Warum ich beim LIB Mitglied bin
Wie jede Religion bezieht auch der Islam seine Stärke aus der Spannung der Gläubigen
zwischen der Gemeinschaft und dem individuellen Glauben.
Für mich steht der individuelle Glaube an erster Stelle, ich bin eine überzeugte Muslimin.
Was jedoch die Gemeinschaft der Gläubigen angeht, kam und kommt keiner der vier
etablierten Verbände (DITIB, VIKZ, ZDM und Islamrat) meiner Vorstellung von einem
pluralen Verständnis des Islam entgegen. Ich empfinde sie alle als dogmatisch, ethnisch geprägt und vor allem zu nah am politischen Islam.
Inhalte und Logistik tragen die Handschrift der Türkei und bestimmter arabischer Staaten und haben weder mit meinem Verständnis von Islam noch mit meinem Alltag irgendetwas zu tun.
Erst mit der Gründung des LIB kam frischer Wind auf. Hier wurde ein Verein gegründet, der nicht nur in Deutschland zu Hause ist, sondern mir auch durch sein progressives Verständnis eine Glaubensheimat werden konnte. Endlich war es mir möglich, Teil einer muslimischen Gemeinde zu sein. Heute bin ich sehr froh, dass wir aus dem LIB heraus die Muslimische Gemeinde Rheinland (MGR) gegründet haben.
So jung der LIB im Vergleich zu den anderen Verbänden ist, er bildet die Pluralität am sichtbarsten des Islam ab. Auch eine „Exotin“ wie ich kann dabei sein, denn „mit – machen“ bedeutet für den LIB nicht automatisch „mit-laufen“. Ich bezeichne mich als „Exotin“, weil ich eine Zweiflerin am Althergebrachten bin. Ich wehre mich dagegen, Glaubensgrundsätze und deren Deutungen nicht zu hinterfragen. Wir müssen Vieles in Frage stellen, was uns jahrhundertelang gepredigt worden ist.
Der Islam ist reformierbar, wie jede Religion. Das lehrt uns die Geschichte. Wer sich die Historie anschaut, wird schnell feststellen, dass es im Islam immer Reformer gegeben hat. Auch wenn sie sich nicht jetzt nicht durchzusetzen vermögen, sie haben dem Islam einen größeren Dienst erwiesen als diejenigen, die meinen, die Zeit anhalten zu müssen.
Heute ist eine zeitgemäße Auslegung von Koran und Sunna wichtiger denn je. Sie wird
viele Gläubige aus dem Konflikt herausholen, sich vermeintlich zwischen Moderne und
Islam entscheiden zu müssen. Sie wird denjenigen, die den Islam als eine gewalttätige Religion auslegen, Einhalt gebieten.
Und last but not least wird sie dadurch den Fortbestand des Islam in den nächsten Jahrhunderten sichern.
In Sure 2:185 heißt es,dass Gott es dem Menschen „leicht machen“ will und nicht schwer.
Und ich schließe mich
den Worten unserer ehemaligen Vorsitzenden und Mitbegründerin des LIB, Lamya Kaddor, an, wenn sie sagt:
„Die Religion ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt der Mensch für die Religion.“
Ich füge hinzu: Nur wer den Mut hat, über Veränderung zu diskutieren, kann das, was ihm wichtig ist, behalten.
Ansonsten gerät der Glaube zur Folklore.
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This entry was posted on 23. Juli 2024 at 2:28 pm and is filed under Meine Religion - der Islam, Uncategorized. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.
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