Archive for the ‘Meine Religion – der Islam’ Category

Koran erklärt

10. Juli 2021

Das Universum in Gottes Schemel
Prof. Behnam Sadeghi, Ph.D.

Mit Schemel ist hier das gemeint, was ein König vor seinem Thron stellte, um seine Füße darauf ruhen zu lassen. Wenn man sagt, das Universum sei in Gottes Schemel enthalten, illustriert das Gottes Größe im Vergleich zum Menschen und zur Welt.
 
Vormoderne Koranexegeten stimmen darin überein, dass der Vers Gottes glorifiziere. Bei der Frage ob der Schemel oder – weiter gefasst – der gesamte Thron tatsächlich existiert oder ob es sich um eine Metapher handelt, verraten sie indes unterschiedliche Auffassungen. Die Interpretationen lassen sich in ein Spektrum einordnen, das von der rein metaphorischen bis zur rein Buchstabengetreuen und gegenständlichen Auslegung reicht.
 
Auf der einen Seite des Spektrums stehen einige frühe Vertreter der sogenannten ahl al-hadith -zu Deutsch: „Anhänger der prophetischen Tradition“. Sie überlieferten Berichte, die besagten: Als Gott auf dem Thron saß, “blieb davon so viel Platz übrig, wie vier Finger einnehmen“, und „es gab ein Knirschen ähnlich dem eines neuen Kamelsattels unter der Last eines Reiters“. Indem solche Überlieferungen Dimensionen und Geräusche beschreiben, implizieren sie, dass Gott in einem physikalischen Sinn auf einem Thron sitzt.
 
Eine solche Auffassung durfte allerdings nur eine Minderheit unter den „Anhängern der prophetischen Tradition“ vertreten haben. Für die meisten hat Gott keinen Körper und sitzt nicht auf einen Thron, wie ein Mensch es tun würde. Die Mehrheit ging zwar auch davon aus, dass Gott prinzipiell auf einen Thron sitzt, sie lehnte es aber ab, darüber zu spekulieren, wie oder in welchem Sinn er das tut.
 
Auf der anderen Seite des Spektrums steht die metaphorische Auslegung einer Gruppe. Die Mu‘taziliten genannt wurde. Die Mu‘taziliten interpretierten Verse, die Gott menschenähnlich (anthropomorph)beschreiben, stets metaphorisch. Sie glaubten, dass koranische Aussagen wie: Gott habe Hände, befinde sich an einem Ort oder bewege sich von einem Ort zum anderen, im übertragenen Sinne verstanden werden müssen.  Sie verneinten also, dass es einen Thron beziehungsweise einen Schemel gibt. Für sie steht der Schemel für Gottes Würde, Wissen oder Herrschaft, nicht für einen echten Gegenstand.
 
Was das Aufeinanderprallen gegensätzlicher Ansichten führt, oft zum Entstehen von Zwischenpositionen, die jeweils Elemente beider Seiten kombinieren. So kamen zwei neue Gruppierungen auf, genannt Aschariten. Und Maturiditen. Sie interpretierten den Begriff. „Thron“, wortwörtlich, Gottes Sitzen jedoch metaphorisch. Sie glaubten zwar, wie die Anhänger der prophetischen Tradition (ahl al-hadith), dass es tatsächlich einen Thron und einen Schemel gibt. Aber wie die Mu‘taziliten glaubten sie nicht, dass Gott wirklich auf dem Thron sitzt, denn Gott ist weder physisch, noch nimmt er Raum ein.
 
Was mag die ascharitischen und die maturitditischen Theologen zu dieser Annahme bewogen haben? Im Prinzip bestand darin, die wortwörtliche Bedeutung so lange zu akzeptieren, bis diese, mit der man mit dem menschlichen Wissen kollidiert.
 
Die Existenz eines kosmischen Throns und Schimmels widersprach vor 1000 Jahren nicht dem menschlichen Wissen. Schließlich konnte die Existenz durch Beobachtung weder widerlegt noch gestützt werden. Folglich konnte man die wörtliche Bedeutung akzeptieren.
 
Aber die Idee, dass Gott auf einem Thron sitzt, verletzte nach Auffassung dieser Theologen, das durch menschliche Vernunft gewonnene Wissen. Denn ein ewiges Wesen kann nicht physischer Natur sein. Um ihre These vom ewigen Wesen zu belegen, nutzen Sie philosophisches Denken, dass griechischen Vorstellungen der Antike ähnelt.
 
Es hat verschiedene Ansätze zur Interpretation des Korans gegeben. Aber eines haben all gemein: Sie gründen auf frühere Vermutungen über die Sprache, die Welt und über Gott. Denn letztlich ist es schlicht unmöglich, einen Text zu interpretieren, ohne dabei Vermutungen zu tätigen.
(Aus dem Buch: “Koran erklärt“ Suhrkamp-Verlag.)

TAUHID-Der Glaube an den einzigen Gott

6. Juli 2021

TAUHID-Der Glaube an den einzigen Gott
LA ILAHA ILLA LLAH WA-(A)SCHHADU ANNA MUHAMMADAN RASUL ALLAH.
Das Glaubenszeugnis im Islam heißt auf Deutsch.
„Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott selbst gibt und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist.“

Als theologischer Terminus bedeutet Glaube die auf Beweise gestützte Anerkennung der Existenz und Einheit Gottes (Tauhid), Seines Propheten und zugleich der Authentizität der auf Letzteren herabgesandten Botschafter Gottes

Der Glaube an die göttliche Bestimmung gehört zu den Grundpfeilern der Religion, dies findet sich jedoch nicht im Koran, sondern nur in den Hadithen (s. Muslim) Wer diese Prinzipien anerkennt, wird als gläubig bezeichnet.

Wenn im Koran Glaube erwähnt wird, dann bezeichnet er den Glauben an GOTT, die Propheten, die Offenbarungsbücher, die Engel und den jüngsten Tag.

Sure Al-E-Imran 3 – 18
Bezeugt hat Allah, dass kein Gott da ist außer Ihm Selbst; und die Engel und die Wissenden (bezeugen es); Er sorgt für die Gerechtigkeit. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen.

Sure Al-Baqara 2 – 177
Wahre Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr eure Gesichter nach Osten oder Westen wendet – sondern wahrhaft fromm ist Wer an Gott glaubt und den letzten Tag und die Engel und Offenbarung und die Propheten und sein Vermögen ausgibt – wie sehr er selbst auch wertschätzen mag – für seinen nahen Verwandten und die Waisen und Bedürftigen und den Reisenden und die Bettler und für das Befreien von Menschen aus der Knechtschaft und beständig das Gebet verrichtet und die reinigenden Abgaben entrichtet; und (wahrhaft fromm sind) diejenigen die ihre Versprechen halten, wann immer sie etwas versprechen, und geduldig im Missgeschick sind und in Härte und in Zeiten der Gefahr: es sind sie, sie, die als wahrhaftig erwiesen haben und das sind sie, sie, die sich Gottes bewusst sind.

Sure 2 – 285
Der Gesandte und die Gläubigen mit ihm glauben an das, was ihm von droben erteilt worden ist von seinem Erhalter: sie alle glauben an Gott und seine Engel und seine Offenbarungen und Seine Gesandten, ohne einen Unterschied zwischen irgendeinem Seiner Gesandten zu machen, und sie sagen: Wir haben gehört, und wir geben acht. Gewähre uns deine Vergebung, o unser Erhalter, denn bei dir ist aller Reisen Ende!

