erbringen kann, wenn ich dazu nicht in der Lage bin.

Ich empfehle das auch immer vielen Leuten, die sich unglaublich schwertun, wenn der Ramadan in so eine heiße oder lange Zeit fällt. Auf der anderen Seite gibt es so viele Leute, die tatsächlich den ganzen Tag nichts zu trinken bekommen und wir dürfen nicht vergessen, wir können abends wieder trinken. Bei uns kommt das Wasser aus der Leitung. Das ist immer noch super.

DOMRADIO.DE:

Sie waren früher einmal Katholikin. Heute sind sie Imamin. Hat das Fasten im Christentum und im Islam eine ähnliche Bedeutung?

Rabeya Müller:

Es hat natürlich ähnliche Aspekte, hinsichtlich der Erinnerung und der Rückbesinnung an die Menschen, denen es nicht so gut geht. Aber man darf nicht vergessen, dass für die Musliminnen und Muslime der Ramadan auch die Erinnerung an die erste Offenbarung des Korans ist. Das macht schon einen Unterschied

© Prabhat Kumar Verma (  dpa )

Tod und Jenseits (christlich + muslimisch

3. Januar 2025

TOD (christlich)

Der Tod, bedingt durch den endgültigen Stillstand aller physiologischer Lebensfunktionen, ist das unwiderrufliche Ende eines Lebenswesen.
Was auch immer die unmittelbare Ursache hierfür sein mag, der letzte Grund liegt in der Kontingenz, in der Endlichkeit geschaffener Wirklichkeit, und umgreift alles was ist.
Dass der Mensch sich der Einsicht, selbst davon betroffen zu sein, nicht entziehen kann, ist von größter existenzieller Tragweite.
Mit dem Tod geht sein Dasein unwiderruflich zu Ende, der Sinn des Lebens wird radikal und infrage gestellt. Dagegen ließe sich einwenden, der Mensch werde von einem derartigen biologistisch und empiristisch reduzierten Verständnis des Todes überhaupt nicht betroffen, er sei mehr und anders als nur ein Fall von Weltwirklichkeit, er bestehe wesentlich in seiner unsterblichen Seele.
Diese These hat ihre Wurzeln im mythologischen Bereich der Orphik, einer religiös-philosophischen Bewegung der Antike. Platon (gest. 348/347v. Chr.) hat deren Gedanken aufgenommen und in seiner Lehre eines radikalen Leib-Seele-Dualismus entfaltet. In diesem Kontext wird der Tod als Trennung der unsterblichen Geist-Seele von ihrem vergänglichen Körper gedeutet.
Die christliche Auffassung von Welt und Mensch unterscheidet sich radikal von solchen philosophischen Entwürfen, wenngleich nicht übersehen werden darf, dass die genuin christlichen Vorstellungen vom Tod bis heute im neuplatonischen Sinn verfälschend interpretiert wurden. Dem christlichen Offenbarungsverständnis ist jeder Dualismus fremd
Der Mensch ist als unaufhebbare innere Einheit aus Geist und Materie von Gott geschaffen.
Die Seele ist die Wirklichkeit des Leibes und der Leib die Erscheinung, das Dasein der Seele. Der Tod kann deshalb nicht als Trennung von Leib und Seele gedacht werden, sondern nur als das Ende des ganzen Menschen. Nichts am Menschen überlebt den Tod.
Mit der Frage nach dem Ende des irdischen Daseins und der Möglichkeit einer Existenz jenseits der Todesgrenze ist die eigentlich theologische Dimension der Todesproblematik noch nicht angesprochen.
Wenn in der Schrift vom Tod die Rede ist, dann geht das nicht um das medizinisch feststellbare Ende des Menschen, es geht vielmehr um den Tod als die eigentliche Folge der Sünde. Mit Sünde wird das Verhältnis des Menschen zu Gott Thema. Sünde bedeutet Trennung von Gott und insofern Schlimmeres als das biologische Ende des Lebens.
Die Abkehr von Sünde, und damit die Überwindung der Trennung von Gott ist zugleich die Überwindung des Todes und infolgedessen ewiges Leben als Gemeinschaft mit Gott.
Diese Wirklichkeit beginnt schon in diesem Leben. Das ist gemeint, wenn von der „Auferstehung der Toten“ die Rede ist (vergl. 1 Joh 3/14; Joh,11,25; 2 Kor5,5)
An Gott glauben und gleichzeitigen dem endgültigen Tod verfallen zu sein schließt sich gegenseitig aus.

Tod (islamisch)

Tod, bedeutet das Ende des Lebens. Die Auflösung der Einheit von Leib und Seele hat den Tod zu Folge.
Muslimische Gelehrte haben versucht, den Tod im Rahmen der Verhältnisbestimmung zwischen Leib und Seele zu erklären.
Es gibt zwei unterschiedliche Positionen. Nach der einen gilt die Seele für eine veränderliche Eigenschaft (Akzidens), nach der anderen für eine unveränderliche Substanz.
Daraus resultieren zwei Deutungen des Todes.
Jene, die die Seele als Akzidenz definieren, nehmen an, dass sie nach dem Tod des Lebens nicht weiter existieren können, da sie notwendigerweise mit dem Leib verbunden ist. In diesem Fall bedeutet die Anwesenheit der Seele im Leib das Leben, das Verlassen dagegen der Tod. Ein erneutes Leben ist nur durch Wiedererweckung des Menschen oder durch dessen Neuschöpfung möglich.
Im Koran kommt dies in der Vorstellung zum Ausdruck, dass am Tag des Gerichts sowohl Himmel und Erde als auch jeder einzelne Mensch neu geschaffen werden. Jedoch bewahren dies durch Neuschöpfung zur Existenz gebrachten Menschen die gleichen Züge, die sie in ihrer jeweiligen Identität entwickelt haben (14/48) Der Verstorbene wird also in seinem vollständigen seelisch-leiblichen Zustand neu erschaffen.
Andere muslimische Gelehrte haben die mit dem Leib verbundene Seele für unzerstörbar und verstehen den Tod als Trennung von Leib und Seele.
Hier ist der Leib – im Gegensatz zur obigen Auffassung – für die Existenz der Seele nicht erforderlich; die Seele existiert also unabhängig vom Leib. Gemäß dieser Auffassung wird der Leib auf ein Werkzeug reduziert, das der Seele untergeordnet ist.
Der Tod – sei es derjenige von Leib und Seele oder nur der des Leibes – ist ein Ereignis, das jedes Lebenswesen trifft. Die islamische Religion legt dar, dass in den anderen, von dem Leben in der Welt in das Leben im Jenseits, bedeutet, So betrachtet bedeutet der Tod als nicht Vernichtung oder Ende, sondern einen Übergang von der endlichen Existenz in die unendliche.
Auszug aus Lexikon des Dialogs


Jenseits (christlich)

