Meine Familie

28. September 2013

GeschwisterJuni1962-1Der Anfang

Wie ich schon geschrieben hatte, kam ich im Februar 1941 zur Welt, war das erste Kind. Mein Vater war wohl richtig stolz, eine Tochter zu haben, dagegen meine Mutter wollte einen Jungen.

Aber schon 15 Monate später bekam sie meinen Bruder Hans-Josef, sie hat ihn ihr ganzes Leben lang besonders behütet, beschützt und ihm vor vielerlei Übel bewahrt.

Er war kaum 1 1/2 Jahr alt, da bekam er eine Hirnhautentzündung, und wer die Hitlerzeit kannte, war das eine Todesdrohung. Die Ärzte wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, welche Hirnhautentzündung vorlag und diese Krankheit führte in der Nazizeit dazu, dass man das Leben beendete, nicht versuchte die Krankheit zu heilen. Aber die Ärzte im Kamillianer-Krankenhaus haben das nicht der Gesundheitsbehörde gemeldet, der Junge einer Nachbarin ereilte das gleiche Schicksal. Aber beide Kinder wurden gesund.

Es war wohl für meine Eltern eine schlimme Zeit und sie hatten große Sorgen, vor allem weil Ihnen kurz vorher, durch die Explosion einer Bombe in der Nähe, meinem zweiten Bruder die Lunge geplatzt war, und er verstarb. Er war gerade mal fünf Monate alt.

Diese besondere Fürsorge hat meine Mutter meinem Bruder Hans-Josef,bis sie starb, entgegengebracht. Es war immer ihr Lieblingskind.

VaterDie anderen Kinder merkten das, bis mein Vater 1960 starb, nicht so sehr, dass immer ein Kind bevorzugt wurde.

 Kindheit und Schulzeit

Wer besonders darunter gelitten hat, war meine sieben Jahre jüngere Schwester Christel. Sie brauchte viel Liebe und Zuneigung, die sie aber von meiner Mutter nicht in dem Maße bekam.

Ich war auch oft sehr traurig, wenn ich merkte, dass es wieder und immer wieder zu Ungerechtigkeiten kam. Zum Beispiel als ich in die Schule kam, gab es einmal die Woche eine Tafel Schokolade. Die brachte ich mit nach Hause und alle meine Geschwister freuten sich darauf. Jeden Tag, bekamen wir ein Stück Schokolade, bis sie alle war. Aber es blieben immer 1 oder 2 Stücke übrig. Die stecke meine Mutter mal heimlich, mal offen, meinem Bruder Hans-Josef in den Mund, sogar dann, wenn ich daneben stand.

Als Kind empfindet man das sicher besonders schmerzhaft.

Die Mutter kümmerte sich auch immer mehr um meine 4 Brüder als um ihre 2 Töchter. Das ließ sich an vielen Dingen feststellen.

Es kam wenig Lob, wenn ich meiner Mutter bei der Hausarbeit half. Wir hatten immer einen Gemüsegarten unMuttermitihrenMaedchend später auch einen großen Obst- und Gemüsegarten. Die Erntezeit brachte immer viel Arbeit. Obst musste gepflückt werden, anschließend wurde zu Hause eingemacht. Ich habe immer geholfen, ich habe nie gemerkt, dass mich meine Mutter darüber freute.

Mit 11 – 12 Jahren habe ich mitgeholfen, die Kirche zu putzen. Das Pfarrheim worin wir wohnten, musste ich reinigen, hier kam es zu einer Begegnung:

Es waren zwei große Räume, die sauber gehalten werden mussten, in dem einen Raum stand ein Klavier, an die 50 Klappstühle und es war schwere Arbeit, wenn man dort putzen musste. Die Stühle wurden in eine Ecke gestapelt, das Klavier musste gerückt werden, alles habe ich alleine gemacht. Die Bibliothek war auch nicht so einfach zu reinigen, weil viele Regale mit Büchern dort standen.

Der große Eingangsbereich, mit 8 öffentliche Toiletten war zu reinigen und ich war oft total fertig, wenn ich die Arbeit gemacht habe.

Meine Mutter kam dazu und war mit irgendetwas nicht zufrieden, da hat dann die Leiterin des Kindergartens, der auch in diesem Pfarrheim untergebracht war, ihr gesagt, dass sie ungerecht ist. „Ich würde sehr gründlich und ordentlich putzen und sauber machen, sie sollte mal überlegen wie alt ich wäre.“

So lief das aber immer ab, oft ist mein Vater dazwischen gegangen.

Auch die Schulzeit war ein Beweis, mein Bruder Hans-Josef und ich waren nur 1 Jahr auseinander, meine Mutter hat immer nur meinem Bruder geholfen, sie hat sich sogar seine Schrift angeeignet und schrieb ihm die Aufsätze und die Rechenaufgaben, wenn ich und meine Geschwister Hilfe brauchten, gingen wir zu unserem Vater.

Zu Weihnachten bekam mein Bruder seine Wünsche erfüllt, ich kann mich nicht erinnern einen Wunsch erfüllt bekommen zu haben. Ich wollte immer gerne einen Puppenwagen haben.Im Pfarrhaus wurden oft Lebensmittel, Kleidung und Kinderspielzeug abgegeben. Eines Tages auch ein Puppenwagen, mein Vater restaurierte ihn und ich war stolze Puppenmutter mit Puppenwagen. Aber nur eine Woche, da musste ich ihn wieder hergeben, den Grund kannte ich nicht. Ich weiß, ich habe tagelang geweint.

Jugendzeit

Zum Ende des Jahres 1955 am 1. November bekam meine Mutter meinen jüngsten Bruder Klaus. Er war eine Geburt auf Leben und Tod. Wir zitterten Monate um das Leben meiner Mutter. Während der Zeit habe ich den Haushalt geführt, ich war 14 Jahre.

Ich arbeitete in einem Lebensmittelgeschäft. Erst als es meiner Mutter besser ging, bin ich dann in die höhere Handelsschule gegangen. Die Arbeit in diesem Laden war sehr schwer. Ich musste mit einem Rad Lebensmittel zu den Kunden bringen. Mein Bruder Hans-Josef machte eine Lehre im Konsum, auch er musste Ware zu Kunden bringen. Wir bekamen fast immer ein kleines Trinkgeld. Wer das abgeben musste war ich. Meinem Bruder Hans-Josef hat meine Mutter die Getränke und Süßigkeiten bezahlt, die er sich während der Arbeit im Konsum holte. Das war für mich nicht erlaubt.

TanteKaetheMeine Mutter hatte zeitweilig eine Hilfe im Haus, nachher war einige Jahre ihre Schwester Käthe bei uns. Das war eigentlich eine schöne Zeit, auch sie versuchte Ungerechtigkeiten zu egalisieren, wenn sie es mitbekam. Aber meine Mutter und meine Tante zerstritten sich, wegen Geld, und sie haben beide nicht mehr miteinander gesprochen und sich auch nicht mehr gegrüßt.

Meine Tante hat mir viel geholfen, oft fing sie mich vor der Haustüre ab und ich gab ihr mein Trinkgeld. So konnte ich mir dann auch mal ein Kakao oder Wasser während des 11 -12 stündigen Arbeitstages holen. Oder sie ließ mich nicht in die Wohnung gehen, wenn man darauf wartet, dass ich irgendwelche Arbeiten verrichten sollte, wobei mein Bruder im Wohnzimmer saß und sich erholte

Mein Vater starb 1960 und ein paar Monate davor sind wir in das Haus gezogen, dass mein Vater gekauft hatte. Die Renovierungen waren noch nicht abgeschlossen. Mein jetziger Mann und ich hab die restlichen Renovierungsarbeiten übernommen.

Mein Bruder habe ich dabei nie gesehen.

Die schwerste Zeit

1961 verlobte ich mich, aber die Verlobungszeit war eine sehr schwere Zeit.

Aus dem Korb meiner Aussteuer fehlte eines Tages eine Tischdecke mit Servietten. Die hatte meine Mutter genommen, um ein Hochzeitsgeschenk für die Tochter meiner Cousine zu haben. Ich war sehr böse. Mein Verlobter hat dann die Aussteuer zu sich nach Hause genommen.

Eine meiner Schwägerinnen zog in unsere Straße. Meine Mutter hat sich mit ihr angefreundet. Eines Tages war  ich Zeuge eines Gespräches mit meiner zukünftigen Schwägerin, in der meine Mutter über mich herzog. Ich war so fertig und habe dann weinend das Haus verlassen.

Die Familie meines Mannes hat oft versucht uns auseinander zu bringen, den Grund kannte ich ja nun. Es war einfach schrecklich.

Sicher, durch den Tod meines Vaters hatte meine Mutter auch Geldsorgen, aber sie gab auch viel Geld für meine Brüder aus, die nicht notwendig waren. Der Mann meiner Schwägerin konnte eine Zeit lang nicht für seine Familie da sein, hatte aber so viel gearbeitet und Geld zurückgelegt, dass meine Schwägerin mit dem Geld diese Zeit überbrücken konnte.

Meine Mutter hatte es fertig gebracht, dass sie sich von ihr eine Summe Geld borgte. Als sie es wieder haben wollte, hat meine Mutter erst durch Drohung meines Schwiegervaters, das Geld zurückgegeben. Wir haben davon nichts gewusst und mein Mann und ich waren schockiert.

Wir heirateten im Juni 1962. Eine gemeinsame Wohnung fanden wir erst im Nov. 62 hier in Niederkassel. Was passierte, mein Vater hatte eine Aussteuerversicherung für mich abgeschlossen, die war seit  dem Tod meines Vaters beitragsfrei.

Meine Mutter hat sich ungefragt eine Heiratsurkunde aus unserem Familienstammbuch genommen und hat sich die Aussteuerversicherung, mit einer gefälschten Unterschrift, auszahlen lassen.

Sie kaufte damit meinem Bruder ein Auto – einen Fiat – Führerschein wurde ihm auch bezahlt, obschon sie immer über Geldmangel klagte, aber den hatte sie nie wenn es um meinen Bruder ging.

Ich fing bei Mercedes an zu arbeiten. Mein Geld was ich verdiente musste ich bis auf den letzten Heller abgeben, ich durfte nichts behalten. Meine Mutter legte mir hin und wieder mal 0,50 DM hin. Oft hat sie mir sogar kein Fahrgeld gegeben und ich musste gut 15 km zu Fuß zur Arbeit gehen.
Ende des Jahres 1961 wollte ich das ändern. Meine Mutter sollte 300,00 DM meines Geldes bekommen, in meiner Volontärzeit bekam ich 337,00 DM, und ich wollte die 37,00 DM behalten. Das hat einen irren Krach gegeben. Ab da musste ich alles, was ich brauchte, selber bezahlen und hatte jetzt noch weniger wie vorher.

