So gehen Bundesregierungen mit den Rentnern um

23. März 2013

Die Westrenten werden auf das Niveau der Ostrenten herunter gezogen.

Menschen, die in Rente gegangen sind, sind auf die Erhöhungen angewiesen, die die Bundesregierung jeweils errechnet.
Ob diese Rechenformeln richtig sind, wage ich sehr zu bezweifeln. Ich kann sie auch nicht nachvollziehen.
Aber schlimm ist es, das Rentnerinnen und Rentner, die Teuerungsraten nicht ausgleichen können und somit wird ihre Rente immer weniger.
Ich kenne Rentner, die knapp unter 1000 € und weniger haben, in diesem Winter ihre Wohnung nur noch bis 18 Grad heizen, diese alten Leute haben den ganzen Winter gefroren .
Ich kenne Rentner und Rentnerinnen, die sich ihre Medikamente nicht holen, weil das Geld fehlt.

Denn die Teuerungsrate, die hohen Mieten, die hohen Stromkosten, die hohen Heizungskosten können sie nicht mehr bewältigen.
Sie nehmen fast nicht mehr an kulturellen Angeboten teil, weil das zu teuer ist.

Nur die  Wenigsten von ihnen können das mit zusätzlichen Arbeiten kompensieren.

Eempört bin ich , dass man die Westrenten auf Ostniveau absenkt. Umgekehrt wäre es richtig gewesen, weil im Westen mehr Rentner leben, als im Osten.

Sicher sagen jetzt viele, wenn wir in Rente gehen, werden wir viel weniger wie ihr bekommen. Aber die, die in Rente sind tröstet das auch nicht, sie erschrecken zwar. Und weil sie im Leben schon viel erlebt haben, wissen sie auch, dass es Brüche gibt, wo man eben nicht mehr Vorsorge treffen für das Alter.

Auch das kritisiere ich auf das Schärfste. Die kommenden Alten werden so arm, dass sie auch nur noch zum Amt gehen können und um Unterstützung bitten, dass ist schrecklich.
298323_4388516203847_241323124_nDeswegen sollten wir alle uns dagegen wehren, dass man alte Menschen so behandelt.

Meine Schwester Christel

22. Dezember 2012

Meine Schwester Christel starb am 20.05.2002 plötzlich und unerwartet in Bremen. Sie war das fünfte Kind meiner Eltern. Sie wurde in einer sehr schweren Zeit geboren. 1948, drei Jahre nach dem Krieg gab es wenig zu kaufen und auch das Beschaffen von Nahrungsmittel war sehr schwer. Die Menschen versuchten sich so gut es ging durch das Leben zu schlagen. 

Wir hatten es noch gut, lebten im Haus meines Onkels, der in Bad Godesberg Rüngsdorf, Pfarrer war.

Ich war gerade sieben Jahre geworden und habe mich unendlich über eine Schwester gefreut. Unsere Christel war ein sehr liebes und ruhiges Kind. Die konnte sich den ganzen Tag mit sich selber beschäftigen. So war sie ihr ganzes Leben. Ruhig und auch, so sah es aus, mit sich und der Welt zufrieden.

Aber das war nicht so.

Image

Heute weiß ich es besser. Meine Schwester erkrankte und musste psychologisch betreut werden. Sie war in mehreren Kliniken. Wie kam es dazu?

Christel hat 1963 eine Lehre als Schneiderin gemacht. Das Nähen hat ihr immer Spaß gemacht. Aber eine richtige Arbeitsstelle hat sie nie gefunden.

In der Zeit war ich schon nicht mehr zu Hause, aber ich wusste, dass es für Christel nicht einfach war. Sie war ruhig und große Ansprüche hatte sie nie gestellt. Nach der Lehre hat sie als, heute sagt man, Familienhelferin gearbeitet und wohnte auch zum Teil in den Haushalten, wo sie Kinder betreute und den Haushalt machte.

Eine Weile hat sie auch bei meinem Bruder Albert gewohnt und dort gearbeitet. Aber dann fing sie an, und ließ sich in größeren und kleineren Städten auf öffentlichen Plätzen hinfallen und markierte, dass sie krank war.

Da war sie der Mittelpunkt, alle kümmerten sich um sie, und sie errang Aufmerksamkeit. Nur wurde das so viel, dass man sie in die Landesklinik nach Bonn einlieferte. Ab da hat sie mehrere psychologische Anstalten durchlaufen.

Meine Mutter und meine Brüder kümmerten sich nicht so sehr um meine Schwester, irgendwie war es ihnen egal, oder man gib ihr die Schuld an ihrem Zustand. Meine Schwester bekam starke Medikamente und das hatte zur Folge, dass sie eine Herzkrankheit bekam. Aber dann kümmerte sich ein Psychologe um sie, der sich um die Hintergründe des Verhaltens meiner Schwester kümmerte.

Er rief mich an und wir haben über meine Schwester gesprochen, über ihre Kindheit, und über ihr Leben in der Familie.

Durch ihn erfuhr ich dann, dass sich meine Schwester in ihrem Leben immer nach Zuneigung und Liebe gesehnt hat, sie aber nicht bekommen hat. Ich konnte das bestätigen, denn meine Mutter liebte vor allem ihre Söhne, aber für ihre Töchter hatte sie nie so viel übrig. Ich habe das selber erlebt und musste damit fertig werden.

Ich hatte es aber auch viel leichter als meine Schwester. Ich lebte nach dem Tod meines Vaters nur noch kurze Zeit im Haus und hab dann meine eigene Familie gehabt.

Mein Vater hat immer für den Ausgleich gesorgt, er war ein sehr gerechter Vater und hatte deswegen oft mit meiner Mutter eine Auseinandersetzung.

Aber als er starb war die Christel gerade mal 12 Jahre alt und sie hat, wie sie mir erzählte sehr darunter gelitten, dass mein Vater tot war.

Wir alle litten darunter, aber wir kümmerten uns sehr um unseren jüngsten Bruder, er war gerade 5 Jahre alt und er hat ein paar Jahre gebraucht um dieses Trauma zu bewältigen. Aber auf unsere Christel hat keiner geachtet.

Dieser Psychologe sorgte nun, dass meine Schwester nach Bremen in ein psychologisches Krankenhaus kam. Sie stabilisierte sich so, dass sie in einer eigenen Wohnung wohnte konnte, aber weiter von der Klinik betreut wurde. Dort war sie in eine Gruppe, hat durch ihr Talent, sehr schöne Dinge nähen zu können, viele Freunde gefunden.

Aber mit ihrer Gesundheit ging es auf und ab. Wir telefonierten zwei bis drei Mal im Monat miteinander. Wenn es ihr gut ging, habe ich sie besucht oder sie kam zu mir.

Nun manchmal war eine lange Zeit vergangen, bis wir uns wieder sahen. Im Jahr 2003 wollte sie mich am Wochenende besuchen. Wir beide freuten uns sehr auf ein Wiedersehn.

Aber es war ein schlimmes Wochenende. Donnerstags bekam ich einen Anruf von der Polizei, dass meine Schwester tot im Bett aufgefunden worden war. Die Nachbarn, mit der sie befreundet war, haben sie gefunden.

Ich war tief getroffen. Die Polizei sagte mir, dass ich mich mit dem Amtsgericht in Verbindung setzen sollte und hier sagte man mir, dass ich von meinen Geschwistern, vier Brüder, eine Vollmacht haben musste, um mich um die Angelegenheit meiner Schwester kümmern konnte. Ein Bruder hatte eine Vollmacht, als ich mit meinem jüngsten Bruder in Bremen ankam, hinterlegt. Er wohnte nicht weit von Bremen weg und ist auch am Haus meiner Schwester gesehen worden. Die beiden anderen Brüder haben mir oder dem jüngsten Bruder keine Vollmacht erteilt. Obschon sie behaupteten eine Vollmacht erteilt zu haben, konnte man im Amtsgericht Bremen keine Vollmacht finden und so konnten wir gar nichts machen.

Wir sind dann zu dem Haus gefahren, in dem meine Schwester gewohnt hat und haben mit den Nachbarn gesprochen.

Sie haben uns gesagt, dass sie sehr erschrocken waren, dass sie am Morgen bemerkt haben, dass die versiegelte Wohnung meiner Schwester geöffnet war. Wir sind in die Wohnung gegangen und zu unserem Erstaunen fehlten der Fernseher, der neue Videorekorder, das Telefon und ihre Nähmaschine. Die Nachbarn konnten nicht feststellen, ob sonst noch weitere Sachen fehlten. Wir haben die Polizei informiert. Mein jüngster Bruder und ich sind dann noch in die Klinik gefahren und haben mit ihrer Gruppenleiterin gesprochen, die auch sehr traurig und bestürzt war, dass meine Schwester nicht mehr lebte. Dort hat man sie sehr geliebt.

Die Tage danach habe ich weiter versucht die Vollmachten von meinen Brüdern zu bekommen. Habe sogar einen Pfarrer eingeschaltet, der mit meinen Brüdern reden sollte.

Aber dieser Priester hat mir zu verstehen gegeben, dass er für so was keine Zeit hätte, er wäre auf dem Weg in den Urlaub.

Ich konnte nun nichts mehr machen, die Frau von dem Beerdigungsinstitut versuchte mich zu trösten, aber ich konnte nicht verhindern, dass meine Schwester von der Stadt Bremen, nach der Verbrennung, anonym beerdigt wurde.

Den Termin der Beerdigung hat die Dame vom Beerdigungsinstitut herausbekommen, aber ich konnte nicht dahin fahren, so fertig war ich. Ich habe in der Zeit viel geweint, und auch heute noch, wenn ich an diese Geschichte denke, kommen mir immer noch die Tränen.

Keiner meiner Brüder hat sich nach dem Termin der Beerdigung ihrer Schwester erkundigt, oder sich nach den Umständen des Todes, oder nur irgendetwas unternommen.

