Archive for Juli 2021

Tag des christlich-islamischen Dialog

11. Juli 2021

am 10.05.2014

Dialogtag 2014

Christen und Muslime leben in Nordrhein-Westfalen – Zeit, einander besser kennenzulernen!

Gelungene Premiere: Der erste Tag des christlich-islamischen Dialogs

am 10. Mai 2014 im Seidenweberhaus in Krefeld

1200 Besucher kamen trotz strömenden Regens zum ersten „Tag des christlich-islamischen Dialogs“ nach Krefeld. Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, hatte die Schirmherrschaft übernommen. Sylvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, eröffnete die Veranstaltung im Seidenweberhaus mit den Worten: „Eine Veranstaltung dieser Art war längst überfällig! Die Gemeinsamkeiten und der Austausch über die Religionen sind ein wichtiger Baustein zum Funktionieren unserer Gesellschaft.“ Krefelds Oberbürgermeister Gregor Kathstede betonte die jahrhundertelange Tradition religiöser Vielfalt in seiner Stadt und freute sich, dass Nordrhein-Westfalen von Aachen bis Münster, von Paderborn bis Bonn in Krefeld zu Gast war. Wilhelm Sabri Hoffmann und Dr. Thomas Lemmen von der Veranstalterin, der Christlich-Islamischen Gesellschaft, fühlten sich in ihrer These bestätigt: „Zum christlich-islamischen Dialog gibt es keine Alternative.“ Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, Präses Manfred Rekowski und Aiman Mazyek diskutierten die Bedeutung der Religion in der modernen Gesellschaft.

Überall leben Muslime und Christen Tür an Tür. Berührungspunkte gibt es im Alltag und in der Nachbarschaft. Kinder gehen gemeinsam zur Schule, Eltern haben die gleichen Sorgen, als Kolleginnen und Kollegen begegnet man sich im Beruf – doch selten findet ein direkter Austausch statt. Oft hat sich ein Bild vom anderen gebildet, das wenig mit der Realität zu tun hat und nicht selten von Vor- und Fehlurteilen geprägt ist. Gelebte Vielfalt wird kaum wahrgenommen. Der landesweite, erste „Tag des christlich-islamischen Dialogs“ gab Gelegenheit, das zu ändern: 60 verschiedene Einzelveranstaltungen zu Themen von Seelsorge im Krankenhaus, Jugend- und Elternarbeit bis zu Extremismusfragen. Workshops zu christlicher und islamischer Mystik oder Koran-Bibel-Meditationen rundeten das Angebot ab. Mehr als 30 Initiativen aus ganz Nordrhein-Westfalen stellten ihre Projektarbeit vor, Pater Bickel bezauberte die jungen Gäste, trotz Regen wagten einige christlich-muslimische Teams das Klettern auf der Himmelsleiter und um Punkt 13 Uhr stiegen 500 Luftballons mit guten Wünschen in den Himmel. 150 Mitwirkende und rund 100 freiwillige Helfer trugen dazu bei, das die Teilnehmer und Teilnehmerinnen begeistert meinten: „Es war super. Bunt, lebendig, mit andächtigen Momenten und viel Austausch. Wann gibt es den nächsten Tag des Dialogs?“

Manuskript für den Vortrag im April 2014 in der Martin-Luther-Kirche.

11. Juli 2021

Warum macht das Gott? – oder warum erlaubt das Gott?

Vorstellung:

Elisabeth Mariam Müller, 81 Jahre alt, verheiratet seit 59 Jahren mit Hans – Joachim Müller, der Christ ist.

Bin 1972 aus der kath. Kirche ausgetreten und war bis 2002 auf der Suche. Bin fast nie aus einem Buchladen gekommen, ohne ein Buch über Gott oder Religionen gekauft zu haben und durch viel lesen und Studium der Religionen war ich vom Islam fasziniert und wie Christine Backer es beschrieb, „Den Islam habe ich als Weg des Herzens kennen gelernt, das gilt nach wie vor bis heute, obschon ich durch die Konversation nicht immer gute Erfahrungen mit meiner Umgebung gemacht habe.