Sie ist sogar zu meinem Chef gegangen und wollte ihn dazu bringen, mein Geld ihr auszuhändigen, aber das hat er abgelehnt.

Das gemeinsame Leben

Die kirchliche Hochzeit haben wir mit Verwandten bei uns zu Hause gefeiert. Die Hochzeitsgeschenke wollte meine Mutter nicht herausgeben, als wir in unser neues Domizil zogen, aber unsere Trauzeugen haben das verhindert und alles eingepackt.

Wir wohnten nun in Niederkassel und das war doch ein ganzes Stück weit von Bad Godesberg – Rüngsdorf weg.

Den Kontakt zu meiner Mutter und Familie behielten wir bei und das Verhältnis wurde auch ein wenig besser. Aber mein Mann hat mir das Versprechen abgenommen, meiner Mutter nie Geld zu schenken, denn sie gab das immer sofort weiter an meinen Bruder Hans Josef. Wir hatten im Anfang unserer Ehe nicht sehr viel Geld, wir haben unseren Hausstand selber gekauft, ohne Hilfe von anderen. Darauf sind wir stolz.

Stolz, dass wir den Kontakt zu unsere Mutter nicht abgebrochen haben, sie war meine Mutter und ich konnte trotzdem nie das zurückgeben, was sie für mich und Geschwister getan hat. Der Grundsatz war wichtig:Mutter1961

„Vater und Mutter sollst du ehren, solange sie leben auf Erden.“

Soviel Böses und so viel Ungerechtigkeit haben wir ertragen und doch nach diesem Grundsatz gelebt.

Warum ich dieses alles niedergeschrieben habe, kommt daher, dass ich mich immer und immer wieder an viele solcher Gegebenheit erinnere und nicht verstehen kann, warum das so war. Dass die Geschwister untereinander kaum Kontakt haben, liegt dem Verhalten meiner Mutter zu Grunde.

Meine Geschwister

In dieser Erinnerung kamen meine Geschwister so gut wie nicht vor.

Das vierte Kind meiner Eltern, mein Bruder Albert hatte ein eigenes Leben. Er war der auserkorene Liebling meiner Tante, die gegenüber im Pfarrhaus wohnte und Albert war viel bei ihr und wurde auch von Tante Tinchen verwöhnt, bis zum geht nicht mehr. Als er in die höhere Schule kam, war er für eine Zeitlang im Internat in Knechtsteden. Danach ist er zur Bundeswehr gegangen. Bruder Albert ist am 19.04.2014 gestorben

Meine jüngere Schwester Christel lebte zu Hause, nach ihrer Lehre als Schneiderin, hat sie zeitweilig auch nicht mehr zu Hause gewohnt, sondern war Hausmädchen in diversen Familien, bis ihre Depression und psychische Leiden auftraten. Hier hatte sie auch keine Hilfe von Mutter oder den Brüdern. Die haben nicht verstanden, dass das eine Krankheit war, sondern taten das ab mit, zu faul und immer nur in den Vordergrund spielen. Sie ist am 21.05.2002 verstorben.

Mein Bruder Norbert er war ja 10 Jahr jünger hat diese Geschichten gar nicht erfassen können, der hat seine Schulzeit gut verbracht und eine Lehre als KFZ-Mechaniker vollendet und dann als er seine jetzige Frau kennen gelernt hatte, die Meisterprüfung gemacht. Er ist am 24.09.2013 verstorben.

Mein Bruder Klaus, er ist sogar 14 Jahr jünger, war eben unser Jüngster, aber diese Geschichten hat er auch nicht mit bekommen, er bewundert meinen Bruder Hans-Josef bis heute, was ich nicht tue, denn er hat seinen Stand bei meiner Mutter auch hinreichend ausgenutzt. Ich mache ihm keine Vorwürfe, er ist und war das Produkt meiner Mutter.

Vom 24. September 2013 bis zum 19. April 2014 sind drei Familienmitglieder verstorben.

25. September 2013

Norbert verstarb am 24.09.2013

Hier seine Daten:

Geboren wurde er am 2. März 1951 in Bad Godesberg,

er war das 6. Kind meiner Eltern

Er war verheiratet mit

Gisela Kurenbach, sie ist am 07.01.2014

98 Tage nach dem Tod ihres Mannes gestorben,und hatten eine Tochter Nadine, meine Gebete gelten ihr.
Meine Geschwister haben untereinander fast keinen Kontakt, dazu kann man den Artikel von meiner Schwester lesen, das eine der Gründe war.

Meine Gefühle bei der Nachricht waren erschrocken. Aber ich denke auch an meine Schwester Christel und auch an die Umstände ihres Todes.
Hier mal die Daten meiner Geschwister

Albert verstarb am 19.04.2014

er wohnte im Norden von Deutschland. Er hatte zu allen Geschwistern ein sehr kompliziertes Verhältnis und hatte einen Sohn und zwei Enkelkinder.

Meine Geschwister:

Hans-Josef, geboren 06.06.1942
Klaus,          geboren 12.10.1943 – gestorben  15.03.1944
Albert,         geboren 24.12.1944 – gestorben  19.04.2014
Christel,       geboren 12.04.1948 – gestorben  21.05.2002
Norbert,       geboren 02.03.1951 – gestorben  24.09.2013,
seine Frau Gisela (geb. Kurenbach), sie ist am 07.01.2014 gestorben
Klaus,           geboren 01.11.1955

Im Jahr 2015 verstarb Johannes, der Mann unserer Nichte
und auch unser Schwager Hermann, der Mann von Evi, die Schwester meines Mannes.

 

Schlimme Beschimpfungen – wenn die Türkei kritisiert wird –

19. Juni 2013

Die diktatorischen Handlungen dieses Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan sind eine riesengroße Gefahr. Er bestimmt alles, selbst als türkischer Ministerpräsident, ob ein Einkaufcenter in Istanbul gebaut wird.

Lange habe ich überlegt, warum so viele türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger so vehement gegen die vorgehen, die sich solidarisch mit den Demonstranten in der Türkei zeigen.

Ein Grund kann sein, dass sie hier nur ihre türkischen Sender gucken und türkische Zeitungen lesen, die regierungskritische Themen lieber meiden. Machen die Medien es anders, bekommen sie erheblichen Druck vom Ministerpräsident Tayyip Erdogan. Der das schon mehrfach bewiesen hat. Kritische Medien werden beschuldigt, eine „Schlammschlacht“ gegen die Regierung der Türkei zu führen. Mit seinem Tun hat er die meisten türkischen Medien längst zahm gemacht, weil für die Medien oft auch wirtschaftliche Interessen dahinter stecken.

Was passiert, wenn man sich zu weit aus dem Fenster lehnt, zeigt das Beispiel des Senders Halk-TV. Er berichtete fast ununterbrochen von den Protesten. Die staatliche Rundfunkbehörde RTÜK belegte Halk-TV mit einem Bußgeld. Der Sender habe mit seinen Programmen „die physische, geistige und moralische Entwicklung von Kindern und jungen Menschen gefährdet“, hieß es zur Begründung.

Zensur auch im Internet: Tausende Internetseiten sind in der Türkei wegen „schädlicher Inhalte“ gesperrt, darunter das Portal Wikileaks, berichtet der Kölner Stadtanzeiger.

Fest steht auch, dass die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ die Türkei, in Sachen Pressefreiheit, von 179 Ländern auf die Stufe 154 gesetzt hat. Die Türkei liegt damit hinter Irak, Russland und Malaysia.

Vor Iran und China haben sie die meisten Journalisten in Haft genommen, so weil sie kritisch berichteten, so die European Federation of Journalists, aber die Regierung Erdogan spricht mal wieder von „Terrorismusdelikte“ und andere „Straftaten“.

So hat Erdogan, wie Berlusconi, sich die Medien gefügig gemacht und duldet keine Kritik.

Hier in Deutschland gibt es genug Zeitungen, die unabhängig berichten und man kann sich schon selber eine Meinung über Geschehnisse bilden. Auch müssen Journalisten hier keine Angst haben, wenn sie kritisch unsere Regierung unter die Lupe nehmen.

Diese diktatorischen Handlungen dieses Ministerpräsidenten sind eine riesengroße Gefahr. Er bestimmt alles, selbst als türkischer Ministerpräsident, ob ein Einkaufcenter in Istanbul gebaut wird.

Also wenn unsere Bundeskanzlerin bestimmen würde, was auf dem Alexanderplatz in Berlin, oder Breslauer Platz in Köln, gebaut würde, sie wäre der Lächerlichkeit in den Medien preisgegeben.

Was mich aber sehr erschreckt hat, dass sich die Erdogananhänger verbal gegen die Menschen äußern, die sich hier und in Facebook und Twitter kritisch gegen die Vorgehensweise und den Regierungsstil in der Türkei äußern, von „Miststück, Drecksau, Pack“, das sind noch die harmloseren Ausdrücke, wurden angewandt.
Auch das ist bei uns nicht, wenn wir unsere Regierung kritisieren, wird auch hart diskutiert, aber was ich hier erlebt habe, das hat dem Fass den Boden ausgeschlagen. Ich bin erschrocken und auch traurig und voller Sorge um die Türkei.

Ich hatte schon mal geschrieben, dass ich schon mit 15 Jahren gegen die Art und Weise, wie man gegen die Menschen in Ungarn vorgegangen ist, demonstriert habe. Bis in die heutige Zeit gehe ich mit auf die Straße, wenn es um die Menschenwürde, Freiheit, Meinungsfreiheit geht, ich habe mich nicht geändert. Oder ich schreibe es auf meiner Facebookseite, um Öffentlichkeit herzustellen.

Ich kann es, ohne Angst zu haben, verhaftet zu werden oder Nachteile zu haben.

Elisabeth Mariam Müller

Rüngsdorfer Kirchturm und meine Erinnerungen aus meiner Kindheit.

28. April 2013

 

Rüngsdorfer Kirchturm

und meine Erinnerungen aus meiner Kindheit.

Präsentation2

Etwas aus der Geschichte dieses alten Rüngsdorfer Kirchturms.

Der Rüngsdorfer Kirchturm, ein romanischer Chorturm, ist der einzige Überrest der alten Pfarrkirche St. Andreas im Bonner Ortsteil Rüngsdorf, der zum Stadtbezirk Bad Godesberg gehört. Er ist gemeinsam mit Grabkreuzen des 17./18. Jahrhunderts sowie einem Steinwegekreuz ein geschütztes Baudenkmal.