Die Vorstellung von einem Jenseits als Reich der Verstorbenen ist religionsgeschichtlich lange vor dem Auftreten des Christentums entstanden. Zahlreiche Elemente der vorchristlichen Jenseitsauffassungen fanden vor allem in den Volksglauben der Christen Eingang, aber auch in die Bibel und das theologisch-literarische Schrifttum.
Trotzdem sind solche Einflüsse nicht unproblematisch.
Die traditionellen Ausmalungen des Jenseits sind nur sehr bedingt dazu geeignet, das Spezifische der christlichen Eschatologie (=Lehre vom Leben nach dem individuellen Tod und dem Ende der Welt) zu vermitteln
Der Grund dafür liegt darin, dass die jenseitigen Dimensionen zuallermeist noch in räumlichen oder sogar zeitlichen Kategorien gedacht werden.
Das Jenseits wird als Ort oder auch als Dauer neben oder Außerhalb der Welt der Lebenden vorgestellt und somit einem DIESSEITS parallel gesetzt.
Diesseits und jenseits erscheinen so als Teile eines beide umfassenden Kosmos, wobei das Jenseits dann noch in einem Bereich der Vollendung (Paradies, Himmel) oder eine Bestrafung (Unterwelt, Hölle) untergliedert wird.
Der christlichen Auffassung kann man aber nur gerecht werden, wenn man das Leben nach dem Tod in Kategorien denkt, die Raum und Zeit absolut transzendieren.
Das von Gott dem Menschen nach christlichem Glauben geschenkte neue Leben nach dem irdischen Tod ist nicht als ein Übergang zwischen zwei Welten zu verstehen. Erhofft wird vielmehr eine Vollendung des diesseitigen Lebens und der diesseitigen Welt, in die all das in verwandelter Weise mit aufgenommen wird, was in der geschichtlichen Zeit des Individuums und des Universums geworden ist.
In diesem Zustand jenseits von Raum und Zeit wird die ganze Schöpfung von der Vergänglichkeit des Todes befreit und der Mensch mit einer neuen dialogisch-personalen Nähe zu Gott >von Angesicht zu Angesicht< (1.Kor 13,12) beschenkt.
Aufgrund ihres beseligenden und erhebenden Charakters wird die Vollendung bildhaft auch mit dem kosmologischen Phänomen des Himmels in Verbindung gebracht.
Auf Grundlage des christlichen Glaubens an einen absolut liebenden und verzeihenden Gott ist die Annahme gerechtfertigt, dass Gott grundsätzlich allen Menschen den Weg in diese Vollendung nach dem Tod eröffnet.
Da Gott den Menschen aber als Wesen mit freiem Willen geschaffen hat, kann auch Gott keinen Menschen nach dem Tod gegen dessen Willen retten. Von daher ergibt sich die Notwendigkeit zumindest der Möglichkeit einer bleibenden Entscheidung gegen Gott und seine verzeihenden Liebe, die eine entsprechende Gottferne zur Folge hat.
Dieser von einer freien Willensentscheidung des Menschen zu verantwortender Zustand der Abkehr von Gott ist der christliche Sinn der traditionelle Rede von der Hölle.
Da diese Befindlichkeit der prinzipiell auf Gott ausgerichteten menschlichen Natur nicht wesensgemäß ist, wird sie mit Schmerz, Qual und Pein in Verbindung gebracht.
Das im Zusammenhang mit dem Jenseitsglauben angenommene „Jüngste Gericht“ kann positiv als Moment der endgültigen und freien Entscheidung des Menschen in die Bereuung der eigenen Schuld und die Annahme der barmherzigen Liebe Gottes gedeutet werden.


Jenseits (islamisch)

Unter Jenseits versteht man ein im Anschluss an das irdische Dasein beginnendes Leben.
Der Glaube an das Jenseits gehört zu den Grundlagen der islamischen Religion.
Am jüngsten Tag endet die kosmische Ordnung und Gott errichtet eine neue Ordnung. In dieser werden die Menschen auferweckt und beginnen ein neues Leben.
Nach der Wiedererweckung werden sich die Menschen an einen Ort versammeln, an dem eine Waage aufgestellt wird und wo sie gemäß ihren Taten zu Rechenschaft gezogen werden.
Für das Verständnis des Jenseits ist der Glaube ausschlaggebend, dass der Mensch für seine Taten in der Welt vor Gott verantwortlich ist. Je nach göttlichem Urteil werden die Menschen nach dem Tod entweder belohnt oder bestraft. Als Belohnung ist das Paradies vorgesehen, als Strafe hingegen die Hölle.
Der Glaube an das Jenseits setzt den Glauben Gottes Allmacht (36,37) und das Vertrauen auf Gottes gerechtes Urteil (23,86) voraus.
Gott hat den Menschen bei der Erschaffung mit Würde und Vernunft ausgestattet. Der Mensch hat die Fähigkeit, Gutes vom Schlechtem, Wahres vom Falschem, Gerechtigkeit von Ungerechtigkeit zu unterscheiden. Gott hat dem Menschen in der Welt viele Gnadengaben zukommen lassen. 6/2; 32/9) und ihm damit eine große Verantwortung übertragen, (76/1-3; 11/7)
Er stellt die Menschen vor die Entscheidung, das Gute zu wählen. Somit trägt der Glaube an das Jenseits dazu bei, dass ein Muslim ethisches Verhalten entwickelt. Nach islamischem Glauben werden gute Menschen im Jenseits durch eine wahrhaftige, ewige Gnadengabe belohnt. Der Mensch sollte aus den von Gott gewährten irdischen Gütern auf beste Weise Nutzen ziehen, dabei jedoch nicht vergessen, dass sie vergänglich sind.
Ausschließliche Hinwendung zu irdischen Gütern führt zu Entfremdung von Werten, wie Gerechtigkeit, Wohltätigkeit, Selbstlosigkeit, Tugendhaftigkeit, Vergebensbereitschaft und gesellschaftlicher Solidarität – von Werten als, für die man im Jenseits belohnt wird (16/60)
Teile aus dem Buch Lexikon des Dialogs.



Jesus in der Theosophie Ibn Arabis

31. Juli 2024
Annemarie Schimmel
Ein Auszug aus dem Buch Jesus und Maria in der islamischen Mystik ar Jesus für die frühislamischen Mystiker und Asketen ein Modell asketischen Lebens, so war er in den Werken der mystischen Dichter, die alte Legenden übernahmen und ausschmückten, das Vorbild für die Menschen in Güte und Reinheit, während er in der Dichtung im Allgemeinen zum Symbol des Geliebten wurde, der durch seinen erhofften Kuss dem vor Sehn­sucht halbtoten Liebenden neues Leben einhaucht, aber auch zum Geist, der mit dem vergänglichen materiellen Leib kontrastiert wird. In den hochfliegenden theosophischen Spekulationen Muhyiddin Ibn Arabis aber nimmt er einen besonderen Platz ein. Ibn Arabi, 1165 in Murcia geboren und nach langen Wanderungen 1240 in Damaskus gestorben, hinterließ, abgesehen von Hunderten kleinerer Werke, zwei Hauptschriften, die Futuhat al-Makkiyya (die »Mekkanischen Eröffnungen«), in denen er in 560 Kapiteln jene Offenbarungen mitteilt, die er in einem Moment der Erleuchtung beim Umwandeln der Kaaba in Mekka empfangen hatte, und die Fusus al-Hikam (die »Ringsteine der Weisheitsworte« oder Die Weisheit der Propheten), die, vom Propheten Mohammed selbst inspiriert, Auslegungen der speziellen Stellung jedes der Mohammed vorausgehenden siebenundzwanzig Propheten enthalten, deren Lehre dann mit Mohammed, dem abschließenden Gottesgesandten und »Siegel der Propheten« vollendet wurde.