In vielen Koranversen wird betont, dass Glaube ein Vorgang sei, der sich im Herzen ereignet und dort spürbar sei.

Suren 5-41, 6-125,16-106, 49-14, 58-22

Das Herz, in dem sich Glaube verwirklicht und spürbar ist, ist das Zentrum aller Vorgänge wie Erkenntnis oder Argumentation. Folglich gib es zwischen Herz, Glaube und Vernunft eine intensive Beziehung.

Suren 7-179, 22-46, 47-24, 50-37.

Der Islam bevorzugt einen Glauben, der auf Vernunft und kritischem Denken basiert ist; ein unkritischer Glaube ist unerwünscht. Verschiedene Glaubensströmungen im Islam, die zwischen dem Glauben und dem Wissen eine notwendige Beziehung voraussetzen, haben den Glauben als Wissen; den Unglauben hingegen als mangelnde Gotteserkenntnis definiert.
Zwischen Glauben und Islam gibt es ebenfalls eine enge Beziehung. Auch wenn die Termini vom Wortlaut her unterschiedlich sind, sind sie in letzter Konsequenz doch nahezu identisch. Islam ist die äußere Erscheinung des Glaubens. Infolgedessen besteht wiederum eine enge Beziehung zwischen Glauben und Handeln: Der Glaube ist ein Akt des Herzens und die Früchte des Glaubens sind die guten Taten im Interesse der Menschheit:
Der Ausdruck kommt im Koran sehr oft vor.

Suren 2-25, 82,277, 3-57, 4-57, 122, 173, 5-9, 93

Was macht die Nacht “Qadr” so wertvoll? Die Nacht vom 7.05 auf den 08.05.21

2. Mai 2021

Gott hat im Koran eine einzige Nacht unter allen Nächten als „segenswert“ gesprochen und sie „besser als 1000 Monate“ bewertet.

Diese Nacht heißt „Qadr“; die Nacht der „Bestimmung“ oder die Nacht des „Werts“.
Im Koran gibt es eine ganze Sure allein über diese Nacht:

„Wir haben den Koran in der „Nacht der Bestimmung“ herabgesandt. Und was lässt Dich wissen, was die „Nacht der Bestimmung“ ist? Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel herab und der Geist, mit der Ermächtigung ihres Herrn, mit jeglichem (göttlichen) Beschluss, Friede ist sie, bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“

(Sure 97: 1-5)

Diese Nacht ist hinsichtlich ihres Segens und des Segens für die darin verrichteten rechtschaffenen Taten besser als tausend Monate, d.h. besser als die Gottesdienste von tausend Monaten und das ist gleichbedeutend fast 84 Jahren. Man sollte daher diese Nacht erwarten und sich bemühen, in ihr sehr viele gottesdienstliche Handlungen zu verrichten.

Aber die Frage ist, was macht diese Nacht so wertvoll? Die Nacht-Zeit selbst, oder was anderes? Es gibt keine absolut gute oder schlechte Zeit in der muslimischen Zeitwahrnehmung. Ob Zeit gut oder schlecht ist, hängt vom Menschen ab. Es ist die Haltung des Menschen, die die Zeit gut oder schlecht macht.

Wenn es unter Zeiten eine gesegnete Zeit gäbe, würde es diese Nacht sein. Denn, gemäß

seiner eigenen Erklärung, die Offenbarung des Korans begann in dieser Nacht herabgesandt zu werden.

Wiederum erklärt er selbst, dass diese Nacht dem Monat Ramadan entspricht (2:185) und eine Nacht, die von Gott gesegnet wurde (vgl. 44:3). Dieser Wert wird vom Koran in Zahlen ausgedrückt: “Die Nacht von Qadr ist besser als tausend Monate.” bzw. eine Nacht besser al 30000 Nächte.

Tausend Monate belaufen sich auf ungefähr 84 Jahre. Es bedeutet die Zahl von Jahren, die ein ziemlich langlebiger Mensch leben kann. In diesem Fall konnte dieser Vers auch folgendermaßen gelesen werden:

“Die Nacht von „Qadr“ ist besser als ein ganzes Leben.”

Entstammt dieser Wert, der der Nacht von „Qadr“ zugeschrieben wird, der Nacht selbst oder einem anderen Element, das der Nacht ihren Wert gibt?

Die Antwort auf diese Frage wird durch den ersten Vers auf eine klare Weise gegeben. Dementsprechend nimmt diese großartige Nacht ihren ganzen Wert vom Koran. Denn der Koran begann in dieser Nacht herabgesandt zu werden.

Das hat das folgende zu bedeuten:

O Mensch! Wenn dieses Buch, das sogar die Zeit seiner eigenen Herabsendung 30000 mal wertvoller machte; wenn sie auf dein Herz, Verstand, Leben und Welt hinausläuft, wird sie dir ein Leben gewähren, dessen einzige Nacht ebenso gesegnet wird wie ein ganzes Leben, sie wird dein Gefühls-, Gedanken- und Handlungspotenzial tausende Male vergrößern!

Lies den Koran so, als ob er zu dir herabgesandt würde!
Ja, der Koran ist dir herabgesandt.

Es ist die einzige Möglichkeit, diese Nacht bewusst zu verbringen, indem man die Botschaften des Korans studiert und sie verinnerlicht. Denn der Koran wurde von Gott an die Menschheit als ein Wegweiser und als Mittel zur Glückseligkeit geschickt:

„Wir haben den Koran nicht auf dich herabgesandt, um dich unglücklich zu machen“ (20:1)

Um die Welt glücklicher zu machen, müssen wir den Koran von Anfang an neu verstehen!

Die Gläubigen müssen diese Nacht mit dem Koran, dessen Licht unendlich leuchten wird, wachsam verbringen und sich Gedanken über seine Botschaften machen und mit sich selbst kritisch umgehen.

Wir müssen den Koran offen und dynamisch verstehen. Wer die Botschaft des Koran verstehen und die Werte, die er vermittelt, leben, seinen Anteil von diesen haben will, der muss sich auch mit ihm auseinandersetzen, sich mit ihm beschäftigen. Um die Botschaft des Korans zu verstehen, muss ich auf meine Halsschlagader hören, auf mein Herz, in mein Innerstes hinein – denn dort finde ich Gott. Das formuliert der Koran sehr einprägsam und in aller Deutlichkeit wenn er sagt:

„Wir sind dem Menschen näher als seine Halsschlagader“ (50:16).

Gottes Anliegen ist es also, eine Beziehung zu dem Menschen, zu knüpfen. Dazu gehört nicht nur, dass wir ihn lesen oder seinem kunstvollen Vortrag folgen. Vielmehr müssen wir ihn für unser Erdenglück sowie für das im Jenseits, in und mit seiner Botschaft zu verstehen, diese umzusetzen suchen. Denn er lädt uns ein zu Brüderlichkeit, zur Wahrheit, Gerechtigkeit, zu Liebe, Teilen, Anstand und Sitte, zu Solidarität. Andererseits versucht er uns abzubringen oder weiterhin fernzuhalten von hässlichen Handlungen, dem Stöbern nach den Geheimnissen anderer, der Lüge und üblen Nachrede sowie vor allen anderen schlechten Handlungen.