 Die Rüngsdorfer Kirche St. Andreas wurde in einer Urkunde vom 31. März 1131, in der Papst Innozenz II. dem Bonner Cassiusstift die Besitzrechte an der ecclesiam Rinnigestorph bestätigt, erstmals erwähnt. Das genaue Baujahr der ersten Rüngsdorfer St. Andreaskirche ist unbekannt. Der heute noch erhaltene romanische Chorturm datiert ca. aus dem Jahr 1200. Die Kirche gehörte somit in die Gruppe von Chorturmkirchen im Bonner Raum, die vor allem im Umfeld des Stiftes Vilich entstanden sind. Mit St. Laurentius in Lessenich war dem Cassiusstift eine weitere Pfarrkirche mit Chorturmanlage inkorporiert.

Möglicherweise hat es sich bei St. Andreas um eine Wehrkirche gehandelt, da sie im Turmzimmer über Schießscharten verfügt. Der Raum über der heute offenen Apsis wurde zur Aufbewahrung der Gemeindeakten und Feuerlöschgeräte genutzt und diente gleichzeitig als Raum für die Ratssitzungen. In den Jahren 1900 bis 1902 wurde die neue Pfarrkirche gebaut. Die alte Kirche sollte vollständig abgerissen werden. Aus Geldmangel konnte jedoch kein neuer Glockenturm gebaut werden. So fiel die Entscheidung, den alten Kirchturm zu erhalten, der auch heute noch als Glockenturm dient.

Zwei der drei alten Glocken sind erhalten geblieben. Diese stammen aus den Jahren 1746 und 1790.
Es gab wohl eine dritte Glocke, die im Jahre 1888– vermutlich von Christian Claren aus Sieglar – die Marien- und Andreasglocke gegossen. In einer Quelle wird sie als „mittlere“ Glocke bezeichnet. Diese Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und vernichtet.

Meine Erinnerungen an diesen Turm:

 

Als ich 6 Jahre alt war, zogen meine Eltern aus dem Pfarrhaus, wo wir von Oktober 1944 gewohnt hatten in das Pfarrheim, das hinter der St. Andreas-Kirche in der Rolandstraße stand. Dort wohnten vorher Schwestern vom Vinzentiner Orden, die den Kindergarten, der in diesem Pfarrheim untergebracht war, leitKirchturm,_Rüngsdorf4eten.

Von hier aus, hatten wir vom Flurfenster einen schönen Blick auf den alten Rüngsdorfer Turm. Von den hinteren Zimmern konnten wir auf die St. Andreas –Kirche sehen, den Garten, der zum Pfarrheim gehörte und dahinter die St. Andreas Volksschule.

Mein Vater ist frühzeitig pensioniert worden und hat dann den Küster der St. Andreaskirche übernommen. Diese Arbeit hat er mit großer Leidenschaft ausgeführt bis er 1960 an Leukämie starb.
Wir Kinder, ich (geb.1941), mein Bruder Hans-Josef (geb.1942), Bruder Albert (geb.1944), wurden in die Arbeit mit einbezogen. Kurz nach dem wir in diesem Pfarrheim wohnten kam unsere Schwester Christel (geb. 1948) zu Welt.

Mein Vater musste jeden Tag die Glocke läuten, mittags um 12.00 Uhr und abends um 19.00 Uhr, und eben auch wenn Messen in der Kirche gefeiert wurden.
Dann ging er über den Platz, mit einem riesengroßen Schlüssel, stieg die eichene Treppe des Turmes hoch, schloss die dicke Eichentür auf und nahm das Seil in die Hand und brachte damit die Glocke zum Schwingen, bis der Klöppel die Glocke berührte und das Glockengeläut begann.

Bei hohen Feiertagen wurden zwei Glocken in Schwung gebracht, die zweite Glocke war etwas stärker und brauchte mehr Kraft und auch Hilfe.

ruengsdorf69Natürlich durften wir Kinder mitgehen und helfen die Seile zu bewegen.

Oft knüpfte mein Vater das Seil so, dass wir dann mit schaukeln konnten. War immer ein Erlebnis.

Wie wir größer waren, klettern wir auch im Gebälk herum, was irre Spaß gemacht hat.

Auch das Gelände um diesen Turm herum fanden wir als Kinder spannend, dort waren uralte Gräber, die uns oft unheimlich vorkamen.

Aber dieser Turm gehörte einfach zu unserem Alltag.

Ich weiß nicht wie oft ich mit einem Zeichenblock am Fenster saß und habe den alten Turm gemalt.
Irgendwann in den 50er Jahren bekamen wir einen elektrischen Apparat im Flur, der auf Knopfdruck die Glocken läuten ließ. Aber wenn man beide Glocken läuten wollte, musste man ein paar andere Schalter bedienen, sonst klappte es nicht mit dem doppelten Glockengeläut. Die Firma behauptete, man könnte das nicht anders machen.

Das ging natürlich immer schief, wenn einer der hohen Feiertage war, und beide Glocken sollten läuten, musste mein Vater, mit dem selbstgebauten Telefon von der Sakristei in unserer Wohnung, anrufen und bitten, schnell die zweite Glocke anzustellen.

Das gab dann immer Ärger.

Nun setzte er allen Ehrgeiz daran, die Schaltanlage so zu machen, das beide Glocken zum jeweiligen Zeitpunkt zusammen anfingen zu läuten. Wochenlang hat er daran rumgebastelt. Stören durften wir Kinder ihn nicht, aber wenn ihm ein Schräubchen herunterfiel, durften wir alle suchen. Oft fanden wir es in dem Umschlag seiner Hose. Entgegen der Aussage der Firma, schaffte es mein Vater mit seiner Bastelei nun doch, dass beide Glocken anfingen zu läuten ohne dass ein zusätzlicher Schalter bedient werden musste. Der Firmenvertreter war überrascht und wollte genau wissen, was mein Vater gemacht hatte. Wie er weiter mit der Firma verhandelt hat, das weiß ich nicht mehr.

Aber ab da, waren die Zeiten vorbei, und der Besuch im Turm wurde seltener. Es ging eine Tradition zu Ende, und irgendwie ist etwas verloren gegangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Schwester Christel

22. Dezember 2012

Meine Schwester Christel starb am 20.05.2002 plötzlich und unerwartet in Bremen. Sie war das fünfte Kind meiner Eltern. Sie wurde in einer sehr schweren Zeit geboren. 1948, drei Jahre nach dem Krieg gab es wenig zu kaufen und auch das Beschaffen von Nahrungsmittel war sehr schwer. Die Menschen versuchten sich so gut es ging durch das Leben zu schlagen. 

Wir hatten es noch gut, lebten im Haus meines Onkels, der in Bad Godesberg Rüngsdorf, Pfarrer war.

Ich war gerade sieben Jahre geworden und habe mich unendlich über eine Schwester gefreut. Unsere Christel war ein sehr liebes und ruhiges Kind. Die konnte sich den ganzen Tag mit sich selber beschäftigen. So war sie ihr ganzes Leben. Ruhig und auch, so sah es aus, mit sich und der Welt zufrieden.

Aber das war nicht so.

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Heute weiß ich es besser. Meine Schwester erkrankte und musste psychologisch betreut werden. Sie war in mehreren Kliniken. Wie kam es dazu?

Christel hat 1963 eine Lehre als Schneiderin gemacht. Das Nähen hat ihr immer Spaß gemacht. Aber eine richtige Arbeitsstelle hat sie nie gefunden.

In der Zeit war ich schon nicht mehr zu Hause, aber ich wusste, dass es für Christel nicht einfach war. Sie war ruhig und große Ansprüche hatte sie nie gestellt. Nach der Lehre hat sie als, heute sagt man, Familienhelferin gearbeitet und wohnte auch zum Teil in den Haushalten, wo sie Kinder betreute und den Haushalt machte.

Eine Weile hat sie auch bei meinem Bruder Albert gewohnt und dort gearbeitet. Aber dann fing sie an, und ließ sich in größeren und kleineren Städten auf öffentlichen Plätzen hinfallen und markierte, dass sie krank war.

Da war sie der Mittelpunkt, alle kümmerten sich um sie, und sie errang Aufmerksamkeit. Nur wurde das so viel, dass man sie in die Landesklinik nach Bonn einlieferte. Ab da hat sie mehrere psychologische Anstalten durchlaufen.

Meine Mutter und meine Brüder kümmerten sich nicht so sehr um meine Schwester, irgendwie war es ihnen egal, oder man gib ihr die Schuld an ihrem Zustand. Meine Schwester bekam starke Medikamente und das hatte zur Folge, dass sie eine Herzkrankheit bekam. Aber dann kümmerte sich ein Psychologe um sie, der sich um die Hintergründe des Verhaltens meiner Schwester kümmerte.

Er rief mich an und wir haben über meine Schwester gesprochen, über ihre Kindheit, und über ihr Leben in der Familie.

Durch ihn erfuhr ich dann, dass sich meine Schwester in ihrem Leben immer nach Zuneigung und Liebe gesehnt hat, sie aber nicht bekommen hat. Ich konnte das bestätigen, denn meine Mutter liebte vor allem ihre Söhne, aber für ihre Töchter hatte sie nie so viel übrig. Ich habe das selber erlebt und musste damit fertig werden.

Ich hatte es aber auch viel leichter als meine Schwester. Ich lebte nach dem Tod meines Vaters nur noch kurze Zeit im Haus und hab dann meine eigene Familie gehabt.

Mein Vater hat immer für den Ausgleich gesorgt, er war ein sehr gerechter Vater und hatte deswegen oft mit meiner Mutter eine Auseinandersetzung.

Aber als er starb war die Christel gerade mal 12 Jahre alt und sie hat, wie sie mir erzählte sehr darunter gelitten, dass mein Vater tot war.

Wir alle litten darunter, aber wir kümmerten uns sehr um unseren jüngsten Bruder, er war gerade 5 Jahre alt und er hat ein paar Jahre gebraucht um dieses Trauma zu bewältigen. Aber auf unsere Christel hat keiner geachtet.

Dieser Psychologe sorgte nun, dass meine Schwester nach Bremen in ein psychologisches Krankenhaus kam. Sie stabilisierte sich so, dass sie in einer eigenen Wohnung wohnte konnte, aber weiter von der Klinik betreut wurde. Dort war sie in eine Gruppe, hat durch ihr Talent, sehr schöne Dinge nähen zu können, viele Freunde gefunden.

Aber mit ihrer Gesundheit ging es auf und ab. Wir telefonierten zwei bis drei Mal im Monat miteinander. Wenn es ihr gut ging, habe ich sie besucht oder sie kam zu mir.

Nun manchmal war eine lange Zeit vergangen, bis wir uns wieder sahen. Im Jahr 2003 wollte sie mich am Wochenende besuchen. Wir beide freuten uns sehr auf ein Wiedersehn.

Aber es war ein schlimmes Wochenende. Donnerstags bekam ich einen Anruf von der Polizei, dass meine Schwester tot im Bett aufgefunden worden war. Die Nachbarn, mit der sie befreundet war, haben sie gefunden.