In den hochfliegenden

theosophischen Spekulationen

Muhyiddin Ibn Arabis nimmt

Jesus einen besonderen Platz ein.

Jesus spielt eine außerordentlich wichtige Rolle in diesem komplizierten System, wie sich aus den Ibn Arabi in jüngster Zeit gewidmeten Studien erschließen lässt. Seine Biografie von Claude Addas, La quête du soufre rouge, (»Die Suche nach dem roten Schwefel«; der wichtigsten Ingredienz in der Alchimie), kommt immer wieder auf Jesu Rolle für den großen mystischen Denker zurück, und es wäre zu wünschen, dass Claude Addas oder ihr Vater, Michel Chodkiewicz, einmal ein zusammenfassendes Werk über die Rolle Jesu und Marias verfassen würden, einem Thema, das in ihren Werken immer wieder anklingt. Hier können nur einige wichtige Punkte hervorgehoben werden. Dabei ist das Kapitel über Jesus in den Fusus al-Hikam besonders lesenswert, obgleich es von zahlreichen theoretischen Bemerkungen durchdrungen ist. Im Folgenden sind die zentralen Sätze übersetzt:

Vom Wasser Marias oder Gabriels Hauch, in Gestalt eines Menschen, geschaffen aus Ton, so formte der Geist sich im Wesen, gereinigt von aller Natur, die genannt wird sidschin (Gefängnis). Deswegen währte sein Bleiben so lange auf Erden, wohl tausend Jahre und mehr. Ein Geist von Gott und von anderen nicht, so belebte er Tote, schuf Vögel aus Ton, bis dass er verbunden ganz mit seinem Herrn und wirkte durch Ihn in der Tiefe, der Höhe. Gott reinigte ihn im Leibe und klärt’ ihn im Geist und macht’ ihn gleich Sich im Erschaffen.

Und Jesus zeigte sich und

belebte die Toten, weil er

Göttlicher Geist war, denn das

Beleben gehört Gott und der

Hauch Jesus, so wie einst der

Hauch Gabriel gehört hatte und

das Wort Gott.

So beginnt das Kapitel über Jesus, und der wichtigste Punkt, auf den Ibn Arabi immer wieder zurückkommt, ist die Tatsache, dass Jesus durch das in ihn gelegte Wort Gottes, den Geist Gottes, seine Wunder vollbrachte – wie ja auch im Koran immer wieder darauf hingewiesen wird, dass er Kranke heilte und Tote belebte »mit Erlaubnis Gottes«. Als sich der getreue Geist, das ist Gabriel, Maria als »wohlgestalteter Mensch« darstellte [vergleiche Sure 19:17], bildete sie sich ein, er sei ein Mann, der mit ihr schlafen wollte. Da bat sie Gott um Schutz vor ihm, ganz und gar, damit Gott sie von ihm befreie, weil sie wusste, dass solches nicht erlaubt ist. So erfuhr sie völlige Gegenwart mit Gott, und das ist der »unsicht­bare Geist«. Hätte dieser in dem Augenblick in sie gehaucht, als sie in diesem Zustand war, dann wäre Jesus so erschienen, dass ihn keiner hätte ertragen können wegen seiner harten Natur, [die sich aus dem] Zustand seiner Mutter [erklärt]. Aber als er zu ihr sagte: »Ich bin nur ein Gesandter deines Herrn«, ich kam, »um dir einen reinen Knaben zu schenken« [Sure 19:19], da entspannte sie sich von diesem Zusammengepresstsein und ihre Brust weitete sich. In diesem Augenblick hauchte er ihr Jesus ein. Gabriel übertrug Gottes Wort an Maria, so wie der Prophet das Wort Gottes an seine Gemeinde überträgt. Das ist Seine Rede »und Sein Wort, Er legte es in Maria, und Geist von Sich« [4:171]. Da erwuchs Lust in Maria, und der Leib Jesu wurde aus dem wirklichen Wasser Marias und dem hypothetischen Wasser Gabriels geschaffen […] und er erschien in menschlicher Gestalt seiner Mutter wegen und weil Gabriel sich in menschlicher Gestalt manifestiert hatte, und diese Schöpfung in menschlicher Art geschah nach gewohnter Anordnung. […] Und Jesus zeigte sich und belebte die Toten, weil er Göttlicher Geist war, denn das Beleben gehört Gott und der Hauch Jesus, so wie einst der Hauch Gabriel gehört hatte und das Wort Gott. Dass Jesus die Toten erweckte, war ein wirkliches Beleben, insofern es sich durch seinen Atem zeigte, so wie er aus der Form seiner Mutter erschien. Doch war das Beleben auch hypothetisch, da es ihm zuzukommen [schien], in Wirklichkeit aber nur von Gott kam. […] Jesus ging in Demut so weit, dass seiner Gemeinde befohlen wurde: »Zahlet die Sondersteuer vollkommen, euch erniedrigend« [Sure 9:29], und jemand, dem man auf eine Wange schlägt, soll auch die andere Wange hinhalten und nicht zurückschlagen oder Vergeltung suchen. Das kommt zu ihm von Seiten seiner Mutter, denn die Frau ist niedrig, und sie ist demütig, weil sie dem Mann virtuell und gefühlsmäßig untersteht. […] Aber die Kraft zur Belebung und Lossprechung (ibra), kommt daher, dass Gabriel in Gestalt eines Mannes in sie hauchte. Und Jesus belebte menschliche Tote. Wäre Gabriel nicht in menschlicher Gestalt gekommen, sondern in einer anderen Gestalt aus den Elementarwesen – Tieren, Pflanzen oder Mineralien –, dann hätte Jesus nur das auferwecken können, was sich in solcher Gestalt zeigte. Und wäre Gabriel in seiner lichtvollen Gestalt außerhalb von Elementen und Substanzen erschienen und nicht aus seiner [himmlischen] Natur herausgegangen, dann hätte Jesus die Toten nur in dieser lichtvollen natürlichen Form beleben können, aber nicht in der aus Elementen bestehenden Form in menschlicher Gestalt [, die er von] seiner Mutter [erhalten hatte]. Und manches Mal hatte man gesagt, wenn er die Toten belebte: »Er und nicht er«. [Das heißt, er tut es scheinbar, aber in Wirklichkeit tut Gott es, sodass der eigentlich Handelnde verborgen bleibt.]

Ibn Arabi empfand, dass Jesus

sein erster geistiger Meister

»unendlich liebevoll« zu ihm

war und ihn »nicht einen

Augenblick vernachlässigte«,

und er fühlte deutlich, dass er

unter dem Schutz von Jesus,

Maria und Mohammed stand

. Das Kapitel führt die Rolle Jesu noch theoretisch weiter aus; doch für den gelehrten Autor war Jesus noch mehr, als man aus seinen Worten in den Fusus al-Hikam erkennt: Jesus war sein erster wirklicher geistiger Lehrer, und er schreibt: »Ich wandte mich um [das heißt, ich brach in Reue mit meinem bisherigen Leben] durch und in seiner Hand (‘ala yadihi)«, das heißt, Jesus war der eigentliche geistige Meister, dem er den Treueid in die Hand schwur, und so in den Weg des Glaubens initiiert wurde. Der junge Sucher erzählt dann: Er betete für mich, dass ich in der Religion in dieser und der nächsten Welt beständig bliebe, und er nannte mich seinen geliebten Freund; und er befahl mir, Askese und Isolation zu üben. Ibn Arabi empfand, dass dieser sein erster geistiger Meister »unendlich liebevoll« zu ihm war und ihn »nicht einen Augenblick vernachlässigte«, und er fühlte deutlich, dass er unter dem Schutz von Jesus, Maria und Mohammed stand. Wundersame Dinge geschahen ihm nach seinem eigenen Zeugnis dank dem geistigen Einfluss Jesu; er erreichte sogleich den mystischen Standplatz von Qadib al-Ban, einem legendären Gottesfreund, der die verschiedensten Gestalten annehmen konnte.