Mit meinen Brüdern habe ich gebrochen und ich glaube nicht, dass ich das je verzeihen kann.

Heute bete ich für meine Schwester, dass Gott ihr die Liebe schenkt, die sie auf Erden nicht bekommen hat.

– Für meine Schwester Christel, ich werde sie nie vergessen –

Elisabeth Mariam Müller

Die Anfänge meiner Familie – Der zweite Weltkrieg dominierte –

22. Oktober 2012

Der Vater wurde 1901 in Mönchengladbach geboren, er war der Jüngste von zwölf Geschwistern. Als er aus der Schule kam, war einer seiner Brüder Wilhelm im Priesterseminar in Bonn.

Er hatte, so wie er immer erzählte eine schöne Kindheit und Jugend. Meine Großeltern waren sehr fromme katholische Menschen.

Großvater war sehr fleißig, er arbeitete in mehreren Arbeitsstellen, die schwerste Arbeit war wohl die Kesselreinigung, das waren wohl riesig große Kessel, wo der Kalk abgeschlagen werden musste. Mit seinem Fleiß konnte er sich ein Haus in Mönchengladbach-Dahl anschaffen. Wo die Großeltern bis in die dreißiger Jahre gelebt haben.

Bild: Mönchengladbach – Dahl, Aktienstraße:

Meine Mutter wurde 1912 in Mönchengladbach-Venn geboren.

Sie waren drei Geschwister.

Der Bruder meiner Mutter, ein hochbegabter junger Mann, der den Weg von meinem  Großvater einschlagen wollte, er kam im zweiten Weltkrieg ums Leben. Er war gerade zwei Monate verlobt.

Die Großmutter, eine anerkannte Modeschneiderin, starb sehr früh an einer Herzkrankheit. Meine Mutter war da gerade mal neun Jahre alt.

Mein Großvater, er war Bilanzbuchhalter, fand eine neue Frau, die den beiden Mädchen keine Chance gegeben hatte, einen Beruf zu erlernen und steckte sie in Haushalte, wo meine Tante Käthe und meine Mutter kein leichtes Leben hatten.

Mein Vater war ein Junggeselle, der sein Leben genoss. Er war beliebt, er war hilfsbereit, er war immer zu Scherzen aufgelegt und wäre wohl bis am Ende seines Lebens ein Junggeselle geblieben, wenn nicht seine Schwester , meine Tante Trautchen, ihm nicht unmissverständlich klar gemacht hätte, dass sie nicht mehr gewillt war, für ihn zu sorgen. Sie setzte ihn so unter Druck, dass er sich eine Frau suchte.

1939 war er der Prinz Karneval von Mönchengladbach, wohl auf diesen Touren hat er meine Mutter kennen gelernt. Weil Beide kein so richtiges Zuhause hatten, waren sie sich schnell einig, zu heiraten. Mein Vater war bei der Post angestellt, heute würde man sagen bei der Telekom. Er war Beamter und leitete den Trupp, der die Telegrafenmasten aufstellte und wartete. Er hatte also ein gutes Auskommen.

Seit 1933 waren die Nazis an der Macht, und da herrschten andere Regeln wie heute. Wie er immer erzählte, nervten ihn auch die ewigen Fragen seiner Vorgesetzten, warum er noch nicht verheiratet war. Seine Antworten waren immer: „Habe die richtige noch nicht gefunden, bin gewillt sie zu finden.“
Diese Herren störte es auch gewaltig, dass sich mein Vater in der katholischen Gemeinde engagierte. Er machte viel Jugendarbeit und war auch nicht in der Partei, da hat er sich immer verweigert und hat auch so gut er konnte, gegen diese Nazis gearbeitet.

Mein Onkel Willi, wir Kinder durften ihn nur „Onkel Pastor“ nennen, war inzwischen Priester und Kaplan an der Stiftskirche in Bonn. Meine Großeltern sind ihm nach Bonn gefolgt und haben ihm den Haushalt geführt.

Die Großmutter starb 1936 und der Großvater ein Jahr später. Sie beide haben die Goldhochzeit feiern können im Kreise ihrer Kinder und Verwandten.

Meine Eltern heirateten am 08.April 1940, die kirchliche Trauung war am
Pfingsten, den 11. Mai 1940 in der Stiftskirche in Bonn. Die Hochzeitsfeier wurde je abgebrochen, es fielen die ersten Bomben auf die Stadt Mönchengladbach.

Bild: Stiftskirche, Bonn

Meine Eltern und die Familie kehrten voller Sorge zurück nach Mönchengladbach-Dahl. Gott sei Dank, war in ihrem Wohnviertel nichts passiert, aber ab dem Zeitpunkt lebten meine Eltern immer in Angst und Schrecken.

Mutter erzählte, sie hätte aufgehört zu zählen, wie oft sie in den Bunker gerannt sind, der ungefähr  500 m von ihrem Haus in der Aktienstraße im Kamillianer-Krankhaus war.

Bild: Kamillianer-Krankenhaus mit Kirche

1941 kam ich dort zur Welt. Meine Mutter hatte eine sehr schwere Geburt, ich konnte nur mit Kaiserschnitt geholt werden, das war in dieser Zeit eigentlich ein Todesurteil für die Mutter.
Sie hat es überlebt, auch die vielen Schnitten an ihren Brüsten, weil sie wohl Schwierigkeiten hatte, mich zu stillen.  Ich war ein Flaschenkind, aber ein Sonntagskind, denn mein erster Schrei fiel mit dem Glockengeläut der anliegende St. Kamillianer-Kirche am Sonntag um 11.00 Uhr zusammen.

Als ich ein Jahr und vier Monate alt war, kam mein Bruder Hans-Josef zu Welt. Meine Mutter war überglücklich, einem Sohn das Leben geschenkt zu haben. Nur mein Bruder wurde schon früh sehr krank, er hatte Hirnhautentzündung. In der Nazi-Zeit war das sehr gefährlich, weil alles unwerte Leben ausgelöscht wurde. Meine Eltern wussten lange nicht, welche Form von Entzündung er hatte. Die Gebete wurden erhört und mein Bruder wurde gesund.

Im März 1943 bekam ich ein weiteres Geschwisterchen. Der kleine Bruder Klaus überlebte einen Bombenangriff nicht, ihm platze die Lunge und verstarb, er war gerade mal vier Monate alt.
Ich war gerade zwei Jahre alt, kann mich aber an den kleinen weißen Sarg erinnern, in dem mein Bruder im Haus aufgebahrt war. Ich habe mit meinem Vater blaue Blümchen in den Sarg gelegt. Es war sehr still in diesem kleinen Zimmer.

Bis in das Jahr 1944 erlebten die Eltern einen Bombenangriff nach dem anderen. Oft trafen Bomben unser Haus, das Dach war kaputt und man konnte vom Bett aus, den Himmel sehen. Meine Tante Trautchen wohnte unten, und ich konnte durch ein Loch in unserem Küchenboden mit meiner Tante sprechen.
Immer wieder brannte es im Haus, eine Brandbombe zerstörte das Wohnzimmer und das Sofa. Alle im Haus warteten in einem Schuppen am Haus, bis die Männer das Feuer gelöscht hatten. Ich hatte immer eine panische Angst. Sie war auch da, wenn wir immer und immer wieder in den Luftschutzkeller des Kamillianer-Krankenhauses stundenlang ausharren mussten.

Sie war auch da, wenn man am Himmel solche komische Lichter sahen, oder auch leuchtende Dinger herunterfielen. Sie war da, wenn die Sirene brüllte, ich mag sie heute noch nicht. Heute noch habe ich Angst, wenn Kerzen brennen, bei mir stehen überall Kerzen, aber ich zünde sie nie an.

Angst in unendlichem Maße kam einen Tag auf, als meine Eltern wieder mit uns zwei Kindern durch einen Brand schnell das Haus verlassen mussten. Ich war auf dem Arm von meinem Vater, meine Mutter hatte meinen Bruder auf dem Arm und kam hinter uns her. Sie hatte die Tasche mit den wichtigen Papieren mit der sie an der Türklinke hängen blieb. Ich kann mich an den Schrei von meinem Vater erinnern, der meine Mutter aufforderte die Taschen hängen zu lassen und raus zu kommen. Es ist wohl alles gut gegangen, aber das Haus war nicht mehr bewohnbar.

So verließen meine Eltern, in wohl einer Nacht- und Nebelaktion die Stadt. Das durfte man zu der Zeit nicht ohne Genehmigung. Wir sind nach Bonn-Bad Godesberg zu meinem Onkel „Pastor“ gekommen. Meine Mutter war schwanger.

Meine Eltern sind bis zu ihrem Tod in Bad Godesberg-Rüngsdorf geblieben.

Bonn-Bad Godesberg – Ortsteil Rüngsdorf am Rhein

Viele fragen sich, warum mein Vater immer noch bei uns war. Er war nicht wehrtauglich, ich glaube so nennt man das. Er hat zwei oder drei Jahre vor der Heirat Typhus gehabt, die ihn sehr mitgenommen hat. Durch diese Krankheit konnte er auf einem Ohr nicht mehr hören und litt immer wieder an den Folgen.

Ein Glück im Unglück war es. So konnte mein Vater sich um die Familie und die Angehörigen kümmern. Fast alle Männer der Familie waren an der Front. Ihm fielen immer wieder Aktionen gegen die Nazis ein. Er erzählte, dass er mit einem Poststempel, die er illegal auf den Urlaubsformulare von Soldaten setze, diese von der Front holte und ihnen eine Atempause verschaffte, von diesem schrecklichen Krieg.