Aber ich würde diesen Schritt immer wieder machen.

Vortag April 2014 in der Martin-Luther-Kirche, Köln Süd

Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis Seines Lichtes ist das einer Nische in der eine Lampe brennt, eine Lampe in einem Glas, und das Glas funkelt wie ein Stern, angezündet von einem gesegneten Baum, einen Ölbaum, weder östlich noch westlich, dessen Öl beinah leuchtet, auch wenn kein Feuer es berührt – Licht über Licht! Gott leitet zu Seinem Licht, wen er will. und Gott prägt die Gleichnisse für die Menschen und Gott ist aller Dinge wissend.

Warum macht das Gott? – oder warum erlaubt das Gott?

Lange habe ich über das Thema nachgedacht und will einfach kurz meine Gedanken dazu wieder geben.

Wir Muslime sagen bei jeder Gelegenheit:

Im Namen Gottes, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen!

Jeden Tag erinnern wir uns daran, dass Gott es ist der uns begleitet, oder wie es im Koran steht: ER ist uns näher als die Halsschlagader. Er ist es, der uns nach dem Ungehorsam von Adam und Eva vom Garten Eden, oder Paradies, auf die Erde entlassen hat und gesagt hat,

„Hinunter mit Euch, ……………ihr sollt auf Erden eure Bleibe und euren Lebensunterhalt für eine Weile haben. Sure 2-30.

„Daraufhin empfing Adam Worte der Rechtleitung von seinem ERHALTER und Gott nahm seine Reue an, denn wahrlich, ER allein ist der Reueannehmer , der Gnadenspender“

„Denn obwohl WIR sagten: Hinunter mit euch allen von diesem Zustand, wird dennoch Rechtleitung von MIR zu euch kommen, und jene die MEINE Rechtleitung folgen brauchen keine Furcht zu haben.

Die Frage nun warum macht das Gott?, er hat zwar eine Ungehorsamkeit bestraft, aber Gott hat die Menschen nicht verführt, dass Adam und Eva Unrechtes getan haben. Das waren die Beiden selber, oder anders, wenn wir Falsches tun, wenn uns Unglücke passieren, so denke ich, kommt es nicht von Gott. Sondern von uns selber.

Er hat uns nach unten geschickt, er hat uns eine Erde geschenkt, die wunderschön ist. Die so wunderschön ist, dass man nur dankbar sein kann, man muss es nur sehen wollen.

All die Wunder, die ER jeden Tag vollbringt, muss man sehen um IHM danken. Er hat uns die Erde überlassen, auf der wir gut leben sollen und mit dem Geschenk auch gut umgehen sollen.

Aber tun wir das immer?

Gott, so habe ich gesagt, liebt die Menschen, und wenn man liebt, dann schickt man nicht Unheil über die Menschen, ich denke Unheil kommt von uns selber.

ER hat uns in den heiligen Büchern: Thora, Bibel und Koran vielfach dazu aufgerufen, seinen Worten zu folgen und sein Leben auf Gott auszurichten und versuchen uns von Sünden und Falschheit zu entfernen,

Das diesbezügliche Dogma heißt 

„Gott hilft denjenigen, die sich bemühen und die an IHN glauben. Die Ungläubigen überlässt er sich selbst.

In Sura 4-83 sagt Gott zu uns: „Wäre nicht Gottes Huld auf Euch und Sein Erbarmen, so wäret ihr – bis auf wenige – dem Satan gefolgt.

Im Koran steht:

4:79: Was dich an Gutem trifft, ist von Allah, und was dich an Bösem trifft, ist von dir selbst. Und Wir haben dich als Gesandten für die Menschen3 gesandt. Und Allah genügt als Zeuge.

Der Vers bezieht sich auf den Propheten in seiner Gesandtenfunktion – aber das gilt auch für uns!