In Mekka erfuhr Ibn Arabi auch,

dass Jesus die vollkommenste

Manifestation der

»Mohammed-Heiligkeit« ist.

Aber nicht nur die direkte Verbindung mit Jesus prägte Ibn Arabi. Einer der einflussreichsten geistigen Führer, der in Ibn Arabis Entwicklung eine wichtige Rolle spielte, war der illiterate al-‘Uryabi – auch bei ihm erkannte der junge Sucher, dass er »zu Füßen Jesu« lebte. Und noch mehr! Bei der Pilgerfahrt nach Mek­ka wurde ihm klar, dass ar-rukn al-yamani, die südöstliche Ecke der Kaaba, geistig dem gehört, der »am Herzen Jesu« ist – und wer die zentrale Rolle der rukn al-yamani in der islamischen Tradition kennt, versteht, was diese Zuschreibung bedeutet. In Mekka erfuhr Ibn Arabi auch, dass Jesus die vollkommenste Manifestation der »Mohammed-Heiligkeit« ist – jeder Prophet nimmt ja an einem bestimmten Aspekt des abschließenden Propheten Mohammed teil –, und wenn Mohammed nach dem Koran das »Siegel des Prophetentums« ist, dann erscheint Jesus (und abgeleitet davon also auch sein enger Freund Ibn Arabi) als »Siegel der Gottesfreundschaft«. Besonders aufschlussreich ist in dieser Verbindung eine Vision Ibn Arabis, der in der ‘alam al-mithal, der mundus imaginalis, den Propheten Mohammed erblickte. Rechts von ihm stand sein erster Nachfolger, Abu Bakr, links von ihm sein zweiter Nachfolger, der gestrenge ‘Omar; auch der dritte und der vierte Kalif, ‘Uthman ibn ‘Affan und ‘Ali ibn Abi Talib, waren anwesend. Aber das »Siegel« (der Heiligkeit), Jesus, saß mit gekreuzten Beinen vor ihm und sprach über die Geschichte der Frauen. Der Prophet, so sah es Ibn Arabi, erblickte ihn (Ibn Arabi) hinter dem »Siegel« (Jesus), »weil sein und mein Status so ähnlich sind«, und er sagte: »Dieser Mann ist dir gleich, und er ist dein Sohn und dein Freund.« Solche nicht gerade bescheidenen Visionen scheinen typisch für Ibn Arabi mit seinen allumfassenden geistigen Ansprüchen, wenngleich sie einem nüchternen Leser – sei er Muslim oder Christ – doch nicht ganz akzeptabel erscheinen.

Gott wird durch Jesus die

»größere Gottesfreundschaft«

besiegeln: »Er ist Gottes Geist

und Gottes Wort, und die Worte

der wahren Wirklichkeit werden

niemals erschöpft.«

Für Ibn Arabi ist Jesus ein »echter Mohammedaner«; deswegen wird er am Ende der Zeiten wiederkehren und, wie bereits bemerkt, die Menschen nach der Tradition Mohammeds richten. Gott wird durch ihn die »größere Gottesfreundschaft« besiegeln: »Er ist Gottes Geist und Gottes Wort, und die Worte der wahren Wirklichkeit werden niemals erschöpft.« So erscheint Jesus in dem Gedankengebäude des großen mittelalterlichen Denkers in der Tat als das, was das Johannesevangelium aussagt: Er ist der Logos, ist wesenhaft Wort und Odem Gottes und damit der reine Geist. Merkwürdigerweise traf Ibn Arabi bei seinem Himmelsaufstieg Jesus wie auch Johannes den Täufer im zweiten Himmel, nicht, wie in anderen Traditionen, im vierten (wo er Idris, ebenfalls lebendig in den Himmel aufgenommen, lokalisiert). Jesus erzählt dabei dem Besucher, dass seine Fähigkeit, Tote zu beleben, aus seiner geistigen Natur käme, die er von Gabriel erhalten hatte, als dieser seiner Mutter Maria erschien; diese Gedanken sind dann in dem schon zitierten Kapitel der Fusus al-Hikam theoretisch weiter ausgebaut. © Kösel-Verlag, München / Random House Bücher zum Thema Annemarie Schimmel: Jesus und Maria in der islamischen Mystik

Warum bin ich Mitglied im LIB e.V.

23. Juli 2024

Warum ich beim LIB Mitglied bin
Wie jede Religion bezieht auch der Islam seine Stärke aus der Spannung der Gläubigen
zwischen der Gemeinschaft und dem individuellen Glauben.
Für mich steht der individuelle Glaube an erster Stelle, ich bin eine überzeugte Muslimin.
Was jedoch die Gemeinschaft der Gläubigen angeht, kam und kommt keiner der vier
etablierten Verbände (DITIB, VIKZ, ZDM und Islamrat) meiner Vorstellung von einem
pluralen Verständnis des Islam entgegen. Ich empfinde sie alle als dogmatisch, ethnisch geprägt und vor allem zu nah am politischen Islam.
Inhalte und Logistik tragen die Handschrift der Türkei und bestimmter arabischer Staaten und haben weder mit meinem Verständnis von Islam noch mit meinem Alltag irgendetwas zu tun.
Erst mit der Gründung des LIB kam frischer Wind auf. Hier wurde ein Verein gegründet, der nicht nur in Deutschland zu Hause ist, sondern mir auch durch sein progressives Verständnis eine Glaubensheimat werden konnte. Endlich war es mir möglich, Teil einer muslimischen Gemeinde zu sein. Heute bin ich sehr froh, dass wir aus dem LIB heraus die Muslimische Gemeinde Rheinland (MGR) gegründet haben.

So jung der LIB im Vergleich zu den anderen Verbänden ist, er bildet die Pluralität am sichtbarsten des Islam ab. Auch eine „Exotin“ wie ich kann dabei sein, denn „mit – machen“ bedeutet für den LIB nicht automatisch „mit-laufen“. Ich bezeichne mich als „Exotin“, weil ich eine Zweiflerin am Althergebrachten bin. Ich wehre mich dagegen, Glaubensgrundsätze und deren Deutungen nicht zu hinterfragen. Wir müssen Vieles in Frage stellen, was uns jahrhundertelang gepredigt worden ist.
Der Islam ist reformierbar, wie jede Religion. Das lehrt uns die Geschichte. Wer sich die Historie anschaut, wird schnell feststellen, dass es im Islam immer Reformer gegeben hat. Auch wenn sie sich nicht jetzt nicht durchzusetzen vermögen, sie haben dem Islam einen größeren Dienst erwiesen als diejenigen, die meinen, die Zeit anhalten zu müssen.
Heute ist eine zeitgemäße Auslegung von Koran und Sunna wichtiger denn je. Sie wird
viele Gläubige aus dem Konflikt herausholen, sich vermeintlich zwischen Moderne und
Islam entscheiden zu müssen. Sie wird denjenigen, die den Islam als eine gewalttätige Religion auslegen, Einhalt gebieten.
Und last but not least wird sie dadurch den Fortbestand des Islam in den nächsten Jahrhunderten sichern.
In Sure 2:185 heißt es,dass Gott es dem Menschen „leicht machen“ will und nicht schwer.
Und ich schließe mich
den Worten unserer ehemaligen Vorsitzenden und Mitbegründerin des LIB, Lamya Kaddor, an, wenn sie sagt:
„Die Religion ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt der Mensch für die Religion.“
Ich füge hinzu: Nur wer den Mut hat, über Veränderung zu diskutieren, kann das, was ihm wichtig ist, behalten.
Ansonsten gerät der Glaube zur Folklore.

