Gleichberechtigung im Namen des Islam

24. Februar 2024

Pionierin des Islam in Deutschland

 
NACHRUF
Pionierin des Islam in Deutschland
Rabeya Müller

Wie nennt man eine Frau, die nach dem Abitur Ende der 1970er Jahre allein mit ihrem „Muffel“ – einem alten roten Mini – von der Eifel nach Nordafrika reist? Neugierig, mutig? Selbstbewusst, ein bisschen verwegen? Rabeya Müller war alles davon – und noch viel mehr.

Als Rosel Müller wächst sie mit ihrer alleinerziehenden Mutter bei den Großeltern auf, die von den Nazis drangsaliert worden waren. Sie besucht ein erzkatholisches Gymnasium in Vallendar. Danach bricht sie auf, geht auf die Suche, stellt sich die essenziellen Fragen des Lebens. In einer Zeit, die noch gar nicht so lang vergangen ist, und doch wirkt es so, als wäre es eine andere Epoche. Es ist die Zeit, in der man interessierten Zeitgenossen noch erklären musste, was der Koran ist und wer gemeint ist, wenn von „dem Propheten“ die Rede ist.

In dieser „grauen Vorzeit“ wird Rosel Müller zu einer der wenigen Deutschen, die sich mit der Weltreligion Islam auskennen. Sie lernt die Inhalte dieses Glaubens schätzen. Während die politischen Konflikte um den Islam in Deutschland noch Lichtjahre entfernt zu sein scheinen, nimmt sie ihn – „aus reiner Vernunft“, wie sie später immer sagen wird – in der Londoner Zentralmoschee für sich an, und aus Rosel wird Rabeya Müller.

Rabeya Müller war eine Pionierin des Islams in Deutschland, eine der ersten Imaminnen. Eine Frau, die den Kampf der Geschlechter innerhalb ihrer Religion aufnahm – kompromisslos, resolut, aber immer auch mit rheinischer Leichtigkeit. Sie stellte sich mit Mut, Kraft und Esprit der männlichen Dominanz entgegen. Mit großem Gespür für die inneren Werte ihres Glaubens stand sie im besten feministischen Sinne ihre Frau.

Beim renommierten Professor Abdoldjavad Falaturi an der Uni zu Köln wird Rabeya Müller zur Islamwissenschaftlerin. Sie lebt mit ihrer Familie von nun an zwischen Köln, Indien und Pakistan, studiert islamische Theologie. Ihre gewonnenen und erarbeiteten Erkenntnisse will sie nicht für sich behalten.

Sie gründet das Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung in Köln (ZIF) mit. Als Leiterin des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD Köln) bringt sie jungen Menschen und Erwachsenen zeitgemäße Auffassungen von Religion bei, von gegenseitiger Wertschätzung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Mit ihr entsteht eine umfangreiche IPD-Schriftenreihe.

Zu ihren bemerkenswertesten Publikationen gehört eine kleine, aber wegweisende Abhandlung mit dem Titel „Ein einziges Wort und seine große Wirkung“ (2005). Es geht darin um die Koran-Formulierung in Sure 4,34 über Frauen: „… und schlagt sie!“ Mit weiteren Autorinnen zeigt Rabeya Müller die vielen Interpretationsmöglichkeiten eines einzigen Verbs im Arabischen auf, das Männer gemeinhin tatsächlich nur als „schlagen“ wiedergeben wollten. Schlüssig zeigt sie auf, dass es sich dabei um ein falsches, patriarchalisch geleitetes Textverständnis handelt.

Rabeya Müller war authentisch und offen. Sie glaubte an den interreligiösen Dialog. Sie drängte sich nicht in die erste Reihe, sie wurde dorthin geschoben. Sie wollte nicht bloß Stoff für eine Schlagzeile liefern. Ihr ging es um die Sache. Ihr ging es auch um die Menschen – selbstlos und zugewandt.

Unzähligen Verunsicherten und wegen der oft feindlichen Islamdiskurse Verängstigten steht sie bei. Sie verheiratet Musliminnen und Nichtmuslime. Frauen und Männer versammeln sich hinter ihr zum Gebet. Sie stützt Gläubige, die aufgrund ihrer Queerness, ihrer Homosexualität, ihrer Transidentität in schwierigen Fahrwassern sind.