Von diesen Männern hörte er dann was mit den jüdischen Familien passierte, die auch aus seiner Nachbarschaft plötzlich verschwunden waren. Sie erzählten, dass diese Familien nicht umgesiedelt wurden, sondern in Lager kamen und dort getötet, oder auch auf den Weg dahin erschossen wurden. Freunde von meinem Vater, es waren Menschen jüdischer Herkunft, die eine Tuchfärberei hatten, haben sich in einem heißen Farbbottisch das Leben genommen.

Er ist wohl in dieser Zeit sehr politisch geworden. Durch sein selbstgebasteltes Radio hat er immer die Sendungen aus England gehört und war gut informiert. Feindsender hören stand unter hoher Strafe.

Uns Kindern hat er  immer gesagt, dass wir aufpassen sollen, gegen Ungerechtigkeiten vorgehen sollten und die Menschen achten und akzeptieren sollten, so hat er uns erzogen.

Ein Engagement wurde kaputt gemacht.

4. Mai 2012

Ein Engagement wurde kaputt gemacht. Mein Arbeit in der Moscheegemeinde.

Erst einmal zur Vorgeschichte. Seit 2002 hatte ich mich in der Moscheegemeinde engagiert.

Habe viel auf die Beine gestellt.

Habe mit dem Vorsitzenden (1998 – 2005) Nyazi Ileli einen Nachhilfeunterricht etabliert. Bis zuletzt waren dort bis 24 Kinder aller Nationen, die zuerst von Studentinnen und Studenten unterrichtet wurden, dann hatten wir feste Lehrerinnen angestellt.

Ich habe einen Elternrat gegründet, weil wir doch viele Fragen wegen Schule und Ausbildung bekamen und eine Gruppe von Frauen kümmerten sich um die Schulen und Kindergärten und gaben den Eltern Hilfestellung.

Ich habe mit den Frauen viele Stunden verbracht, habe mit ihnen deutsch gesprochen, damit sie nach ihrem Deutschunterricht, das Gelernte auch anwenden konnten.

Der Vorsitzende hat von der Degussa Computer bekommen, da habe ich dafür gesorgt, dass diese PCs internetfähig und für den Unterricht hergerichtet wurden.

Kinder aus der Hauptschule und auch Frauen aus der Gemeinde, die den Umgang mit dem PC lernen wollten, habe ich Unterricht erteilt.

Habe Spendengelder akquiriert.

Habe den Kontakt zu den Schulen ermöglicht, mit den Familienzentren Kooperationsverträge geschlossen.

Habe jede Möglichkeit genutzt, die Presse auf die Arbeit in der Moschee hinzuweisen und vor allem auch den Migranten auf die Integrationskurse, die in der Moschee stattfanden, aufmerksam zu machen.

Habe den interreligiösen Dialog gefördert, dass durchaus eine schwere Arbeit war, weil die Vorurteile auf beiden Seiten, riesengroß sind.

Habe das 1. Kinderfest, das die Türken am 23. April feiern, organisiert. Es war ein voller Erfolg.

Auch interreligiöse Gesprächskreise gab es.

Moscheeführungen gehörten dazu, die immer sehr viel Freude gemacht haben, aber auch die Vorbereitungen dazu, benötigten auch Aufwand.

Eine Fahrt mit den Frauen der Gemeinde nach Trier organisiert. Spannend war es, den Muslimen diese katholische und älteste Stadt zu zeigen, die auf dem Gründer von Istanbul zurück geht.Frauen im Trierer Dom

Bis heute versuche ich mit meiner Webseite die islamische Religion zu erklären und Artikel und eigene Beiträge dazu kann man lesen in: http//www.muslime-in-niederkassel.de

Bis heute führe ich einen Gesprächskreis  von Frauen, wo wir über den Islam und die Hintergründe diskutieren.

Ich weiß nicht ob ich alles aufgeschrieben habe, was ich in dieser Moschee gearbeitet habe. Die Buchführung war eine der leichtesten Übungen, es war mein Beruf. Aber trotzdem hat sie viel Zeit in Anspruch genommen.

Den Kontakt zur Verwaltung intensiv geführt.

In der Woche war ich fast jeden Tag einige Stunden in der Moschee.

Viele, viele Stunden habe ich damit verbracht, eine Webseite für die Moschee in Niederkassel zu erstellen.

Ich hatte das noch nie gemacht, und mir mühsam, alles selber beigebracht und darauf geachtet, dass sie immer auf den neuesten Stand war. Diese Webseite hat in ganz Deutschland Beachtung erfahren und ich habe viele positive Feedbacks bekommen.

Die letzte Aktivität, die viel Kraft und Zeit gebraucht hat war, Kandidaten zu finden für die Integrationswahlen die am 07.02.2010 in Nordrhein-Westfalen abgehalten wurden.

Schon im September 2009 habe ich mit dem neuen Vorsitzenden (2006 – 2011) Ramazan Elmas eine Liste in der Moschee ausgelegt, wo sich interessierte Gemeindemitglieder eintragen konnten.

Viele Gespräche geführt, aber die Resonanz war nicht so, wie ich es dachte.

Da habe ich mit Frau Bayer-Helms (CDU) und Gerhilda Wagener (Grüne) auch noch andere Menschen, die aus anderen Ländern hier wohnten angesprochen und mit der Zeit hatten wir nicht nur aus der türkischen Gemeinde Menschen dafür interessiert, sondern Menschen aus Italien, Griechenland, Türkei, Frankreich, Kenia und Sri Lanka gewinnen können.

Wir haben eine Wahlversammlung abgehalten und die Liste aufgestellt und die Listenplätze festgelegt. Ich wurde gebeten, den Listenplatz 1 einzunehmen, dass ich aber nur mit der Voraussetzung zugestimmt habe, dass ich nach einem Jahr zurücktreten kann.

Dann passierte etwas, was ich bis heute nicht begreifen kann, die SPD hatte auch zwei Mitglieder der SPD und den Bruder des Vorsitzenden der Moscheegemeinde aufgestellt.

Orhan Kangöz und ich konnten das nicht verstehen, weil wir ihn auch angesprochen hatten, Hilmi Elmas hat uns aber zu verstehen gegeben, dass er von Jürgen Schulz angesprochen worden sei, und er versprochen hätte für die SPD zu kandidieren.  – Dieses Gespräch hat er hinter her geleugnet – .

Die SPD hatte es nicht geschafft, eine Liste aufzustellen, so dass die drei Kandidaten einzeln zur Wahl antraten.

Ich ahnte schon nichts Gutes. Hilmi Elmas war in einem türkischen Sportverein und war bekannt, meine Kandidaten dagegen nicht so sehr.

Hilmi Elmas hat dann mit Hilfe der SPD auch noch einen aggressiven Wahlkampf gemacht und hat bei der Wahl von den sechs Sitzen, 4 Sitze geholt. Aber, da sie keine Liste aufgestellt hatte, konnte nur 1 Sitz, besetzt werden. Herr Hilmi Elmas nahm den Platz ein.

Die beiden anderen Sitze gingen an die Liste.

Ich wurde gewählt und auch Herr R. Buvanendran (Sri Lanka). Die Enttäuschung in unserer Gruppe war riesengroß.

Da auch der Vorsitzende der Moschee, Ramazan Elmas, in dieser Sache kein ehrliches Spiel gespielt hatte, habe ich danach meine Arbeit für die Moschee Niederkassel eingestellt.

Die SPD hatte im Nachhinein nochmals Rache geübt, dass ich meinen Sitz damals im Rat behalten hatte, dadurch hatten sie den Fraktionsstatus verloren und auch finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

Schade ist nur, dass die Gruppe auseinander gefallen ist, und die vielen Ideen, die wir hatten nicht umgesetzt werden können. Der Integrationsausschuss ist nur ein Alibi-Ausschuss und bringt nichts zustande. Auch ich habe nicht mehr die Kraft Leben hinein zu bringen.

Mit dem Bürgerverein hatten wir ein Internationales Fest auf die Beine gestellt, dass wirklich ein großer Erfolg war, auch hier hat die SPD diesen Erfolg kaputt geredet und auch dadurch dieses Fest kaputt gemacht, weil der Bürgerverein und der Sportverein LÜRA keine Lust mehr hatten, die viele Arbeit auf sich zu nehmen.

Was aber dann passierte hat bei mir Kopfschütteln hervor gebracht.

Ende 2011 hörte ich, dass die SPD eine Mitgliederversammlung im großen Saal der Moscheegemeinde abgehalten hat. Es waren Neuwahlen und sie haben zwei türkische Gemeindemitglieder als Beisitzer in den Vorstand gewählt, natürlich Hilmi Elmas und Herrn Tekin Aslan.

Es waren die gleichen Verantwortlichen, die mir vorgeworfen haben, dass ich mit meinem Engagement für die Türken, die SPD in ganz Niederkassel blamieren würde.

Zitat aus der E-Mail von 2006  – vom Fraktionsvorsitzenden und jetzigen Pressesprechers.

Deines großen (nicht so Wohlmeinende sagen wegen des fanatischen) Einsatzes in der muslimischen Gemeinde schon länger in der Fraktion schwelt,

Zitat vom Geschäftsführer der SPD

Ich meine auch, es ist jetzt an der Zeit, sie klar in die Schranken zu weisen, die blamiert die SPD in ganz Niederkassel immer mehr. Es kann doch nicht sein, dass wir es zulassen, gefragt zu werden, wieso wir so etwas in unseren Reihen zulassen! Die Sache gehört jetzt auch in die Fraktion. Es kann schließlich nicht sein, dass sie die (vermeintlichen) Interessen der Türken bzw. der Moschee über diejenigen der Fraktion und der Partei stellt! Die hat ihr Mandat schließlich Deiner damaligen Intervention im Vorstand und dem Vorziehen auf Listenplatz 3 zu verdanken, also letztlich ausschließlich der SPD und nicht der Moschee !

Grüße

Allerdings hat der Vorsitz in der SPD und in der Fraktion gewechselt und vielleicht wird jetzt nicht mehr unfair gegen die Moscheegemeinde und die Muslime geboxt, wie man das in der Vergangenheit getan hat. Es wäre zu hoffen.