Und diese Frage in Bezug zur Armut und Leid in der Welt – wie sieht ER diese Verse?

23:62: Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Und bei Uns ist ein Buch, das die Wahrheit redet, und es wird ihnen kein Unrecht zugefügt.

6:152:Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag.

7:42:Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag -, jene sind Insassen des (Paradies)gartens. Ewig werden sie darin bleiben.

Gott ist gerecht, und damit Er Seine Gerechtigkeit ausüben kann, gibt es im Islam das Prinzip der Verantwortlichkeit. Die Menschen, welche Gutes tun, werden belohnt, und diejenigen, welche schlechte Dinge tun, entsprechend bestraft. Deshalb hat Er das Paradies und die Hölle geschaffen, in die der Mensch unter bestimmten Voraussetzungen gelangt.
Die Muslime wissen, dass das gegenwärtige Leben nur von kurzer Dauer ist und dass darauf ein anderes folgt. Das diesseitige Leben ist eine Prüfung, und wenn wir diese Prüfung bestehen, wird uns ein ewiges Leben der Glückseligkeit in der Gemeinschaft von aufrichtigen Menschen im Paradies zuteil.

Der Koran (99:7-8) sagt klar:

„Und wer das Gewicht eines Sonnenstäubchens an Gutem tut, er sieht es. Und wer das Gewicht eines Sonnenstäubchens an Schlechtem tut, er sieht es.“ Damit ist gemeint, daß die Menschen, die nicht glauben, aber auf dieser Welt Gutes getan haben, aufgrund ihrer guten Taten im Diesseits belohnt werden. Die Menschen dagegen, die Muslime sind und Gutes tun, werden nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits belohnt werden. Das endgültige Urteil steht jedoch allein Gott zu (Koran 2:62). Die Sünde der Mitgötterei hingegen will Gott nicht verzeihen (Koran 4:48,116).

Wort Dschihad, welches „Anstrengung“ oder genauer „sich auf dem Wege Gottes anstrengen“

Wort Scharia, ist der Weg zur Wasserquelle, also Weg zu Gott.

Der Islam ist die Religion des Friedens und der Hingabe an Gott und legt Wert auf die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens. Ein Vers im Koran sagt: „… wer er eine Seele tötet, – nicht wegen einer Seele oder Verderbenstiften auf der Erde, – es dann so ist, als habe er die Menschheit insgesamt getötet…“ (Koran 5:32). (Deswegen haben wir verordnet, dass wenn irgendeiner einen Menschen tötet – es sei denn (als Strafe) für Mord oder für Verbreiten von Verderbnis auf Erden -, es sein soll, als ob er alle Menschheit getötet hätte, während irgendeiner ein Leben rettet, es sein soll, als ob er aller Menschheit das Leben gerettet hätte. ) Kain und Abel

Der Koran, es gibt für mich auf der Welt kein anderes Buch, weder von einem arabischen, persischen, indischen oder griechischen Verfasser, das auf diese Weise lehrt und bekennt, dass es nur den einen Gott gibt, das in dieser Art Gott preist, den Glauben befiehlt und Böses verbietet, das Verlangen nach dem Paradies weckt und die Abscheu vor dem Höllenfeuer erregt.
Wenn nun jemand ein Buch bringt, das diese Eigenschaften besitzt, das auf die Herzen der Menschen diese Wirkung diese Macht, diesen Zauber ausübt, das diesen triumphalen Erfolg hat, und wenn gleichzeitig der, auf den es herab gesandt wurde, ein Analphabet war, der die Kunst des Schreibens und der schönen Rede nicht beherrschte, so ist das ohne Zweifel ein Zeichen der prophetischen Berufung.