Trost für alle die trauern

22. Juli 2024

Steh nicht weinend an meinem Grab, ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht. Ich bin tausend Winde, die weh’n, ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee, ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn, ich bin der sanfte Regen im Herbst.

Wenn Du erwachst in der Morgenfrühe, bin ich das schnelle Aufsteigen der Vögel im kreisenden Flug. Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht. Steh nicht weinend an meinem Grab,

Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht. Du kannst mich nur nicht mehr sehen, nicht mehr berühren. Aber ich werde immer da sein, egal wo du bist. Ich werde der Wind sein, der zärtlich durch dein Haar streicht – der Regen, der sanft deine Haut berührt – der Regenbogen am Horizont, der dir die schönsten Farben schenkt – die Sonne, die dich wärmt und mit dir lacht – der Duft von Sommer, den du einatmest – die Erde, auf der du gehst – die Nacht, in der ich für dich die Sterne erstrahlen lasse – der Tag, der dir tausend Überraschungen bringt – die Hoffnung, die dich trägt, wenn du traurig bist – dieses Gefühl, was in dir ist, wenn du glücklich bist.

Du kannst mit mir reden, ich werde dich immer hören – oder einfach weinen, dann nehm ich dich in meinen Arm und du wirst dich frei fühlen. Ich werd über deinen Schlaf wachen und dir wundervolle Träume schenken. Du brauchst keine Angst haben , du bist niemals allein, weil ich immer da sein werde , wenn du an mich denkst, so wie ich an dich denke!

gefunden Bild – Netzfund — hier: Melaten-Friedhof.

Was ist das Ziel des Islams? Was heißt FASTEN?

23. März 2024

Waqar Tariq (Berater des Bundesvorstandes des Liberal-Islamischen Bundes)

Die Hauptfrage ist, was ist das Ziel des Islams, mit der muss man sich befassen, bevor wir uns mit dem konkreten Fasten befassen. weil wenn wir uns auf eine Reise begeben, so müssen wir wissen, was eigentlich unser Ziel ist. Sonst irren wir nur verloren und orientierungslos umher, und vergeuden unsere Zeit. Und das gilt insbesondere für die spirituelle Reise, auf der wir uns hier alle befinden, insofern muss man sich mit der Frage befassen als Muslim, was ist also das Ziel des Islams

Der Islam wird zunächst einmal, wie jede andere Religion auch den Menschen an sein wahres Ich erinnern. Daran, dass er mehr ist als ein materieller Körper, dass er nämlich ein geistiges Wesen ist, das den physischen Tod überleben wird. Eine Essenz von Menschen, Geist, Seele und moderner gesprochen, hat er ein Bewusstsein, wie auch immer man diese Essenz mag, wird nach dem physischen Ableben, in einer geistigen Form weiter existieren und wie diese geistige jenseitige Existenz aussehen wird, wird davon abhängen, wie unser innerer Zustand im Diesseits gewesen ist.

Also ob wir unseren Geist mit Liebe, Barmherzigkeit, Licht, Wahrheit geführt haben. Oder ob wir unseren Geist mit Hass, Hochmut, Dunkelheit, Täuschung, Unwahrheit korrumpiert haben. Paradies und Hölle sind keine physischen Orte, zu denen man geht, denn nach dem physischen Ableben verlassen wir ja diese materielle Welt. Paradies und Hölle sind vielmehr geistige Zustände. Sie sind Abbilder unseres inneren Zustandes.

Entscheidend wird also sein was wir in unserem Geist, beziehungsweise in unserem Herzen gehabt haben und in den jenseitigen Dissens mitnehmen. Das Ziel des Islams ist daher die Reinigung, beziehungsweise Läuterung des Herzens, des Geistes der Seele des Menschen, damit jenseitige der geistige Zustand des Menschen ein Schöner ist.

im Koran heißt es in der 33. Sure „Alles, was Gott will, ist euch zu reinigen, euch in vollkommener Weise zu reinigen.

in der 91. Sure heißt es

„Und bei der Seele und ihrer Vollendung, er bewerte ihr den Sinn für das, was für sie Unrecht und was für sie Recht ist. Erfolgreich ist derjenige, der sie reinigt und versagt hat derjenige, der sie verkommen lässt, beziehungsweise korrumpiert.

In der 26. Sure heißt es:

„Und lass mich am Tag da sie, das heißt die Menschen vom Tod erweckt werden nicht zuschanden werden. An dem Tag, an dem den Menschen weder Vermögen noch Söhne etwas nützen werden, sondern nur derjenige auf einen guten Ausgang hoffen kann, der mit einem reinen Herzen zu Gott kommt. Das Herz, gemeint ist natürlich das spirituelle Herz, ist Verbindungsstelle zu Gott. Mit dem Herzen empfangen wird Gott, kann man sagen.

Der Prophet Mohammad sagte: „Wenn ein Mensch sündigt, entsteht ein Fleck auf seinem Herzen. Wenn er bereut und sich von der Sünde befreit, verschwindet der Fleck. Wenn er aber nicht bereut, wenn er aber weiter sündigt, bereitet sich der Fleck auf seinem ganzen Herzen aus, und sein Herz wird immer dunkler und dunkler, bis es nicht mehr empfänglich ist für Gott.

Wenn wir das Paradies als die geistige Nähe zu Gott und die Hölle als die Distanz zu Gott, beziehungsweise die Abwesenheit von Gott und seiner Liebe verstehen, dann wird aus dem Ausspruch des Propheten, klar nicht Gott schickt uns in die Hölle, wir schicken uns selbst in die Hölle. Wir selbst stehen uns im Wege. Das Herz muss also gereinigt werden, sonst ist es nur schwerlich empfänglich für Gott.

Im Koran heißt es in der 83. Sure

„Was sie an schlechten Taten zu begehen pflegten, hat sich ihnen wie eine Schmutzschicht aufs Herz gelegt.

In der 22. Sure heißt es. “Sind sie denn nicht im Lande umhergereist mit Herzen, mit denen sie hätten, verstehen, und Ohren, mit denen sie hätten hören können? Denn wahrlich, es sind ja nicht die Augen, die blind werden, sondern blind werden die Herzen in der Brust.

Alle religiösen Handlungen, die wir begehen, Gebete, Fasten usw sind also kein Selbstzweck, sondern dienen dem einen übergeordnetem Ziel, die Reinigung des Inneren, die Reinigung des Herzens.

Mit dem körperlichen Fasten soll der Mensch in einem Monat in materieller Hinsicht, aus Sparflamme gehen, um innere geistige Dimension zu entdecken und über seine Fehler reflektieren, um sie korrigieren kann.