Mein politscher Weg nach dem Eintritt in die SPD

3. Mai 2012

Eintritt in die SPD Ende 1985 nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl

Habe lange überlegt, ob ich mich weiter politisch engagieren sollte. Viele Gespräche habe ich geführt und habe mich dann entschieden, trotz starker beruflicher Herausforderung.

Im Vorstand:

1987 wurde ich zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Aufgabe habe ich bis 1999 erfüllt. Ich hatte es nicht immer leicht in der SPD, weil mir der Stallgeruch fehlte, ich war vorher 15 Jahre, an führender Stelle in der FDP, die ich verließ, als sie die sozialliberale Koalition in Bonn aufkündigte.

Die Arbeit für die SPD habe ich immer mit vollem Einsatz geleistet.

Viele Ideen wurden umgesetzt, die der Vorstand entwickelte. So zum Beispiel haben wir, um die Genossinnen und Genossen an der Arbeit teilhaben zu lassen, Einer der Höhepunkte war ein Kabarettabend. Feste und öffentliche Veranstaltungen wurden abgehalten.

Die Arbeit im Team hat immer Spaß gemacht und es kamen nie Klagen, obschon wir alle beruflich sehr angespannt waren.

Oft haben wir, in einer Telefonaktion, Kontakt zu den Mitgliedern aufgebaut. Dazu gehörte es, dass die Mitgliederliste mit den Telefonnummern bestückt wurde.

Der Kontakt zu den Mitgliedern war uns immer sehr wichtig um die Meinung der SPD-Mitglieder zu erfahren und sie an Termine und Wahlen zu erinnern.

Viele Aufgaben und Ideen wurden umgesetzt:

An führender Stelle habe ich eine Zeitung mitgestaltet, die an interessierten Bürgerinnen und Bürgern und Menschen der Stadt Niederkassel, die als Meinungsmacher fungierten, geschickt wurden. Die Artikel und Hintergrundberichte waren zum Teil von Genossen und Genossinnen geschrieben worden, aber wir haben uns auch professioneller Hilfe bedient.
Eine Adressendatei habe ich geführt und immer wieder aktualisiert über die Jahre. Diese Zeitung haben wir dann selber gestaltet.

Der Balkanbote:

Bis 1999 wurden im Jahr, 1 – 2 Mal eine Zeitung erstellt, der „Balkanbote“ wurde in der Bevölkerung als SPD-Zeitung wahrgenommen. Hier wurden unsere Planungen erklärt unsere Ziele definiert und auch für den Wahlkampf eingesetzt.

An der Zeitung „Der Balkanbote“ habe ich immer in der Gruppe mitgearbeitet, auch hier war das zum Teil Handarbeit, bis wir dann mit dem Computer eine solche Zeitung erstellt haben.

Durch diese Verteilaktionen bin ich praktisch in der Stadt Niederkassel in jeder Straße gewesen, denn es war immer so, dass wir für einige Bezirke oft keine Verteiler hatten.

Der Wahlkampf:

Von 1987 bis 19999 habe ich als Wahlkampfleiterin alle Wahlkämpfe organisiert.

Welche Arbeit und Organisation dahinter steckt, ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben.

Die Vorbereitungen und die Taktiken wurden in Arbeitsgruppen festgelegt. Für die Kommunalwahl wurden Arbeitskreise geschaffen, die das „Kommunalpolitische Programm“ erarbeiteten.

Dieses Programm wurde dann in ein ansprechendes Layout gekleidet. Besonders hat es Freude gemacht, die jungen Genossinnen und Genossen in diese Arbeit einzubinden und sie in ihrer Kreativität zu unterstützen.

Plakatierung

Zu jeder Wahl gehörte es, die Plakatierung vorzubereiten.

Mit der Gruppe die Plakate zu entwerfen und mit den Druckereien Kontakt aufnehmen. Plakatständer wurden in Handarbeit erstellt, am Anfang wurde das auf unserem Grundstück gemacht, mit anschließenden gemeinsamen Essen verknüpft.

Später haben wir diese Arbeit an der Garage in Mondorf gemacht, die wir gemietet hatten.

Zeitungen und Flyer

Es wurden Zeitungen vor den Wahlen verteilt. Diese Zeitungen wurden für ganz Nordrhein-Westfalen gedruckt mit jeweiligen örtlichen Innenteil. In aller Frühe zwischen drei und vier Uhr mussten die Zeitungen am Sonntag an einer zentrale Stelle im Rhein-Sieg-Kreis abgeholt werden und anschließend an die Genossen verteilt werden. die dann vor dem Frühstück die Zeitungen den Bürgerinnen und Bürger in die Briefkästen legten.

Als Dank dafür, wurde am Sonntag vor der Wahl ein gemeinsames Frühstück abgehalten.

Wahlanalyse

Eine Wahlanalyse für Niederkassel habe ich von 1972 gemacht und das Zahlenmaterial archiviert, analysiert und daraus viele wertvolle Rückschlüsse für die Arbeit der SPD in der Kommune erarbeitet. Diese Beschäftigung mit den Zahlen war spannend, weil ich auch zum Teil professionelle Hilfe hatte.

Der eigene Wahlkreis

Bis 2004 hatte ich immer einen Wahlkreis, den ich für die Europawahl, Bundestagswahl, Landtagswahl und Kommunalwahl – da war ich selber die Kandidatin – betreut habe. Haustürbesuche gehörten für mich immer wie selbstverständlich dazu , der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern hat auch für die Ratsarbeit viel gebracht.

Wie zu jeder Wahl wurde unser Auto zur Verfügung gestellt um die Plakatierung vorzunehmen. Die Unterstützung von meinem Mann war mir immer gewiss.

Im Großen und Ganzen war es auch eine gemeinsame Arbeit für die Partei, die wir beide gerne gemacht haben.

Zwischen den Wahlen

Wie zu Wahlkampfzeiten und auch außerhalb der Wahlkampfzeiten habe ich die Infostände organisiert, die in allen Stadtteilen stattfanden. Rosen wurden immer am letzten Tag vor einer Wahl verteilt. Die Rosen mussten geordert werden.

Viele Jahre haben wir einen Kalender, die eine andere Gruppe gestaltete, vor Weihnachten verteilt. Ostern mussten an die 3000 rote Eier geordert werden, um im ganzen Stadtgebiet verteilt zu werden.

Viele Jahre haben wir einen Kalender erstellt, immer mit neuen Theman, der dann vor Weihnachten verteilt wurde. Aber die Kosten waren zu hoch, so haben wir dann Nikoläuse verteilt und vor  Ostern mussten an die 3000 rote Eier geordert werden, um die im ganzen Stadtgebiet zu verteilen..

Delegierte

Als Delegierte des Kreisparteitages, Landesparteitages und Bundesparteitages bin ich gewählt worden. Das bedeutete oft, dass man im ganzen Kreisgebiet unterwegs war. Landesparteitage fanden in größeren Städten in Nordrhein-Westfalen statt, auch der Bundesparteitag, an dem ich teilnehmen durfte, war in Nordrhein-Westfalen

Die Wiedervereinigung

Auch das war eine spannende Zeit. Wir haben Wahlkampfhilfe in Premnitz in Brandenburg gemacht. Zu Ostern 1990, wir waren gerade umgezogen, haben wir sieben Genossinnen und Genossen aus Oranienburg zu Gast gehabt. Wir sind nach Thüringen gefahren, in die kleine Stadt Weida und haben der SPD dort geholfen. Bis zuletzt habe ich die Partnerschaft mit Premnitz gepflegt und bin heute noch sehr dankbar, weil wir, sowohl in Premnitz als auch in Weida Freunde gefunden haben. Diese Freundschaft hält bis heute an.

Die weitere Aufgabe in der Fraktion.

1989 wurde ich als Fraktionsgeschäftsführerin berufen, und habe diesen Posten bis 2006 inne gehabt.

Seit 19902006 war ich für die SPD im Rat der Stadt Niederkassel und war stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit der Aufgabe der Geschäftsführung.

Ich war in vielen Ausschüssen der Stadt, vor allem die technischen Ausschüsse faszinierten mich und ebenfalls die Finanzen der Stadt. In der vorletzten Legislaturperiode und in dieser Periode war ich bis zu meinem Austritt Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses.

Meine politischen Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Soziales. Viele Jahre habe ich mich in der Seniorenarbeit engagiert. Der soziale Aspekt war mir immer wichtig bei der Arbeit für die SPD, das kam vielleicht auch daher, weil ich mit 5 Geschwistern aufgewachsen bin und meine Eltern es nicht immer leicht hatten. Finanziell waren wir nie auf Rosen gebettet.

Für die Fraktion habe ich Woche für Woche ein Protokoll erstellt und auch die wichtigsten Dinge aus den Ausschüssen und dem Rat festgehalten, um die Arbeit in der Fraktion zu erleichtern und auch um wichtige Dinge zu verfolgen und wenn nötig, die Verwaltung danach zu fragen. Die Fraktionsmitglieder wurden von mir immer sehr schnell informiert, was in den Ausschüssen abgehandelt wurde.

Eine wichtige Arbeit und eine Arbeit, die mir Freude gemacht hat, weil sie auch interessant und eine Herausforderung war.

Selbstverständlich war für mich und ist es bis heute wichtig, dass ich die Unterlagen für den Rat und den Ausschüssen sorgfältig studiere, um auch die richtige Entscheidung im Rat zu fällen. Den größten Teil der Ausschüsse, die vor der Ratssitzung abgehalten werden, besuche ich.

Auch zu meinen Aufgaben gehörte es Seminare für Fraktion und SPD zu organisieren und die mit der SKG abzusprechen.

Dazu musste der Ort ausgesucht, das Hotel oder Seminarhaus gebucht werden. Ein Programm erstellt werden für die 2 Tage.