Ich war tief getroffen. Die Polizei sagte mir, dass ich mich mit dem Amtsgericht in Verbindung setzen sollte und hier sagte man mir, dass ich von meinen Geschwistern, vier Brüder, eine Vollmacht haben musste, um mich um die Angelegenheit meiner Schwester kümmern konnte. Ein Bruder hatte eine Vollmacht, als ich mit meinem jüngsten Bruder in Bremen ankam, hinterlegt. Er wohnte nicht weit von Bremen weg und ist auch am Haus meiner Schwester gesehen worden. Die beiden anderen Brüder haben mir oder dem jüngsten Bruder keine Vollmacht erteilt. Obschon sie behaupteten eine Vollmacht erteilt zu haben, konnte man im Amtsgericht Bremen keine Vollmacht finden und so konnten wir gar nichts machen.

Wir sind dann zu dem Haus gefahren, in dem meine Schwester gewohnt hat und haben mit den Nachbarn gesprochen.

Sie haben uns gesagt, dass sie sehr erschrocken waren, dass sie am Morgen bemerkt haben, dass die versiegelte Wohnung meiner Schwester geöffnet war. Wir sind in die Wohnung gegangen und zu unserem Erstaunen fehlten der Fernseher, der neue Videorekorder, das Telefon und ihre Nähmaschine. Die Nachbarn konnten nicht feststellen, ob sonst noch weitere Sachen fehlten. Wir haben die Polizei informiert. Mein jüngster Bruder und ich sind dann noch in die Klinik gefahren und haben mit ihrer Gruppenleiterin gesprochen, die auch sehr traurig und bestürzt war, dass meine Schwester nicht mehr lebte. Dort hat man sie sehr geliebt.

Die Tage danach habe ich weiter versucht die Vollmachten von meinen Brüdern zu bekommen. Habe sogar einen Pfarrer eingeschaltet, der mit meinen Brüdern reden sollte.

Aber dieser Priester hat mir zu verstehen gegeben, dass er für so was keine Zeit hätte, er wäre auf dem Weg in den Urlaub.

Ich konnte nun nichts mehr machen, die Frau von dem Beerdigungsinstitut versuchte mich zu trösten, aber ich konnte nicht verhindern, dass meine Schwester von der Stadt Bremen, nach der Verbrennung, anonym beerdigt wurde.

Den Termin der Beerdigung hat die Dame vom Beerdigungsinstitut herausbekommen, aber ich konnte nicht dahin fahren, so fertig war ich. Ich habe in der Zeit viel geweint, und auch heute noch, wenn ich an diese Geschichte denke, kommen mir immer noch die Tränen.

Keiner meiner Brüder hat sich nach dem Termin der Beerdigung ihrer Schwester erkundigt, oder sich nach den Umständen des Todes, oder nur irgendetwas unternommen.

Mit meinen Brüdern habe ich gebrochen und ich glaube nicht, dass ich das je verzeihen kann.

Heute bete ich für meine Schwester, dass Gott ihr die Liebe schenkt, die sie auf Erden nicht bekommen hat.

– Für meine Schwester Christel, ich werde sie nie vergessen –

Elisabeth Mariam Müller

Die Anfänge meiner Familie – Der zweite Weltkrieg dominierte –

22. Oktober 2012

Der Vater wurde 1901 in Mönchengladbach geboren, er war der Jüngste von zwölf Geschwistern. Als er aus der Schule kam, war einer seiner Brüder Wilhelm im Priesterseminar in Bonn.

Er hatte, so wie er immer erzählte eine schöne Kindheit und Jugend. Meine Großeltern waren sehr fromme katholische Menschen.

Großvater war sehr fleißig, er arbeitete in mehreren Arbeitsstellen, die schwerste Arbeit war wohl die Kesselreinigung, das waren wohl riesig große Kessel, wo der Kalk abgeschlagen werden musste. Mit seinem Fleiß konnte er sich ein Haus in Mönchengladbach-Dahl anschaffen. Wo die Großeltern bis in die dreißiger Jahre gelebt haben.

Bild: Mönchengladbach – Dahl, Aktienstraße:

Meine Mutter wurde 1912 in Mönchengladbach-Venn geboren.

Sie waren drei Geschwister.

Der Bruder meiner Mutter, ein hochbegabter junger Mann, der den Weg von meinem  Großvater einschlagen wollte, er kam im zweiten Weltkrieg ums Leben. Er war gerade zwei Monate verlobt.

Die Großmutter, eine anerkannte Modeschneiderin, starb sehr früh an einer Herzkrankheit. Meine Mutter war da gerade mal neun Jahre alt.

Mein Großvater, er war Bilanzbuchhalter, fand eine neue Frau, die den beiden Mädchen keine Chance gegeben hatte, einen Beruf zu erlernen und steckte sie in Haushalte, wo meine Tante Käthe und meine Mutter kein leichtes Leben hatten.

Mein Vater war ein Junggeselle, der sein Leben genoss. Er war beliebt, er war hilfsbereit, er war immer zu Scherzen aufgelegt und wäre wohl bis am Ende seines Lebens ein Junggeselle geblieben, wenn nicht seine Schwester , meine Tante Trautchen, ihm nicht unmissverständlich klar gemacht hätte, dass sie nicht mehr gewillt war, für ihn zu sorgen. Sie setzte ihn so unter Druck, dass er sich eine Frau suchte.

1939 war er der Prinz Karneval von Mönchengladbach, wohl auf diesen Touren hat er meine Mutter kennen gelernt. Weil Beide kein so richtiges Zuhause hatten, waren sie sich schnell einig, zu heiraten. Mein Vater war bei der Post angestellt, heute würde man sagen bei der Telekom. Er war Beamter und leitete den Trupp, der die Telegrafenmasten aufstellte und wartete. Er hatte also ein gutes Auskommen.

Seit 1933 waren die Nazis an der Macht, und da herrschten andere Regeln wie heute. Wie er immer erzählte, nervten ihn auch die ewigen Fragen seiner Vorgesetzten, warum er noch nicht verheiratet war. Seine Antworten waren immer: „Habe die richtige noch nicht gefunden, bin gewillt sie zu finden.“
Diese Herren störte es auch gewaltig, dass sich mein Vater in der katholischen Gemeinde engagierte. Er machte viel Jugendarbeit und war auch nicht in der Partei, da hat er sich immer verweigert und hat auch so gut er konnte, gegen diese Nazis gearbeitet.

Mein Onkel Willi, wir Kinder durften ihn nur „Onkel Pastor“ nennen, war inzwischen Priester und Kaplan an der Stiftskirche in Bonn. Meine Großeltern sind ihm nach Bonn gefolgt und haben ihm den Haushalt geführt.

Die Großmutter starb 1936 und der Großvater ein Jahr später. Sie beide haben die Goldhochzeit feiern können im Kreise ihrer Kinder und Verwandten.

Meine Eltern heirateten am 08.April 1940, die kirchliche Trauung war am
Pfingsten, den 11. Mai 1940 in der Stiftskirche in Bonn. Die Hochzeitsfeier wurde je abgebrochen, es fielen die ersten Bomben auf die Stadt Mönchengladbach.

Bild: Stiftskirche, Bonn

Meine Eltern und die Familie kehrten voller Sorge zurück nach Mönchengladbach-Dahl. Gott sei Dank, war in ihrem Wohnviertel nichts passiert, aber ab dem Zeitpunkt lebten meine Eltern immer in Angst und Schrecken.

Mutter erzählte, sie hätte aufgehört zu zählen, wie oft sie in den Bunker gerannt sind, der ungefähr  500 m von ihrem Haus in der Aktienstraße im Kamillianer-Krankhaus war.

Bild: Kamillianer-Krankenhaus mit Kirche

1941 kam ich dort zur Welt. Meine Mutter hatte eine sehr schwere Geburt, ich konnte nur mit Kaiserschnitt geholt werden, das war in dieser Zeit eigentlich ein Todesurteil für die Mutter.
Sie hat es überlebt, auch die vielen Schnitten an ihren Brüsten, weil sie wohl Schwierigkeiten hatte, mich zu stillen.  Ich war ein Flaschenkind, aber ein Sonntagskind, denn mein erster Schrei fiel mit dem Glockengeläut der anliegende St. Kamillianer-Kirche am Sonntag um 11.00 Uhr zusammen.

Als ich ein Jahr und vier Monate alt war, kam mein Bruder Hans-Josef zu Welt. Meine Mutter war überglücklich, einem Sohn das Leben geschenkt zu haben. Nur mein Bruder wurde schon früh sehr krank, er hatte Hirnhautentzündung. In der Nazi-Zeit war das sehr gefährlich, weil alles unwerte Leben ausgelöscht wurde. Meine Eltern wussten lange nicht, welche Form von Entzündung er hatte. Die Gebete wurden erhört und mein Bruder wurde gesund.

Im März 1943 bekam ich ein weiteres Geschwisterchen. Der kleine Bruder Klaus überlebte einen Bombenangriff nicht, ihm platze die Lunge und verstarb, er war gerade mal vier Monate alt.
Ich war gerade zwei Jahre alt, kann mich aber an den kleinen weißen Sarg erinnern, in dem mein Bruder im Haus aufgebahrt war. Ich habe mit meinem Vater blaue Blümchen in den Sarg gelegt. Es war sehr still in diesem kleinen Zimmer.

Bis in das Jahr 1944 erlebten die Eltern einen Bombenangriff nach dem anderen. Oft trafen Bomben unser Haus, das Dach war kaputt und man konnte vom Bett aus, den Himmel sehen. Meine Tante Trautchen wohnte unten, und ich konnte durch ein Loch in unserem Küchenboden mit meiner Tante sprechen.
Immer wieder brannte es im Haus, eine Brandbombe zerstörte das Wohnzimmer und das Sofa. Alle im Haus warteten in einem Schuppen am Haus, bis die Männer das Feuer gelöscht hatten. Ich hatte immer eine panische Angst. Sie war auch da, wenn wir immer und immer wieder in den Luftschutzkeller des Kamillianer-Krankenhauses stundenlang ausharren mussten.

Sie war auch da, wenn man am Himmel solche komische Lichter sahen, oder auch leuchtende Dinger herunterfielen. Sie war da, wenn die Sirene brüllte, ich mag sie heute noch nicht. Heute noch habe ich Angst, wenn Kerzen brennen, bei mir stehen überall Kerzen, aber ich zünde sie nie an.

Angst in unendlichem Maße kam einen Tag auf, als meine Eltern wieder mit uns zwei Kindern durch einen Brand schnell das Haus verlassen mussten. Ich war auf dem Arm von meinem Vater, meine Mutter hatte meinen Bruder auf dem Arm und kam hinter uns her. Sie hatte die Tasche mit den wichtigen Papieren mit der sie an der Türklinke hängen blieb. Ich kann mich an den Schrei von meinem Vater erinnern, der meine Mutter aufforderte die Taschen hängen zu lassen und raus zu kommen. Es ist wohl alles gut gegangen, aber das Haus war nicht mehr bewohnbar.