Muslime haben Seine (Gottes) Führung nur deshalb verloren, weil sie die Geheimnisse Seiner Sprache nicht mehr kennen, und darum attackieren ihre atheistischen und kolonialistischen Feine sie auf dem Weg Seiner Sprache.
Die Muslime wissen das, und sie bemühen sich, ihre Religion zu bewahren, indem sie ihre Sprache bewahren und deren Konventionen und die Geheimnisse ihrer Regelanwendung lebendig erhalten.

Auf Arabisch benutzt man Alhamdulillah z. B. für folgende Situationen:

al-ḥamdu li-Llāh / ‚Lob sei Gott, Gott sei Dank‘

Nach dem Niesen: Alhamdu lillahi. “Mein Lob und meine Verehrung dem Herrn“ bzw. „Gott sei Dank“.

Als Antwort auf „Wie geht es Dir?“: Alhamdu lillahi. „Gott sei Dank (mir geht es gut)!“

Zweifel im Islam Gibt es hier Zweifel? Dieser Glaube gibt sich unerschütterlich. Irgendwie scheint hier alles anders zu sein. Selbst moderne Muslime glauben scheinbar ohne einen Funken des Zweifels an Gott, an seine Offenbarung in Form des Korans, an die Engel und an das Gericht.    Dafür ist eine zweifelsfreie Überzeugung notwendig:   Sure 49:15 Wisst, dass wahre Gläubige nur jene sind, die Glauben an Gott uns seien Gesandten erlangt haben und danach keinen Zweifel haben und die sich hart anstrengen für Gottes Sache mit ihren Besitztümern und ihrem Leben, es sind sie, die ihrem Wort treu sind. Wie kommt es zu dieser zweifellosen Gewissheit? Der Hauptgrund ist, dass Gott konsequent als absolutes Subjekt geglaubt wird.      Indem nun der Muslim sich diesem Subjektsein Gottes uneingeschränkt ergibt – genau das bedeutet der Begriff „Islam“, erfährt er Obhut.   Denn es heißt: „La quwa illa bil-llahi. Es gibt keine Kraft außer in Gott. (Sure 18,39) Was auch immer geschieht, es geschieht aus Gottes alleinigem Kraftzentrum und Willen heraus.   Der Mensch kann und darf dies nicht infrage stellen. Nur indem sich der Mensch diese Anschauung aneignet (yiksib), nämlich dass Gott absolutes Subjekt ist und alleinige Kraft, findet der Muslim Gewissheit. Denn der Zweifel braucht die Zwei.   Im Islam gibt es aber nur die Eins, nämlich Gott, als absolute Einheit und alleinige Kraft. Diese Überzeugung nennt man auf Arabisch „tauhid“.    Um diese Einheit zu gewährleisten, überlässt der Mensch sein Ich gänzlich Gott. Im Falle des Sufismus, des mystischen Zweigs des Islam, geht das bis zur Selbstauflösung. Man spricht vom Entwerden, dem „fana’“.   Daher gibt es auch bei Krankheiten und Todesfällen keinen grundsätzlichen Zweifel. Allenfalls gibt es eine gewisse Trostlosigkeit. Bei einem Todesfall verwenden Muslime die Formel: ilbaqiyya fi hayatak „Der Verstorbene möge in deinem Leben weiter leben“.   Der Koran kennt im Gegensatz zur Bibel keine Klagepsalmen, und auch die Sünde ist letztendlich nicht mehr als eine Verfehlung oder Unachtsamkeit Gott gegenüber.

Ein etwas anderer Text zu Ostern

Einer Frau wurde eine unheilbare Krankheit diagnostiziert. Der Arzt sagte, sie hätte nur noch drei Monate zu leben. Sie fing also an, alles in Ordnung zu bringen und alles zu organisieren.

Sie rief auch den Pastor an, und bat ihn zu ihr zu kommen, um ihre Wünsche für die Beerdigung abzusprechen. Sie sagte ihm, welche Lieder gesungen werden sollten, welche Bibeltexte gelesen werden sollten und in welchem Kleid sie beerdigt werden wollte. Sie sagte auch, dass sie ihre Bibel in der linken Hand halten wolle.