In ihren Schriften, Reden und Seminaren gab Rabeya Müller dem liberalen Islam in Deutschland, aber auch weltweit glaubwürdig Gesicht. Dabei kam sie stets ohne Feindseligkeiten und Abwertung anderer aus. Sie feierte Karneval, ging zu „Kölle singt“ ebenso wie in die Oper. Sie hörte Niedecken und die Stones, jubelte und litt mit dem Effzeh.

In ihrem Leben war Rabeya Müller für viele eine Inspiration, auch für mich. Mit ihr zusammen durfte ich den ersten Koran für Kinder in Deutschland erarbeiten oder „Saphir“, die erste Schulbuchreihe für Islamunterricht an deutschen Schulen. Wir waren gemeinsam an der Gründung der ersten universitären Ausbildungsstätte für Islamlehrer und islamische Theologen beteiligt, engagierten uns gemeinsam gegen Extremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, und wir gründeten 2010 mit anderen den Liberal-Islamischen Bund.

Diese Woche ist meine geliebte Freundin, Mentorin, Kollegin, Weggefährtin und Vertraute gestorben. Mein Herz blutet. Im Alter von 67 Jahren hat sie den härtesten Kampf ihres Lebens verloren. Ihr Wirken wird bleiben. Rabeya Müller hat sich in der Geschichte des Islams in Deutschland ihren Platz gesichert.

„Inna lillah wa-inna ilyahi radschi´un.“ – „Von Gott kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück.“ Halt die Ohren steif, meine Liebe!

Die Bestattung mit muslimischem Totengebet findet am Donnerstag, 22.02.20023 um 10 Uhr auf dem Südfriedhof in Köln-Zollstock statt.

Unsere Autorin, geboren 1978, ist Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin. Lamya Kaddor hat viele Jahre als Lehrerin in Dinslaken gearbeitet. Seit 2021 gehört sie für die Grünen dem Bundestag an. (jf)aus dem Kölner Stadtanzeiger, dem ich danke.

Pionierin des Islam in Deutschland

23. Februar 2024

Der Lichtvers

27. Dezember 2023

Der kürzeste Tag im Jahr ist der 21. Dezember. Die Nacht bricht früh herein. herrscht Dunkelheit. Wichtiger denn je ist in diesen Tagen das Licht. Verzweifelt versucht der Mensch die Dunkelheit zu vertreiben, auf den Straßen und in den Häusern. Doch ich möchte nicht vom allseits bekannten Licht durch Elektrizität oder Feuer schreiben.

NEIN, GEMEINT IST DAS LICHT IM HERZEN DER MENSCHEN.

24:35 Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis von seinem Lichte: Das Licht ist wie eine Nichte in der einer Leuchte. Die Leuchte ist in einem Glas. Das Glas gleicht einem Stern, einem funkelnden. Angezündet von einem Baum, einem gesegneten. Einem Ölbaum, nicht östlich, nicht westlich, dessen Öl leuchtet beinahe, ohne dass es berührt hätte das Feuer. Licht über Licht. Gott führt zu seinem Licht, wen Er will, und Gott führt den Menschen die Gleichnisse an. Und Gott weiß über alle Dinge Bescheid.

Nur durch und mit Gott können wir dieses Licht finden. Dies gilt für alle Menschen, jede*n Gläubige*n, jede*n Gottergebene*n (Muslim*innen), egal aus welcher Religion.

5:46 Und wir ließen hinter ihnen her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätige, was von der Thora vor ihm da war. Und wir gaben ihm das Evangelium, das (in sich) Rechtleitung und Licht enthält, damit es bestätige, was von der Thora vor ihm da war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.

Wo bleiben bei all den religiösen und traditionellen Bräuchen die Liebe und das Licht der Herzen? Lange schon sind diese zum «Kommerz» verkommen. Viel Geld wird ausgegeben, doch nicht zum Zweck der Nächstenliebe, wie man meinen sollte. Nein, für die perfekte Dekoration, das Geschenk und das Festtagesessen. Es heißt wir sollen uns besinnen, doch sind alle wie von Sinnen.

So sicher wie die Sonne am Himmel steht, ist Licht in uns. Doch allzu oft verdecken uns Wolken das Licht. Bei der Sonne vertrauen wir selbst nach vielen Regentagen darauf, dass sie noch da ist. Und so sollten wir auch auf unser Licht vertrauen, denn es ist und war immer da.