So verließen meine Eltern, in wohl einer Nacht- und Nebelaktion die Stadt. Das durfte man zu der Zeit nicht ohne Genehmigung. Wir sind nach Bonn-Bad Godesberg zu meinem Onkel „Pastor“ gekommen. Meine Mutter war schwanger.

Meine Eltern sind bis zu ihrem Tod in Bad Godesberg-Rüngsdorf geblieben.

Bonn-Bad Godesberg – Ortsteil Rüngsdorf am Rhein

Viele fragen sich, warum mein Vater immer noch bei uns war. Er war nicht wehrtauglich, ich glaube so nennt man das. Er hat zwei oder drei Jahre vor der Heirat Typhus gehabt, die ihn sehr mitgenommen hat. Durch diese Krankheit konnte er auf einem Ohr nicht mehr hören und litt immer wieder an den Folgen.

Ein Glück im Unglück war es. So konnte mein Vater sich um die Familie und die Angehörigen kümmern. Fast alle Männer der Familie waren an der Front. Ihm fielen immer wieder Aktionen gegen die Nazis ein. Er erzählte, dass er mit einem Poststempel, die er illegal auf den Urlaubsformulare von Soldaten setze, diese von der Front holte und ihnen eine Atempause verschaffte, von diesem schrecklichen Krieg.

Von diesen Männern hörte er dann was mit den jüdischen Familien passierte, die auch aus seiner Nachbarschaft plötzlich verschwunden waren. Sie erzählten, dass diese Familien nicht umgesiedelt wurden, sondern in Lager kamen und dort getötet, oder auch auf den Weg dahin erschossen wurden. Freunde von meinem Vater, es waren Menschen jüdischer Herkunft, die eine Tuchfärberei hatten, haben sich in einem heißen Farbbottisch das Leben genommen.

Er ist wohl in dieser Zeit sehr politisch geworden. Durch sein selbstgebasteltes Radio hat er immer die Sendungen aus England gehört und war gut informiert. Feindsender hören stand unter hoher Strafe.

Uns Kindern hat er  immer gesagt, dass wir aufpassen sollen, gegen Ungerechtigkeiten vorgehen sollten und die Menschen achten und akzeptieren sollten, so hat er uns erzogen.

Ein Engagement wurde kaputt gemacht.

4. Mai 2012

Ein Engagement wurde kaputt gemacht. Mein Arbeit in der Moscheegemeinde.

Erst einmal zur Vorgeschichte. Seit 2002 hatte ich mich in der Moscheegemeinde engagiert.

Habe viel auf die Beine gestellt.

Habe mit dem Vorsitzenden (1998 – 2005) Nyazi Ileli einen Nachhilfeunterricht etabliert. Bis zuletzt waren dort bis 24 Kinder aller Nationen, die zuerst von Studentinnen und Studenten unterrichtet wurden, dann hatten wir feste Lehrerinnen angestellt.

Ich habe einen Elternrat gegründet, weil wir doch viele Fragen wegen Schule und Ausbildung bekamen und eine Gruppe von Frauen kümmerten sich um die Schulen und Kindergärten und gaben den Eltern Hilfestellung.

Ich habe mit den Frauen viele Stunden verbracht, habe mit ihnen deutsch gesprochen, damit sie nach ihrem Deutschunterricht, das Gelernte auch anwenden konnten.

Der Vorsitzende hat von der Degussa Computer bekommen, da habe ich dafür gesorgt, dass diese PCs internetfähig und für den Unterricht hergerichtet wurden.

Kinder aus der Hauptschule und auch Frauen aus der Gemeinde, die den Umgang mit dem PC lernen wollten, habe ich Unterricht erteilt.

Habe Spendengelder akquiriert.

Habe den Kontakt zu den Schulen ermöglicht, mit den Familienzentren Kooperationsverträge geschlossen.

Habe jede Möglichkeit genutzt, die Presse auf die Arbeit in der Moschee hinzuweisen und vor allem auch den Migranten auf die Integrationskurse, die in der Moschee stattfanden, aufmerksam zu machen.

Habe den interreligiösen Dialog gefördert, dass durchaus eine schwere Arbeit war, weil die Vorurteile auf beiden Seiten, riesengroß sind.

Habe das 1. Kinderfest, das die Türken am 23. April feiern, organisiert. Es war ein voller Erfolg.

Auch interreligiöse Gesprächskreise gab es.

Moscheeführungen gehörten dazu, die immer sehr viel Freude gemacht haben, aber auch die Vorbereitungen dazu, benötigten auch Aufwand.

Eine Fahrt mit den Frauen der Gemeinde nach Trier organisiert. Spannend war es, den Muslimen diese katholische und älteste Stadt zu zeigen, die auf dem Gründer von Istanbul zurück geht.Frauen im Trierer Dom

Bis heute versuche ich mit meiner Webseite die islamische Religion zu erklären und Artikel und eigene Beiträge dazu kann man lesen in: http//www.muslime-in-niederkassel.de

Bis heute führe ich einen Gesprächskreis  von Frauen, wo wir über den Islam und die Hintergründe diskutieren.

Ich weiß nicht ob ich alles aufgeschrieben habe, was ich in dieser Moschee gearbeitet habe. Die Buchführung war eine der leichtesten Übungen, es war mein Beruf. Aber trotzdem hat sie viel Zeit in Anspruch genommen.

Den Kontakt zur Verwaltung intensiv geführt.

In der Woche war ich fast jeden Tag einige Stunden in der Moschee.

Viele, viele Stunden habe ich damit verbracht, eine Webseite für die Moschee in Niederkassel zu erstellen.

Ich hatte das noch nie gemacht, und mir mühsam, alles selber beigebracht und darauf geachtet, dass sie immer auf den neuesten Stand war. Diese Webseite hat in ganz Deutschland Beachtung erfahren und ich habe viele positive Feedbacks bekommen.

Die letzte Aktivität, die viel Kraft und Zeit gebraucht hat war, Kandidaten zu finden für die Integrationswahlen die am 07.02.2010 in Nordrhein-Westfalen abgehalten wurden.

Schon im September 2009 habe ich mit dem neuen Vorsitzenden (2006 – 2011) Ramazan Elmas eine Liste in der Moschee ausgelegt, wo sich interessierte Gemeindemitglieder eintragen konnten.

Viele Gespräche geführt, aber die Resonanz war nicht so, wie ich es dachte.

Da habe ich mit Frau Bayer-Helms (CDU) und Gerhilda Wagener (Grüne) auch noch andere Menschen, die aus anderen Ländern hier wohnten angesprochen und mit der Zeit hatten wir nicht nur aus der türkischen Gemeinde Menschen dafür interessiert, sondern Menschen aus Italien, Griechenland, Türkei, Frankreich, Kenia und Sri Lanka gewinnen können.

Wir haben eine Wahlversammlung abgehalten und die Liste aufgestellt und die Listenplätze festgelegt. Ich wurde gebeten, den Listenplatz 1 einzunehmen, dass ich aber nur mit der Voraussetzung zugestimmt habe, dass ich nach einem Jahr zurücktreten kann.

Dann passierte etwas, was ich bis heute nicht begreifen kann, die SPD hatte auch zwei Mitglieder der SPD und den Bruder des Vorsitzenden der Moscheegemeinde aufgestellt.

Orhan Kangöz und ich konnten das nicht verstehen, weil wir ihn auch angesprochen hatten, Hilmi Elmas hat uns aber zu verstehen gegeben, dass er von Jürgen Schulz angesprochen worden sei, und er versprochen hätte für die SPD zu kandidieren.  – Dieses Gespräch hat er hinter her geleugnet – .

Die SPD hatte es nicht geschafft, eine Liste aufzustellen, so dass die drei Kandidaten einzeln zur Wahl antraten.

Ich ahnte schon nichts Gutes. Hilmi Elmas war in einem türkischen Sportverein und war bekannt, meine Kandidaten dagegen nicht so sehr.

Hilmi Elmas hat dann mit Hilfe der SPD auch noch einen aggressiven Wahlkampf gemacht und hat bei der Wahl von den sechs Sitzen, 4 Sitze geholt. Aber, da sie keine Liste aufgestellt hatte, konnte nur 1 Sitz, besetzt werden. Herr Hilmi Elmas nahm den Platz ein.

Die beiden anderen Sitze gingen an die Liste.

Ich wurde gewählt und auch Herr R. Buvanendran (Sri Lanka). Die Enttäuschung in unserer Gruppe war riesengroß.

Da auch der Vorsitzende der Moschee, Ramazan Elmas, in dieser Sache kein ehrliches Spiel gespielt hatte, habe ich danach meine Arbeit für die Moschee Niederkassel eingestellt.

Die SPD hatte im Nachhinein nochmals Rache geübt, dass ich meinen Sitz damals im Rat behalten hatte, dadurch hatten sie den Fraktionsstatus verloren und auch finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

Schade ist nur, dass die Gruppe auseinander gefallen ist, und die vielen Ideen, die wir hatten nicht umgesetzt werden können. Der Integrationsausschuss ist nur ein Alibi-Ausschuss und bringt nichts zustande. Auch ich habe nicht mehr die Kraft Leben hinein zu bringen.

Mit dem Bürgerverein hatten wir ein Internationales Fest auf die Beine gestellt, dass wirklich ein großer Erfolg war, auch hier hat die SPD diesen Erfolg kaputt geredet und auch dadurch dieses Fest kaputt gemacht, weil der Bürgerverein und der Sportverein LÜRA keine Lust mehr hatten, die viele Arbeit auf sich zu nehmen.

Was aber dann passierte hat bei mir Kopfschütteln hervor gebracht.

Ende 2011 hörte ich, dass die SPD eine Mitgliederversammlung im großen Saal der Moscheegemeinde abgehalten hat. Es waren Neuwahlen und sie haben zwei türkische Gemeindemitglieder als Beisitzer in den Vorstand gewählt, natürlich Hilmi Elmas und Herrn Tekin Aslan.

Es waren die gleichen Verantwortlichen, die mir vorgeworfen haben, dass ich mit meinem Engagement für die Türken, die SPD in ganz Niederkassel blamieren würde.

Zitat aus der E-Mail von 2006  – vom Fraktionsvorsitzenden und jetzigen Pressesprechers.

