Lebensweg

​Von der Genossin zur Muslima
Muslima ohne Kopftuch

Elisabeth Mariam Müller

Elisabeth Müller ist 2002 zum Islam übergetreten. Seitdem musste die frühere Katholikin gegen viele Widerstände ankämpfen. Heute betreibt sie Aufklärungsarbeit für ihre neue Religion und erklärt welche Gemeinsamkeiten die drei monotheistischen Religionen verbindet.

Bruch mit der katholischen Kirche

Ein Blick in Müllers Vergangenheit lässt allerdings staunen, dass gerade sie zum Islam gefunden hat. Als Kind sei sie „fundamentalistisch“ katholisch erzogen worden. Doch bereits 1972 wandte sie sich ab von ihrer alten Religion. Vor allem die Haltung des Vatikans das Verbot von Verhütungsmitteln in der Welt wollte sie nicht mehr mittragen: „Das ist in meinen Augen Mord“, sagt Müller. Seitdem sei sie immer auf der Suche nach ihrer Religion gewesen.

Durch ein Seminar an der Universität Bonn ist sie dann auf den Islam aufmerksam geworden. Sie war schließlich eine von acht, die ihr Islaminteresse zum festen Glauben machen wollten: „Irgendwann hab ich gemerkt, das ist das Richtige, die Religion des Friedens, der Liebe, der Barmherzigkeit“, erklärt Elisabeth Müller. Auch das Fehlen eines obersten Verantwortlichen wie dem katholischen Papst faszinierte sie.

Keine Akzeptanz von den Parteigenossen

Sie war zur Zeit der Konversion Mitglied des Rates der Stadt Niederkassel für die SPD, hier bekleidete sie hohe Ämter, war über 15 Jahr stellvertretende Fraktionsvorsitzende – Geschäftsführung und davor über 10 Jahre stellv. Vorsitzende des Ortsvereins.

Im Jahr 2002 sprach sie ihr Glaubensbekenntnis, behielt ihren Übertritt zum Islam zunächst aber für sich.
„Ich hab immer gesagt: Das ist meine ureigenste Sache, was ich glaube. Das geht niemanden etwas an.“
Nicht einmal ihrem Mann, einem Christen, hat sie sofort davon erzählt. Auch wenn der sie heute in ihrem Glauben unterstützt, war Müller besorgt, er würde versuchen, sie von ihrer Entscheidung abzubringen.

Dass diese Vorsicht angebracht war, zeigte sich in den Reaktionen ihrer Mitmenschen. Selbst die Genossen der SPD wollten Müllers Entscheidung nicht akzeptieren, als es im Jahr 2006 öffentlich wurde, dass sie sich zum Islam bekannte:
Alle Vorurteile trafen sie mit Härte. „Mit so jemandem könne man bei dem Frauenbild im Islam nicht zusammenarbeiten.“ Daraus hat Müller, nach 25 Jahren Mitgliedschaft in der SPD, Konsequenzen gezogen, ist sie ausgetreten. Ihren Sitz im Stadtrat hat sie bis zur Kommunalwahl Ende Oktober 2009 jedoch noch beibehalten.

Angriffe kontert sie mit links

Die Angriffe christlicher Mitmenschen kontert sie mittlerweile mit links: Abschottung, Frauenunterdrückung, Fundamentalismus – gibt es unter den Muslimen, das ist nicht zu leugnen. Aber hier hilft nur Aufklärung, viele Dinge werden aus Traditionen vollzogen und haben eigentlich mit dem Islam nichts zu tun.
Aufklärung heißt auch, den Koran im Kontext seiner Zeit zu lesen und zu verstehen und ihn in unsere Zeit zu holten.
Sie selbst bedeckt ihr Haar ausschließlich zum Beten, weil sie sich damit besser konzentrieren könne.
Das Symbol Kopftuch hält sie für überbewertet. Und trotzdem zollt sie den Muslimas Respekt, die das Kopftuch selbstbewusst tragen, entgegen aller Widerstände: „Ich hab das mal zwei Tage lang gemacht, bin mit Kopftuch in Bonn einkaufen gegangen und hab dann gemerkt, wie man behandelt wird. Das ist grausam.“

In der muslimischen Gemeinde in Niederkassel wurde Müller 2002 mit offenen Armen aufgenommen.

Sie ist dem Liberal islamischen Bund e.V. beigetreten und steht hinter diesen Grundsätzen.

Was ist der Liberal Islamische Bund

Im Frühjahr 2010 hat sich der Liberal-islamische Bund e.V. gegründet und wurde am 27. Mai ins Vereinsregister Köln eingetragen.Als Repräsentant muslimischer Bürgerinnen und Bürger sieht sich der LIB e.V. in der Verantwortung, die mehrheitlich liberalen Positionen des in Europa vorherrschenden Islamverständnisses zu vertreten.
Der LIB e.V.  bietet allen Bürgerinnen und Bürgern ein Forum, die sich wertschätzend mit islamischen, interreligiösen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen wollen.
Er ist offen für einander widersprechende Blickwinkel im Sinne eines lernenden Selbstverständnisses zum Nutzen und zur Ermöglichung des gemeinsamen Erkenntnisgewinns.
Der LIB vertritt ein pluralistisches Gesellschaftsbild und bekennt sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dementsprechend lehnt der LIB jegliche Form von rassistischer, u.a. antisemitischer, antichristlicher oder antiislamischer Auffassung ab.
Der LIB tritt darüber hinaus unter anderem konkret ein für

  • eine unvoreingenommene Auslegung religiöser Schriften wie dem Koran auch unter Einbeziehung historischer und sozialer Kontexte
  • die umfassende Geschlechtergerechtigkeit, sowie deren pädagogische und theologische Umsetzung
  • die Einführung eines flächendeckenden islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache an öffentlichen Schulen

Mit der Gründung eines Bundes für die in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime ist der LIB e.V. Ansprechpartner und Ratgebender für Vertreter aus

  • öffentlichen Institutionen bzw. Verbänden
  • theologischen Gemeinden
  • politischen Gremien und Verwaltungen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene
  • schulischen, universitären und anderen Bildungseinrichtungen und der
  • Wirtschaft

Sie hat mit Rabeya Müller und anderen liberalen Muslimen, die Muslimische Gemeinde Rheinland gegründet. Diese Gemeinde trifft sich regelmäßig in den Räumen der Martin-Luther-Kirche in Köln Süd. Das gemeinsame Gebet ist der Höhepunkt, das von der Imamin Rabeya Müller geleitet wird.

Sie gibt Islamunterricht – Religionsunterricht – für Menschen, die die Verkehrssprache deutsch haben, mit Erfolg. Berät Familien in schwierigen Lagen und gibt Hilfestellung.
Die fünf muslimischen Gebete gehören zu ihrem Alltag, sowie auch das Lesen  im Koran. Sie inzwischen als ganz normale Muslima anerkannt.

Naja, so ganz normal ist sie dann doch nicht. Denn so viel Werbung hat in der rheinischen Kleinstadt wohl nie jemand für den Islam gemacht, allen Vorurteilen zum Trotz.

Autor: Moritz Schröder — Redaktion: Stephanie Gebert – Text von mir ergänzt.
  • „Dann schaute ich in mein Herz, und da, wo ER wohnte, da fand ich IHN. Sonst war ER nirgends zu finden.
  • „Ich schaute in mein eigenes Herz. An diesem Ort sah ich ihn. Er ist an keinem anderen Ort.“
  • „Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgends sonst zu finden.“

 

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