Als der Pastor gehen wollte, erinnerte sich die Frau an ein wichtiges Detail, das sie vergessen hatte. „Herr Pastor, eins noch….“, sagte sie aufgeregt. „Das ist auch noch sehr wichtig für mich! Ich möchte, dass ich eine Gabel in meiner rechten Hand halte, wenn ich im Sarg aufgebahrt werde.“ Dem Pastor fehlten die Worte. „Das überrascht Sie sicher.“ fuhr die Frau ruhig fort. „Das kann man wohl sagen!“ meinte der Geistliche. Die Frau fing an zu erklären: „In all den Jahren, in denen ich an den vielen Empfängen teilnahm, wurde ich immer mal wieder daran erinnert, meine Gabel zu behalten, wenn das Geschirr abgeräumt wurde. ‚Behalten Sie ihre Gabel‘ – irgendeiner sagte es bestimmt. Und ich freute mich dann immer, denn ich wusste, dass noch etwas Besseres kommen würde! Leckere Schokoladendesserts, Kuchen, Apfelstrudel oder Eis. Irgendetwas wunderbares, was das große Mahl perfekt abrundete.“

Der Pastor lächelte. „Ich möchte“, fuhr die Frau fort, „dass sich die Leute wundern, wenn sie mich im Sarg sehen und sich fragen, warum ich die Gabel in der Hand halte. Und ich will, dass Sie ihnen dann sagen: ‚Behalten Sie ihre Gabel – das Beste kommt erst noch!‘“ Der Pastor bedankte sich bei der Frau für den guten Rat, als er sie beim Abschied umarmte. Er wusste, dass es eines der letzten Male war, bevor sie sterben würde. Aber er wusste auch, dass die Frau eine weisere Vorstellung vom Himmel hatte, als er selbst.

Sie WUSSTE und vertraute, dass noch etwas Besseres auf sie wartete. Dann starb die Frau und die Beerdigung fand statt. Die Menschen gingen an ihrem Sarg vorbei und sahen ihr schönes Kleid, ihre Bibel in der linken Hand und die Gabel in der Rechten!

Und immer wieder hörte der Pastor die Frage: „Warum hat sie eine Gabel in der Hand?“ und sein Lachen wurde größer und freudiger bei jedem Mal.

In der Traueransprache berichtete der Pastor von der Unterhaltung, die er vor kurzem noch mit der Frau hatte. Er erklärte, was die Gabel in der Hand sollte und was sie der Frau bedeutete, dass er nicht mehr aufhören konnte, an die Gabel zu denken und dass er hoffe, dass auch die Anwesenden diese Gabel nie mehr vergessen würden.

„Vergessen Sie nie: das Beste kommt noch!“

10. Juli 2021

Das Universum in Gottes Schemel
Prof. Behnam Sadeghi, Ph.D.

Mit Schemel ist hier das gemeint, was ein König vor seinem Thron stellte, um seine Füße darauf ruhen zu lassen. Wenn man sagt, das Universum sei in Gottes Schemel enthalten, illustriert das Gottes Größe im Vergleich zum Menschen und zur Welt.
 
Vormoderne Koranexegeten stimmen darin überein, dass der Vers Gottes glorifiziere. Bei der Frage ob der Schemel oder – weiter gefasst – der gesamte Thron tatsächlich existiert oder ob es sich um eine Metapher handelt, verraten sie indes unterschiedliche Auffassungen. Die Interpretationen lassen sich in ein Spektrum einordnen, das von der rein metaphorischen bis zur rein Buchstabengetreuen und gegenständlichen Auslegung reicht.
 
Auf der einen Seite des Spektrums stehen einige frühe Vertreter der sogenannten ahl al-hadith -zu Deutsch: „Anhänger der prophetischen Tradition“. Sie überlieferten Berichte, die besagten: Als Gott auf dem Thron saß, “blieb davon so viel Platz übrig, wie vier Finger einnehmen“, und „es gab ein Knirschen ähnlich dem eines neuen Kamelsattels unter der Last eines Reiters“. Indem solche Überlieferungen Dimensionen und Geräusche beschreiben, implizieren sie, dass Gott in einem physikalischen Sinn auf einem Thron sitzt.
 