Lasst uns fern ab von Traditionen das Licht in uns wiederfinden. Allein oder im Miteinander, in der Stille, im Gebet, im Herzen, in der Seele. Damit die Tage lichterfüllt sind, wenn keine Kerze brennt. Damit die Tage lichterfüllt sind, wenn dein Herz rennt.

z. Teil aus Koranforschungsgruppe alrahman.de

Das koranische Lichtgleichnis führt von einem ungelösten Rätsel zum anderen, so schreibt Prof. em. Dr. Stefan Wild.

Die Leuchte ist in einem Glas wie ein funkelnder Stern, angezündet von einem gesegneten Olivenbaum, weder östlich noch westlich ….Der Koran entwirft hier Elemente einer Lichtmystik, welche die Aussage des Nizänischen Glaubensbekenntnis „ Gott von Gott, Licht vom Lichte“ bei Weitem übertrifft. 

 

Selber schuld, Antisemitismus schlägt Wellen

16. November 2023

Auch hierzulande wird dieses Zerrbild in muslimischen Parallelgesellschaften seit Jahren gepflegt. Die deutschen Behörden haben es aus Naivität und Desinteresse lange ignoriert; die Politik hat das Problem sogar verschärft:

Einerseits ließen die Bundesregierungen von Adenauer bis Merkel Millionen Muslime einreisen und hier sesshaft werden – andererseits verwehrten sie ihnen volle Teilhabe, duldeten sie nur als Gastarbeiter oder Flüchtlinge, als Bürger zweiter Klasse, grenzten sie aus.

Eine schizophrene Politik, in deren Folge in vielen Großstädten Parallelgesellschaften entstanden – von Berlin bis Bremen, von Köln bis Frankfurt. Erdoğan, Assad und die Mullahs aus Teheran durften derweil ungestört ihre Propaganda in deutschen Moscheen und Vereinen, in türkischen, arabischen und iranischen Exilmedien verbreiten. So hat der deutsche Staat sich den muslimischen Antisemitismus nicht nur selbst ins Land geholt. Er hat ihn auch genährt.

Zur Lebenslüge deutscher Politiker gehört es, dieses offensichtliche Versagen kleinzureden und suchen bei den Migranten die Schuld.

Selbst Menschen, die versucht haben, dem entgegenzutreten und Gemeinsamkeiten zu erklären, wurden diskriminiert, das ist mir gesagt worden „Mit so einer, die sich bei den Türken engagiert, schadet unsere Gruppe. „Ich habe versucht, die Gemeinsamkeiten zwischen Muslime und Christen aufzuzeigen, und unsere Kultur mit ihnen zu teilen.“ Es wurde mit Mobbing kaputt gemacht.

Und jetzt sehen wir die Folgen, die Nazis werden immer mehr, und unsere Politiker stecken den Kopf in den Sand, und geben wieder den Menschen die Schuld, die vor Krieg, vor Radikalen fliehen. Warnungen wurden in den Wind geschrieben und hat den radikalen Gruppierungen Tür und Tor geöffnet.

KORAN ERKLÄRT Im Koran wird an mehreren Stellen gesagt, Gott habe Menschen in Affen und Schweine verwandelt. Zweimal geschieht das demnach mit Juden als Strafe für den Bruch des Sabbats. Diese Verse werden oft zitiert, um den Vorwurf des Antisemitismus zu erheben.

16. November 2023

Sendereihe „Koran erklärt“ Deutschlandfunk

Von Prof. Dr. Reuven Firestone, Hebrew Union College, Los Angeles, USA | 16.02.2018

„Und gewiss kennt ihr diejenigen unter euch, die das Sabbat-Gebot brachen. So sprachen wir zu ihnen: ‚Seid Affen, Verachtete!‘ Und dann machten wir dies zu einer Strafe für die Zeitgenossen und die Nachkommen und zu einer Ermahnung für die Gottesfürchtigen.“

Der Koran spricht dreimal davon, dass Menschen in Affen verwandelt werden. In zwei Fällen (Sure 2 Vers 65; 4:163-166) stellt die Verwandlung eine göttliche Strafe für den Bruch des Sabbats dar, obgleich das konkrete Vergehen nicht genannt wird. Beim dritten Vorfall verflucht Gott Leute, auf die er zornig ist, und macht aus ihnen Affen und Schweine. (5:60).