Als das erste Gebot des Korans,

Lies!“ (96:1)

verkündet wurde, gab es noch keinen Text zu lesen. So war damit eher gemeint: Versuche zu verstehen! – verstehen, was Gott sagen will, das Dasein, die Natur und alles, was die Menschheit in heutzutage betrifft.

In dieser Nacht „Qadr“ steigen viele Engel und der Erzengel Gabriel auf die Erde hinab, um Menschen zu beobachten wer friedlich mit der Walt umgeht.

„Friede ist sie, bis zum Anbruch der Morgendämmerung“ (97:5),

 also für Frieden einsetzen bis die Dunkelheit des Hasses, der Gewalt und des Krieges den Menschen verlässt!

Als Gläubige müssen wir in dieser Nacht, in dem die Tore der Barmherzigkeit sich öffnen, mit Unterstützung aller Engel für den Frieden und die Versöhnung in der Welt beten.

Es ist das Bittgebet, das von unten nach oben hinaufsteigt.

Es ist die Annahme des Bittgebets, die von oben nach unten heruntersteigt.

Es ist das Bewusstsein, das vom Menschen zu Gott hinaufsteigt.

Es ist die Gottesoffenbarung, die von Gott zum Menschen heruntersteigt.

“Heil und Frieden ist sie, bis zum Morgengrauen”

In dieser Nacht sollten wir alle um die Vergebung unserer Sünden bitten und erneuern unsere Entschlossenheit, ein Leben mit und nach dem Koran zu führen. In unsere Gebete schließen wir in dieser Nacht ein, all unsere Geschwister im Glauben, die Not, Leid und Unterdrückung erdulden. Unsere Gebete gelten in dieser

Nacht der Einkehr von Frieden und Eintracht in der Welt.

Gottes Gesandter Muhammed, aleihi wa salam, gemahnte uns seinerzeit, diese Nacht nicht zu vernachlässigen und um ihren Wert zu wissen: „Wer die Qadr-Nacht begeht, ihre Bedeutung und Erhabenheit würdigend und dabei seinen Lohn von Allah erhofft, dem werden seine vorausgegangenen Sünden erlassen.“ Er legte uns zudem für diese Nacht folgendes Gebet nahe:

„O Allah! Du bist der Vergebende und liebst es zu vergeben. So vergib auch mir.“

Gesegnete Qadr-Nacht!

Münchener Forum für Islam

Weihnachten Muslime + Christen

17. Dezember 2020

Aus der Bibel

Nach Übersetzung Martin Luthers.

Das Evangelium nach Lukas 1.

Die Ankündigung der Geburt Jesu.

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt und in einer Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war mit einem Mann mit dem Namen Josef, vom Hause David und die Jungfrau heißt Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Sei gegrüßt du Begnadete! Der Herr ist mit dir!“ Sie aber erschrak über die Rede und dachte welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria du hast Gnade bei Gott gefunden.“

„Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein. Und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben.Und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zudem Engel: „Wie soll das zu gehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Der Engel antwortete und sprach zu ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“

Jesu Geburt.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt wurde. Diese Schätzung war die allererste und geschah zurzeit, da Quirinus Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auch Joseph aus Galiläa auf, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land der Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie dort waren kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihm in eine Krippe: Denn sie hatten keinen Raum in der Herberge gefunden, und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hütten, die hüteten des Nachts ihre Schafe.

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie: und sie fürchteten sie sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, wie allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Aus dem Koran

Aus dem Buch „Koran erklärt“ – Herausgeber von Willy Stoll – Suhrkamp Verlag – Sendung des Deutschlandfunks.

Jesus und seine Geburt. Teil 1

Und gedenke im Buch der Maria:

Da sie vor ihren Leuten sich an einem Ort im Osten zurück zog und sich von ihnen abschirmte.

Da sandten wir unseren Geist zu ihr. Der trat als Mensch wohlgestaltet vor sie hin.

Sie sprach: „Siehe, ich suche meine Zuflucht vor dir bei dem Erbarmer, sofern du gottesfürchtig bist.“

Er sprach: “Ich bin der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Knaben zu schenken!“

Sie sprach: „Wie soll ich einen Knaben bekommen, da mich noch kein Mann berührt hat und ich auch keine Dirne?“

Er sprach: „So spricht dein Herr: Das ist für mich ein Leichtes.“

Sure: 19/16 – 21

Kommentiert von Professor i.R. Dr. Hartmut Bobzin.

So wie im gesamten Koran nur relativ wenige Personen namentlich erwähnt werden, nehmen Frauen darunter einen besonders geringen Anteil ein. Von insgesamt 10 Frauen wird nur eine einzige bei ihrem Namen genannt – das ist Maria.

Die Mutter Jesu genießt nicht nur in vielen christlichen Ländern eine besondere Verehrung, sondern auch in Ländern, in denen der Islam die dominierende Religion ist. Dort bringen auch muslimische Mütter ihre kleinen Kinder zu Marienheiligtümer, um sie dort segnen zu lassen, eine eindrucksvolle Demonstration eines friedlichen Miteinanders zwischen – wie ich es selber in Ägypten erlebt habe -koptischen Christen und Muslimen.

Anders gesagt: Marienverehrung – das ist ganz und gar nicht allein eine Angelegenheit der Christen. Und ein Blick in den Koran bringt da Erstaunliches zutage. Wenn Jesus, der im Islam als der letzte Prophet vor dem Auftreten von Mohammed gilt, wird mehrfach als der „Sohn der Maria“ bezeichnet, insgesamt 22 mal, das ist insofern ungewöhnlich und insbesondere Weise bemerkenswert, als Männern üblicherweise der Vatername hinzugefügt wird. Also zum Beispiel: Mohammed Ibn Abdallah, das heißt Mohammed der Sohn des Abdallahs. Dementsprechend müsste Jesus, der von Muslimen gemäß dem Koran Isa genannt wird, folgendermaßen tituliert werden: Jesus, der Sohn des Josefs, auf Arabisch also: Isa Ibn Jusuf.

In unserer Koranpassage heißt es nun, Maria habe sich an einem Ort im Osten zurückgezogen. Wo man sich in diesen Ort geographisch genau vorzustellen hat, wird nicht gesagt. Für die Erzählung ist von Bedeutung, dass es die Himmelsrichtung des Tagesanbruchs ist – also da etwas Neues anbricht. Und es wird gesagt, dass Maria allein sein will, da sie jedenfalls vor allem nichts mit ihrer Verwandtschaft zu tun haben will – oder noch drastischer ausgedrückt, nichts mit ihrem Klüngel.

Dann geschieht etwas Überraschendes. Ein Mensch, wohlgestaltet tritt vor ihr hin. Von einem Engel – wie im neuen Testament -ist interessanterweise nicht Rede. Maria ist so erschrocken, dass sie Gott als ihren Beschützer anruft. Ohne Umschweife gibt sich daraufhin der Geist, wie er im Koran wörtlich heißt, als Gesandter Gottes zu erkennen und verkündet Maria die Geburt eines lauteren beziehungsweise eines reinen Knaben. Worin diese Reinheit besteht wird nicht gesagt. Die Auslegung ist hier Tür und Tor geöffnet.

Die Antwort Maria auf die Ankündigung dieses Gottesboten könnte nüchterner nicht sein: „Wie soll das möglich sein, da ich doch gar nicht mit einem Mann in Berührung gekommen bin?“ Umso überraschender ist auch die Antwort des Boten. Er sagt: „Nicht leichter als das.“

Die Geburt Jesu ist also, so muss man die knappe Ausdrucksweise deuten, kein Wunder, sondern ein ganz normaler Vorgang. Jesus, der Sohn Marias, ist Mensch – nicht mehr und nicht weniger.