Wissen aneignen

Natürlich gehört es, dass ein Mitglied des Rates, das für die Bevölkerung der Stadt Entscheidungen treffen muss, sich ausführlich mit den Themen beschäftigt und auch Wissen aneignet. Dazu gehört, dass man die Angebote war nimmt, die die Partei, die Stadt oder auch die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) anbietet. Zum Beispiel wird der Haushalt der Stadt nun nicht mehr nach kameralistischen Grundsätzen aufgestellt, sondern doppisch (auf der Grundlage der kaufmännisch doppelten Buchführung) das nennt sich Neues Kommunales Finanzmanagement (NKF). Auch bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn kann man  viele Hintergrundinformationen sammeln.

Die SPD Niederkassel nach den Kommunalwahlen 2004

Es war nicht mehr die SPD, für die man mit viel Enthusiasmus und Freude arbeitete. Es waren neue Leute dazu gekommen und die Offenheit, die vorher geherrscht hatte war nicht mehr.

Es bildeten sich in dieser kleinen Fraktion Grüppchen, die nicht miteinander arbeitete, sondern gegeneinander. Ein Beispiel war, das an der ersten Fraktionssitzung, die Wahl des neuen Fraktionsvorstandes anstand. Für die Meisten war klar, dass e der alte Fraktionsvorsitzende wieder gewählt wurde. Er hatte die Arbeit bisher ohne Beanstandungen  sehr gut gemacht und verstand sein Geschäft.

Aber es kam anders. Ein neu gewähltes Ratsmitglied schlug den Bürgermeisterkandidaten, der das schlechteste Ergebnis eingefahren hatte, als Vorsitzenden vor. Das Erschrecken war riesengroß und es herrschte bei den Meisten  Unverständnis. Ganz knappt siegte der alte Fraktionsvorsitzende, auch ich erhielt ein knappes Ergebnis als stellvertretende Fraktionsvorsitzende – Aufgabe Geschäftsführung.

Das Vertrauen unter einander war weg und hinten herum wurden dann dem und dem Schuldzuweisungen erteilt.

Dieses Stimmung traf mich auch.

Der Schreck der Genossen, eine Muslima ist unter ihnen!

Im Juni 2005 war ich zum ersten Mal nicht auf einer SPD – Veranstaltung.

Glück oder Unglück, ist nicht geklärt.

Ich erhielt einen Anruf von einem Teilnehmer der Versammlung, der mir erzählte, dass man dort  berichtete, dass ich zum Islam konvertiert wäre. „Ich sollte mich wappnen, da käme bei der nächsten Fraktionssitzung was auf mich zu.“ Er versuchte mich zu trösten und sagte, „Dass machst du schon, du bist stark genug.“

Was da abgegangen ist, konnte ich mir so richtig vorstellen. Ich hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, aber erst jetzt, nach drei Jahren, wurde ihnen so richtig bewusst, dass ich zum Islam übergetreten war.
Auf der folgenden Fraktionssitzung kam auch wie es kommen musste. Wie schon erwähnt war ich 20 Jahre in der SPD und SPDler sagen DU zueinander.

Ich wurde gefragt:

„Hier ist eine Dame, die ist zum Islam übergetreten!
Elisabeth kannst du mir da Rechenschaft geben.“

Diese grinsenden und schadenfrohen Gesichter einiger der ca. 20 Anwesenden vergesse ich nie. Es war wohl schön, dass man so einen Menschen vorführte.
Meine Antwort auf diese provozierende Frage war:

„Es geht niemanden etwas an, an was ich glaube, und welcher Religion ich angehöre, es ist ausnehmend meine Sache. Ich muss mich vor Gott verantworten und nicht vor euch. Ich habe euch noch nie gefragt, welcher Religion ihr angehört oder ob ihr eure Religion lebt.“

Es wurde mit Unverständnis reagiert, und auch weitere dummen Äußerungen wurden abgegeben, unter anderem auch: „Dass hättest du uns sagen müssen!“ oder „Jetzt ist uns einiges klar.“ und weitere.

Wie da mit mir umgegangen wurde, passte einigen aus der Fraktion nicht, nahmen aber auch nicht Stellung.

Aber mir wurde klar, dass was ich schon lange wusste, man würde diesen Schritt nicht verstehen und auch nicht verstehen wollte.

Auch das war ein Beweis, dass es unter einander nicht mehr stimmte, und man diesen Anlass nahm, mich auszugrenzen und einige froh waren, einen Grund gefunden zu haben, mich weg zu drängen.

Die gefundene Homepage
oder zusammengestellte Homepage????

Seit 2002 habe ich mich in der türkischen Moschee engagiert und viele Dinge dort angestoßen. Nachhilfeunterricht organisiert, Deutschunterricht, Computerunterricht, Frauengesprächskreis und so weiter.

Auf einer Veranstaltung des Kölner Stadtanzeigers in Niederkassel kam ein Genosse zu mir und berichtete mir, man hätte eine Webseite im Internet gefunden, wo junge Türken Drohungen aussprachen, unter dem Titel:

„Türke sein ist ein Gesetz, wer es verletzt, wird zerfetzt.“

Unter dieser Überschrift hatten sich junge Türken in Droh- und Matchohaltungen fotografiert und das in der Jugend-Webseite „Jappy“ veröffentlicht. Darunter waren auch Stinkefinger zu sehen, und einer größeren Gruppe konnte man auch eine Pistole erkennen.

Die, an die 30 Bilder, so behauptet der Genosse wären alle in der Moschee gemacht worden, und sagte:

„Da sollte ich mich mal drum kümmern, solche Parallelgesellschaften brauchen wir nicht. Dem muss entschieden entgegen getreten werden. Diese Bilder sind alle in der Moschee gemacht worden und das ist keinesfalls zu akzeptieren. „

Er behauptet das so fest, weil ein Bild, das als Letztes zu sehen war, eine Gruppe junger Leute zeigte, die sich am Seiteneingang der Moschee haben abgebildet. Das war ein Foto von der Fußballgruppe Genclik-Spor, die sich anlässlich eines Sieges dort haben fotografieren lassen. Wie das Bild da hinein gekommen ist, ist bis heute rätselhaft.

Eine weitere Bemerkung dieses Informanten, ich sollte aber seinen Namen heraushalten.

Ich habe die Veranstaltung verlassen und bin in die Moschee gefahren und traf dort den Vorsitzenden und ein Vorstandsmitglied. Wir haben uns gemeinsam die mir genannte Webseite angeschaut. Wir stellten fest, dass nur das letzte Bild einen Bezug zur Moschee hatte, alle anderen Bilder konnten wir drei nicht lokalisieren. Die Jugendlichen waren auch in der Gemeinde nicht bekannt.

Am Samstagmorgen haben wir den Jugendwart und einen Journalisten zur Hilfe geholt. Die beiden Herren konnten die Lokalitäten identifizieren und stellten fest, dass diese Bilder alle im Jugendzentrum „Widdig“ der Stadt Niederkassel fotografiert worden waren. Die beiden Herren haben dafür gesorgt, dass die Seite aus „Jappy“ gelöscht wurde.

Nun wollte man wissen woher ich die Mitteilung hatte, denn auf dem letzten Foto vor der Moschee, war ein junger Mann mit abgebildet, der zu einem Studentenaustausch nach Amerika reisen wollte. Wenn die Seite weiter verbreitet worden wäre, hätte der junge Mann seine Amerikareise knicken können. Die, auf dem letzten Foto abgebildeten Jugendlichen, wussten nicht, dass sie in dieser Webseite zu sehen waren.

Trotz das der Genosse gesagt hat, ich sollte seinen Namen nicht nennen, habe ich gesagt, wer mir diese Webseite genannt hat.
Der Journalist hat dann den Jugendpfleger der Stadt Niederkassel erreicht und ihm von der Webseite und vom Informanten berichtet, den Jugendamtsleiter konnte er am Samstag nicht erreichen.

Er hat auch den Informanten angerufen, um heraus zu bekommen, woher er die Webseite hatte und ob sie weiter verbreitet worden war.

Aber das hatte ich nicht gekannt, der Genosse hat mich angerufen und sich mit einem Gebrüll beschwert, dass ich seinen Namen genannt habe, seine Frau hat dazwischen gebrüllt. Er hat mich mit den schlimmsten Namen tituliert. Er meinte jetzt würde sein Haus angezündet und er müsse jetzt um Leib und Leben seiner Familie fürchten.

Als ich am Montagmorgen zum Jugendamt gefahren bin und die CD von der Webseite dort abgegeben habe, erzählte ich dem Jugendamtsleiter, der übrigens der SPD angehört, von meinem Streit mit dem Genossen. Der Name war ja schon am Samstag dem Jugendpfleger gesagt worden.

Wir sind dann mit dem Jugendamt und der Polizei so verblieben, dass wir diese Sache nicht weiter verfolgten, weil diese Fotos schon älter waren, die Jugendliche schon 2 Jahre nicht mehr das Jugendzentrum besuchten, um auch Schaden von der Moschee und dem Jugendzentrum fernzuhalten.

Inzwischen wurde ich auch vom Fraktionsvorsitzenden angerufen, der mir den Vorwurf machte, dass ich den Namen des Informanten gesagt hätte, weil die Leute, angst hätten um Haus und Hof und ihr Leben.

Den Namen des Informanten wusste nur eine kleine Gruppe von fünf Leuten, die außer dem Journalisten alle der SPD angehörten..

Die ganze Sache eskalierte.

Am Montag nach der Fraktionssitzung schnauzte mich dieser Genosse wieder an und sagte, ich hätte den Namen auch im Jugendamt genannt.
Ich hatte das verneint, weil der Namen nicht von mir dem Jugendamt bekannt gegeben wurde, ich fand das aber auch nicht so schlimm, weil der Leiter des Jugendamtes und der Jugendpfleger beide der SPD angehörten. Als ich die Treppe hinauf ging, schrie er mir nach:

„Ich hätte doch einen an der Klatsche.