Die Verse fügen sich in ein Muster des Korans ein. Sie drücken die ambivalente Haltung zu den so genannten „Leuten des Buchs“ (ahl al-kitâb) aus. Damit sind Juden und Christen gemeint. Beide sind Gemeinschaften, die einst göttliche Rechtleitung in Form einer Heiligen Schrift empfangen haben.

Einerseits werden Juden und Christen als Gläubige an den einen großen Gott respektiert (Sure 2 Vers 62; 5:69; 22:17). Andererseits scheitern sie laut Koran daran, ganz nach den göttlichen Geboten zu leben. Sie verzerrten Text oder Bedeutung ihrer Heiligen Schriften, heißt es. Würden darin Forderungen gestellt, wollten sie ihnen nicht nachkommen (2:101 und 174; 3:78; 4:46; 5:13, 41). Zudem lehnen sie laut Koran ab, die wahre Einzigkeit Gottes zu akzeptieren (4:171; 5:72-75, 116; 19:88-93; 23:91). Ihre Defizite öffnen letztlich die Tür für eine neue göttliche Botschaft, überbracht vom letzten und edelsten Propheten Gottes: Mohammed.

Die eingangs zitierten Verse stellen eine Polemik gegen Juden und Christen dar. Sie machen nichts anderes als frühere heilige Schriften. Auch diese enthalten Polemiken gegen etablierte religiöse Kräfte, die neue Gemeinden und deren Anspruch auf Verkörperung der Heiligen Schrift ablehnen.

So stellten sich die meisten Juden gegen Jesus (Bibel: Matthäus 16 Vers 1;19:3, 22:23-46; Markus 10 Verse 2-12), die meisten vor-israelitischen Völker gegen das Alte Testament (Bibel: 4. Buch Mose Kapitel 22-24) und die meisten Juden und Christen gegen Mohammed. Wie die Heiligen Schriften vor ihm reagiert auch der Koran mit Verachtung auf diesen Widerstand.

Der Koran bringt seine Anliegen einerseits durch Argumentation zum Ausdruck. Andererseits greift er auf biblische Erzählungen zurück. Manchmal zitiert der Koran dazu aber auch Geschichten, die man nicht aus anderen Quellen kennt. Exakt das trifft auf unsere beiden Verse zu.

Das ältere Schrifttum beinhaltet zwar Berichte von Israeliten, die Gottes Erwartungen auf unterschiedliche Weise verletzt haben. Auch tauchen Affen in verschiedenen antiken Werken auf. In jüdischen und christlichen Traditionen jedoch finden sich keine nennenswerten Darstellungen, bei denen Gott Missetäter in Affen verwandelt hat. Es gibt allenfalls einige indirekte Hinweise. Diese taugen aber nicht als Beleg dafür, dass der Koran die Geschichte aus früheren Werken entlehnt hat, wie manche Orientalisten meinen.

Die Geschichte im Koran ist einzigartig. Sie untermauert eindrucksvoll Gottes Vorsehung und seine Forderung nach Gehorsamkeit. Als eine allgemein gültige Botschaft richtet sie sich sowohl an Juden und Christen als auch an jene Araber, die traditionellen Religionen anhängen.

Die Verwandlung von Missetätern in Affen ist Teil einer größeren Botschaft, die sich in den anderen monotheistischen Schriften ebenso findet. Sie lautet:

„Wer Gutes tut, Böses meidet und Gottes Autorität annimmt, wird gesegnet sein und belohnt werden. Alle anderen indes werden leiden.“

2 Surah Al-Baqara

„Und gewiß habt ihr diejenigen unter euch gekannt, die das Sabbat-Gebot brachen. Da sprachen Wir zu ihnen: „“Werdet ausgestoßene Affen.““ (65)
 