Deines großen (nicht so Wohlmeinende sagen wegen des fanatischen) Einsatzes in der muslimischen Gemeinde schon länger in der Fraktion schwelt,

Zitat vom Geschäftsführer der SPD

Ich meine auch, es ist jetzt an der Zeit, sie klar in die Schranken zu weisen, die blamiert die SPD in ganz Niederkassel immer mehr. Es kann doch nicht sein, dass wir es zulassen, gefragt zu werden, wieso wir so etwas in unseren Reihen zulassen! Die Sache gehört jetzt auch in die Fraktion. Es kann schließlich nicht sein, dass sie die (vermeintlichen) Interessen der Türken bzw. der Moschee über diejenigen der Fraktion und der Partei stellt! Die hat ihr Mandat schließlich Deiner damaligen Intervention im Vorstand und dem Vorziehen auf Listenplatz 3 zu verdanken, also letztlich ausschließlich der SPD und nicht der Moschee !

Grüße

Allerdings hat der Vorsitz in der SPD und in der Fraktion gewechselt und vielleicht wird jetzt nicht mehr unfair gegen die Moscheegemeinde und die Muslime geboxt, wie man das in der Vergangenheit getan hat. Es wäre zu hoffen.

AMN2003 34

Mein politscher Weg nach dem Eintritt in die SPD

3. Mai 2012

Eintritt in die SPD Ende 1985 nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl

Habe lange überlegt, ob ich mich weiter politisch engagieren sollte. Viele Gespräche habe ich geführt und habe mich dann entschieden, trotz starker beruflicher Herausforderung.

Im Vorstand:

1987 wurde ich zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Aufgabe habe ich bis 1999 erfüllt. Ich hatte es nicht immer leicht in der SPD, weil mir der Stallgeruch fehlte, ich war vorher 15 Jahre, an führender Stelle in der FDP, die ich verließ, als sie die sozialliberale Koalition in Bonn aufkündigte.

Die Arbeit für die SPD habe ich immer mit vollem Einsatz geleistet.

Viele Ideen wurden umgesetzt, die der Vorstand entwickelte. So zum Beispiel haben wir, um die Genossinnen und Genossen an der Arbeit teilhaben zu lassen, Einer der Höhepunkte war ein Kabarettabend. Feste und öffentliche Veranstaltungen wurden abgehalten.

Die Arbeit im Team hat immer Spaß gemacht und es kamen nie Klagen, obschon wir alle beruflich sehr angespannt waren.

Oft haben wir, in einer Telefonaktion, Kontakt zu den Mitgliedern aufgebaut. Dazu gehörte es, dass die Mitgliederliste mit den Telefonnummern bestückt wurde.

Der Kontakt zu den Mitgliedern war uns immer sehr wichtig um die Meinung der SPD-Mitglieder zu erfahren und sie an Termine und Wahlen zu erinnern.

Viele Aufgaben und Ideen wurden umgesetzt:

An führender Stelle habe ich eine Zeitung mitgestaltet, die an interessierten Bürgerinnen und Bürgern und Menschen der Stadt Niederkassel, die als Meinungsmacher fungierten, geschickt wurden. Die Artikel und Hintergrundberichte waren zum Teil von Genossen und Genossinnen geschrieben worden, aber wir haben uns auch professioneller Hilfe bedient.
Eine Adressendatei habe ich geführt und immer wieder aktualisiert über die Jahre. Diese Zeitung haben wir dann selber gestaltet.

Der Balkanbote:

Bis 1999 wurden im Jahr, 1 – 2 Mal eine Zeitung erstellt, der „Balkanbote“ wurde in der Bevölkerung als SPD-Zeitung wahrgenommen. Hier wurden unsere Planungen erklärt unsere Ziele definiert und auch für den Wahlkampf eingesetzt.

An der Zeitung „Der Balkanbote“ habe ich immer in der Gruppe mitgearbeitet, auch hier war das zum Teil Handarbeit, bis wir dann mit dem Computer eine solche Zeitung erstellt haben.

Durch diese Verteilaktionen bin ich praktisch in der Stadt Niederkassel in jeder Straße gewesen, denn es war immer so, dass wir für einige Bezirke oft keine Verteiler hatten.

Der Wahlkampf:

Von 1987 bis 19999 habe ich als Wahlkampfleiterin alle Wahlkämpfe organisiert.

Welche Arbeit und Organisation dahinter steckt, ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben.

Die Vorbereitungen und die Taktiken wurden in Arbeitsgruppen festgelegt. Für die Kommunalwahl wurden Arbeitskreise geschaffen, die das „Kommunalpolitische Programm“ erarbeiteten.

Dieses Programm wurde dann in ein ansprechendes Layout gekleidet. Besonders hat es Freude gemacht, die jungen Genossinnen und Genossen in diese Arbeit einzubinden und sie in ihrer Kreativität zu unterstützen.

Plakatierung

Zu jeder Wahl gehörte es, die Plakatierung vorzubereiten.

Mit der Gruppe die Plakate zu entwerfen und mit den Druckereien Kontakt aufnehmen. Plakatständer wurden in Handarbeit erstellt, am Anfang wurde das auf unserem Grundstück gemacht, mit anschließenden gemeinsamen Essen verknüpft.

Später haben wir diese Arbeit an der Garage in Mondorf gemacht, die wir gemietet hatten.

Zeitungen und Flyer

Es wurden Zeitungen vor den Wahlen verteilt. Diese Zeitungen wurden für ganz Nordrhein-Westfalen gedruckt mit jeweiligen örtlichen Innenteil. In aller Frühe zwischen drei und vier Uhr mussten die Zeitungen am Sonntag an einer zentrale Stelle im Rhein-Sieg-Kreis abgeholt werden und anschließend an die Genossen verteilt werden. die dann vor dem Frühstück die Zeitungen den Bürgerinnen und Bürger in die Briefkästen legten.

Als Dank dafür, wurde am Sonntag vor der Wahl ein gemeinsames Frühstück abgehalten.

Wahlanalyse

Eine Wahlanalyse für Niederkassel habe ich von 1972 gemacht und das Zahlenmaterial archiviert, analysiert und daraus viele wertvolle Rückschlüsse für die Arbeit der SPD in der Kommune erarbeitet. Diese Beschäftigung mit den Zahlen war spannend, weil ich auch zum Teil professionelle Hilfe hatte.

Der eigene Wahlkreis

Bis 2004 hatte ich immer einen Wahlkreis, den ich für die Europawahl, Bundestagswahl, Landtagswahl und Kommunalwahl – da war ich selber die Kandidatin – betreut habe. Haustürbesuche gehörten für mich immer wie selbstverständlich dazu , der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern hat auch für die Ratsarbeit viel gebracht.

Wie zu jeder Wahl wurde unser Auto zur Verfügung gestellt um die Plakatierung vorzunehmen. Die Unterstützung von meinem Mann war mir immer gewiss.

Im Großen und Ganzen war es auch eine gemeinsame Arbeit für die Partei, die wir beide gerne gemacht haben.

Zwischen den Wahlen

Wie zu Wahlkampfzeiten und auch außerhalb der Wahlkampfzeiten habe ich die Infostände organisiert, die in allen Stadtteilen stattfanden. Rosen wurden immer am letzten Tag vor einer Wahl verteilt. Die Rosen mussten geordert werden.

Viele Jahre haben wir einen Kalender, die eine andere Gruppe gestaltete, vor Weihnachten verteilt. Ostern mussten an die 3000 rote Eier geordert werden, um im ganzen Stadtgebiet verteilt zu werden.

Viele Jahre haben wir einen Kalender erstellt, immer mit neuen Theman, der dann vor Weihnachten verteilt wurde. Aber die Kosten waren zu hoch, so haben wir dann Nikoläuse verteilt und vor  Ostern mussten an die 3000 rote Eier geordert werden, um die im ganzen Stadtgebiet zu verteilen..

Delegierte

Als Delegierte des Kreisparteitages, Landesparteitages und Bundesparteitages bin ich gewählt worden. Das bedeutete oft, dass man im ganzen Kreisgebiet unterwegs war. Landesparteitage fanden in größeren Städten in Nordrhein-Westfalen statt, auch der Bundesparteitag, an dem ich teilnehmen durfte, war in Nordrhein-Westfalen

Die Wiedervereinigung

Auch das war eine spannende Zeit. Wir haben Wahlkampfhilfe in Premnitz in Brandenburg gemacht. Zu Ostern 1990, wir waren gerade umgezogen, haben wir sieben Genossinnen und Genossen aus Oranienburg zu Gast gehabt. Wir sind nach Thüringen gefahren, in die kleine Stadt Weida und haben der SPD dort geholfen. Bis zuletzt habe ich die Partnerschaft mit Premnitz gepflegt und bin heute noch sehr dankbar, weil wir, sowohl in Premnitz als auch in Weida Freunde gefunden haben. Diese Freundschaft hält bis heute an.

Die weitere Aufgabe in der Fraktion.

1989 wurde ich als Fraktionsgeschäftsführerin berufen, und habe diesen Posten bis 2006 inne gehabt.

Seit 19902006 war ich für die SPD im Rat der Stadt Niederkassel und war stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit der Aufgabe der Geschäftsführung.

Ich war in vielen Ausschüssen der Stadt, vor allem die technischen Ausschüsse faszinierten mich und ebenfalls die Finanzen der Stadt. In der vorletzten Legislaturperiode und in dieser Periode war ich bis zu meinem Austritt Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses.

Meine politischen Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Soziales. Viele Jahre habe ich mich in der Seniorenarbeit engagiert. Der soziale Aspekt war mir immer wichtig bei der Arbeit für die SPD, das kam vielleicht auch daher, weil ich mit 5 Geschwistern aufgewachsen bin und meine Eltern es nicht immer leicht hatten. Finanziell waren wir nie auf Rosen gebettet.

Für die Fraktion habe ich Woche für Woche ein Protokoll erstellt und auch die wichtigsten Dinge aus den Ausschüssen und dem Rat festgehalten, um die Arbeit in der Fraktion zu erleichtern und auch um wichtige Dinge zu verfolgen und wenn nötig, die Verwaltung danach zu fragen. Die Fraktionsmitglieder wurden von mir immer sehr schnell informiert, was in den Ausschüssen abgehandelt wurde.

Eine wichtige Arbeit und eine Arbeit, die mir Freude gemacht hat, weil sie auch interessant und eine Herausforderung war.

Selbstverständlich war für mich und ist es bis heute wichtig, dass ich die Unterlagen für den Rat und den Ausschüssen sorgfältig studiere, um auch die richtige Entscheidung im Rat zu fällen. Den größten Teil der Ausschüsse, die vor der Ratssitzung abgehalten werden, besuche ich.

Auch zu meinen Aufgaben gehörte es Seminare für Fraktion und SPD zu organisieren und die mit der SKG abzusprechen.

Dazu musste der Ort ausgesucht, das Hotel oder Seminarhaus gebucht werden. Ein Programm erstellt werden für die 2 Tage.