Eine solche Auffassung durfte allerdings nur eine Minderheit unter den „Anhängern der prophetischen Tradition“ vertreten haben. Für die meisten hat Gott keinen Körper und sitzt nicht auf einen Thron, wie ein Mensch es tun würde. Die Mehrheit ging zwar auch davon aus, dass Gott prinzipiell auf einen Thron sitzt, sie lehnte es aber ab, darüber zu spekulieren, wie oder in welchem Sinn er das tut.
 
Auf der anderen Seite des Spektrums steht die metaphorische Auslegung einer Gruppe. Die Mu‘taziliten genannt wurde. Die Mu‘taziliten interpretierten Verse, die Gott menschenähnlich (anthropomorph)beschreiben, stets metaphorisch. Sie glaubten, dass koranische Aussagen wie: Gott habe Hände, befinde sich an einem Ort oder bewege sich von einem Ort zum anderen, im übertragenen Sinne verstanden werden müssen.  Sie verneinten also, dass es einen Thron beziehungsweise einen Schemel gibt. Für sie steht der Schemel für Gottes Würde, Wissen oder Herrschaft, nicht für einen echten Gegenstand.
 
Was das Aufeinanderprallen gegensätzlicher Ansichten führt, oft zum Entstehen von Zwischenpositionen, die jeweils Elemente beider Seiten kombinieren. So kamen zwei neue Gruppierungen auf, genannt Aschariten. Und Maturiditen. Sie interpretierten den Begriff. „Thron“, wortwörtlich, Gottes Sitzen jedoch metaphorisch. Sie glaubten zwar, wie die Anhänger der prophetischen Tradition (ahl al-hadith), dass es tatsächlich einen Thron und einen Schemel gibt. Aber wie die Mu‘taziliten glaubten sie nicht, dass Gott wirklich auf dem Thron sitzt, denn Gott ist weder physisch, noch nimmt er Raum ein.
 
Was mag die ascharitischen und die maturitditischen Theologen zu dieser Annahme bewogen haben? Im Prinzip bestand darin, die wortwörtliche Bedeutung so lange zu akzeptieren, bis diese, mit der man mit dem menschlichen Wissen kollidiert.
 
Die Existenz eines kosmischen Throns und Schimmels widersprach vor 1000 Jahren nicht dem menschlichen Wissen. Schließlich konnte die Existenz durch Beobachtung weder widerlegt noch gestützt werden. Folglich konnte man die wörtliche Bedeutung akzeptieren.
 
Aber die Idee, dass Gott auf einem Thron sitzt, verletzte nach Auffassung dieser Theologen, das durch menschliche Vernunft gewonnene Wissen. Denn ein ewiges Wesen kann nicht physischer Natur sein. Um ihre These vom ewigen Wesen zu belegen, nutzen Sie philosophisches Denken, dass griechischen Vorstellungen der Antike ähnelt.
 
Es hat verschiedene Ansätze zur Interpretation des Korans gegeben. Aber eines haben all gemein: Sie gründen auf frühere Vermutungen über die Sprache, die Welt und über Gott. Denn letztlich ist es schlicht unmöglich, einen Text zu interpretieren, ohne dabei Vermutungen zu tätigen.
(Aus dem Buch: “Koran erklärt“ Suhrkamp-Verlag.)