Jesus und seine Geburt. Teil 2

Sie wurde mit ihm schwanger und zog sich zurück mit ihm an einem weit entfernten Ort.

Da überkam sie am Stamm der Palmen Wehen. Sie sprach: „Weh mir! Ach, wäre ich doch vorher schon gestorben und ganz und gar vergessen!“

Da rief es ihr von unterhalb der Palme zu:“Bekümmere dich nicht! Dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen: Rüttele an den Stamm der Palme – hin zu dir, damit sie frische Früchte auf dich fallen lasse! Dann iss und trink und sei guten Mutes! Wenn du dann irgendeinen Menschen siehst, so sprich: Siehe, Ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; daher kann ich heute zu keinem Menschen sprechen“

Dann kam sie, mit ihm, ihn tragend, zu den Ihren.

Sie sprachen: „Maria, da hast du etwas Unerhörtes getan!

Schwester Aarons, dein Vater war doch kein unzüchtiger Mann und deine Mutter keine Dirne.“

Da deutete sie auf ihn.

Sie sprachen:“Wie sollen wir zu einem sprechen der noch ein Kind in der Wiege ist?“

Er sprach:“ Ich bin der Knecht Gottes. Er gab mir das Buch und machte mich zum Propheten.“

Sure 19, 22-30

Die Koranpassage beschreibt, was geschah, nachdem Maria die Geburt ihres Sohnes Jesu angekündigt worden war.

Als ich zu Weihnachten 1977 von einem palästinensischen Freund, einen Muslim, eine Weihnachtskarte bekam, auf der eine Palme mit Maria und dem Jesuskind zu sehen war, wunderte ich mich -hatte ich mich bis dahin doch kaum mit dem Koran beschäftigt.

Da hört sie eine Stimme. Und hinter hier ist der Koran Text nicht eindeutig. Die heute vertretene Deutung meint, dass es die Stimme des Jesuskindes ist. Das erscheint mir aber nicht zwingend. Denn die darauffolgende Aufforderung kann eigentlich nur von Gott kommen: Maria soll nämlich an diesem Tag, wenn sie einen Menschen sieht, sagen, sie fasste und könne daher nicht sprechen.

Als sie schließlich mit dem neugeborenen Kind zu den Ihren zurückkehrt, muss sie sich Vorwürfe anhören. Sie schweigt und deutet nur auf das Neugeborene Jesuskind. Die Angehörigen sind erstaunt. Und nun geschieht das Wunder: Das Kind in der Wiege spricht. So enthält die muslimische Weihnachtsbotschaft bereits einerseits die Ankündigung des Buches, also eine heilige Schrift und andererseits die Berufung des Kindes Jesus zum Propheten, wie der Satz:

„Ich bin der Knecht Gottes,“ erkennen lässt.

Das Wunderbare dieses Geschehens wird durch die geradezu feierliche Schlussversen 31 – 33 der Suche 19 unterstrichen.

Er verlieh mir Segen, wo immer ich auch war, und trug mir das Gebet auf und die Armensteuer, solange ich am Leben bin. Und Ehrerbietung gegen meine Mutter. Er machte mich zu keinem elenden Gewaltmenschen. Und Friede über mir am Tag, da ich geboren wurde, am Tag, an dem ich sterben werde, und an dem Tag, da ich erweckt zum Leben auferweckt werde!

So ist die muslimische Weihnachtsbotschaft ein klares Wort über die menschliche Natur Jesus, über seine wundersame Empfängnis durch den Geist Gottes und die nicht minder wundervolle Gabe des Kindes schon in der Wiege reden zu können.

Engel im Islam

22. Februar 2020

Gesandte im Auftrag Gottes

Sie sind nicht nur auf Gemälden oder als Skulpturen in den Kirchen zu finden, sondern hängen auch an Christbäumen. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit umgeben uns Engel mehr denn je. Immerhin jeder zweite Deutsche glaubt an ihre Existenz – laut einer aktuellen Studie. Engel kommen in vielen Religionen vor, auch im Islam.

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Einer der wichtigsten Engel ist Gabriel, 
auf Arabisch Dschribil, er hat nach der islamischen
Überlieferung dem Propheten Mohammad den Koran 
offenbart. 
Auf dieser alten persischen Miniatur sind 
Mohammad und Gabriel vor einem riesenhaften Engel 
zu sehen 

Im Koran ist wie im Christentum ein Engel beauftragt, Marias Empfängnis auf Geheiß Gottes anzukündigen. Bei der Geburt Jesu war es ebenfalls ein Engel, der die Jungfrau Maria in ihrer Einsamkeit begleitete und ihr Trost schenkte.

Maria ist die auserwählte Frau der Welt.

Auch Muslime glauben also wie Christen an Engel, an aus Licht erschaffene Wesen, die im Auftrag Gottes handeln. Sie sind körperlose, überirdische Geschöpfe, die still und unsichtbar an der Seite der Menschen sind. Es ist im Koran die Rede von unzähligen Engeln.

Sie heißen auf Arabisch Malak und haben viele Aufgaben. Im Koran werden sie Diener Gottes genannt (siehe Koran, Sure 43:19). Im Koran heißt es auch, dass Engel aus Licht gemacht sind, Flügel haben und sogar die Gestalt eines Menschen annehmen können.

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Zu den bekanntesten gehört Gabriel, dem die Muslime die Überbringung der Offenbarung des Koran verdanken. Über einen Zeitraum von mehr als 22 Jahren hat er die Worte und die Botschaft Gottes an den Propheten Muhammad vermittelt. Ein weiterer Engel, der Todesengel, ist stets präsent. Er nimmt die Seelen und begleitet die Menschen in das ewige Leben. Und es sind Engel, die beim Eingehen ins Paradies den Friedensgruß sprechen. In den koranischen Erzählungen sind sie die helfenden Kräfte, die den Menschen in Not oder im Kampf gegen das Böse zur Seite stehen.

Die Stimme des Gewissens

Muslime meinen, dass zwei Engel die Menschen immer begleiten: Der Engel auf der rechten Schulter verzeichnet die guten und der auf der linken die schlechten Taten im „Buch des Lebens“, das vor dem Gericht Gottes aufgeschlagen wird. Sie werden nicht „Schutzengel“ wie im Christentum genannt, sind aber in gewisser Weise auch Hüter – die Stimme des Gewissens, die die Menschen vor dem Bösen warnt. Dennoch sind es im Islam nicht die Engel, die beschützen, sondern es ist letztendlich Gott. Man wünscht sich die Begleitung Gottes und nicht die Begleitung der Schutzengel.

Gesandte im Auftrag Gottes:

Es gibt zwar Bilder, die die Engel als Wesen mit Flügeln darstellen, anders als in den christlichen Kirchen sind in den muslimischen Gebetshäusern und Moscheen jedoch keine Abbildungen und Statuen von ihnen zu finden. Ihre Rolle ist nicht so sichtbar und inspirierend für Literatur und Kunst, wie man es aus der christlichen Tradition gewohnt ist.