Viele standen um ihn herum und ließen diese Beleidigung stehen. Ich bin nach Hause gefahren mit der Absicht, aus der SPD aus zutreten. Mein Mann beruhigte mich und meinte, man sollte noch mal das Gespräch suchen.

Dann eskalierte es aber weiter.

Auszug aus der MailLiebe Elisabeth,der Konflikt, der deinetwegen und wegen

 

Deines großen (nicht so Wohlmeinende sagen wegen des fanatischen) Einsatzes in der muslimischen Gemeinde schon länger in der Fraktion schwelt,

 

ist jetzt durch Deinen Streit mit ………wegen des Internetauftritts türkischer Jugendlicher eskaliert. Der unten angefügten Mail kannst Du die ganze Wut und die Vorwürfe entnehmen.

Auszug aus der E-Mail des Genossen ……… Hallo ……, hallo ……..

wie ihr wisst, hat …..mich gestern darauf angesprochen, dass er von ……… kurz vor der Fraktionssitzung erfahren habe, dass es wohl Zoff zwischen Elisabeth und mir gebe.

  Ich meine auch, es ist jetzt an der Zeit, sie klar in die Schranken zu weisen, die blamiert die SPD in ganz Niederkassel immer mehr. Es kann doch nicht sein, dass wir es zulassen, gefragt zu werden, wieso wir so etwas in unseren Reihen zulassen! Die Sache gehört jetzt auch in die Fraktion. Es kann schließlich nicht sein, dass sie die (vermeintlichen) Interessen der Türken bzw. der Moschee über diejenigen der Fraktion und der Partei stellt! Die hat ihr Mandat schließlich Deiner damaligen Intervention im Vorstand und dem Vorziehen auf Listenplatz 3 zu verdanken, also letztlich ausschließlich der SPD und nicht der Moschee !

Grüße

Der Lüge bezichtigen zu lassen konnte ich mir nicht länger gefallen lassen, weil seit dem die Genossen und Genossinnen wussten, dass ich zum Islam konvertiert war, brach ein Sturm von Vorurteilen und Verunglimpfungen über mich herein.Der Name wurde dem Jugendpfleger schon am Samstag genannt, und ich war davon ausgegangen, dass auch der Jugendamtsleiter darüber Kenntnis hatte. Beide gehören der SPD an. Deswegen haben ich auch von dem Zoff zwischen mir und dem Genossen erzählt.Darüber hinaus wurde jede Äußerung nach der Kenntnis, dass ich eine Muslima war, nur auf die Türken und den Islam bezogen, dabei war ich schon 3 Jahre Muslima, ohne dass sie es wussten und nicht solche Äußerungen machten.

FAZIT: Niemand hat Vorurteile???????.

Dann habe ich am Dienstag die Zeitung angerufen und mitgeteilt, dass ich mit sofortiger Wirkung aus der SPD ausgetreten bin, auch die Fraktion verlasse und das Mandat nicht zurück geben werde.

Der Nachfolger auf meinem Platz hatte schon ein paar Monate vorher im seinem Umfeld verkündet, dass man mich aus der Fraktion ekeln wollte, dann könnte er dann Ratsmitglied werden. Ich zweifele nicht an dieser Aussage, weil ich diese Gruppe in der SPD  zu genügend kannte.

Aber was mir immer noch Gedanken bereitet ist, wieso solche Leute in die Jugendwebseiten von „Jappy“ herumstöbern.

Aber mir ist auch klar, dass da gezielt gesucht wurde, der diese Webseite angeblich gefunden und oder …….., ist ein ausgesprochener Profi was PC und Internet angeht.

                                   

 

Gottes Geschenk, der Weg zum Islam

27. April 2012

Der Weg zum Islam, kann nur mit der vollen Überzeugung und mit dem Herzen gelingen.

Die Entscheidung zum Islam zu konvertieren, kann nur für sich ganz alleine erfolgen.

Was meine ich damit?

Es darf kein Weg sein, um andere oder einen anderen Menschen zu gefallen, solch ein Weg kann gefährlich sein, weil man plötzlich merkt, dass die Meinung, die eigene und die der anderen sich verändert und  merkt, dass man nur der momentanen Euphorie oder Bewunderung erlegen ist.

Dann kommen Zweifel über diese Entscheidung, und es wird schwer und der Konflikt mit sich ist fast nicht zu bewältigen. Das wünsche ich niemand.

Warum schreibe ich das? Weil ich oft erlebt habe, dass Menschen total verzweifelt sind und ihren Schritt bereut haben.

Als ich den Weg zum Islam gefunden hatte, war es wie ein „Pakt mit Gott und mir“. War das für mich eine glückliche Entscheidung, eine erlösende, beruhigende und eine zufriedene und  überwältigende Entscheidung. Ich war über mich selber überrascht.

Als nach fast vier Jahren, meine Familie, Freunde und Bekannte von der Tatsache erfuhren, dass ich eine Muslima war, war ich gefestigt in meiner Entscheidung und ich konnte die negative Resonanz ,wie auch die bewundernde Zustimmung in aller Bescheidenheit ertragen und ich fand die richtigen Worte für meinen Weg.

Bis heute, nun sind es 10 Jahre, habe ich diesen Schritt nie bereut.

„Diese Spiritualität, dieses Erlebnis ist immer noch faszinierend.“

Vor allem die Gebete, die zu festen Zeiten im meinen Leben geworden sind, möchte ich nicht mehr missen. Vor unserem Schöpfer zu treten und IHN anzusprechen und sich so vom Alltag zu befreien und seine Gedanken ganz auf IHN zu richten und zu wissen, dass er dich sieht und hört, ist jedes Mal ein sehr befreiendes Erlebnis.

Es gibt Ruhe, der dann auch im Alltag zu spüren ist.

Die Religion zu lernen, sich mit ihr auseinander zu setzen ist, ist für mich immer wieder wie ein Wunder. Viele neue Aspekte, oft überraschende Erkenntnisse sind spannend.

Viele Dinge kann man am Anfang nicht verstehen, aber mit der Zeit kommt man doch hinter den Sinn der Worte Gottes, die er uns über unseren Propheten, Friede und Heil auf ihn, vermittelt hat. Es sind Worte, wenn man sie richtig versteht, in jede Zeit passen.

Gefährlich wird es, wenn man die Religion für eigene Zwecke missbraucht, dass gilt nicht nur für Machtmissbrauch,  auch im normalen Alltag.

Elisabeth Mariam Müller

General-Anzeiger Bonn vom 28./29.012012

2. März 2012

Elisabeth Müller sitzt im Wohnzimmer ihres Reihenhauses in Niederkassel-Lülsdorf.

Fernsehsessel, rustikale Schrankwand, im Regal eine kleine Marienstatue mit Rosenkranz. Auf dem Tisch steht Filterkaffee.

Nichts deutet darauf hin, dass sie vor zehn Jahren zum Islam übergetreten ist.

„Ich will ja niemanden mit meiner Religion auf den Nerv gehen“, sagt Müller. Vor allem nicht ihrem christlichen Ehemann.

Frau Müller hat sich im Dachgeschoss ihr eigenes religiöses Reich geschaffen. Hier liegt der kleine Gebetsteppich, ausgerichtet gen Mekka, an der Wand hängen Bilder mit Koranversen in arabischer Schrift. In den Regalen reiht sich die Fachliteratur aneinander: Frau im Islam, die Überlieferungen des Propheten, Muslime in Deutschland. Viele Bücher sind mit Lesezeichen und Klebezettel gespickt. „Der Koran ist ein ziemlich modernes Buch“, sagt Elisabeth Müller. „Man muss es nur erst einmal herausfinden.“

Für die Neu-Muslima hat Glauben viel mit Denken zu tun. Der Religionswechsel war keine Spontanentscheidung. Es war der Abschluss einer jahreslangen Beschäftigung mit dem Islam, sagt Müller.
Und es war ein Weg der streckenweise steiniger ausfiel, als sie es erwartet hatte.

Müller ist mit dem christlichen Glauben groß geworden. Sie wuchs in Bad Godesberger Stadtteil Rüngsdorf im katholischen Pfarrhaus ihres Onkels auf.
Die vielen Fragen kamen erst, als Elisabeth Müller längst als verheiratete Frau in Niederkassel lebte.
„Damals erschossen sich die Christen im Nordirland-Krieg, im Libanon segneten Priester Kreuze an Gewehren.“ Irgendwann habe sie der Institution katholische Kirche nicht mehr angehören wollen, sagt die ehemalige Bilanzbuchhalterin.
Im Studium Generale an der Universität Bonn belegt sie einen Kurs über die Religionen der Welt.
„Mir fehlte etwas“, sagte sie. Ich war nicht ganz glücklich.“

Das Interesse am Islam überdauert den Kurs.
Irgendwann stellt Elisabeth Müller fest: „Ich bin eigentlich schon eine Muslima.“
Erzählt hat sie niemanden davon. „Das war meine ureigenste Angelegenheit.“ Müller, damals seit mehr als 30 Jahre SPD-Mitglied und Stadträtin, sucht den Kontakt zur islamischen Gemeinde ihrer Heimatstadt. Und irgendwann spricht sich ihr Seitenwechsel herum. „Dann ging es so richtig los“, erinnert sich Müller.

Die haben mich für bekloppt erklärt.“ Es kommt zum Streit mit den Parteifreunden, die engagierte Lokalpolitikerin tritt aus der SPD aus. „Ich hab mich so richtig aufgeregt“ sagt Müller und ihre braunen Augen blitzen hinter dem Goldrahmen der randlosen Brille auf. Es dauert, bis Müller wieder eine Gemeinschaft findet, die ihr zur Heimat wird.