4 Surah An-Nisa

Wahrlich, Wir haben dir offenbart, wie Wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Und Wir offenbarten Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo; und Wir haben David einen Zabur gegeben. (163) Es sind Gesandte, von denen Wir dir bereits berichtet haben, und Gesandte, von denen Wir dir nicht berichtet haben – und Allah hat mit Moses wirklich gesprochen. (164) (Es sind) Gesandte, Überbringer froher Botschaften und Warner, so daß die Menschen nach den Gesandten keinen Beweisgrund gegen Allah haben. Und Allah ist Allmächtig, Allweise. (165) Doch Allah bezeugt durch das, was Er zu dir herabgesandt hat, daß Er es mit Seinem Wissen sandte; und die Engel bezeugen es; und Allah genügt als Zeuge. (166)
 
5 Surah Al-Maeda

„“Sprich: „“Soll ich euch über die belehren, deren Lohn bei Allah noch schlimmer ist als das? Es sind, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat. Diese befinden sich in einer noch schlimmeren Lage und sind noch weiter vom rechten Weg abgeirrt.““ (60)
 
2 Surah Al-Baqara

„Wahrlich, diejenigen, die glauben, und die Juden, die Christen und die Sabäer, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und Gutes tut – diese haben ihren Lohn bei ihrem Herrn und sie werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein. (62)
 
5 Surah Al-Maeda

„Jene, die geglaubt haben, und die Juden und die Sabäer und die Christen – wer an Allah glaubt und gute Werke tut -, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie traurig sein. (69)
 
22 Surah Al-Hajj

Siehe, zwischen denen, die gläubig sind, und den Juden und den Sabäern und den Christen und den Zoroastriern und den Götzendienern wird Allah wahrlich am Tage der Auferstehung richten; denn Allah ist der Zeuge aller Dinge. (17)
 
 

ANTISEMITISMUS?

Zu Affen und Schweinen gemacht.

1. Betrachtung

Im Koran wird ein Fluch erwähnt, der aus Sündern Affen, Schweine und Götzendiener werden lässt. Viele beziehen ihn speziell auf Juden, weswegen im Kontext des Antisemitismus immer wieder darauf verwiesen wird.

Von Dr. Holger Zellentin, University of Cambridge, Großbritanien     

 
„Sag: ‚Soll ich euch von etwas Schlimmerem prophezeien, von Gottes Vergeltung? Von dem, den Gott verflucht hat, und auf den er zornig ist; und aus ihnen hat er Affen und Schweine und Götzendiener gemacht. Die sind schlimmer dran und weiter vom rechten Weg abgeirrt.’
 
In diesem Vers wird der Prophet angewiesen, den Leuten des Buches, das heißt den Juden und en Christen unter seinen Zuhörern, eine schlimme Strafe anzudrohen. Wer Gottes Fluch verdient, werde zu Affen, Schweinen und Götzendienern gemacht.
 
Den Fluch Gottes verdient man, so lernen wir im Folgenden, indem man seinen Glauben an die Offenbarung des Propheten nur heuchelt oder indem man besonders schwer sündigt – zum Beispiel durch die Veruntreuung von Gemeindefinanzen.
 
Die dann folgenden Verse verdammen jüdische Sünder und deren Gemeindeleiter. Wie auch die hebräische Bibel – der Tanach – oder das Neue Testament spart der Koran nicht damit, schwere Vorwürfe an die Juden zu richten und dabei Sprachbilder zu verwenden, die in unserer Zeit so schwer erträglich wie schwer verständlich geworden sind.
 
Freilich sind die in dem Vers gemachten Vorwürfe klar auf den historischen Kontext Mohammeds bezogen. Diese geschichtliche Kontextualisierung erklärt nicht nur die Schärfe des hier vermittelten Anti-Judaismus, sondern auch dessen Bildsprache.
 
Schon im Mathäus-Evangelium im 1. Jahrhundert und in der für den Koran besonders relevanten Strömung der spätantiken christlichen Tradition, werden Schweine mit Dämonen und Götzendienst assoziiert. Selbiges tut nun der Koran zur Wende des 7. Jahrhunderts, wenn er androht, die Heuchler zu „Affen, Schweinen und Götzendienern“ zu machen.
 
Schweine sind hier unreine Tiere. Dämonen und Götzen sind unreine Wesen. Die Grenze zwischen mangelnder Hygiene, kultischer Unreinheit und der Beschmutzung durch Götzendienst sind in dieser Tradition zumindest auf der symbolischen Ebene sehr durchlässig.
 