Ein zentraler Glaubensgrundsatz

Der Glaube an die Existenz von Engeln gehört auch heute zu den zentralen Glaubensgrundsätzen im Islam, wie unter anderem auch der Glaube an den einen Gott oder an die Propheten. Vorwiegend ist dabei der Glaube an den Engel Gabriel, den Überlieferer des Koran, präsent.

Sicher ist nach der islamischen Überlieferung: Auch das Ende der Welt wird von einem Engel – Israfil – mit einer Posaune angekündigt. Und: Am Jüngsten Tag werden die Engel scharenweise zusammenkommen. Vielleicht wird uns dann offenbart, was wir immer gerne über sie wissen wollten!  Von Hamideh Mohagheghi

Opferfest

14. Februar 2020

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Das islamische Opferfest

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Scharia

14. Februar 2020

Gesetze: Islamisches Recht ist alles andere als starr.

Es lasst Spielraum für Interpretationen

In der Wüste auf der Arabischen Halbinsel ist der Weg zur Wasserstelle der Weg zum Leben. Zu Zeiten des Propheten Mohammed vor rund 1600 Jahren wie heute ist in dieser unwirtlichen Gegend jeder dem Tod geweiht, der ihn nicht kennt. Im Arabischen gibt es für den „Weg zur Wasserstelle“ ein einfaches Wort: Scharia.

Der „Weg zur Wasserstelle“ ist für Muslime im übertragenden Sinn also nicht nur der Weg zum Leben, sondern der Weg zu Gott.

Wer die Vorschriften der Scharia achtet, der lebt ein Leben nach den Regeln des Allmächtigen. Er kann auf Rettung hoffen, selbst in trockensten Zeiten. So weit, so einfach.

Doch längst ist das Wort „Scharia“ zu einem Kampfbegriff geworden, in dem es um viel mehr geht. Wenn muslimische Extremisten in Pakistan oder Afghanistan die Scharia einführen wollen, dann suchen sie nicht den Weg zur Wasserstelle und zu Gott.

Der Ruf nach der Scharia ist Symbol für ihren Griff nach der Macht und ihren Kampf gegen die Moderne und die Einflüsse des Westens.

Das „Gesetz Gottes“ wenden sie in simplifizierter Form an. Es manifestiert sich in der Unterdrückung der Frau und archaischen Strafen: Hand abhacken bei Diebstahl, Steinigung bei Ehebruch. Fatalerweise ist es den Extremisten gelungen, die Interpretationshoheit über die Scharia zu gewinnen. Als Scharia gilt, was sie zur Scharia erklären. Abweichler werden des Abfalls vom Glauben bezichtigt.

Daher ist die Scharia längst nicht auf wenige, einfache und brutale Strafen zu reduzieren.

Im Gegenteil:

Sie ist ein komplexes Gebilde, über das sich Gelehrte in verschiedenen Teildisziplinen der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) seit Jahrhunderten streiten. Aus der Scharia als von Gott geoffenbarte Ordnung ergibt sich beileibe kein starres, kodifiziertes und unveränderliches, geschweige denn ein in der islamischen Welt einheitliches Recht.

Die Scharia beruht zwar unter anderem auf dem Koran, die die Muslime als das vom Menschen unbeeinflusste Wort Gottes betrachten. Doch sind in dem Heiligen Buch nur wenige Normen und Regeln zu finden, die keiner Interpretation des Menschen bedürfen.

Vieles bleibt offen, vage oder ist gar nicht erwähnt. Selbst wenn eine Regelung eindeutig formuliert ist, bleibt häufig unklar, unter welchen Bedingungen sie gilt.

 Hier müssen die muslimischen Rechtsgelehrten mit eigener intellektueller Anstrengung zu Antworten kommen.

Auch wenn häufig das Gegenteil behauptet wird:

Das islamische Recht ist durchaus vom Menschen gemacht. Es kann sich deshalb auch an veränderte politische und gesellschaftliche Verhältnisse anpassen.

Manche Islamwissenschaftler sagen sogar: Die Regeln der Scharia sind immer so modern und so konservativ wie diejenigen, die das Wort Gottes auslegen.

So gibt es in der islamischen Welt ganz unterschiedliche Rechtstraditionen. Deutlich sind etwa die Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten.

In der sunnitischen Rechtswissenschaft wiederum bildeten sich seit dem achten Jahrhundert n. Chr. vier große Rechtsschulen aus: die Hanafiten, die Malikiten, die Schafiten und die Hanabiten, jeweils benannt nach ihren Gründern. Weil sie unterschiedlichen Lehrsystemen folgen, kommen sie teilweise zu völlig unterschiedlichen Reglungen.

Das islamische Recht erhebt den Anspruch, nicht nur die Religion und ihren Ritus zu regeln, sondern alle Bereiche des menschlichen Lebens. Es befasst sich folglich mit Erbrecht, Ehe- und Familienrecht, Wirtschaftsrecht ebenso wie mit Straf-, Staats- und Verwaltungs- und Völkerrecht.

Dabei bewegen sich die Gelehrten nicht in einem luftleeren Raum, sondern sind an genau definierte Rechtsquellen gebunden. Fraglos ist der Koran der wichtigste dieser Quellen.

Beinahe ebenso bedeutend ist die Sunna, also die Worte und Taten des Propheten Mohammed, die als Vorbild gelten.

Beide Rechtsquellen sind für die Gelehrten jedoch mit erheblichen Problemen verbunden. Im Koran zum Beispiel ist die Mehrheit der Regeln und Normen nicht nur mehrdeutig festgelegt – teilweise sind sogar gegensätzliche Vorschriften zu finden.

So wird die Eigenschaft des Weins in Sure 16 gepriesen, während er in Sure 5 als „Gräuel von Satans Werk“ bezeichnet wird.

In solchen Fällen müssen die Rechtswissenschaftler entscheiden, welcher Vers einer Sure einen anderem abrogiert, also ungültig macht, zum Beispiel weil er Mohammed von Gott nach Auffassung muslimischer Experten später offenbart wurde.

So diskutieren die Rechtsgelehrten sehr lange die Frage, ob Alkohol generell oder nur Traubenwein verboten ist.

Widersprüchlich sind in vielen Fällen auch die Worte und Taten des Propheten.

Die Sunna wirft darüber hinaus noch ein ganz anderes Problem auf. Weil ihr ein so hoher Stellenwert eingeräumt wird, entwickelte sich eine aktive Fälscherindustrie, die erdachte Überlieferungen aus dem Leben Mohammeds in Umlauf brachte, um die eigene Meinung möglichst hieb- und stichfest zu untermauern.

Um diesem Problem Herr zu werden, entwickelte sich eine besondere Disziplin, die sich damit beschäftigt, „falsche“ von „richtigen“ Überlieferungen zu unterscheiden.

Eine Prophetentradition gilt nur dann als „wahr“, wenn die Überlieferungskette (Isnad) lückenlos ist und die einzelnen Überlieferer zuverlässig sind. Es liegt in der Natur des Menschen, dass die Gelehrten auch in diesem Fall zu sehr unterschiedlichen Ansichten gelangen.

Zwei Fachleute, drei Meinungen – dieses abfällige Urteil über die Konsensfähigkeit der Experten ist (nicht nur) unter Muslimen weitverbreitet.

Dies gilt umso mehr, da Koran und Sunna längst nicht ausreichen, um das Leben der Muslime umfassend zu regeln.