Viele Menschen fragen, wo ist Gott?

Der muslimische Mystiker Rumi, aus dem 13. Jahrhundert, sagte über seiner Suche nach Gott.

„Ich suchte ihn zu finden. Am Kreuze Christie, aber ich konnte ihn nicht finden. Ich ging zu den Tempeln der Hindus in den alten Pagoden, aber ich konnte nirgendwo eine Spur von ihm finden. Ich suchte ihn in den Bergen und Tälern, aber weder in den Höhen und Tiefen war ich imstande ihn zu finden. Ich ging zur Kaaba in Mekka, aber dort war er auch nicht. Ich befragte die Gelehrten und Philosophen, aber er war jenseits ihres Verstehens. Ich prüfe mein Herz und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgendwo sonst zu finden.“

Gott ist also nicht da draußen, er ist in uns zu finden. Die spirituelle Reise geht also nicht nach außen, sondern nach innen. In den Tiefen unseres Ichs. Gott sagt in einer islamischen Überlieferung, weder die Himmel noch die Erde können mich fassen, aber das sanfte demütige Herz eines gläubigen Dieners kann das. Das ist also das Fassungsvermögen, das ist das Potenzial des Herzens, dass Gott ihm beigibt. Dieses Potential kann das Herz aber nur entfalten, wie gesagt, wenn es gereinigt wird.

Ich möchte auch einem kurzen Text des muslimischen Theologen Prof. Dr. Mouhanad Khorchide aus Münster vorlesen, indem er die 3 Stufen des Fastens, wie ein muslimischer Mystiker aus dem 11. Jahrhundert darlegte, beschreibt. Khorschide schreibt: „Wieso verlangt eigentlich ein Gott, der den Menschen mit körperlichen Bedürfnissen erschaffen hat, dass er diese Bedürfnisse für einen ganzen Monat auf Sparflamme herunter dreht. Was hat Gott davon und was hat der Mensch davon. Der Koran bringt das Gebot zum Fasten im Zusammenhang mit der Frömmigkeit.

„Zitat: „Ihres Gläubigen, euch wurde das Fasten vorgeschrieben, wie es den Menschen vorher vorgeschrieben war.  damit ihr fromm werdet.“ Zitat ende. Man fragt sich dennoch, wieso soll das Unterdrücken einiger körperlicher Bedürfnisse zu Frömmigkeit führen. Der Prophet Mohammed sagte: “Frömmigkeit ist hier,“ und zeigt auf sein Herz. Dies wiederholte er dreimal. Das Herz muss also erst vom Fasten betroffen sein, damit dieses ein Beitrag zur Frömmigkeit leisten kann.

Beim Gebot des Fastens geht es keineswegs nur darum, dass der Mensch lediglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einfach nichts isst, trinkt oder sich des Geschlechtsverkehrs enthält. Vielmehr sollen sich die Menschen durch diese Enthaltung die Möglichkeit eröffnen, sich mit seinem Inneren auseinanderzusetzen, sowie über seine Beziehung zu Gott, zu dessen Schöpfung und zu sich selbst kritisch zu reflektieren

Ziel des Fastens ist also nicht die Distanzierung von den körperlichen Bedürfnissen, das ist lediglich der erste Schritt auf dem Weg zum eigentlichen Fasten. Dem Fasten des Herzens. Ein muslimischer Gelehrte, unterscheidet daher zwischen dem Fasten der Leien, dem Fasten der besonderen, beziehungsweise der Auserwählten und dem Fasten der besonderen unter den besonderen beziehungsweise der Auserwählten die Auserwählten. Das Fasten der Laien beschränkt sich auf äußere Aspekte. Das heißt: nicht zu essen, zu trinken und keinen Geschlechtsverkehr zu haben.

Das Fasten der Auserwählten ist darüber hinaus ein Fasten der Ohren, der Augen, der Zunge, der Hand, des Fußes und anderer Organe, vor der Sünde. Das Fasten der Auserwählten, unter den Auserwählten ist über diese Stufen des Fastens hinaus, das eigentlich Anzustrebende de Fasten des Herzens.

Dies geschieht, wenn das Herz an Gott gebunden ist, von göttlicher Liebe und Barmherzigkeit ergriffen und erfüllt ist. Das Herz ist dann frei von allen negativen Emotionen, wie Hass, Neid, Gier, Hochmut und so weiter. Es erkennt das Gute in den Dingen und ist immer im Einsatz für das Gute.

Die Distanz zu seinen körperlichen Bedürfe, ist nur die erste Etappe des Fastens, um die Reise in die Tiefen seines Ichs anzutreten.

Mit dem Fasten der Auserwählten ist konkret gemeint, Zitat:“ Das Zügeln der Zunge vor Gerede, Lügen, übler Nachrede, Verleumdung, schimpfen, Streit und einschmeicheln,“ Zitat Ende.

Zitat des Propheten: „5 Dinge machen das Fasten ungültig. Lügen, üble Nachrede Verleumdung, falsche Zeugenschaft, und seinen Blick zu einer fremden Person.“ Zitat Ende

zum Fasten zählt der Auserwählten dann weiter: Das Zügeln die Ohren vor dem Vernehmen übler Nachrede, beziehungsweise Verleumdung und zitiert den prophetischen Ausspruch:  Zitat „Derjenige, der üblen Nachrede betreibt und der Zuhörer, beide sind Partner in der Sünde. Zitat Ende. Man spricht auch vom Fasten der Hände und Füße, vor Übergriffen.

Ohne diese Aspekte das Fasten zu berücksichtigen, ist das Fasten lediglich eine körperliche Betätigung, von der niemand etwas hat. Daher der Ausspruch des Propheten:  Zitat:  So viele Fastende haben nichts von ihrem Fasten außer Hunger und Durst. „Zitat Ende.

Der Prophet Mohammed sagte: Zitat: „Wer in der Fastenzeit lügen, unaufrichtiges oder unverantwortliches Handeln nicht unterlässt, verlangt Gott nicht von ihm, dass er auf sein Essen und Trinken beim Fasten verzichtet“ Zitat Ende.

Letztendlich will der Islam, dass die Verpflichtung zum Guten, keine äußerliche Pflicht mehr ist, sondern aus dem Inneren des Menschen kommt.

Also eine Selbstverpflichtung ist. Der Wächter muss im Herzen sein. Zitat: „Koran Sure 50 „Nicht ein Wort sagt der Mensch, ohne dass neben ihm ein Wächter wäre.“ Zitat Ende.

Der das Fasten auf eine körperliche Enthaltung reduziert ist, wie derjenige der das Beten auf eine körperliche Betätigung reduziert.

Frömmigkeit ist also kein theoretisches Konzept, sondern eine gelebte Tugend und genau hier liegt ein Ziel des Fastens. Mit anderen Worten: „Es geht um die Vervollkommnung des Menschen und diese Vollkommenheit ist ein paradiesischer Zustand, den der Mensch hier und jetzt auf Erden erlangen kann, und soll das Hintenanstellen körperliche materielle Bedürfnisse soll andere Aspekte und Werte im Leben ins Bewusstsein rufen.