TAUHID-Der Glaube an den einzigen Gott

6. Juli 2021

TAUHID-Der Glaube an den einzigen Gott
LA ILAHA ILLA LLAH WA-(A)SCHHADU ANNA MUHAMMADAN RASUL ALLAH.
Das Glaubenszeugnis im Islam heißt auf Deutsch.
„Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott selbst gibt und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist.“

Als theologischer Terminus bedeutet Glaube die auf Beweise gestützte Anerkennung der Existenz und Einheit Gottes (Tauhid), Seines Propheten und zugleich der Authentizität der auf Letzteren herabgesandten Botschafter Gottes

Der Glaube an die göttliche Bestimmung gehört zu den Grundpfeilern der Religion, dies findet sich jedoch nicht im Koran, sondern nur in den Hadithen (s. Muslim) Wer diese Prinzipien anerkennt, wird als gläubig bezeichnet.

Wenn im Koran Glaube erwähnt wird, dann bezeichnet er den Glauben an GOTT, die Propheten, die Offenbarungsbücher, die Engel und den jüngsten Tag.

Sure Al-E-Imran 3 – 18
Bezeugt hat Allah, dass kein Gott da ist außer Ihm Selbst; und die Engel und die Wissenden (bezeugen es); Er sorgt für die Gerechtigkeit. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen.

Sure Al-Baqara 2 – 177
Wahre Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr eure Gesichter nach Osten oder Westen wendet – sondern wahrhaft fromm ist Wer an Gott glaubt und den letzten Tag und die Engel und Offenbarung und die Propheten und sein Vermögen ausgibt – wie sehr er selbst auch wertschätzen mag – für seinen nahen Verwandten und die Waisen und Bedürftigen und den Reisenden und die Bettler und für das Befreien von Menschen aus der Knechtschaft und beständig das Gebet verrichtet und die reinigenden Abgaben entrichtet; und (wahrhaft fromm sind) diejenigen die ihre Versprechen halten, wann immer sie etwas versprechen, und geduldig im Missgeschick sind und in Härte und in Zeiten der Gefahr: es sind sie, sie, die als wahrhaftig erwiesen haben und das sind sie, sie, die sich Gottes bewusst sind.

Sure 2 – 285
Der Gesandte und die Gläubigen mit ihm glauben an das, was ihm von droben erteilt worden ist von seinem Erhalter: sie alle glauben an Gott und seine Engel und seine Offenbarungen und Seine Gesandten, ohne einen Unterschied zwischen irgendeinem Seiner Gesandten zu machen, und sie sagen: Wir haben gehört, und wir geben acht. Gewähre uns deine Vergebung, o unser Erhalter, denn bei dir ist aller Reisen Ende!

In vielen Koranversen wird betont, dass Glaube ein Vorgang sei, der sich im Herzen ereignet und dort spürbar sei.

Suren 5-41, 6-125,16-106, 49-14, 58-22

Das Herz, in dem sich Glaube verwirklicht und spürbar ist, ist das Zentrum aller Vorgänge wie Erkenntnis oder Argumentation. Folglich gib es zwischen Herz, Glaube und Vernunft eine intensive Beziehung.

Suren 7-179, 22-46, 47-24, 50-37.

Der Islam bevorzugt einen Glauben, der auf Vernunft und kritischem Denken basiert ist; ein unkritischer Glaube ist unerwünscht. Verschiedene Glaubensströmungen im Islam, die zwischen dem Glauben und dem Wissen eine notwendige Beziehung voraussetzen, haben den Glauben als Wissen; den Unglauben hingegen als mangelnde Gotteserkenntnis definiert.
Zwischen Glauben und Islam gibt es ebenfalls eine enge Beziehung. Auch wenn die Termini vom Wortlaut her unterschiedlich sind, sind sie in letzter Konsequenz doch nahezu identisch. Islam ist die äußere Erscheinung des Glaubens. Infolgedessen besteht wiederum eine enge Beziehung zwischen Glauben und Handeln: Der Glaube ist ein Akt des Herzens und die Früchte des Glaubens sind die guten Taten im Interesse der Menschheit:
Der Ausdruck kommt im Koran sehr oft vor.

Suren 2-25, 82,277, 3-57, 4-57, 122, 173, 5-9, 93