Beide Rechtsquellen können nur schwerlich beantworten, ob eine Frau Auto fahren darf, wie es in Saudi-Arabien diskutiert wurde. Gestützt auf Koran und Sunna gilt deswegen der Konsens der Rechtsgelehrten (Idschma) als weitere Rechtsquelle.

Dabei stellt sich jedoch die Frage, welche Experten überhaupt übereinstimmen müssen, und wie ein Konsens festgestellt wird. Eine eindeutige Antwort lässt sich nicht finden. Einen „Konsens“ über den Konsens gibt es nicht. Um zu gottgefälligen Normen und

Regeln zu kommen, dürfen sich die Rechtsgelehrten auch des Analogieschlusses bedienen – die Regelung eines Falles darf auf einen anderen übertragen werden, soweit die beiden Fälle vergleichbar sind. Das Gewohnheitsrecht spielt ebenso eine Rolle, jedenfalls wenn es anderen Rechtsquellen nicht widerspricht. Auch regional unterschiedliche Bräuche fanden Einzug in das islamische Recht.

Vor allem in den frühen Jahren des Islam – als sich die verschiedenen Rechtschulen herausschälten – war es unter den Rechtsgelehrten gang und gäbe, durch eigene intellektuelle Leistungen zu Regeln zu kommen. Idschtihat nennt sich dieses eigenständige Räsonnement in der arabischen Fachsprache.

Je mehr sich jedoch die Rechtsschulen ausformten und auch in Konkurrenz zueinander standen, desto bedeutender wurde seit dem 10 Jahrhundert der „Taqlid“. Die mehr oder minder kritiklose Übernahme der Entscheidungen, die die Rechtsautoritäten bis dahin gefällt hatten.

Das „Tor des Idschtihad“ schloss sich.

Umstritten unter Islamwissenschaftler ist jedoch bis heute, ob es gänzlich verrammelt war. Die islamische Reformbewegung, die sich im 19. Jahrhundert entwickelte, versuchte mit einigem Erfolg, es wieder aufzustoßen.

Islamische Reformer berufen sich heute im Wesentlichen auf den Idschtihad. Sie argumentieren, das islamische Recht müsse den Gegebenheiten der modernen Welt angepasst werden. Sie stoßen dabei auf heftigen Widerstand der Anhänger des Taqlid, die sich als Lordsiegelbewahrer der Tradition geben

Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe

Wer sich sehr stark an den Wortlaut eines Korantextes orientiert, der wird beispielsweise diese patriarchalische Grundstruktur im Geschlechterverhältnis beibehalten. Wer – wie andere Gelehrte das tun – eine dynamische Lektüre bevorzugt, wer nach Sinn und Zweck dieser Regelungen fragt, der wird sagen, die Antwort des 7. Jahrhunderts kann eine andere sein als eine im 21. Jahrhundert, und prüft dann, welche Erfordernisse im 21. Jahrhundert bestehen. Der Islam hat in seiner Geschichte einigen Erfolg gehabt, weil und soweit es ihm gelungen ist, sich an die jeweiligen örtlichen und zeitlichen Verhältnisse auch anzupassen. Ein gewisser Kernbestand des Glaubens ist unantastbar, also das Bekenntnis zu dem einen Gott und die fünf Säulen, aber in allen anderen Bereichen gibt es ein sehr hohes Maß an Flexibilität. Das hat es gegeben und gibt es auch nach wie vor. Von daher muss man schon sagen, das Bild ist sehr bunt geworden.über islamisches Recht

Alle sprechen zwar von Scharia und manchen Auswüchsen des islamischen Rechts wie den harten Strafen, der Diskriminierung der Frauen und den zahllosen Verhaltensvorschriften. Wirklich bekannt ist das vielfältige, uneinheitliche, durch viele Schulen gekennzeichnete islamische Recht hierzulande aber nicht. Prof. Dr. Mathias Rohe, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen-Nürnberg, gilt als einer der besten Kenner des islamischen Rechts in Deutschland. Mit seinem Buch Das islamische Recht. Geschichte und Gegenwart hat er eine umfassende Darstellung des islamischen Rechts vorgelegt.

Wenn die Menschen heute den Begriff Scharia hören, denken viele an drakonische Körperstrafen und ähnliches. Was genau ist Scharia? Ist Scharia das islamische Recht, oder muss man da differenzieren?

Mathias Rohe:Ich denke die Übersetzung als islamisches Recht ist verkürzt. Scharia ist mehr als das, jedenfalls nach dem Verständnis vieler Muslime, die einen weiten Begriff anlegen und die unter Scharia alle religiösen und rechtlichen Normen des Islam verstehen, einschließlich der Methoden, wie man sie zu interpretieren hat. Das wird ein sehr komplexes Gebäude. Das sind Dinge wie Vertragsrecht, wie Fasten, wie Bekenntnis zu dem einen Gott, dann aber auch Strafrecht und ähnliche Dinge mehr.

Es gibt ein engeres Verständnis, das sich mehr auf die problematischen Anteile konzentriert, wie wir sie in der traditionellen Scharia haben, wie etwa diese drakonischen Körperstrafen, wie Ungleichbehandlung der Geschlechter und ähnliche Dinge mehr, wie wir sie auch in der abendländischen Rechtskultur früher kannten.

Wie hat sich das islamische Recht herausgebildet? Auf welche Quellen basiert es?

Mathias Rohe:Über das erste Entstehungsjahrhundert wissen wir herzlich wenig. Erst so ab dem zweiten Jahrhundert bildet sich so allmählich eine strukturierte Rechtswissenschaft heraus. Die stützt sich dann natürlich vor allem erstmal auf den Koran, soweit da überhaupt rechtliche Dinge drinstehen. Das ist sehr wenig dort. Sie stützt sich zunehmend auch auf Überlieferungen des Propheten des Islam Muhammed, wobei da die große Schwierigkeit war und ist, die gefälschten von den echten zu unterscheiden. Die meisten sind nicht echt. Das weiß auch die muslimische Tradition. Daher hat sich hier eine ganze Reihe zusätzlicher Methoden entwickelt: Konsensbeschlüsse der Gelehrten, bei denen sehr fraglich ist, wie die gebildet werden oder wie lange die zu gelten haben, Analogieschlüsse und ähnliche Dinge. Also auch da ein ganz breites Repertoire. Dies hat sich im Wesentlichen im zehnten, elften Jahrhundert herausgebildet und sich dann bis ins 19. Jahrhundert hinein verfestigt, wo wir dann die ersten großen Reformen erleben.

Was für Auswirkungen hatten diese Reformbewegungen auf das islamische Recht?

Mathias Rohe:Es hat sich gründlich, wenn man so will, modernisiert. Viele Gelehrte haben das so empfunden, dass über die Jahrhunderte eine Erstarrung eingetreten ist, dass man dem eigenständigen freien Nachdenken und Interpretieren nicht mehr genügend Raum gelassen hatte, dass dieses eigenständige Interpretieren – das sogenannte Idschtihad – wieder mit neuem Leben erfüllt werden müsse. Und ganz konkret geht es dann sehr häufig um Reformen oder Neuinterpretationen im Sinne von Frauen, also um die Verbesserung von Frauenrechten, die von Kindesrechten und in einem gewissen Umfang auch die der Rechtsstellung von nicuslimischen Minderheiten und ähnliches.

Was für eine Relevanz hat das islamische Recht noch heute in der islamischen Welt?

