Waqar Tariq (Berater des Bundesvorstandes des Liberal-Islamischen Bundes)
Die Hauptfrage ist, was ist das Ziel des Islams, mit der muss man sich befassen, bevor wir uns mit dem konkreten Fasten befassen. weil wenn wir uns auf eine Reise begeben, so müssen wir wissen, was eigentlich unser Ziel ist. Sonst irren wir nur verloren und orientierungslos umher, und vergeuden unsere Zeit. Und das gilt insbesondere für die spirituelle Reise, auf der wir uns hier alle befinden, insofern muss man sich mit der Frage befassen als Muslim, was ist also das Ziel des Islams
Der Islam wird zunächst einmal, wie jede andere Religion auch den Menschen an sein wahres Ich erinnern. Daran, dass er mehr ist als ein materieller Körper, dass er nämlich ein geistiges Wesen ist, das den physischen Tod überleben wird. Eine Essenz von Menschen, Geist, Seele und moderner gesprochen, hat er ein Bewusstsein, wie auch immer man diese Essenz mag, wird nach dem physischen Ableben, in einer geistigen Form weiter existieren und wie diese geistige jenseitige Existenz aussehen wird, wird davon abhängen, wie unser innerer Zustand im Diesseits gewesen ist.
Also ob wir unseren Geist mit Liebe, Barmherzigkeit, Licht, Wahrheit geführt haben. Oder ob wir unseren Geist mit Hass, Hochmut, Dunkelheit, Täuschung, Unwahrheit korrumpiert haben. Paradies und Hölle sind keine physischen Orte, zu denen man geht, denn nach dem physischen Ableben verlassen wir ja diese materielle Welt. Paradies und Hölle sind vielmehr geistige Zustände. Sie sind Abbilder unseres inneren Zustandes.
Entscheidend wird also sein was wir in unserem Geist, beziehungsweise in unserem Herzen gehabt haben und in den jenseitigen Dissens mitnehmen. Das Ziel des Islams ist daher die Reinigung, beziehungsweise Läuterung des Herzens, des Geistes der Seele des Menschen, damit jenseitige der geistige Zustand des Menschen ein Schöner ist.
im Koran heißt es in der 33. Sure „Alles, was Gott will, ist euch zu reinigen, euch in vollkommener Weise zu reinigen.
in der 91. Sure heißt es
„Und bei der Seele und ihrer Vollendung, er bewerte ihr den Sinn für das, was für sie Unrecht und was für sie Recht ist. Erfolgreich ist derjenige, der sie reinigt und versagt hat derjenige, der sie verkommen lässt, beziehungsweise korrumpiert.
In der 26. Sure heißt es:
„Und lass mich am Tag da sie, das heißt die Menschen vom Tod erweckt werden nicht zuschanden werden. An dem Tag, an dem den Menschen weder Vermögen noch Söhne etwas nützen werden, sondern nur derjenige auf einen guten Ausgang hoffen kann, der mit einem reinen Herzen zu Gott kommt. Das Herz, gemeint ist natürlich das spirituelle Herz, ist Verbindungsstelle zu Gott. Mit dem Herzen empfangen wird Gott, kann man sagen.
Der Prophet Mohammad sagte: „Wenn ein Mensch sündigt, entsteht ein Fleck auf seinem Herzen. Wenn er bereut und sich von der Sünde befreit, verschwindet der Fleck. Wenn er aber nicht bereut, wenn er aber weiter sündigt, bereitet sich der Fleck auf seinem ganzen Herzen aus, und sein Herz wird immer dunkler und dunkler, bis es nicht mehr empfänglich ist für Gott.
Wenn wir das Paradies als die geistige Nähe zu Gott und die Hölle als die Distanz zu Gott, beziehungsweise die Abwesenheit von Gott und seiner Liebe verstehen, dann wird aus dem Ausspruch des Propheten, klar nicht Gott schickt uns in die Hölle, wir schicken uns selbst in die Hölle. Wir selbst stehen uns im Wege. Das Herz muss also gereinigt werden, sonst ist es nur schwerlich empfänglich für Gott.