Wissen aneignen

Natürlich gehört es, dass ein Mitglied des Rates, das für die Bevölkerung der Stadt Entscheidungen treffen muss, sich ausführlich mit den Themen beschäftigt und auch Wissen aneignet. Dazu gehört, dass man die Angebote war nimmt, die die Partei, die Stadt oder auch die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) anbietet. Zum Beispiel wird der Haushalt der Stadt nun nicht mehr nach kameralistischen Grundsätzen aufgestellt, sondern doppisch (auf der Grundlage der kaufmännisch doppelten Buchführung) das nennt sich Neues Kommunales Finanzmanagement (NKF). Auch bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn kann man  viele Hintergrundinformationen sammeln.

Die SPD Niederkassel nach den Kommunalwahlen 2004

Es war nicht mehr die SPD, für die man mit viel Enthusiasmus und Freude arbeitete. Es waren neue Leute dazu gekommen und die Offenheit, die vorher geherrscht hatte war nicht mehr.

Es bildeten sich in dieser kleinen Fraktion Grüppchen, die nicht miteinander arbeitete, sondern gegeneinander. Ein Beispiel war, das an der ersten Fraktionssitzung, die Wahl des neuen Fraktionsvorstandes anstand. Für die Meisten war klar, dass e der alte Fraktionsvorsitzende wieder gewählt wurde. Er hatte die Arbeit bisher ohne Beanstandungen  sehr gut gemacht und verstand sein Geschäft.

Aber es kam anders. Ein neu gewähltes Ratsmitglied schlug den Bürgermeisterkandidaten, der das schlechteste Ergebnis eingefahren hatte, als Vorsitzenden vor. Das Erschrecken war riesengroß und es herrschte bei den Meisten  Unverständnis. Ganz knappt siegte der alte Fraktionsvorsitzende, auch ich erhielt ein knappes Ergebnis als stellvertretende Fraktionsvorsitzende – Aufgabe Geschäftsführung.

Das Vertrauen unter einander war weg und hinten herum wurden dann dem und dem Schuldzuweisungen erteilt.

Dieses Stimmung traf mich auch.

Der Schreck der Genossen, eine Muslima ist unter ihnen!

Im Juni 2005 war ich zum ersten Mal nicht auf einer SPD – Veranstaltung.

Glück oder Unglück, ist nicht geklärt.

Ich erhielt einen Anruf von einem Teilnehmer der Versammlung, der mir erzählte, dass man dort  berichtete, dass ich zum Islam konvertiert wäre. „Ich sollte mich wappnen, da käme bei der nächsten Fraktionssitzung was auf mich zu.“ Er versuchte mich zu trösten und sagte, „Dass machst du schon, du bist stark genug.“

Was da abgegangen ist, konnte ich mir so richtig vorstellen. Ich hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, aber erst jetzt, nach drei Jahren, wurde ihnen so richtig bewusst, dass ich zum Islam übergetreten war.
Auf der folgenden Fraktionssitzung kam auch wie es kommen musste. Wie schon erwähnt war ich 20 Jahre in der SPD und SPDler sagen DU zueinander.

Ich wurde gefragt:

„Hier ist eine Dame, die ist zum Islam übergetreten!
Elisabeth kannst du mir da Rechenschaft geben.“

Diese grinsenden und schadenfrohen Gesichter einiger der ca. 20 Anwesenden vergesse ich nie. Es war wohl schön, dass man so einen Menschen vorführte.
Meine Antwort auf diese provozierende Frage war:

„Es geht niemanden etwas an, an was ich glaube, und welcher Religion ich angehöre, es ist ausnehmend meine Sache. Ich muss mich vor Gott verantworten und nicht vor euch. Ich habe euch noch nie gefragt, welcher Religion ihr angehört oder ob ihr eure Religion lebt.“

Es wurde mit Unverständnis reagiert, und auch weitere dummen Äußerungen wurden abgegeben, unter anderem auch: „Dass hättest du uns sagen müssen!“ oder „Jetzt ist uns einiges klar.“ und weitere.

Wie da mit mir umgegangen wurde, passte einigen aus der Fraktion nicht, nahmen aber auch nicht Stellung.

Aber mir wurde klar, dass was ich schon lange wusste, man würde diesen Schritt nicht verstehen und auch nicht verstehen wollte.

Auch das war ein Beweis, dass es unter einander nicht mehr stimmte, und man diesen Anlass nahm, mich auszugrenzen und einige froh waren, einen Grund gefunden zu haben, mich weg zu drängen.

Die gefundene Homepage
oder zusammengestellte Homepage????

Seit 2002 habe ich mich in der türkischen Moschee engagiert und viele Dinge dort angestoßen. Nachhilfeunterricht organisiert, Deutschunterricht, Computerunterricht, Frauengesprächskreis und so weiter.

Auf einer Veranstaltung des Kölner Stadtanzeigers in Niederkassel kam ein Genosse zu mir und berichtete mir, man hätte eine Webseite im Internet gefunden, wo junge Türken Drohungen aussprachen, unter dem Titel:

„Türke sein ist ein Gesetz, wer es verletzt, wird zerfetzt.“

Unter dieser Überschrift hatten sich junge Türken in Droh- und Matchohaltungen fotografiert und das in der Jugend-Webseite „Jappy“ veröffentlicht. Darunter waren auch Stinkefinger zu sehen, und einer größeren Gruppe konnte man auch eine Pistole erkennen.

Die, an die 30 Bilder, so behauptet der Genosse wären alle in der Moschee gemacht worden, und sagte:

„Da sollte ich mich mal drum kümmern, solche Parallelgesellschaften brauchen wir nicht. Dem muss entschieden entgegen getreten werden. Diese Bilder sind alle in der Moschee gemacht worden und das ist keinesfalls zu akzeptieren. „

Er behauptet das so fest, weil ein Bild, das als Letztes zu sehen war, eine Gruppe junger Leute zeigte, die sich am Seiteneingang der Moschee haben abgebildet. Das war ein Foto von der Fußballgruppe Genclik-Spor, die sich anlässlich eines Sieges dort haben fotografieren lassen. Wie das Bild da hinein gekommen ist, ist bis heute rätselhaft.

Eine weitere Bemerkung dieses Informanten, ich sollte aber seinen Namen heraushalten.

Ich habe die Veranstaltung verlassen und bin in die Moschee gefahren und traf dort den Vorsitzenden und ein Vorstandsmitglied. Wir haben uns gemeinsam die mir genannte Webseite angeschaut. Wir stellten fest, dass nur das letzte Bild einen Bezug zur Moschee hatte, alle anderen Bilder konnten wir drei nicht lokalisieren. Die Jugendlichen waren auch in der Gemeinde nicht bekannt.

Am Samstagmorgen haben wir den Jugendwart und einen Journalisten zur Hilfe geholt. Die beiden Herren konnten die Lokalitäten identifizieren und stellten fest, dass diese Bilder alle im Jugendzentrum „Widdig“ der Stadt Niederkassel fotografiert worden waren. Die beiden Herren haben dafür gesorgt, dass die Seite aus „Jappy“ gelöscht wurde.

Nun wollte man wissen woher ich die Mitteilung hatte, denn auf dem letzten Foto vor der Moschee, war ein junger Mann mit abgebildet, der zu einem Studentenaustausch nach Amerika reisen wollte. Wenn die Seite weiter verbreitet worden wäre, hätte der junge Mann seine Amerikareise knicken können. Die, auf dem letzten Foto abgebildeten Jugendlichen, wussten nicht, dass sie in dieser Webseite zu sehen waren.

Trotz das der Genosse gesagt hat, ich sollte seinen Namen nicht nennen, habe ich gesagt, wer mir diese Webseite genannt hat.
Der Journalist hat dann den Jugendpfleger der Stadt Niederkassel erreicht und ihm von der Webseite und vom Informanten berichtet, den Jugendamtsleiter konnte er am Samstag nicht erreichen.

Er hat auch den Informanten angerufen, um heraus zu bekommen, woher er die Webseite hatte und ob sie weiter verbreitet worden war.

Aber das hatte ich nicht gekannt, der Genosse hat mich angerufen und sich mit einem Gebrüll beschwert, dass ich seinen Namen genannt habe, seine Frau hat dazwischen gebrüllt. Er hat mich mit den schlimmsten Namen tituliert. Er meinte jetzt würde sein Haus angezündet und er müsse jetzt um Leib und Leben seiner Familie fürchten.

Als ich am Montagmorgen zum Jugendamt gefahren bin und die CD von der Webseite dort abgegeben habe, erzählte ich dem Jugendamtsleiter, der übrigens der SPD angehört, von meinem Streit mit dem Genossen. Der Name war ja schon am Samstag dem Jugendpfleger gesagt worden.

Wir sind dann mit dem Jugendamt und der Polizei so verblieben, dass wir diese Sache nicht weiter verfolgten, weil diese Fotos schon älter waren, die Jugendliche schon 2 Jahre nicht mehr das Jugendzentrum besuchten, um auch Schaden von der Moschee und dem Jugendzentrum fernzuhalten.

Inzwischen wurde ich auch vom Fraktionsvorsitzenden angerufen, der mir den Vorwurf machte, dass ich den Namen des Informanten gesagt hätte, weil die Leute, angst hätten um Haus und Hof und ihr Leben.

Den Namen des Informanten wusste nur eine kleine Gruppe von fünf Leuten, die außer dem Journalisten alle der SPD angehörten..

Die ganze Sache eskalierte.

Am Montag nach der Fraktionssitzung schnauzte mich dieser Genosse wieder an und sagte, ich hätte den Namen auch im Jugendamt genannt.
Ich hatte das verneint, weil der Namen nicht von mir dem Jugendamt bekannt gegeben wurde, ich fand das aber auch nicht so schlimm, weil der Leiter des Jugendamtes und der Jugendpfleger beide der SPD angehörten. Als ich die Treppe hinauf ging, schrie er mir nach:

„Ich hätte doch einen an der Klatsche.

Viele standen um ihn herum und ließen diese Beleidigung stehen. Ich bin nach Hause gefahren mit der Absicht, aus der SPD aus zutreten. Mein Mann beruhigte mich und meinte, man sollte noch mal das Gespräch suchen.

Dann eskalierte es aber weiter.

Auszug aus der MailLiebe Elisabeth,der Konflikt, der deinetwegen und wegen

 

Deines großen (nicht so Wohlmeinende sagen wegen des fanatischen) Einsatzes in der muslimischen Gemeinde schon länger in der Fraktion schwelt,

 

ist jetzt durch Deinen Streit mit ………wegen des Internetauftritts türkischer Jugendlicher eskaliert. Der unten angefügten Mail kannst Du die ganze Wut und die Vorwürfe entnehmen.