Waqar Tariq (Berater des Bundesvorstandes des Liberal-Islamischen Bundes)

DER KORAN STEHT MIT VERNUNFT IM EINKLANG

5. März 2024
aus dem Buch "Die erfundene Religion" und die "Koranische Religion" © Koranforschungsgruppe
                                                                      www.alrahman.de

SURE 8:22 Als die schlimmsten Kreaturen gelten bei Gott die Tauben und Stummen, die nicht verstehen.

SURE 10:100 … Und er legt die Unreinheit (ridschs) auf diejenigen, die keinen Verstand haben.

Der Weg zu Gott ist der Weg der Intelligenz und des Gewissen. Die schlimmste Kreatur in den Augen Gottes ist der, welcher taub für die Wahrheit und nicht geneigt ist, seine Intelligenz zu gebrauchen. Diese Leute nutzen ihren Verstand, ein Geschenk Gottes an die Menschheit, damit sie sich von den anderen
Schöpfungen unterscheiden, nicht und sind gegenüber Seinen klaren Beweisen blind. Sie haben kein Bedürfnis nach Intelligenz, da sie an ihren Herren, ihren Vorfahren, den etablierten Traditionen und der öffentlichen Meinung festhalten.
Jene, die daran gescheitert sind, die Botschaft des Korans zu begreifen, haben versucht sie in ein mit Dogmen und Aberglauben gemischtes System schwer zu bewältigender Forderungen zu verarbeiten. Dies verursachte, dass unzählige Menschen die Religion ablehnten oder Atheisten wurden. Deswegen ist es sehr wichtig, den Koranischen Islam von den traditionellen, bedauerlichen wie auch irrationalen Praktiken zu trennen.

Dies entlastet den Islam von unnötigen Bürden, Erweiterungen und Auslassungen. Die großen Massen, die dem Koran und dem Islam den Rücken zugekehrt haben, werden auf diese Weise, so Gott will, wieder
ihr Interesse zurückgewinnen.

SURE 21:10 Wir haben euch ein Buch herabgesandt, in dem es für euch eine Ermahnung gibt. Wollt ihr denn nicht begreifen?

Dies war die Mentalität, welche für 278 Jahre den Gebrauch der in den 1450ern erfundenen Druckerpresse verzögerte und die Ulama (Theologieprofessoren) dazu anleitete die Söhne des Sultans enthaupten zu lassen, eine Todessünde gemäß Koran. Dies war die Mentalität hinter den Praktiken der primitiven und grausamen Taliban in Afghanistan und der strengen und unnachgiebigen Schiiten im Iran, die die Kundgaben des Koran für ungenügend befanden. Diese mentale Ansicht endete darin, die Imame, Mullahs und Scheichs und ihre falschen Stellungnahmen zu Religionsquellen zu erheben, die groteske, gemischte Systeme erfanden, die an die Stelle von Gottes Worten gesetzt wurden. Die Verkündungen dieser Leute haben die Autorität entworfen und Andersdenkende zu Apostaten erklärt und sie
exkommuniziert.

Es ist eine Tatsache das der Koran die Exklusivität des Islam besitzt und dass niemand, keine Sekte, kein
Scheich oder keine Autorität befugt ist, irgendetwas davon aufzuheben oder hinzuzufügen. Das Ziel der Religion ist die Menschheit. Einen Menschen irrezuführen, indem Gegensätze zwischen ihm und dem Leben hervorgerufen werden, und Zwietracht zwischen ihm und sich selber hervorzurufen, ist zum
Scheitern verurteilt und endet schließlich in einem Desaster. Der Islam ist in seiner Essenz frei von allen (logischen) Widersprüchen, wohingegen die Pseudo-Religion ein Lager von Inkonsistenzen, Folge- widrigkeiten und Quellen von Miseren ist. Es ist unvorstellbar, dass die von Gott offenbarte Religion, welche in perfekter Harmonie mit der menschlichen Natur stehen sollte, Widersprüche enthält.

SURE 30:30 So richte dich nach der Religion des strikten Monotheismus! Das ist Gottes Naturgesetz, gemäß dem Er die Menschen erschaffen hat. Gottes Schöpfung ändert sich nicht. Das ist die vollkommene Religion. Doch die meisten Menschen wissen nicht.

Der einzige Gesetzgeber ist Gott, solange die Religion behandelt wird. Gott hat mit der Menschheit durch den Koran als die einzige Autorität gesprochen, ein explizites Buch und frei von allen logischen Widersprüchen; ein Buch, das all Seine Botschaften enthält. Die Richtigkeit dieser Tatsachen zu erkennen ist gleichwertig mit dem Kennenlernen des Islam, der dem Koran entspringt, dem Wort des Allmächtigen, des einzigen Gesetzgebers. Diese Erkenntnis führt zur Annullierung aller grundlosen Mächte der entworfenen ‚Autoritäten‘ und zur Bestätigung der Tatsache, dass Gott die Eine und Einzige Autorität ist und es keinen Gleichgestellten gibt. Der Prophet, der Gesandte Gottes, hat weder eine weitere Quelle als den Koran verkündet noch irgendwelche Doktrinen im Namen des Islam diktiert. Wenn sich eine angebliche Aussage oder ein angeblicher Kommentar des Propheten mit dem Koran kollidiert, wenn irgendetwas vom Text des Korans aufgehoben wird oder etwas hinzugefügt wird, so stellt dies sowohl
den Islam als auch den Propheten falsch dar. Wir sollten gewarnt sein, die so genannte etablierte Religion mit der Religion des Korans gleichzusetzen und sollten die Gründe herausfinden, wieso die behaupteten oder geglaubten Punkte der Religion in Wirklichkeit außerhalb seines Bereiches liegen und fern von aller Gültigkeit sind.

Die Botschaft der Barmherzigkeit

28. Februar 2024

Jesus und Maria im Koran

Die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind; Foto: wikipedia
Maria mit dem Jesuskind in einer persischen Miniatur. Jesus spielt in der islamischen Tradition eine zentrale Rolle. „Der Koran schreibt Jesus Christus, Issa Massih, den höchsten Stellenwert unter den Propheten zu,“ schreibt Aziz Fooladvand. „Neben seiner wundersamen Geburt vollbrachte er selbst Wunder. Issa und seine Mutter werden im Koran als „Zeichen für die Welten“ beschrieben (Sure 21,91). Er wird im Koran an drei Stellen mit dem bemerkenswerten Titel kalimatollah, „Wort Gottes“, bezeichnet. Dieser Titel wird ausschließlich für Jesus verwendet.

Anekdoten über Jesus

Der persisch-islamische Gelehrte, Mystiker und Theologe al-Ghazālī (1066-1111) berichtet die folgende Anekdote: Jesus war mit seinen hawariyoun (Jüngern) unterwegs, als sie am Kadaver eines Hundes vorbeikamen. „Buh!“ riefen die Jünger aus, „was für ein Gestank!“ Da hielt Jesus an, um auf die glänzenden weißen Zähne des Geschöpfs aufmerksam zu machen. Und Jesus schalt seine Jünger und gebot ihnen, nicht schlecht über den armen Hund zu reden und erklärte: „Sagt nichts als Lobenswertes über Gottes Geschöpfe.“
Der Wanderprediger Jesus plädierte in seinem Wirkungsbereich im Römischen Reich für gewaltfreie Kommunikation, für eine Verständigung zwischen Menschen, die auf tiefer Liebe und Barmherzigkeit basiert. Selbst seine Peiniger schließt er in das Konzept der Barmherzigkeit mit ein: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23,34).