Im Koran heißt es in der 83. Sure
„Was sie an schlechten Taten zu begehen pflegten, hat sich ihnen wie eine Schmutzschicht aufs Herz gelegt.
In der 22. Sure heißt es. “Sind sie denn nicht im Lande umhergereist mit Herzen, mit denen sie hätten, verstehen, und Ohren, mit denen sie hätten hören können? Denn wahrlich, es sind ja nicht die Augen, die blind werden, sondern blind werden die Herzen in der Brust.
Alle religiösen Handlungen, die wir begehen, Gebete, Fasten usw sind also kein Selbstzweck, sondern dienen dem einen übergeordnetem Ziel, die Reinigung des Inneren, die Reinigung des Herzens.
Mit dem körperlichen Fasten soll der Mensch in einem Monat in materieller Hinsicht, aus Sparflamme gehen, um innere geistige Dimension zu entdecken und über seine Fehler reflektieren, um sie korrigieren kann.
Viele Menschen fragen, wo ist Gott?
Der muslimische Mystiker Rumi, aus dem 13. Jahrhundert, sagte über seiner Suche nach Gott.
„Ich suchte ihn zu finden. Am Kreuze Christie, aber ich konnte ihn nicht finden. Ich ging zu den Tempeln der Hindus in den alten Pagoden, aber ich konnte nirgendwo eine Spur von ihm finden. Ich suchte ihn in den Bergen und Tälern, aber weder in den Höhen und Tiefen war ich imstande ihn zu finden. Ich ging zur Kaaba in Mekka, aber dort war er auch nicht. Ich befragte die Gelehrten und Philosophen, aber er war jenseits ihres Verstehens. Ich prüfe mein Herz und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgendwo sonst zu finden.“
Gott ist also nicht da draußen, er ist in uns zu finden. Die spirituelle Reise geht also nicht nach außen, sondern nach innen. In den Tiefen unseres Ichs. Gott sagt in einer islamischen Überlieferung, weder die Himmel noch die Erde können mich fassen, aber das sanfte demütige Herz eines gläubigen Dieners kann das. Das ist also das Fassungsvermögen, das ist das Potenzial des Herzens, dass Gott ihm beigibt. Dieses Potential kann das Herz aber nur entfalten, wie gesagt, wenn es gereinigt wird.
Ich möchte auch einem kurzen Text des muslimischen Theologen Prof. Dr. Mouhanad Khorchide aus Münster vorlesen, indem er die 3 Stufen des Fastens, wie ein muslimischer Mystiker aus dem 11. Jahrhundert darlegte, beschreibt. Khorschide schreibt: „Wieso verlangt eigentlich ein Gott, der den Menschen mit körperlichen Bedürfnissen erschaffen hat, dass er diese Bedürfnisse für einen ganzen Monat auf Sparflamme herunter dreht. Was hat Gott davon und was hat der Mensch davon. Der Koran bringt das Gebot zum Fasten im Zusammenhang mit der Frömmigkeit.
„Zitat: „Ihres Gläubigen, euch wurde das Fasten vorgeschrieben, wie es den Menschen vorher vorgeschrieben war. damit ihr fromm werdet.“ Zitat ende. Man fragt sich dennoch, wieso soll das Unterdrücken einiger körperlicher Bedürfnisse zu Frömmigkeit führen. Der Prophet Mohammed sagte: “Frömmigkeit ist hier,“ und zeigt auf sein Herz. Dies wiederholte er dreimal. Das Herz muss also erst vom Fasten betroffen sein, damit dieses ein Beitrag zur Frömmigkeit leisten kann.