Auszug aus der E-Mail des Genossen ……… Hallo ……, hallo ……..

wie ihr wisst, hat …..mich gestern darauf angesprochen, dass er von ……… kurz vor der Fraktionssitzung erfahren habe, dass es wohl Zoff zwischen Elisabeth und mir gebe.

  Ich meine auch, es ist jetzt an der Zeit, sie klar in die Schranken zu weisen, die blamiert die SPD in ganz Niederkassel immer mehr. Es kann doch nicht sein, dass wir es zulassen, gefragt zu werden, wieso wir so etwas in unseren Reihen zulassen! Die Sache gehört jetzt auch in die Fraktion. Es kann schließlich nicht sein, dass sie die (vermeintlichen) Interessen der Türken bzw. der Moschee über diejenigen der Fraktion und der Partei stellt! Die hat ihr Mandat schließlich Deiner damaligen Intervention im Vorstand und dem Vorziehen auf Listenplatz 3 zu verdanken, also letztlich ausschließlich der SPD und nicht der Moschee !

Grüße

Der Lüge bezichtigen zu lassen konnte ich mir nicht länger gefallen lassen, weil seit dem die Genossen und Genossinnen wussten, dass ich zum Islam konvertiert war, brach ein Sturm von Vorurteilen und Verunglimpfungen über mich herein.Der Name wurde dem Jugendpfleger schon am Samstag genannt, und ich war davon ausgegangen, dass auch der Jugendamtsleiter darüber Kenntnis hatte. Beide gehören der SPD an. Deswegen haben ich auch von dem Zoff zwischen mir und dem Genossen erzählt.Darüber hinaus wurde jede Äußerung nach der Kenntnis, dass ich eine Muslima war, nur auf die Türken und den Islam bezogen, dabei war ich schon 3 Jahre Muslima, ohne dass sie es wussten und nicht solche Äußerungen machten.

FAZIT: Niemand hat Vorurteile???????.

Dann habe ich am Dienstag die Zeitung angerufen und mitgeteilt, dass ich mit sofortiger Wirkung aus der SPD ausgetreten bin, auch die Fraktion verlasse und das Mandat nicht zurück geben werde.

Der Nachfolger auf meinem Platz hatte schon ein paar Monate vorher im seinem Umfeld verkündet, dass man mich aus der Fraktion ekeln wollte, dann könnte er dann Ratsmitglied werden. Ich zweifele nicht an dieser Aussage, weil ich diese Gruppe in der SPD  zu genügend kannte.

Aber was mir immer noch Gedanken bereitet ist, wieso solche Leute in die Jugendwebseiten von „Jappy“ herumstöbern.

Aber mir ist auch klar, dass da gezielt gesucht wurde, der diese Webseite angeblich gefunden und oder …….., ist ein ausgesprochener Profi was PC und Internet angeht.

                                   

 

Gottes Geschenk, der Weg zum Islam

27. April 2012

Der Weg zum Islam, kann nur mit der vollen Überzeugung und mit dem Herzen gelingen.

Die Entscheidung zum Islam zu konvertieren, kann nur für sich ganz alleine erfolgen.

Was meine ich damit?

Es darf kein Weg sein, um andere oder einen anderen Menschen zu gefallen, solch ein Weg kann gefährlich sein, weil man plötzlich merkt, dass die Meinung, die eigene und die der anderen sich verändert und  merkt, dass man nur der momentanen Euphorie oder Bewunderung erlegen ist.

Dann kommen Zweifel über diese Entscheidung, und es wird schwer und der Konflikt mit sich ist fast nicht zu bewältigen. Das wünsche ich niemand.

Warum schreibe ich das? Weil ich oft erlebt habe, dass Menschen total verzweifelt sind und ihren Schritt bereut haben.

Als ich den Weg zum Islam gefunden hatte, war es wie ein „Pakt mit Gott und mir“. War das für mich eine glückliche Entscheidung, eine erlösende, beruhigende und eine zufriedene und  überwältigende Entscheidung. Ich war über mich selber überrascht.

Als nach fast vier Jahren, meine Familie, Freunde und Bekannte von der Tatsache erfuhren, dass ich eine Muslima war, war ich gefestigt in meiner Entscheidung und ich konnte die negative Resonanz ,wie auch die bewundernde Zustimmung in aller Bescheidenheit ertragen und ich fand die richtigen Worte für meinen Weg.

Bis heute, nun sind es 10 Jahre, habe ich diesen Schritt nie bereut.

„Diese Spiritualität, dieses Erlebnis ist immer noch faszinierend.“

Vor allem die Gebete, die zu festen Zeiten im meinen Leben geworden sind, möchte ich nicht mehr missen. Vor unserem Schöpfer zu treten und IHN anzusprechen und sich so vom Alltag zu befreien und seine Gedanken ganz auf IHN zu richten und zu wissen, dass er dich sieht und hört, ist jedes Mal ein sehr befreiendes Erlebnis.

Es gibt Ruhe, der dann auch im Alltag zu spüren ist.

Die Religion zu lernen, sich mit ihr auseinander zu setzen ist, ist für mich immer wieder wie ein Wunder. Viele neue Aspekte, oft überraschende Erkenntnisse sind spannend.

Viele Dinge kann man am Anfang nicht verstehen, aber mit der Zeit kommt man doch hinter den Sinn der Worte Gottes, die er uns über unseren Propheten, Friede und Heil auf ihn, vermittelt hat. Es sind Worte, wenn man sie richtig versteht, in jede Zeit passen.

Gefährlich wird es, wenn man die Religion für eigene Zwecke missbraucht, dass gilt nicht nur für Machtmissbrauch,  auch im normalen Alltag.

Elisabeth Mariam Müller

General-Anzeiger Bonn vom 28./29.012012

2. März 2012

Elisabeth Müller sitzt im Wohnzimmer ihres Reihenhauses in Niederkassel-Lülsdorf.

Fernsehsessel, rustikale Schrankwand, im Regal eine kleine Marienstatue mit Rosenkranz. Auf dem Tisch steht Filterkaffee.

Nichts deutet darauf hin, dass sie vor zehn Jahren zum Islam übergetreten ist.

„Ich will ja niemanden mit meiner Religion auf den Nerv gehen“, sagt Müller. Vor allem nicht ihrem christlichen Ehemann.

Frau Müller hat sich im Dachgeschoss ihr eigenes religiöses Reich geschaffen. Hier liegt der kleine Gebetsteppich, ausgerichtet gen Mekka, an der Wand hängen Bilder mit Koranversen in arabischer Schrift. In den Regalen reiht sich die Fachliteratur aneinander: Frau im Islam, die Überlieferungen des Propheten, Muslime in Deutschland. Viele Bücher sind mit Lesezeichen und Klebezettel gespickt. „Der Koran ist ein ziemlich modernes Buch“, sagt Elisabeth Müller. „Man muss es nur erst einmal herausfinden.“

Für die Neu-Muslima hat Glauben viel mit Denken zu tun. Der Religionswechsel war keine Spontanentscheidung. Es war der Abschluss einer jahreslangen Beschäftigung mit dem Islam, sagt Müller.
Und es war ein Weg der streckenweise steiniger ausfiel, als sie es erwartet hatte.

Müller ist mit dem christlichen Glauben groß geworden. Sie wuchs in Bad Godesberger Stadtteil Rüngsdorf im katholischen Pfarrhaus ihres Onkels auf.
Die vielen Fragen kamen erst, als Elisabeth Müller längst als verheiratete Frau in Niederkassel lebte.
„Damals erschossen sich die Christen im Nordirland-Krieg, im Libanon segneten Priester Kreuze an Gewehren.“ Irgendwann habe sie der Institution katholische Kirche nicht mehr angehören wollen, sagt die ehemalige Bilanzbuchhalterin.
Im Studium Generale an der Universität Bonn belegt sie einen Kurs über die Religionen der Welt.
„Mir fehlte etwas“, sagte sie. Ich war nicht ganz glücklich.“

Das Interesse am Islam überdauert den Kurs.
Irgendwann stellt Elisabeth Müller fest: „Ich bin eigentlich schon eine Muslima.“
Erzählt hat sie niemanden davon. „Das war meine ureigenste Angelegenheit.“ Müller, damals seit mehr als 30 Jahre SPD-Mitglied und Stadträtin, sucht den Kontakt zur islamischen Gemeinde ihrer Heimatstadt. Und irgendwann spricht sich ihr Seitenwechsel herum. „Dann ging es so richtig los“, erinnert sich Müller.

Die haben mich für bekloppt erklärt.“ Es kommt zum Streit mit den Parteifreunden, die engagierte Lokalpolitikerin tritt aus der SPD aus. „Ich hab mich so richtig aufgeregt“ sagt Müller und ihre braunen Augen blitzen hinter dem Goldrahmen der randlosen Brille auf. Es dauert, bis Müller wieder eine Gemeinschaft findet, die ihr zur Heimat wird.

Die 70-Jährige ist so herzlich und aufgeschlossen wie in der Sache kompromisslos. Auch die Zusammenarbeit mit den Menschen in der türkisch geprägten Niederkasseler Moschee gestaltet sich zunehmend schwierig. „Hier wird wenig für Muslime angeboten, die Deutsch sprechen“, sagt sie. Die von Traditionen geprägte Religiosität spiegel „nicht den Koran, den ich gelesen habe“.

Erst mit dem Liberal-Islamischen Bund, einer Organisation von Muslimen mit vorwiegend akademischen Hintergrund, findet sie ihre religiösen Ansichten wieder.

Aber für ihren Glauben braucht Müller ohnehin keine weltliche Organisation.

„Das ist ja das Schöne am Islam“, sagt sie. „Man ist als Muslim für sich selber vor Gott verantwortlich.“

Für die fünf vorgeschriebenen Gebete am Tag taugt das Dachgeschoss im Reihenhaus genauso gut wie die Moschee. Sie genießt vor allem diese regelmäßigen Rückzüge aus den Gedanken des Alltags. „Bei den Gebeten fällt jeder Ärger von einem ab“, sagt sie. „Man wird ruhig.“     Rund zehn Minuten dauern die mediativen Pausen im Niederkasseler Dachgeschoss.
Wenn möglich richtet Müller sich nach dem Kalender, der für jede Stadt die genauen Zeiten auflistet, wann sich alle Moslems weltweit gemeinsam gen Mekka richten.

Nach dem Gebet steigt sie die enge Holztreppe wieder herunter zu ihrem Mann, dem Geschäftsführer des Bürgervereins Lülsdorf/Ranzel. Er akzeptiert die neue Religion seiner Frau. Und umgekehrt. „Wenn er Schweinebraten haben will, dann kriegt er den“, sagt Müller und lacht laut.
Artikel von Delphine Sachsenröder geschrieben und veröffentlich am 28./29.01.2012