Mathias Rohe: Das ist sehr unterschiedlich. Einige wenige mehrheitlich von Muslimen bewohnte Staaten haben das ganz abgeschafft, die Türkei schon seit über 80 Jahren, auch die Staaten des Balkan. Dann gibt es andere große muslimische Staaten, in denen es das islamische Recht nur in einzelnen Facetten gibt, wie Indonesien, Malaysia, Pakistan, Indien. In vielen Staaten der islamischen Welt haben sich Teile noch gehalten, vor allem im Bereich des Familienrechts, des Personenstandrechts oder des Erbrechts, in einigen wenigen Staaten aber auch diese drakonischen Körperstrafen, die natürlich ganz große Probleme machen.

Es existieren im Islam vier große Rechtsschulen. Sind diese noch vorhanden oder haben sie sich im Laufe der Modernisierung mehr oder weniger aufgelöst?

Mathias Rohe:Im Rechtsbereich haben sich diese weitgehend aufgelöst, weil es für zulässig erachtet wurde, dass man mehr und mehr auch aus den Meinungen anderer Rechtsschulen geschöpft und diese Meinung um Gesetz gemacht hat, so dass wir zum Beispiel in Ägypten eine Mischform von shafiitischem, hanefitischem und malekitischem Recht haben. In einigen Staaten ist es noch so, dass man dann, wenn es keine bestimmten Gesetze gibt, auf die Ansichten einer bestimmten Rechtsschule zurückgreifen soll. Aber insgesamt muss man sagen, dass sich diese Schulen stärker im religiösen Bereich erhalten haben, wo es zum Beispiel Unterschiede gibt, wie man sich beispielsweise beim Gebet ganz genau körperlich verhalten soll, während sie im Rechtsbereich eigentlich weitgehend ihre Bedeutung eingebüßt haben.

Wenn man sich die heutigen islamistischen Ideologen anschaut, die etwa Terror als legitimes Mittel ansehen, dann lehnen die Rechtsschulen dies als unerlaubte Neuerung ab. Kann eine Ablehnung der traditionellen Rechtsschulen zu solch einer Radikalisierung führen?

Mathias Rohe: Manche der Traditionellen, die Gewalt sehr stark ablehnen, sagen, gerade sie seien der Garant dafür, dass die Religion nicht aus dem Ruder läuft. Ich glaube allerdings nicht an diese stabilisierende Wirkung irgendwelcher Schulen im Moment. Woher holen die Radikalen ihre Ansichten? Woher holt eine junge Muslimin, ein junger Muslim heute die Informationen, wenn sie irgendetwas über ihren Glauben wissen wollen? Shaykh Google! Also man geht ins Internet. Man guckt, was man da für Botschaften findet. Und da gibt es keine Websites irgendwelcher Rechtsschulen, sondern vielleicht von irgendwelchen charismatischen Figuren, von irgendwelchen Exzentrikern, Extremisten oder Reformern. Da kann man sich das ganze Repertoire holen. Die Globalisierung hat auch vor dem Islam nicht Halt gemacht, und es ist noch völlig unausgelotet, wohin eigentlich in dieser Hinsicht die Reise gehen wird.

Was für eine Rolle spielt das islamische Recht für die in Deutschland lebenden Muslime?

Mathias Rohe: Es kann eine Rolle spielen, soweit das deutsche Recht das vorschreibt oder zumindest zulässt. Eins muss klar sein – man hat verbreitete Ängste vor einer Islamisierung Europas oder Deutschlands, diese Ängste sind aus Rechtssicht vollkommen unbegründet, denn es gilt alleine deutsches Recht in Deutschland. Es ist ein internationaler Grundsatz, dass das nationale Recht gilt. Aber das deutsche Recht sieht in bestimmten Fällen vor, dass wir ausländisches Recht, sei es nun französisches oder jordanisches oder brasilianisches Recht, in bestimmten Fällen privater Beziehungen anerkennen, bei denen wir davon ausgehen, dass die Menschen unter der Geltung fremden Rechts ihre Verhältnisse geordnet, eine Ehe geschlossen, zwanzig Jahre gelebt, Ehegüter und ähnliches mehr erworben haben, und dass sie dann, wenn sie nach Deutschland kommen, nicht auf einmal deutschem Familienrecht unterliegen sollen, das sie inhaltlich vielleicht gar nicht kennen und das ihre Erwartungen enttäuschen würde. Also in diesen Fällen ist unser Recht der Auffassung, dass die Anderen näher dran sind, weswegen wir dieses fremde Recht annehmen.

Aber auch das hat eine Grenze in der ordre publique, das heißt, wenn das Ergebnis der Anwendung dieses fremden Rechts mit unseren Rechtsvorstellungen so über Kreuz liegt, dass es für uns unerträglich wäre, dann sagen wir, wir sind nicht bereit, diese fremden Normen in diesem Fall anzuwenden, d.h. wir behalten uns auch da die Souveränität vor, uns zu entscheiden, ob und wie weit wir diese fremden Normen anwenden. Dazu kommt noch das so genannte dispositive Recht, das Bürgerliches Recht, also beispielsweise um die Möglichkeit, selbst Verträge gestalten zu können. Mittlerweile gibt es islamische Investments und ähnliche Dinge mehr, das ist rechtlich gesehen zulässig. Es gibt Ökobanking, es gibt christliche Investments, warum soll es keine islamische Investments geben? Wenn das seriös betrieben wird, die Leute nicht über den Tisch gezogen werden, was leider manchmal auch vorkommt, dann ist das zulässig, auch wiederum im Rahmen des deutschen Rechts.

Was sagt das islamische Recht über die Muslime aus, die in einer nicuslimischen Rechtsordnung leben?

Mathias Rohe: Es gibt eine 1000 Jahre alte Tradition im islamischen Recht, die so ungefähr besagt, dass der Muslim, der sich im nichtislamischen Ausland aufhält, die dortigen Gesetze respektieren und einhalten muss, wenn er dort genug Sicherheit hat und seinen Glauben nicht aufgeben muss. Wenn er unter Bedrohung kommt, dann soll er wieder auswandern. Nach dieser alten Lehre ist es also eine Pflicht des ordentlichen Muslims, die Gesetze einzuhalten, nicht nur weil dies verlangt wird, sondern auch aus seinen religiösen Gründen.

Man muss allerdings auch sagen, dass diese alte Lehre aus einer Zeit stammt, in der sich die Lager oft feindselig gegenüber standen. Man ahnt darin den Geist dieser Konfrontation, die von beiden Seiten bestand. Deswegen sagen sehr viele Gelehrte heute, das sei ein veraltetes Konzept. Das steht auch nicht im Koran, sondern das haben die Juristen so entwickelt. Sie sagen, heute leben wir alle auf einer Erde und nicht mehr in zwei verschiedenen Lagern. Deswegen sei es auch wichtig, dass sich die Menschen als Staatsbürger in den Staaten engagieren, in denen sie leben, egal ob sie Muslime, Juden, Christen, Atheisten oder was auch immer sind. Sie sollten das als gemeinsame Aufgabe ansehen. D.h. im Grunde sehen sie auch Länder wie Deutschland oder Frankreich als islamische Länder an, weil man dort nämlich auch die Religion des Islam im Rahmen der Religionsfreiheit frei praktizieren kann .

Oft wird das islamische Recht insgesamt als veraltet dargestellt. Gibt es überhaupt moderne Ansätze?