Beim Gebot des Fastens geht es keineswegs nur darum, dass der Mensch lediglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einfach nichts isst, trinkt oder sich des Geschlechtsverkehrs enthält. Vielmehr sollen sich die Menschen durch diese Enthaltung die Möglichkeit eröffnen, sich mit seinem Inneren auseinanderzusetzen, sowie über seine Beziehung zu Gott, zu dessen Schöpfung und zu sich selbst kritisch zu reflektieren
Ziel des Fastens ist also nicht die Distanzierung von den körperlichen Bedürfnissen, das ist lediglich der erste Schritt auf dem Weg zum eigentlichen Fasten. Dem Fasten des Herzens. Ein muslimischer Gelehrte, unterscheidet daher zwischen dem Fasten der Leien, dem Fasten der besonderen, beziehungsweise der Auserwählten und dem Fasten der besonderen unter den besonderen beziehungsweise der Auserwählten die Auserwählten. Das Fasten der Laien beschränkt sich auf äußere Aspekte. Das heißt: nicht zu essen, zu trinken und keinen Geschlechtsverkehr zu haben.
Das Fasten der Auserwählten ist darüber hinaus ein Fasten der Ohren, der Augen, der Zunge, der Hand, des Fußes und anderer Organe, vor der Sünde. Das Fasten der Auserwählten, unter den Auserwählten ist über diese Stufen des Fastens hinaus, das eigentlich Anzustrebende de Fasten des Herzens.
Dies geschieht, wenn das Herz an Gott gebunden ist, von göttlicher Liebe und Barmherzigkeit ergriffen und erfüllt ist. Das Herz ist dann frei von allen negativen Emotionen, wie Hass, Neid, Gier, Hochmut und so weiter. Es erkennt das Gute in den Dingen und ist immer im Einsatz für das Gute.
Die Distanz zu seinen körperlichen Bedürfe, ist nur die erste Etappe des Fastens, um die Reise in die Tiefen seines Ichs anzutreten.
Mit dem Fasten der Auserwählten ist konkret gemeint, Zitat:“ Das Zügeln der Zunge vor Gerede, Lügen, übler Nachrede, Verleumdung, schimpfen, Streit und einschmeicheln,“ Zitat Ende.
Zitat des Propheten: „5 Dinge machen das Fasten ungültig. Lügen, üble Nachrede Verleumdung, falsche Zeugenschaft, und seinen Blick zu einer fremden Person.“ Zitat Ende
zum Fasten zählt der Auserwählten dann weiter: Das Zügeln die Ohren vor dem Vernehmen übler Nachrede, beziehungsweise Verleumdung und zitiert den prophetischen Ausspruch: Zitat „Derjenige, der üblen Nachrede betreibt und der Zuhörer, beide sind Partner in der Sünde. Zitat Ende. Man spricht auch vom Fasten der Hände und Füße, vor Übergriffen.
Ohne diese Aspekte das Fasten zu berücksichtigen, ist das Fasten lediglich eine körperliche Betätigung, von der niemand etwas hat. Daher der Ausspruch des Propheten: Zitat: So viele Fastende haben nichts von ihrem Fasten außer Hunger und Durst. „Zitat Ende.
Der Prophet Mohammed sagte: Zitat: „Wer in der Fastenzeit lügen, unaufrichtiges oder unverantwortliches Handeln nicht unterlässt, verlangt Gott nicht von ihm, dass er auf sein Essen und Trinken beim Fasten verzichtet“ Zitat Ende.
Letztendlich will der Islam, dass die Verpflichtung zum Guten, keine äußerliche Pflicht mehr ist, sondern aus dem Inneren des Menschen kommt.
Also eine Selbstverpflichtung ist. Der Wächter muss im Herzen sein. Zitat: „Koran Sure 50 „Nicht ein Wort sagt der Mensch, ohne dass neben ihm ein Wächter wäre.“ Zitat Ende.
Der das Fasten auf eine körperliche Enthaltung reduziert ist, wie derjenige der das Beten auf eine körperliche Betätigung reduziert.
Frömmigkeit ist also kein theoretisches Konzept, sondern eine gelebte Tugend und genau hier liegt ein Ziel des Fastens. Mit anderen Worten: „Es geht um die Vervollkommnung des Menschen und diese Vollkommenheit ist ein paradiesischer Zustand, den der Mensch hier und jetzt auf Erden erlangen kann, und soll das Hintenanstellen körperliche materielle Bedürfnisse soll andere Aspekte und Werte im Leben ins Bewusstsein rufen.
Waqar Tariq (Berater des Bundesvorstandes des Liberal-Islamischen Bundes)