Der Gedanke, Sünder zu Affen zu machen, findet sich auch anderswo im Koran (Sure 7 Vers 166). Zugleich findet sich ein Widerklang in der rabbinischen Tradition.
 
Im Babylonischen Talmud, der Sammlung jüdischer Gesetze und Überlieferungen, werden die Frevler damit bestraft, in Affen oder Dämonen verwandelt zu werden. Ein palästinischer Midrasch, also ein jüdischer Exegesetext, weist sogar darauf hin, die gesamte Menschheit sei erst durch Sünde so verändert worden, dass unsere Gesichter denen der Affen ähneln, und erst unser Götzendienst habe uns für Dämonen verwundbar gemacht.
 
Der Koran dreht diese Überlieferungen zweimal um. Zum einen verwandelt er den Götzendienst, der im Rabbinischen die Straftat darstellt, in eine Strafe: die Sünder werden zu „Affen, Schweinen, und Götzendienern“ gemacht. Zum anderen wendet der Koran die Polemik, die sich im Rabbinischen auf die Sünder der Vergangenheit bezieht, auf Juden seiner Gegenwart an.
 
Sure 5 Vers 60 droht also jüdischen Heuchlern und Verschwendern aus der Zeit Mohammeds dasselbe Schicksal an, das schon vormals Sünder getroffen hatte.
Diese spezifische Drohung belegt, dass sich der Vers nicht auf Juden generell bezieht. Er ist allein an die Sünder unter den Juden gerichtet.
Zudem wird deutlich, dass der Anti-Judaismus des Korans keinesfalls virulenter ist als der der Christen, oder als die rigorose Selbstkritik, die wir selbst in der jüdischen Tradition finden. Vielmehr verwendet der Koran jüdische Bilder gegen einige jüdische Sünder und überträgt das abrahamitische Erbe auf die besonderen Umstände in Arabien zu Lebzeiten Mohammeds.

Sieben verlorene Perlen

15. November 2023

Ein Buch von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams.

Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams.
Poetisch und Augen öffnend!
Welche Werte … heute: Modernisierung durch Rückbesinnung

Der Autor hat mehrere erfolgreiche Sachbücher veröffentlicht. Mit seinen Veröffentlichungen wendet er sicch geegen Machtmissbrauch, den Islam als Unterdrückungsreligion zu intepretieren. Als Professor für Islamische Religionspädagogik leitet er auch das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster. Sein Lehrstuhl ist der größte seiner Art in Europa.

Interreligiöser Dialog in Deutschland Von der Toleranz zur Akzeptanz

28. August 2023
Ein neues Projekt der Uni Erlangen-Nürnberg will Schüsselbegriffe aus Judentum, Christentum und Islam für den interreligiösen Dialog aufbereiten. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen wollen die Wissenschaftler Scharfmachern entgegenwirken. 

Professor Georges Tamer, Projektleiter der Uni Erlangen-Nürnberg
Aufgrund von Gemeinsamkeiten und Unterschieden den anderen so erkennen, wie er sich selbst verstanden haben will: "Als Christ, Muslim, Jude oder Nichtgläubiger muss ich wissen, wie der andere sich selbst religiös definiert, und dieses Anderssein anerkennen. Es geht nicht um ein gleichgültiges Tolerieren. Wir brauchen eine höhere Stufe als Toleranz, nämlich Anerkennung und Akzeptanz, ohne Unterschiede zu vertuschen", so Professor Georges Tamer.
Tamer: Ziel ist es nicht nur, die Differenzen festzustellen, sondern aufgrund von Gemeinsamkeiten und Unterschieden den anderen so zu erkennen, wie er sich selbst verstanden haben will. Als Christ, Muslim, Jude oder Nichtgläubiger muss ich wissen, wie der andere sich selbst religiös definiert, und dieses Anderssein anerkennen. Es geht nicht um ein gleichgültiges Tolerieren. Wir brauchen eine höhere Stufe als Toleranz, nämlich Anerkennung und Akzeptanz, ohne Unterschiede zu vertuschen. Als Motto des Projekts dient eine altarabische Weisheit, wonach der Mensch ein Feind dessen ist, was er nicht kennt.

Unsere Augen sehen die Wunder Gottes.

12. Juli 2023

Das christliche und muslimische Fasten

29. März 2023

Über die Mütter der Gläubigen

16. Oktober 2022