Die 70-Jährige ist so herzlich und aufgeschlossen wie in der Sache kompromisslos. Auch die Zusammenarbeit mit den Menschen in der türkisch geprägten Niederkasseler Moschee gestaltet sich zunehmend schwierig. „Hier wird wenig für Muslime angeboten, die Deutsch sprechen“, sagt sie. Die von Traditionen geprägte Religiosität spiegel „nicht den Koran, den ich gelesen habe“.

Erst mit dem Liberal-Islamischen Bund, einer Organisation von Muslimen mit vorwiegend akademischen Hintergrund, findet sie ihre religiösen Ansichten wieder.

Aber für ihren Glauben braucht Müller ohnehin keine weltliche Organisation.

„Das ist ja das Schöne am Islam“, sagt sie. „Man ist als Muslim für sich selber vor Gott verantwortlich.“

Für die fünf vorgeschriebenen Gebete am Tag taugt das Dachgeschoss im Reihenhaus genauso gut wie die Moschee. Sie genießt vor allem diese regelmäßigen Rückzüge aus den Gedanken des Alltags. „Bei den Gebeten fällt jeder Ärger von einem ab“, sagt sie. „Man wird ruhig.“     Rund zehn Minuten dauern die mediativen Pausen im Niederkasseler Dachgeschoss.
Wenn möglich richtet Müller sich nach dem Kalender, der für jede Stadt die genauen Zeiten auflistet, wann sich alle Moslems weltweit gemeinsam gen Mekka richten.

Nach dem Gebet steigt sie die enge Holztreppe wieder herunter zu ihrem Mann, dem Geschäftsführer des Bürgervereins Lülsdorf/Ranzel. Er akzeptiert die neue Religion seiner Frau. Und umgekehrt. „Wenn er Schweinebraten haben will, dann kriegt er den“, sagt Müller und lacht laut.
Artikel von Delphine Sachsenröder geschrieben und veröffentlich am 28./29.01.2012

Wird die DITIB nationalistischer?

2. März 2012

Kölner Stadtanzeiger vom 29.02.12

Neue Führung bei der Ditib

WAHLEN Einfluss der Türkei nimmt offenbar zu

VON HELMUT FRANGENBERG

Er war in den letzten Wochen eine der Hauptpersonen im Streit zwischen Moscheebauherrin und dem Architekten Paul Böhm und galt als starker Mann der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) hinter ihrem Vorsitzenden Ali Dere. Seit Samstag ist Orhan Bilen nicht mehr im Amt. Die Vorstandswahlen des islamischen Dachverbandes Ditib, der in Ehrenfeld seine neue Deutschland-Zentrale baut, endete überraschend: Nicht nur der stellvertretende Vorsitzende gehört dem neuen siebenköpfigen Vorstand nicht mehr an – mit ihm verließen vier weitere Funktionäre das Leitungsgremium.

Neu im Vorstand ist die Kölner Diplom-Psychologin Emine Seçmez. Nachdem der letzte Ditib-Vorstand nur aus Männern bestand, ist nun wieder eine Frau dabei. Gewählt wurden auch zwei Männer, die genau wie Vorsitzender Ali Dere als Angestellte oder Religionsattaché eng mit der türkischen Regierung verbunden sind. Beobachter sind sich nicht einig in der Bewertung dieser Umstrukturierung, bei der es offenbar auch um einen Imagewechsel ging. Ob es eine starke Einflussnahme der Türkei gegeben hat, ist unklar. An der Wahlversammlung in Hürth hatte auch der Leiter der türkischen Religionsbehörde, Mehmet Görmez, teilgenommen.

Im Zusammenhang mit dem Streit um Baumängel und mögliche Veränderungen der äußeren Gestalt der Moschee in Ehrenfeld war dem Ditib-Vorstand vorgeworfen worden, einen intransparenten Konfrontationskurs im Sinne der konservativen türkischen Regierungspartei AKP eingeschlagen zu haben. Orhan Bilen hatte das für den Ditib-Vorstand zurückgewiesen. Bilen sagte, er wolle den Mediationsprozess mit dem Architekten Böhm mit einem guten Ergebnis zu Ende bringen.

„Ich habe das schon seit langem bemerkt, und bin darüber nicht sehr glücklich. Ich mag nicht, das ein anderes Land hier das Sagen bekommt, wenn es um Islam und Muslime geht.“

Forderungen von Muslimen seit 10 Jahren erfüllt

6. November 2011

Es gibt schon längst ein Gräberfeld für Muslime

Die SPD fordert mit der DITIB Moschee Niederkassel was längst erfüllt ist.
Raum für die Bestattung von Muslimen

aus dem

 

Gräberfeld auf dem Nordfriedhof Kronenweg

FRIEDHOF In Niederkassel gibt es ein kaum genutztes Areal für die Bestattung von Muslimen

VON INGRID BÄUMER

Niederkassel. Einen Ort speziell für die Bestattung von Muslimen fordern die Niederkasseler SPD und die türkisch-islamische Gemeinde in einem Antrag an die Verwaltung. „Die erste Generation muslimischer Migranten hatte noch starke Bindungen zu ihrer alten Heimat und ließ ihre Toten in ihrem Heimatland bestatten“, so SPD-Fraktionschef Volker Heinsch. Doch nach mittlerweile fünf Jahrzehnten sei der Wunsch entstanden, die Toten in der neuen Heimat zu bestatten. Heinsch schlägt vor, einen Teil des Nordfriedhofs in Ranzel für Bestattungen nach islamischem Brauch bereitzustellen. Er befindet sich nahe der Lülsdorfer Ditib-Moschee.

Im Islam gibt es genaue Bestattungsregeln. Wichtig ist, dass der oder die Tote ohne Sarg nur in ein Leinentuch eingewickelt und in rechter Schulterlage mit dem Gesicht nach Mekka bestattet wird. Anders als bei christlichen Beisetzungen, die oft erst mehrere Tage nach dem Todestag erfolgen, müssen Muslime ihre Verstorbenen möglichst rasch bestatten.

Schon früh hätten sich Vertreter der Türkisch-Islamischen Gemeinde mit dem Wunsch, einen eigenen Raum für Beisetzungen zu erhalten, an die Stadt gewandt, sagt Heinsch. Doch bisher sei ihr Wunsch nicht berücksichtigt worden. Die SPD bittet die Stadtverwaltung, im Gespräch mit den Muslimen den Vorschlag zu prüfen. Auch der zuständige Hauptausschuss könne beraten.

Beigeordnete Mechthild Schlösser-Macke widerspricht der Darstellung, die Stadt hätte den Bedürfnissen der Muslime nicht Rechnung getragen. „Schon vor zehn Jahren waren wir mit dem damaligen Imam und Moschee-Vertretern auf dem Nordfriedhof“, erinnert sie sich. Seit diesem Treffen sei geklärt: Es ist kein Problem, die Leichname in einem Gräberfeld im nördlichen Teil des Friedhofs Richtung Mekka zu betten.

Ein Besuch des Friedhofs bestätigt: Zwei Muslime haben sich bereits dort beisetzen lassen, einer im Jahr 2001, einer 2003. Zwei Jahre später hat die Gemeinde außerdem ihre Bestattungssatzung geändert, so dass eine Beerdigung ohne Sarg möglich ist. Schlösser-Macke: „Es ist auch nicht mehr Bedingung, dass Gräber Grabsteine haben.“ Eine Bestattung am Samstag, von vielen Muslimen gewünscht, sei ebenfalls möglich und der Zeitpunkt der Beisetzung könne durch Vorlage eines ärztlichen Attests auf unter 48 Stunden nach dem Tod verkürzt werden.

Viele Muslime empfinden es als Hindernis einer Beisetzung auf einem deutschen Friedhof, dass Gräber nur für eine bestimmte Zeit belegt werden. „Das ist bei uns kein Muss“, betont Schlösser-Macke. „Bei einem Wahlgrab kann man die Belegungszeit auf Wunsch immer wieder verlängern.“ Warum diese Fakten bei der türkisch-islamischen Gemeinde nicht bekannt sind? Das kann sich die Beigeordnete nicht recht erklären. „Vielleicht hat im Gemeindevorstand ein personeller Wechsel stattgefunden und das Wissen ist dabei verloren gegangen.“

Aus der Arbeit der Partei – (wahrscheinlich hat auch die SPD kein Wissen darüber, was sie selber beschlossen haben.)
Von Friedrich Reusch

In Zusammenarbeit zwischen Türkisch-Islamischer Gemeinde und den Sozialdemokraten wurde ein Antrag an die Stadt auf den Weg gebracht, auf einem Friedhof der Stadt die Möglichkeit zu schaffen, Bestattungen nach islamischem Brauch durchzuführen.

Die erste Generation muslimischer Migranten, so der SPD-Fraktionschef Volker Heinsch, hatte noch starke Bindungen zu Ihrer alten Heimat und ließ ihre Toten in ihrem Heimatland be-statten. In mittlerweise fünf Jahrzehnten entstand der Wunsch bei den muslimischen Mitbürgern, ihre Toten in Ihrer neuen Heimat zu bestatten.