Mathias Rohe: Die gibt es durchaus. Wenn wir uns heute das Szenario des islamischen Rechts anschauen, zum Beispiel im Familienrecht oder Erbrecht – das ist der Bereich, in dem islamische Traditionen noch am stärksten vorhanden sind -, dann erkennen wir immense Unterschiede etwa zwischen Marokko und Tunesien auf der einen und Saudi-Arabien und anderen sehr traditionellen Staaten auf der anderen Seite, obwohl die alle von sich sagen, dass sie auf der Basis der Scharia, der islamischen Normenlehre, ihre Normen geschaffen hätten. Woher kommt das? Nun, weil die Quellen unterschiedlich gelesen werden.

 

Beten gibt mir Ruhe

14. Februar 2020

Der verfälschte Islam

23. November 2019

Der Theologe Yasar Nuri Öztürk ist in Deutschland durch seine Bücher 400 Fragen zum Islam – 400 Antworten sowie Rumi und die islamische Mystik bekannt geworden. Sein Buch ist eine für den deutschen Leser erstellte Kurzfassung der im türkischen Original mehr als 600 Seiten umfassenden kritischen Betrachtung zur ‚Geschichte des Islams‘. Diese stand im Jahr 2000 für Monate auf den türkischen Bestsellerlisten und erlebte in kurzer Zeit mehr als zehn Auflagen.
Im ersten Teil des Buches werden vier Grundbegriffe vorgestellt, an denen sich Degenerationserscheinungen und verfälschende Tendenzen im Islam ablesen lassen: Aberglaube, Häresie, Politisierung und Deifizierung. Der zweite Teil behandelt in alphabetischer Reihenfolge etwa 50 Begriffe aus den genannten Themenbereichen. Meint der Begriff ‚Dschihad‘ wirklich ‚heiliger Krieg‘ und kann er zur Rechtfertigung von Gewalt dienen? Sieht der Koran wirklich für die Muslime, die zu einer anderen Religion konvertieren, die Todesstrafe vor? Mit diesen und vielen anderen Verfälschungen und erfundenen Neuerungen räumt Öztürk auf.

Bewertung dieses Buches von Elisabeth Mariam Müller

Dieses Buch ist sehr lesenswert und erhält viele Informationen wie über Jahrhunderte der Islam und seine Auslegungen verfälscht wurde. Und ist eine gute Grundlage für alle die, die einen liberalen Islam wollen.
Die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Religion wieder herstellen wollen, so wie er im Koran auch verkündet wurde.
Vor allem zeigt er auch, wie die Hadithe verfälscht wurden und auch ein Verständnis gekommen ist, dass oft mit dem Inhalt des Korans nicht übereinstimmt. Diese Praktiken sind oft eine Missachtung nicht nur des Propheten, sondern auch des Korans.

Ein Gottesdienst der besonderen Art.

31. März 2019

Die evangelischen Christen der Kölner Südstadt, die Muslimische Gemeinde Köln, die Jüdische Gemeinde Köln und die Bahai-Gemeinde haben zum gemeinsamen Gebet in der Martin-Luther-Kirche aufgerufen. Ich habe mich dazu entschlossen, darüber zu schreiben, weil ich in Twitter angegriffen werde, nur weil ich geschrieben habe, dass was dort geschrieben ist, nicht mein Islam. Mein Islam ist die Religion der Barmherzigkeit.

Der Pfarrer Hans Mörtter und die Imamin Rabeya Müller begrüßten die Gottesdienstbesucher, beide gedachten der Menschen, die zwei Tage vorher in Neuseeland, in zwei Moscheen von einem Fanatiker erschossen wurden.

Wenn Menschen sich mit Achtung und Liebe begegnen, würden Terroristen keine Menschen anderen Glaubens töten. So beteten all für diese Menschen und der Angehörige.

Ein Gebetsruf, der ja sonst von den Minaretten gerufen wird, erschallte in der Kirche. „“Kommt zum Gebet, kommt zum Guten, Gott ist größer, es gibt keinen Gott außer Gott“.

Im Psalm 23 hieß es:“ Gott weidet mich, mir fehlt es an nichts. Auf grüner Wiese lässt Gott mich lagern, zu Wassern der Ruhe leitet Gott mich sanft.“

Rezitation aus dem Koran: Und zu den Zeichen Gottes gehört es, dass ER den Blitz zur Furcht und gleichzeitig zur Hoffnung zeigt und Wasser vom Himmel sendet und damit die Erde nach ihrem Tod belebt. Hierin sind Zeichen für Menschen, die begreifen. 30-24

Die Lesung aus dem 1. Korinther – Kapitel 13,1-13 trugen der Pfarrer und die Muslimin vor. Der letzte Satz hieß: “Nun aber leben wir mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe, diesen drei Geschenken, beide aber die größte Kraft von diesen dreien ist die Liebe.“

Liederrefrain: Egal, wer du auch bist, wer du bist, ob Jude, Muslim, Hinduist, ob Christ, Buddist, ob Atheist, das ist kein Grund für Zwist und Streit und Krieg, o nein, o nein.“

Anschließend wurde ein Gebet des jüdischen Vertreters vorgetragen, ihm folge die Vertreter der Bahais.

Die Predigt über die Liebe, die Liebe von Gott zu den Menschen, hielt der Pfarrer, anschließend die Imamin der Muslime und der jüdische Vertreter las ein Gebet aus der Thora vor und Bahai-Gebete, sie zeigten, dass wir alle an den einen Gott glauben, den Gott der die Welt und uns Menschen erschaffen hat.

Bekenntnis das gemeinsam gesprochen wurde, beinhaltete, dass Gott uns alle erschaffen hat. Gott hat uns Zeugen und Zeuginnen erwählt, wie Noah, Abraham und Mose, und durch Propheten gesprochen hat, wie durch Jesus, den Sohn der Mirijam-Maria und für die Musliminnen und Muslimen durch Mohammed.

Danach sangen die Gottesdienstbesucher das Lied „Der Kölsche Stammbaum“ (mit akutalisiertem Text)

„Ich bin stolzer Syrer – floh vor der Isis Legion
Und ich bin eine Roma – aus der Kosovo Region.
Ich komme aus Nigeria – und aus Afghanistan.
Wir sind zu Euch geflüchtet, so fing alles an

Aus Afrika gekommen – sind alle Menschen dieser Welt.
Ich hab ein Boot genommen – von meinem letzten Geld.
Wir sind Kurden und Jesiden – sind Menschen vor dem Herrn.
Wir suchen hier den Frieden – der Heimat ach so fern.

Ich kam aus der Ukraine – dort stand mein Elternhaus.
Das Land um das ich weine – das blutet langsam aus.
Meine Heimat musst ich lassen – das Herz ist mir so schwer.
Versuche Fuß zu fassen – drum kam ich zu euch her.

Ich bin Nordafrikaner – und ich aus Pakistan.
Und ich bin eine Perserin – gefloh´n aus dem Iran.
Ich spreche Farsi, Urdu, Paschtu – Arabisch und Sanskrit
Jetzt lerne ich die kölsche Sproch – und singe mit üch mit.

Su simmer all he hinekumme, mir sprechen hück al dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill gewonne. Mir sin wie mir sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

Am Schluss beteten alle gemeinsam:

Unser Gott im Himmel, geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel und auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergibt uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und leite uns aus den Versuchungen, und erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.  
Anschließend haben die Muslime zum gemeinsamen Brunch eingeladen, 17.03.2019