Exklusivität und Terror jedoch entstehen durch Unwissenheit sowie sozialen und politischen Analphabetismus auf Grundlage einer hasserfüllten Geisteshaltung.

Jesus Christus galt nicht nur als ein Weiser, der mit den Menschen spricht, sondern vielmehr als Handelnder, der Gedanken, Bewusstsein, Planung und Zielsetzung in seine Kommunikation einbezog. Diese Art der Kommunikation wird als soziales Handeln verstanden, welches bestimmte Ziele anstrebt. Genau diese Ziele waren eine Gefahr für die Stabilität des römischen Imperiums. „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Matthäus 22,21).

Barmherzigkeit leben: eine Menschheitsaufgabe

Die Autoritäten werden in Frage gestellt und ihre Macht eingeschränkt, aber gleichzeitig werden sie als „Nächste“ angesehen, die man lieben soll, wie sich selbst. Dies bedeutet eine große Herausforderung, eine Selbstüberwindung, die unser Vorstellungsvermögen übersteigt. Dieses Konzept der Barmherzigkeit ist eine Menschheitsaufgabe. Wie weit sind wir heute davon entfernt, es zu leben?

Mit enjil, dem „Evangelium“, das „Rechtleitung und Licht enthält“ (Sure 5,46), bekräftigt Issa (Jesus) „die Wahrheit der vorhandenen Thora“, die zur Erlösung aller Menschen gesandt worden ist. Nach diesem Verständnis verkünden die Propheten dieselbe Gottesbotschaft in verschiedenen historischen Kontexten (Suren 14,4; 16,36).

Jesus Christus, das Licht der Barmherzigkeit, der unsere Herzen heilt und unsere Augen und Ohren öffnet, der uns zum Leben erwecken will, ist traurig über den Zustand der Welt und die Taten der Menschen. Er hat uns Seligkeit versprochen. Den Hungrigen, Durstigen und Unterdrückten dieser Welt hat er in der Bergpredigt Gerechtigkeit versprochen, den Sanftmütigen das „Erdreich“, den „Barmherzigen“ Barmherzigkeit, den Verfolgten das „Himmelreich“ und den Leidtragenden „Trost“. Das Projekt der Befreiung der Menschheit aus ihren persönlichen, sozialen, traditionellen, wirtschaftlichen und politischen Ketten ist immer noch unvollendet.

Aziz Fooladvand unterrichtet Islamische Religion an einer Schule in Bonn. Jesus ist für ihn eine zentrale Figur, die Christentum und Islam verbindet. Jesus hat den Hungrigen, Durstigen und Unterdrückten dieser Welt in der Bergpredigt Gerechtigkeit versprochen. Seine Geburt ist eine Botschaft der Befreiung aller Menschen aus unbewussten und fremdbestimmten Zwängen. Heute allerdings versinkt die Region, in der Jesus gewirkt hat, in Hass und religiöser Intoleranz. „Dieser Hass ist dem Geist des Monotheismus jeder Prägung fremd und mit dem monotheistischen Verständnis des Glaubens nicht in Einklang zu bringen,“ schreibt Fooladvand. „Die Trennlinie in den monotheistischen Lehren verläuft nicht zwischen ‚Gläubigen‘ und ‚Ungläubigen`, sondern zwischen Gewaltherrschern und Tyrannen einerseits und den sozial Schwachen und Unterprivilegierten andererseits, unabhängig von ihrer religiösen, nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit.“

Vergessen wir jedoch seine Mutter nicht. Maria, auf Arabisch Maryam, ist die einzige Frau, die im Koran mehrmals namentlich erwähnt wird. Die 19. Sure mit 98 Versen trägt den Namen Maryam. Jesus Christus wird stets als „Sohn Marias“ benannt. Sie gilt in der islamischen Tradition und insbesondere in der islamisch-mystischen Literatur als die „heilige“ Frau schlechthin. Die Barmherzigkeit Gottes zeigt sich an ihr, Maryam ozar, der „unbefleckten Maria“, die voraussagte: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist“ (Lukas 1, 46-48).

Wir verehren gleichzeitig eine vorbildliche Frau, in der der Geist Gottes (ruhon minho, رُوحٌ مِنْهُ, Sure 4,171) Gestalt annahm, eine Frau, die uns Standhaftigkeit lehrt und die für die Menschheit zum Symbol der Tugendhaftigkeit wurde. Sie ging zuversichtlich, trotz der ungeheuren Prüfungen, den Weg, den Gott ihr anbot und sie zeigte ihre Treue.

Hass und religiöse Intoleranz verfälschen heute die Botschaft Jesus

Die Region, in der „der Mensch gewordene Gott“ vor 2000 Jahren dem mächtigen Römischen Reich die Stirn bot, wo er die Botschaft der Barmherzigkeit und Liebe verkündete und in ihren Gassen und Häusern die Menschen „heilte“, den „Blinden die Augen öffnete“, die „Toten“ zum Leben erweckte und sich für diese Botschaft opferte, versinkt heute in Hass und religiöser Intoleranz.

Dieser Hass ist dem Geist des Monotheismus jeder Prägung fremd und mit dem monotheistischen Verständnis des Glaubens nicht in Einklang zu bringen. Die Trennlinie in den monotheistischen Lehren verläuft nicht zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“, sondern zwischen Gewaltherrschern und Tyrannen einerseits und den sozial Schwachen und Unterprivilegierten andererseits, unabhängig von ihrer religiösen, nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit.

Im koranischen Verständnis verläuft also die Trennlinie zwischen den Menschen, die Pluralität und Diversität bejahen einerseits und den Menschen die Exklusivität fordern und einen demokratischen Geist ablehnen.

Der Monotheismus lehnt jegliche Bevormundung, jegliche Verherrlichung von Menschen, Ideen oder Gedanken ab. Das einzig gültige Leitprinzip ist Gott. Gott ist rahma, Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen. Gott hat sich im Koran zur Barmherzigkeit gegenüber den Menschen verpflichtet: „Euer Herr hat sich zur Barmherzigkeit verpflichtet. Wenn (demnach) einer von euch in Unwissenheit Böses tut und dann später umkehrt und sich bessert (findet er Gnade). Gott ist barm­herzig und bereit zu vergeben“ (Sure 6,54).

Das arabische Wort rahma ist mit dem Wort rahim verwandt. In seiner Grundbedeutung verweist es im Hebräischen wie im Arabischen auf den Mutterleib, genauer den Mutterschoß. Dadurch gewinnt das Wort Barmherzigkeit eine starke emotionale Konnotation. Mit dem Begriff Mutterschoß werden Wärme, Liebe, Zärtlichkeit und Geborgenheit assoziiert. Nur mit dem Licht der Barmherzigkeit gelingt es uns, die Welt friedvoll zu gestalten.

Aziz Fooladvand

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Aziz Fooladvand ist promovierter Soziologe und Islamwissenschaftler. Er unterrichtet Islamische Religion an einer Schule in Bonn. Als Experte für islamischen Fundamentalismus ist er in der Integrations- und Präventionsarbeit sowie bei der Deradikalisierung von Jugendlichen tätig. Seit mehreren Jahren ist er außerdem aktives Mitglied bei Amnesty International. Seit 2009 im interreligiösen Dialog und als Referent in Schulen, Jugendämtern sowie als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer aktiv.