Im Islam gibt es genaue Regeln für die Bestattung. Die Gebete, die rituelle Waschung des Leichnams und die Beerdigung sind im Ablauf fest vorge­schrieben. Der SPD-Fraktion und auch den Vertretern der Türkisch-Islamischen Gemeinde ist bewusst, so Heinsch, dass nicht alle Regeln in Deutschland umgesetzt werden können. Die Vertreter der Türkisch-Islamischen Gemeinde seien aber auch zu Kompromissen bereit. Wichtig für die Muslime sei, dass der oder die Tote ohne Sarg nur in einem Leinentuch und in rechter Schulterseitenlage mit dem Gesicht nach Mekka bestattet wird. Darüber hinaus hat die Beerdigung zeitnah zum Todestag zu erfolgen. Verschiedene Vertreter der Türkisch-Islamischen Gemeinde haben einen solchen Wunsch bereits früher eingereicht. Bis jetzt wurde dieser Wunsch jedoch nicht berücksichtigt. Da die Moschee in unmittelbarer Nähe
zum Nordfriedhof (Kronenweg) liegt, kann nach Auffassung der Sozialdemokraten eine Bestattung nach islamischen Regeln auf dem nördlichen Teil des Friedhofes realisiert werden. Damit die muslimischen Mitbürger zu ihrem Recht kommen, ihre toten in ihrer neuen Heimat nach ihren Reglen zu bestatten, wird die Stadtverwaltung gebeten, Gespräche mit den Vertretern der Türkisch-Islamischen Gemeinde aufzunehmen, um den Vorschlag zu prüfen und umzusetzen.

Gegebenenfalls sollte das Thema im zuständigen Hauptausschuss beraten werden.

Zur Presseerklärung der SPD.

Leserbrief „ Raum für die Bestattung von Muslimen“

Angebot der Stadt wird nicht angenommen!

Seit es den Nordfriedhof, Kronenweg gibt, ist auch ein muslimisches Gräberfeld eingerichtet worden, dass den Anforderungen entspricht und kann auch nach Auskunft der Verwaltung, wenn nötig, erweitert werden.

Ist nur erstaunlich, dass angeblich die SPD nicht weiß, dass es solch ein Gräberfeld schon längst gibt und die Bestattungsordnung in NRW muslimische Bestattungen erlaubt.
Auch die Türkisch-Islamische Gemeinde kennt das Gräberfeld, Ramazan Elmas und der vorige Imam der Gemeinde hat  selber das Gräberfeld besichtigt hat und es nach Ausmessungen mit einem Kompass es für islamisch erklärt hat. Auch ist schon ein Muslim, der mit einer Deutschen verheiratet war, durch die Türkisch-Islamische Gemeinde dort beerdigt worden.

Aber auf dem Gräberfeld sind erst drei Muslime beerdigt, weil die türkischen Mitbürger und Mitbürgerinnen ihre Toten in die Türkei überführen lassen, damit sie dort beerdigt werden. Dafür bietet der DITIB Dachverband eine Versicherung an, so dass die Kosten sich für die Hinterbliebenen in Grenzen halten.

Wenn man tatsächlich hier angekommen ist, und seine Angehörigen hier beerdigen will ist das zu begrüßen, aber bis jetzt wird das Angebot der Stadt Niederkassel nicht angenommen.

Ich habe auf diesen Leserbrief eine Mail bekommen, wo es heisst:
„Liebe Frau Müller ich bitte Sie, dass Sie sich aus  Angelegenheiten, wovon Sie keine ahnung haben, sich raus zu halten haben!“

Dabei habe ich mindestens zwei Gespräche über das Thema im Auftrag der Türkisch-Islamischen Gemeinde mit der Verwaltung geführt. Habe zwei Mal mit der Verwaltung das muslimische Gräberfeld auf dem Nordfriedhof besichtigt, wo bei bei der letzten Besichtigung der Hoca Recep Agiköz mit einem Kompass das Gräberfeld ausgemessen hat und es für den islamischen Vorschriften gerecht erklärt. Aber immer wieder kommt das Thema in der Moschee auf und werden Forderungen gestellt, die längst erfüllt sind.

Die Nacht der Macht

2. September 2011

Die Nacht der Macht (ليلة القدر Lailat-ul-Qadr, Kadir gecesi)

kommt in den letzten 10 Tage des Ramadan – keiner weiß wann diese Nacht ist.

Die türkische Gemeinden legen diesen Tag fest und ist die Nacht

vom 26 auf den 27. August 2011

Die Nacht des 27. Ramadan (bzw. des 26., wenn der Ramadan nur 29 Tage hat,) ist eine ganz besondere, denn in ihr wurden zum ersten Mal Teile des Koran durch den Erzengel Gabriel dem Propheten Muhammad (a.s.) offenbart.

Sie wird auch Nacht der Bestimmung, Nacht des Schicksals oder Qadir-Nacht genannt. Lailat al Qadr, die „Nacht der Bestimmung“ gehört zu den Höhepunkten des Fastenmonats Ramadan und ist gleichzeitig die heiligste Nacht im islamischen Kalender.

Die 97. Sure trägt die Überschrift al-Qadr. Hier folgt die Sure in zwei verschiedenen Übersetzungen:

“Siehe, wir haben ihn in der Nacht el-Qadr geoffenbart. Und was lehrt dich wissen, was die Nacht el-Qadr ist? Die Nacht el-Qadr ist besser als tausend Monde. Hinabsteigen die Engel und der Geist in ihr mit ihres HERRN Erlaubnis zu jeglichem Geheiß. Frieden ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte.”

(Sure 97, Übersetzung Max Henning, Reclam 1960)

„Gewiss, WIR sandten ihn in der Nacht von Al-qadr hinab. Und was weißt du, was Al-qadr-Nacht ist? Die Al-qadr-Nacht ist besser als tausend Monate. Die Engel und der Ruhh werden in ihr mit der Zustimmung ihres HERRN wegen jeder Angelegenheit nach und nach hinabgesandt. Salam ist sie bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“

(Sure 97, a-Tafsir, Eine philologisch, islamologisch fundierte Erläuterung des Quran-Textes, Amir M. A. Zaidan, ADIB Verlag 2000)

Sure 96 Al-Alaq

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. (1) Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. (2) Lies; denn dein Herr ist Allgütig, (3) Der mit dem Schreibrohr lehrt, (4) lehrt den Menschen, was er nicht wußte. (5) Doch nein! Der Mensch übt Gewalttätigkeit, (6) weil er sich im Reichtum sieht. (7) Wahrlich, zu deinem Herrn ist die Heimkehr. (8. Hast du den gesehen, der da verwehrt (9) (Unserem) Diener, daß er betet? (10) Hast du gesehen, ob er auf dem rechten Weg ist (11) oder zur Gerechtigkeit auffordert? (12) Hast du (den) gesehen, der ungläubig ist und sich abwendet? (13) Weiß er nicht, daß Allah (ihn) sieht? (14. Doch nein! Wenn er nicht (davon) abläßt, werden Wir ihn gewiß ergreifen bei der Stirnlocke, (15) der lügenden, sündigen Stirnlocke. (16) So möge er denn seine Mitverschworenen anrufen; (17) Wir werden die Höllenwächter herbeirufen. (18. Doch nein! Gehorche ihm nicht und wirf dich in Anbetung nieder und nahe dich (Allah). (19)

Wie ist diese Sure zu verstehen?

Die ersten fünf Verse dieser Sure sind auch die ersten offenbarten Verse. Der Gesandte Allahs verbrachte sehr viel Zeit in einer Höhle. Er meditierte und verrichtete das Gebet so wie es der Gesandte Abraham vor ihm getan hatte. Als der Botschafter Allahs Mohammed das 40. Lebensjahr erreichte, zog er sich viel öfter zum Meditieren und Beten zurück. Er verbrachte auch eine längere Zeit in der Höhle als bisher.

Nach dem unser Prophet sich für eine Weile hinlegte kam der Erzengel Gabriel zu ihm und befahl: „Lies“. Unser Prophet antwortete daraufhin, dass er nicht lesen könne. Der Engel drückte ihn so fest an sich, dass der Prophet glaubte er würde sterben. Doch der Engel ließ ihn los und befahl ihm zu lesen. Der Gesandte antwortete nochmals, dass er nicht lesen könnte. Er wurde wieder von dem Engel gedrückt beim dritten mal aber las der Engel die ersten fünf Verse vor.

Es ist ohne Zweifel, dass jeder Mensch einen Lehrer braucht. Ohne eine Lehrer wäre es dem Menschen nicht möglich seine Umwelt zu erkennen und zu umschreiben. Der erste, der dem Menschen die Gegenstände, deren Namen dem Menschen beibrachte, war Allah. Er hatte Adam die Namen der Gegenstände beigebracht. Dies ermöglichte dem Menschen Adam, ohne die perfekten Werkzeuge gehabt zu haben, wie die Tiere, die die für ihr Überlegen notwendigen Werkzeuge besaßen, auf dieser Welt zu überleben. Durch Wissen, dass er sich angeeignet hatte, konnte und kann der Mensch diese Werkzeuge herstellen. Das Schreiben hat uns die Möglichkeit gegeben, das angeeignete Wissen weiterzugeben.

Die Maßlosigkeit des Menschen manifestiert sich in dem Glauben, dass der Mensch die Welt beherrsche. Er denkt, dass er aufgrund seiner Machstellung unabhängig und unbesiegbar zu sein. Weswegen er die Existenz eines Schöpfers ablehnt, da er die Macht besitzt alles was ihm beliebt zu tun. Jeder, der dies glaubt wird bald eines besseren belehrt werden.

Abu Jahl gehörte zu jenen Menschen, die sich nicht nur weigerten den Glauben anzunehmen, sondern er gehörte auch zu jenen, die die Verbreitung des Islams mit Gewalt verhindern wollten. Er drohte dem Gesandten ihn zu töten, falls dieser weiterhin an der Kabba das Gebet verrichten sollte. In der Kaaba, im Haus Allahs, das von Abraham und seinem Sohn Ismael erbaut worden war, befanden sich viele Götzen. Wollte Jemand diese Götter um Rat bitten so hatte er eine kleine Gebühr an die Bewacher des Hauses zu bezahlen. Der Gesandte Mohammed betete jedoch keines der Götter an. Sollte sich diese Botschaft in Mekka durchsetzen, wäre wohl die wichtigste Einnahmequelle versiegen.

Allah befiehlt seinem Gesandten nicht auf Abu Jahl zu hören, sondern nur den Einzigen wahren Schöpfer zu preisen.